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Cohollo kam zu Dany, als Irri und Jhiqui ihr vom Silbernen halfen. Er war der älteste von Drogos drei Blutreitern, ein vierschrötiger, kahler Mann mit einer Hakennase und dem Mund voll zerbrochener Zähne, die zwanzig Jahre zuvor eine Keule zertrümmert hatte, als er den jungen khalakka vor Söldnern rettete, die hofften, ihn an die Feinde seines Vaters verkaufen zu können. Seit dem Tag, an dem ihr Hoher Gatte das Licht der Welt erblickt hatte, war sein Leben mit dem Drogos verbunden.

Jeder khal hatte seine Blutreiter. Anfangs hatte Dany sie für eine Art Dothrakischer Königsgarde gehalten, darauf eingeschworen, ihren Herrn zu schützen, doch war das noch nicht alles. Jhiqui hatte ihr erklärt, Blutreiter seien mehr als nur

Gardisten. Sie seien die Brüder des khal, seine Schatten, seine wildesten Freunde.»Blut von meinem Blut«, nannte Drogo sie, und das waren sie auch. Sie teilten dasselbe Leben. Die uralten Traditionen der Reiterlords verlangten, daß wenn ein khal starb, auch seine Blutreiter mit ihm starben, um an seiner Seite in die Länder der Nacht zu reiten. Starb der khal von Feindeshand, lebten sie nur so lange, bis sie ihn gerächt hatten, und dann folgten sie ihm freudig ins Grab. In manchen khalasars, so sagte Jhiqui, teilten die Blutreiter mit ihrem khal den Wein, sein Zelt und sogar die Frauen, wenn auch nie seine Pferde. Das Pferd eines Mannes war sein eigen.

Daenerys war froh, daß sich Khal Drogo nicht an diese alten Sitten hielt. Es hätte ihr nicht gefallen, wenn er sie mit anderen teilte. Zwar behandelte sie der alte Cohollo freundlich, doch die übrigen machten ihr angst. Haggo war groß wie ein Riese, schwieg stets und sah sie oft so finster an, als hätte er vergessen, wer sie war, und Qotho besaß grausame Augen und flinke Hände, die gern Schmerz zufügten. Stets ließ er dunkelblaue Flecken an Doreahs weicher, weißer Haut zurück, wenn er sie berührte, und manchmal brachte er Irri des Nachts zum Schluchzen. Sogar seine Pferde schienen ihn zu fürchten.

Doch waren sie auf Leben und Tod mit Drogo verbunden, so daß Dany sie hinnehmen mußte. Und manchmal wünschte sie, ihr Vater wäre von solchen Männern beschützt worden. In den Liedern waren die Weißen Ritter der Königsgarde edle Männer, tapfer und aufrichtig, und doch hatte einer von ihnen den König Aerys ermordet, dieser hübsche Junge, den man den Königsmörder nannte, und ein anderer, Ser Barristan, der Kühne, war zum Usurpator übergelaufen. Sie fragte sich, ob alle Männer in den Sieben Königslanden derart falsch seien. Wenn ihr Sohn erst auf dem Eisernen Thron säße, wollte sie dafür sorgen, daß er eigene Blutreiter hatte, die ihn gegen den Verrat in seiner Königsgarde schützten.

«Khaleesi«, sagte Cohollo zu ihr auf Dothrakisch.»Drogo, der das Blut von meinem Blut ist, befiehlt mir, Euch zu sagen, daß er heute abend die Mutter aller Berge ersteigen muß, um den Göttern für seine sichere Heimkehr zu opfern.«

Nur Männern war es gestattet, die Mutter zu betreten, das wußte Dany. Die Blutreiter des khal würden ihn begleiten und im Morgengrauen heimkehren.»Sagt meiner Sonne, meinem Stern, daß ich von ihm träume und begierig seine Heimkehr erwarte«, erwiderte sie dankbar. Dany ermüdete leichter, je größer das Kind in ihr wurde. In Wahrheit wäre ihr eine ruhige Nacht höchst willkommen. Ihre Schwangerschaft schien Drogos Verlangen nach ihr nur noch entflammt zu haben, und in letzter Zeit erschöpften seine Umarmungen sie sehr.

Doreah führte sie zu einem hohlen Hügel, der für sie und ihren khal bereitet worden war. Darinnen war es kühl und dunkel, wie ein Zelt aus Erde.»Jhiqui, ein Bad, bitte«, befahl sie, um den Staub der Reise von ihrer Haut zu waschen und ihre müden Knochen aufzuweichen. Es war angenehm zu wissen, daß sie eine Weile bleiben würden, daß sie am Morgen nicht wieder auf ihren Silbernen steigen mußte.

Das Wasser war siedend heiß, ganz nach ihrem Geschmack.»Ich werde meinem Bruder heute abend seine Geschenke geben«, beschloß sie, während Jhiqui ihr das Haar wusch.»Er sollte in der heiligen Stadt wie ein König aussehen. Doreah, lauf und such ihn und bitte ihn, heute abend mit mir zu speisen. «Zu dem Mädchen aus Lysene war Viserys freundlicher als zu ihren dothrakischen Dienerinnen, vielleicht weil Magister Illyrio ihn in Pentos in ihr Bett gelassen hatte.»Irry, geh zum Basar und kaufe Früchte und Fleisch. Egal was, nur kein Pferdefleisch.«

«Pferd ist das Beste«, sagte Irri.»Pferd macht Männer stark.«

«Viserys haßt Pferdefleisch.«

«Wie Ihr wünscht, Khaleesi.«

Sie brachte eine Ziegenlende und einen Korb mit Früchten und Gemüse. Jhiqui briet das Fleisch mit süßem Gras und Feuerschoten, begoß es beim Braten mit Honig, und es gab Melonen unc Granatäpfel und Pflaumen und einige merkwürdige Früchte, die Dany nicht kannte. Während ihre Dienerinnen das Mahl bereiteten, breitete Dany die Kleider aus, die sie nach den Maßen ihres Bruders hatte anfertigen lassen: einen Kasack und Hosen aus schneeweißem Leinen, Ledersandalen, die bis zum Knie geschnürt wurden, einen Gürtel aus bronzenen Medaillons, eine Lederweste, mit feuerspeienden Drachen bemalt. Die Dothraki würden ihm mehr Respekt zollen, wenn er nicht so sehr wie ein Bettler aussähe, so hoffte sie, und vielleicht würde er ihr verzeihen, daß sie ihn an jenem Tag im Gras so sehr beschämt hatte. Schließlich war er nach wie vor ihr König und ihr Bruder. Beide waren sie vom Blut des Drachen.

Eben ordnete sie noch die letzten seiner Geschenke — einen Umhang aus Rohseide, grün wie Gras, und eine hellgraue Bordüre, die das Silber in seinem Haar hervorheben würde — , als Viserys erschien und Doreah am Arm mit sich zerrte. Ihr Auge war rot, wo er sie geschlagen hatte.»Wie kannst du es wagen, mir diese Hure zu schicken, damit sie mir Befehle gibt?«rief er. Grob stieß er die Dienerin auf den Teppich.

Sein Zorn überraschte Dany zutiefst.»Ich wollte nur… Doreah, was hast du gesagt?«

«Khaleesi, verzeiht, ich bitte um Vergebung. Ich bin zu ihn gegangen, ganz wie Ihr wolltet, und habe ihm Euren Befehl überbracht, mit Euch zu Abend zu essen.«

«Niemand befiehlt dem Drachen«, knurrte Viserys.»Ich bin dein König! Ich hätte dir ihren Kopf schicken sollen!«

Das Mädchen aus Lysene zitterte vor Angst, doch Dany beruhigte sie mit einer Hand.»Fürchte dich nicht, er wird dir nichts tun. Lieber Bruder, bitte, verzeih ihr, das Mädchen hat sich versprochen, ich hatte ihr gesagt, sie solle dich bitten, mit mir zu speisen, falls es Euer Majestät beliebt. «Sie nahm ihn bei der Hand und zog ihn durch den Raum.»Sieh nur. Das alles ist für dich. «Argwöhnisch runzelte Viserys die Stirn.

«Was ist das alles?«

«Neue Gewänder. Ich habe sie für dich anfertigen lassen. «Dany lächelte scheu.

Er sah sie an und lachte höhnisch.»Dothrakische Lumpen. Willst du mich verkleiden?«

«Bitte… die Kleider sind kühler und bequemer, und ich dachte… wenn du dich vielleicht kleidest wie sie, die Dothraki…«Dany wußte nicht, wie sie es sagen sollte, ohne den Drachen zu wecken.

«Als nächstes soll ich mir Zöpfe flechten.«

«Nie würde ich…«Wieso war er nur immer so grausam? Sie hatte doch nur helfen wollen.»Du hast kein Recht auf einen Zopf. Du hast noch keine Siege errungen.«

Das hätte sie nicht sagen sollen. Zorn erglühte in seinen veilchenblauen Augen, doch wagte er nicht, sie zu schlagen, nicht wenn die Dienerinnen zusahen und draußen die Krieger ihres khas standen. Viserys nahm den Umhang auf und roch daran.»Der stinkt nach Dung. Vielleicht sollte ich ihn als Pferdedecke benutzen.«