Выбрать главу

Robb und Osha tauschten mitten im Bach Hiebe. Ihr langer Speer war eine stahlköpfige Schlange, die nach seiner Brust schnappte, einmal, zweimal, dreimal, doch Robb parierte jeden Stoß mit seinem Langschwert und schlug die Spitze beiseite. Beim vierten oder fünften Stoß übernahm sich die große Frau und verlor das Gleichgewicht, nur eine Sekunde lang. Robb griff an und ritt sie nieder.

Nur wenige Schritte entfernt schoß Summer heran und schnappte nach Hali. Das Messer schnitt in seine Flanke. Summer wich zurück, knurrte, und griff dann wieder an. Diesmal schlossen sich seine Zähne um ihre Wade. Mit beiden Händen hielt die kleine Frau ihr Messer und stach zu, doch der Schattenwolf schien die kommende Klinge zu spüren. Einen Moment lang ließ er los, sein Maul voll Leder und Stoff und blutigem Fleisch. Als Hali stolperte und fiel, machte er sich wieder über sie her, stieß sie zurück, und seine Zähne rissen an ihrem Bauch. Der sechste Mann entfloh dem Blutbad… wenn auch nicht weit. Als er die Böschung auf der anderen Seite erklomm, tauchte Grey Wind aus dem Bach auf, triefend naß. Er schüttelte das Wasser ab und hetzte dem rennenden Mann hinterher, hielt ihn mit einem einzigen Biß auf und ging ihm an die Kehle, während dieser schreiend wieder zum Wasser hinunterrutschte.

Und dann war nur noch der große Mann, Stiv, übrig. Er durchschnitt Brans Brustriemen, packte ihn beim Arm und riß daran. Plötzlich stürzte Bran. Er lag am Boden, die Beine unter sich verknotet, ein Fuß im Bach. Er konnte die Kälte des Wassers nicht fühlen, doch fühlte er den Stahl, als Stiv ihm seinen Dolch an den Hals drückte.»Zurück«, warnte der Mann,»oder ich schneide dem Jungen die Kehle durch. Ich schwöre es.«

Robb hielt sein Pferd zurück, atmete schwer. Der Zorn in seinen Augen verblaßte, und sein Schwertarm sank herab.

In diesem Augenblick sah Bran alles. Summer fiel Hali an, riß glänzende blaue Schlangen aus ihrem Bauch. Ihre Augen waren groß und starr. Bran konnte nicht sagen, ob sie lebte oder nicht. Der graue Mann mit dem Stoppelbart und der andere mit der Axt lagen da und rührten sich nicht, doch Osha war auf den Knien und kroch zu ihrem Speer hinüber. Grey Wind tappte zu ihr, triefend naß.»Ruft ihn zurück!«rief der große Mann.»Ruft sie beide zurück, oder das Krüppelkind muß sterben!«

«Grey Wind, Summer, zu mir«, sagte Robb.

Die Schattenwölfe hielten inne, wandten sich um. Grey Wind kam mit großen Sprüngen zu Robb. Summer blieb, wo er war, sein Blick auf Bran und den Mann an dessen Seite gerichtet. Er knurrte. Seine Schnauze war feucht und rot, doch seine Augen glühten.

Osha stützte sich auf das stumpfe Ende ihres Speeres, um wieder auf die Beine zu kommen. Blut lief aus einer Wunde am Oberarm, wo Robb sie getroffen hatte. Bran sah, wie Schweiß vom Gesicht des großen Mannes tropfte. Stiv hatte ebenso große Angst wie er, das spürte er.»Starks«, murmelte der Mann,»verfluchte Starks. «Dann sprach er mit lauter Stimme.»Osha, töte die Wölfe und nimm sein Schwert.«

«Töte sie selbst«, gab sie zurück.»Ich gehe nicht mehr in die Nähe dieser Ungeheuer.«

Einen Moment lang wußte Stiv nicht, was er tun sollte. Seine Hand zitterte. Bran spürte einen Tropfen Blut, wo das Messer an seinen Hals drückte. Der Gestank des Mannes stieg ihm in die Nase. Es roch nach Angst.»Du«, rief er zu Robb hinüber.»Hast du einen Namen?«

«Ich bin Robb Stark, der Erbe von Winterfell.«

«Das hier ist dein Bruder?«

«Ja.«

«Wenn du willst, daß er lebt, tust du, was ich sage. Runter vom Pferd.«

Robb zögerte einen Moment. Dann, langsam und mit Bedacht, stieg er ab und stand mit dem Schwert in der Hand da.

«Jetzt töte die Wölfe.«

Robb rührte sich nicht.

«Tu es. Die Wölfe oder der Junge.«

«Nein!«schrie Bran. Wenn Robb täte, was sie forderten, würde Stiv die Jungen in jedem Fall töten, sobald die Schattenwölfe tot waren.

Der kahle Mann packte mit der freien Hand Brans Haar und verdrehte es brutal, bis der Junge vor Schmerzen schluchzte.»Du hältst den Mund, Krüppel, hörst du mich?«Er drehte fester.»Hörst du mich?«

Ein leises wumm kam aus dem Wald in ihrem Rücken. Stiv stieß ein ersticktes Ächzen aus, als ein halber Fuß eines rasiermesserscharfen Pfeiles plötzlich aus seiner Brust explodierte. Der Pfeil war hellrot, als wäre er mit Blut bemalt.

Der Dolch fiel von Brans Kehle. Der große Mann taumelte und sank vornüber im Bach zusammen. Der Pfeil brach unter ihm. Bran sah, wie sein Leben im Wasser zerfloß.

Osha sah sich um, als Vaters Gardisten unter den Bäumen hervortraten, mit Stahl in Händen. Sie warf ihren Speer zu Boden.»Gnade, M'lord«, rief sie Robb zu.

Die Gardisten waren seltsam bleich im Gesicht, als sie den Ort des Gemetzels betrachteten. Unsicher musterten sie die Wölfe, und als Summer zum Fressen wieder zu Halis Leiche lief, ließ Joseth sein Messer sinken und hastete in die Büsche, um sich zu übergeben. Selbst Maester Luwin schien erschrocken, als er hinter einem Baum hervortrat, wenn auch nur für einen Augenblick.

Dann schüttelte er den Kopf und watete durch den Bach zu Bran.»Bist du verletzt?«

«Er hat mir ins Bein gestochen«, sagte Bran,»aber ich habe es nicht gespürt.«

Als der Maester niederkniete, um sich die Wunde anzusehen, drehte Bran seinen Kopf herum. Theon Greyjoy stand neben einem Wachbaum, mit dem Bogen in der Hand. Er lächelte. Immer lächelte er. Ein halbes Dutzend Pfeile steckten im Boden zu seinen Füßen, doch hatte es nur eines einzigen bedurft.»Ein toter Feind ist eine Schönheit«, verkündete er.

«Jon hat schon immer gesagt, daß du ein Esel bist, Greyjoy«, sagte Robb laut.»Ich sollte dich auf dem Burghof anketten und Bran ein paar Übungsschüsse auf dich abgeben lassen.«

«Du solltest mir danken, daß ich deinem Bruder das Leben gerettet habe.«

«Was wäre gewesen, wenn du danebengeschossen hättest?«sagte Robb.»Was, wenn du den Mann nur verletzt hättest? Was, wenn du seine Hand getroffen hättest, oder statt dessen Bran? Schließlich hätte es auch sein können, daß der Mann einen Brustharnisch trug, denn du konntest ja nur den Rücken seines Umhangs sehen. Was wäre dann mit meinem Bruder geschehen? Hast du daran je gedacht, Greyjoy?«

Theons Lächeln war verflogen. Düster zuckte er mit den Schultern und begann, seine Pfeile aus dem Boden zu ziehen, einen nach dem anderen.

Finster sah Robb seine Gardisten an.»Wo wart Ihr?«verlangte er zu wissen.»Ich war sicher, daß Ihr gleich hinter uns wäret.«

Die Männer wechselten betretene Blicke.»Wir waren gleich hinter Euch, Mlord«, sagte Quent, der jüngste von ihnen, dessen Bart ein weicher Flaum war.»Nur haben wir erst auf Maester Luwin und seinen Esel gewartet, verzeiht, und dann, nun, dann…«Er warf Theon Greyjoy einen Blick zu und wandte sich eilig und verlegen wieder ab.

«Ich hatte einen Truthahn entdeckt«, sagte Theon, ärgerlich über die Frage.»Woher sollte ich wissen, daß du den Jungen allein lassen würdest?«

Robb drehte sich und sah Theon erneut an. Nie zuvor hatte Bran ihn so böse erlebt, doch sagte er nichts. Schließlich kniete er neben Maester Luwin.»Wie schwer ist mein Bruder verwundet?«

«Kaum mehr als ein Kratzer«, sagte der Maester. Er befeuchtete ein Tuch im Bach, um den Schnitt zu reinigen.»Zwei von ihnen tragen Schwarz«, erklärte er Robb, während er die Wunde wusch.