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«Du hast uns schlecht aussehen lassen«, beklagte sich Toad.

«Ihr habt schon vorher schlecht ausgesehen«, erklärte Jon. Der Junge, der seinen Arm hielt, drückte ihn fest nach oben. Schmerz durchfuhr ihn, aber Jon wollte nicht schreien.

Toad trat heran.»Der kleine Lord hat ein großes Maul«, sagte er. Er hatte kleine, glänzende Schweinsaugen.»Ist es das Maul deiner Mutter, Bastard? Was war sie, irgendeine Hure? Sag uns ihren Namen. Vielleicht habe ich sie ein-, zweimal gehabt. «Er lachte.

Jon wand sich wie ein Aal und trat mit dem Absatz auf den Spann des Jungen, der ihn hielt. Der stieß plötzlich einen Schrei aus, und er war frei. Er stürzte sich auf Toad, stieß ihn rückwärts über eine Bank, landete auf seiner Brust, mit beiden Händen an seiner Kehle, und schlug seinen Kopf auf die hartgefrorene Erde.

Die beiden von den Fingers rissen ihn herunter, warfen ihn grob zu Boden. Grenn fing an, auf ihn einzutreten. Jon wälzte sich zur Seite, als eine dröhnende Stimme das trübe Licht der Waffenkammer durchdrang.»HÖRT AUF! SOFORT!«

Jon sprang auf. Donal Noye stand da und sah sie finster an.»Der Hof ist zum Kämpfen da«, sagte der Waffenschmied.

«Haltet eure Streits aus meiner Waffenkammer fern, sonst mache ich sie zu meinen Streits. Das würde euch nicht gefallen.«

Toad saß am Boden, tastete vorsichtig seinen Hinterkopf ab. An seinen Fingern klebte Blut.»Er hat versucht, mich umzubringen.«

«Stimmt. Ich hab's gesehen«, warf einer der Vergewaltiger ein.

«Er hat mir das Handgelenk gebrochen«, sagte Grenn erneut und hielt es Noye zur Begutachtung hin.

Der Waffenschmied widmete dem Handgelenk den denkbar kürzesten aller Blicke.»Eine Prellung. Vielleicht eine Stauchung. Maester Aemon wird dir eine Salbe geben. Geh mit ihm, Todder, jemand sollte sich um deinen Kopf kümmern. Alle anderen gehen wieder auf ihre Zellen. Du nicht, Snow. Du bleibst.«

Schwerfällig setzte sich Jon auf die lange Holzbank, als die anderen gingen, merkte die Blicke nicht, welche die anderen ihm zuwarfen, die leisen Versprechungen zukünftiger Vergeltung. In seinem Arm pochte Schmerz.

«Die Wache braucht jeden Mann, den sie bekommen kann«, begann Donal Noye, als sie allein waren.»Selbst Männer wie Toad. Du machst dir keine Ehre, wenn du ihn tötest.«

Jons Zorn flammte auf.»Er sagte, meine Mutter sei… «

«… eine Hure. Ich habe ihn gehört. Na und?«

«Lord Eddard Stark ist kein Mann, der sich mit Huren abgibt «sagte Jon eisig.»Seine Ehre…«

«… hat ihn nicht daran gehindert, einen Bastard zu zeugen. Oder?«

Jon war von kalter Wut erfüllt.»Kann ich gehen?«

«Du kannst gehen, wenn ich es dir sage.«

Mürrisch starrte Jon in den Rauch, der vom Rost aufstieg, bis

Noye ihn unters Kinn faßte und dicke Finger seinen Kopf drehten.»Sieh mich an, wenn ich mit dir rede, Junge.«

Jon sah ihn an. Der Waffenschmied hatte einen Brustkorb wie! ein Bierfaß und den entsprechenden Wanst dazu. Seine Nase war flach und breit, und ständig schien er unrasiert. Der linke Ärmel seines schwarzen, wollenen Waffenrocks war mit einer Silbernadel in Form eines Langschwerts an der Schulter befestigt.»Worte machen deine Mutter nicht zur Hure. Sie war, was sie war, und nichts von dem, was Toad sagt, kann das ändern. Weißt du, wir haben Männer auf der Mauer, deren Mütter Huren waren.«

Nicht meine Mutter, dachte Jon störrisch. Er wußte nichts von seiner Mutter. Eddard wollte nie über sie sprechen. Dennoch träumte er bisweilen von ihr, so oft, daß er beinah schon ihr Gesicht erkennen konnte. In seinen Träumen war sie schön und von edler Geburt, und ihre Augen leuchteten warm.

«Du glaubst, du hättest es schwer gehabt, als Bastard eines hohen Lords?«fuhr der Waffenschmied fort.»Dieser Jeren ist der Nachkomme eines Septons, und Cotter Pyke ist der uneheliche Sohn einer Tavernenfrau. Jetzt befehligt er Eastwatch by the Sea.«

«Das ist mir egal«, sagte Jon.»Die sind mir egal, und Ihr und Thorne und Benjen Stark, Ihr alle seid mir egal. Ich hasse es hier. Es ist zu… es ist kalt.«

«Ja. Kalt und hart und schäbig, so ist die Mauer, und auch die Männer, die auf ihr wandeln. Nicht wie die Geschichten, die deine Amme dir erzählt hat. Aber scheiß auf die Geschichten und scheiß auf deine Amme. So ist es nun mal, und du wirst dein Leben lang hier sein, wie wir alle.«

«Leben«, wiederholte Jon verbittert. Der Waffenschmied konnte vom Leben reden. Er hatte seines gehabt. Er hatte das Schwarz erst angelegt, nachdem er bei der Belagerung von Storm's End einen Arm verloren hatte. Vorher war er Schmied bei Stannis Baratheon, dem Bruder des Königs, gewesen. Er hatte die Sieben Königslande von einem Ende zum anderen bereist, er hatte gefeiert und gehurt und hundert Schlachten geschlagen. Man sagte, es sei Donal Noye gewesen, der König Roberts Streithammer geschmiedet hatte, mit welchem dieser Rhaegar Targaryen am Trident das Leben aus dem Leib gehämmert hatte. Er hatte alles getan, was Jon nie tun würde, und als er dann alt war, weit über dreißig, hatte ihn eine Streitaxt gestreift und die Wunde war verfault, bis ihm der ganze Arm abfiel. Dann erst, verkrüppelt, war Donal Noye zur Mauer gekommen, als sein Leben schon ein Ende hatte.

«Ja, das Leben«, sagte Noye.»Ein langes Leben oder ein kurzes, es liegt an dir, Snow. Wenn du weitermachst wie bisher, wird dir einer deiner Brüder eines Nachts die Kehle durchschneiden.«

«Das sind nicht meine Brüder«, fuhr Jon ihn an.»Sie hassen mich, weil ich besser bin als sie.«

«Nein. Sie hassen dich, weil du dich benimmst, als wärst du etwas Besseres als sie. Sie sehen dich an und sehen einen bei Hofe erzogenen Bastard, der sich für einen Lord hält. «Der Waffenschmied beugte sich vor.»Du bist kein Lord. Denk daran. Du bist ein Snow, kein Stark. Du bist ein Bastard und ein Raufbold.«

«Ein Raufbold?«Fast blieb Jon das Wort im Halse stecken. Die Anschuldigung war derart ungerecht, daß ihm der Atem stockte.»Die anderen haben sich über mich hergemacht. Zu viert.«

«Vier, die du auf dem Hof erniedrigt hast. Vier, die sich wahrscheinlich vor dir fürchten. Ich habe dich kämpfen sehen. Für dich ist es keine Übung. Mit einer guten Klinge an deinem Schwert wären sie mausetot. Du weißt es, ich weiß es, sie wissen es. Du läßt ihnen nichts. Du beschämst sie. Bist du stolz darauf?«

Jon zögerte. Er war tatsächlich stolz darauf, wenn er siegte. Warum auch nicht? Doch selbst das nahm ihm der Waffenschmied und ließ es klingen, als täte er etwas Böses.»Sie sind alle älter als ich«, sagte er zu seiner Verteidigung.

«Älter und größer und stärker, das stimmt. Ich wette, euer Waffenmeister hat dich auf Winterfell gelehrt, wie man gegen größere Männer kämpft. Wer war er, ein alter Ritter?«

«Ser Rodrik Cassel«, antwortete Jon argwöhnisch. Es war eine Falle. Er spürte, wie sie sich um ihn schloß.

Donal Noye beugte sich vor, bis an Jons Gesicht.»Und nun denk über Folgendes nach, Junge. Keiner der anderen hat jemals einen Waffenmeister gehabt, bis Ser Alliser kam. Ihre Väter waren Bauern und Kutscher und Wilderer, Schmiede und Bergarbeiter und Ruderer auf Handelsgaleeren. Was sie vom Kämpfen verstehen, haben sie zwischen den Decks gelernt, in den Gassen von Oldtown und Lannisport, in Bordellen am Straßenrand und Tavernen an der Kingsroad. Sie mögen vielleicht ein paar Holzstöcke aneinand ergeschlagen haben, bevor sie hierherkamen, aber ich versichere dir, daß von zwanzig kein einziger je reich genug war, ein echtes Schwert zu besitzen. «Er zog ein grimmiges Gesicht.»Und wie schmecken Euch Eure Siege nun, Lord Snow?«

«Nennt mich nicht so!«entgegnete Jon scharf, doch sein Zorn hatte nicht mehr dieselbe Kraft. Plötzlich verspürte er Scham und Schuldgefühle.»Ich habe nie… ich dachte nicht…«

«Du solltest besser anfangen zu denken«, warnte ihn Noye.»Entweder das oder mit einem Dolch am Bett schlafen. Nun geh.«

Als Jon aus der Waffenkammer kam, war schon fast Mittag. Die Sonne war durch die Wolken gebrochen. Er wandte ihr den Rücken zu und sah zur Mauer hoch, die blau und kristallin im Sonnenlicht strahlte. Selbst nach all diesen Wochen lief ihm bei ihrem Anblick nach wie vor ein Schauer über den Rücken.