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Und so hatte Ned die Ratskammer betreten, hundemüde und in geborgten Kleidern, und fand dort vier Herren des Kleinen Rates, die schon auf ihn warteten.

Die Kammer war reich möbliert. Anstelle von Binsen lagen myrische Teppiche am Boden, und in einer Ecke prangten hundert Fabeltiere in grellen Farben auf einem geschnitzten Schirm von den Summer Isles. Die Wände waren mit Teppichen von Norvos und Qohor und Lys behängt, und zwei valyrische Sphinxe flankierten die Tür; die Augen, die in schwarzen Marmorgesichtern glimmten, waren aus poliertem Granat.

Der Ratsherr, den Ned am wenigsten mochte, der Eunuch Varys, kam ihm sofort entgegen, als er eintrat.»Lord, ich bin untröstlich, von Euren Problemen auf der Kingsroad zu hören. Wir alle haben die Septe besucht, um eine Kerze für Prinz Joffrey zu entfachen. Ich bete für seine Genesung. «Seine Hand hinterließ Puderspuren an Neds Ärmel, und er roch so faulig und süß wie Blumen auf einem Grab.

«Eure Götter haben Euch erhört«, erwiderte Ned kühl, wenn auch höflich.»Der Prinz erstarkt mit jedem Tag. «Er löste sich aus dem Griff des Eunuchen und durchmaß den Raum dorthin, wo Lord Renly bei dem Schirm stand und sich leise mit einem kleinen Mann unterhielt, bei dem es sich nur um Littlefinger handeln konnte. Renly war ein Junge von acht Jahren gewesen, als Robert den Thron eroberte, doch war er zu einem Mann herangewachsen, der seinem Bruder derart ähnlich war, daß es Ned fast aus der Fassung brachte. Wenn er ihn sah, schien es ihm stets, als seien die Jahre nicht vergangen und Robert stünde vor ihm, direkt nach dem Sieg am Trident.

«Ich sehe, Ihr seid sicher eingetroffen, Lord Stark«, begrüßte ihn Renly.

«Und Ihr seht gleichermaßen wohl aus«, erwiderte Ned.»Ihr müßt mir verzeihen, aber manchmal seid Ihr Eurem Bruder Robert wie aus dem Gesicht geschnitten.«

«Eine schlechte Kopie«, sagte Renly achselzuckend.»Wenn auch weit besser gekleidet«, spottete Littlefinger.»Lord Renly gibt für Kleidung mehr aus als die Hälfte aller Damen bei Hofe.«

Es entsprach der Wahrheit. Lord Renly trug dunkelgrünen Samt, sein Wams war mit einem Dutzend goldener Hirsche bestickt. Ein kurzer Umhang aus Goldtuch war lässig über eine Schulter geworfen und mit einer Smaragdbrosche befestigt.»Es gibt üblere Missetaten«, sagte Renly lachend.»Etwa die Art und Weise, wie Ihr Euch kleidet.«

Littlefinger überging die spöttische Bemerkung. Er beäugte Ned mit einem Lächeln auf den Lippen, das an Unverschämtheit grenzte.»Ich hoffe schon seit einigen Jahren, Euch einmal zu begegnen, Lord Stark. Zweifellos hat Lady Catelyn Euch von mir erzählt.«

«Das hat sie«, erwiderte Ned mit frostiger Stimme. Die hinterlistige Arroganz dieser Bemerkung nagte an ihm.»Soweit ich weiß, kanntet Ihr auch meinen Bruder Brandon.«

Renly Baratheon lachte. Varys schlurfte herüber, um zuzuhören.

«Zu gut vielleicht«, sagte Littlefinger.»Noch heute trage ich einen Beweis seiner Wertschätzung bei mir. Hat auch Brandon von mir gesprochen?«

«Oft und meist erhitzt«, sagte Ned in der Hoffnung, das würde es beenden. Er hatte keine Geduld mit diesem Spielchen, das sie spielten, diesem Duell mit Worten.

«Ich hätte gedacht, daß Euch Starks die Hitze übel ansteht«, fuhr Littlefinger fort.»Hier im Süden sagt man, Ihr wäret aus Eis gemacht und müßtet schmelzen, sobald Ihr über den Neck reitet.«

«Ich habe nicht vor, bald zu schmelzen, Lord Baelish. Darauf könnt Ihr bauen. «Ned trat an den Ratstisch.»Maester Pycelle, ich hoffe, es geht Euch gut.«

Der Grand Maester lächelte sanft von seinem Stuhl am Ende des Tisches herüber.»Gut genug für einen Mann meines Alters, Mylord«, erwiderte er,»doch ermüde ich schnell, wie ich befürchte. «Dünne Strähnen von weißem Haar säumten die breite, kahle Kuppel seiner Stirn über einem freundlichen Gesicht. Seine Ordenskette war kein schlichtes, enges Halsband wie jenes, das Luwin trug, sondern bestand aus zwei Dutzend schweren Ketten, die zu einem massigen, metallenen Halsschmuck geflochten waren, welcher ihn vom Hals bis auf die Brust bedeckte. Die Glieder waren aus allen Metallen geschmiedet, die den Menschen bekannt waren: schwarzes Eisen und rotes Gold, leuchtendes Kupfer und mattes Blei, Stahl und Blech und fahles Silber, Messing und Bronze und Platin. Granate und Amethyste und schwarze Perlen verzierten die Metallarbeiten, und hier und dort ein Smaragd oder Rubin.»Vielleicht sollten wir beginnen«, schlug der Grand Maester vor und faltete die Hände auf seinem mächtigen Bauch.»Ich fürchte, ich schlafe ein, wenn wir noch länger warten.«

«Wie Ihr wünscht. «Der Stuhl des Königs am Kopfende des Tisches blieb leer, der gekrönte Hirsch von Baratheon prangte mit goldeneni Faden auf seinen Kissen. Ned nahm als Rechte Hand des Königs den Stuhl daneben.»Mylords«, sagte er förmlich,»es tut mir leid, daß ich Euch warten lassen mußte.«

«Ihr seid die Rechte Hand des Königs«, sagte Varys.»Wir haben Euch zu dienen, Lord Stark.«

Während die anderen ihre angestammten Plätze einnahmen, wurde Eddard Stark klar, daß er nicht hierhergehörte, in diese Kammer, zu diesen Männern. Ihm fielen Roberts Worte in der Gruft unter Winterfell ein. Ich bin von Schmeichlern und Narren umgeben, hatte der König beteuert. Ned blickte in die Runde und fragte sich, wer die Schmeichler und wer die

Narren waren. Er glaubte es schon zu wissen.»Wir sind nur fünf«, bemerkte er.

«Lord Stannis hat sich nach Dragonstone aufgemacht, kurz nachdem der König gen Norden gezogen ist«, sagte Varys,»und unser tapferer Ser Barristan reitet zweifellos an der Seite des Königs, während dieser sich einen Weg durch die Stadt bahnt, wie es einem Lord Commander der Königsgarde gebührt.«

«Vielleicht sollten wir besser warten, bis Ser Barristan und der König sich zu uns gesellen«, schlug Ned vor.

Renly Baratheon lachte laut auf.»Wenn wir darauf warten wollen, daß mein Bruder uns mit seiner königlichen Gegenwart beehrt, könnte es eine lange Sitzung werden.«

«Unser guter König Robert hat zahlreiche Pflichten«, bemerkte Varys.»Er vertraut uns einige kleine Angelegenheiten an, um seine Last zu mindern.«

«Lord Varys will sagen, daß alles, was mit Münze und Ernte und Gesetzen zu tun hat, meinen Bruder zu Tode langweilt«, erklärte Lord Renly,»und somit fällt es uns zu, das Reich zu regieren. Von Zeit zu Zeit allerdings läßt er uns Befehle zukommen. «Er zog ein zusammengerolltes Blatt Papier aus seinem Ärmel und legte es auf den Tisch.»Heute morgen hat er mir befohlen, in aller Eile vorauszureiten und Grand Maester Pycelle zu bitten, diesen Rat auf der Stelle einzuberufen. Er hat eine dringende Aufgabe für uns.«

Littlefinger lächelte und reichte das Blatt an Ned weiter. Es trug das königliche Siegel. Ned brach das Wachs mit dem Daumen und strich den Brief glatt, um den dringenden Befehl des Königs zu erfahren, und las die Worte mit wachsendem Unglauben. Wollten Roberts Torheiten denn kein Ende nehmen? Und es in seinem Namen zu tun, das war Salz in der Wunde.»Gnaden uns die Götter«, fluchte er.

«Was Lord Eddard sagen will«, verkündete Lord Renly,»ist, daß Seine Majestät uns Weisung gibt, ein großes Turnier zu Ehren seiner Ernennung als Rechte Hand des Königs zu geben.«

«Wieviel?«fragte Littlefinger nachsichtig.

Ned las die Antwort aus dem Brief.»Vierzigtausend Golddrachen für den Sieger. Zwanzigtausend für den Mann, der Zweiter wird, weitere zwanzig für den Sieger im Handgemenge und zehntausend für den Sieger des Bogenschießens.«

«Neunzigtausend Goldstücke«, seufzte Littlefinger.»Und wir dürfen auch die anderen Kosten nicht vergessen. Robert wird ein gewaltiges Fest erwarten. Das bedeutet Köche, Zimmerleute, Kellnerinnen, Sänger, Jongleure, Narren…«

«Narren haben wir reichlich«, warf Lord Renly ein.

Grand Maester Pycelle sah Littlefinger an und fragte:»Kann die Schatzkammer diese Kosten tragen?«

«Welche Schatzkammer sollte das sein?«erwiderte Littlefinger und verzog den Mund dabei.»Erspart mir die Narretei, Maester. Ihr wißt so gut wie ich, daß die Schatzkammer seit Jahren leer ist. Ich werde das Geld leihen müssen. Zweifellos werden die Lannisters uns gefällig sein. Wir schulden Lord Tywin momentan etwa drei Millionen Drachen, was machen da schon weitere hunderttausend?«