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Sie gingen hinein, durch einen überfüllten Schankraum, in dem eine dicke Frau zotige Lieder sang, während hübsche, junge Mädchen in Leinenhemden und Fetzen aus farbiger Seide sich an ihre Freier drückten und an deren Schoß schmiegten. Niemand widmete Ned auch nur die leiseste Aufmerksamkeit. Ser Rodrik wartete unten, während Littlefinger ihn ins zweite Stockwerk führte, einen Korridor entlang und durch eine Tür.

Dahinter wartete Catelyn. Sie stieß einen Schrei aus, als sie ihn sah, lief ihm entgegen und umarmte ihn stürmisch.

«Mylady«, flüsterte Ned staunend.

«Oh, sehr gut«, seufzte Littlefinger.»Ihr habt sie erkannt.«

«Ich fürchtete, Ihr würdet nie mehr kommen, Mylord«, flüsterte sie an seiner Brust.»Petyr hat mir Nachricht gebracht. Er berichtete mir von Euren Problemen mit Arya und dem jungen Prinzen. Wie geht es meinem Mädchen?«

«Beide sind von Trauer und Wut erfüllt«, erklärte er.»Cat, ich verstehe nicht. Was macht Ihr in King's Landing? Was ist geschehen?«fragte Ned seine Frau.»Geht es um Bran? Ist er…«Tot war das Wort, das an seine Lippen kam, doch nicht darüber.

«Es geht um Bran, doch nicht so, wie Ihr glaubt«, erklärte Catelyn.

Ned war erstaunt.»Was dann? Weshalb seid Ihr hier, Liebste? Was ist dieses Haus?«

«Genau das, was es zu sein scheint«, sagte Littlefinger und ließ sich auf einen Stuhl am Fenster nieder.»Ein Bordell. Könnt Ihr Euch einen Ort vorstellen, an dem es unwahrscheinlicher wäre, Catelyn Tully zu finden?«Er lächelte.»Wie der Zufall es will, gehört mir dieses Etablissement, so daß die Unterbringung leicht zu arrangieren war. Ich bin sehr darauf bedacht, die Lannisters nicht erfahren zu lassen, daß Cat hier in King's Landing ist.«

«Warum?«verlangte Ned zu wissen. Dann sah er ihre Hände, die unbeholfene Art und Weise, wie sie sie hielt, die groben, roten Narben, die beiden steifen Finger ihrer Linken.»Man hat dich verletzt. «Er nahm ihre Hände in die seinen, drehte sie um.»Bei den Göttern. Das sind tiefe Schnitte… ein Hieb von einem Schwert oder… wie ist das geschehen, Mylady?«

Catelyn zog einen Dolch unter ihrem Umhang hervor und legte ihn in seine Hand.»Mit dieser Klinge sollte Bran die Kehle durchschnitten werden, um ihn verbluten zu lassen.«

Neds Kopf zuckte hoch.»Aber… wer… warum sollte…«

Sie legte einen Finger an seine Lippen.»Laßt mich alles berichten, Geliebter. So geht es schneller. Hört mich an.«

Und so hörte er sie an, und sie berichtete ihm alles, vom Brand im Bücherturm bis hin zu Varys und den Wachen und Littlefinger. Und als sie fertig war, saß Eddard Stark benommen neben dem Tisch, den Dolch in der Hand. Brans Wolf hatte dem Jungen das Leben gerettet, dachte er dumpf. Was hatte Jon gesagt, als sie die Welpen im Schnee gefunden hatten? Diese Welpen sind für Eure Kinder gemacht, Mylord. Und Sansas Wolf hatte er getötet, doch wozu? War es Schuld, was er empfand? Oder Angst? Falls die Götter diese Wölfe gesandt haben sollten, welche Dummheit hatte er begangen?

Qualvoll zwang Ned seine Gedanken zum Dolch und dem, was er bedeutete, zurück.»Der Dolch des Gnoms«, wiederholte er. Es machte keinen Sinn. Seine Hand legte sich um den glatten Griff aus Drachenknochen, und er schlug die Klinge auf den Tisch, spürte, wie sie sich ins Holz bohrte. Höhnend stand sie da.»Warum sollte Tyrion Lannister wollen,

daß Bran stirbt? Der Junge hat ihm nie etwas getan.«

«Habt Ihr Starks nur Schnee zwischen den Ohren?«fragte Littlefinger.»Der Gnom hätte nie auf eigene Faust gehandelt.«

Ned stand auf und durchmaß den Raum der Länge nach.»Falls die Königin oder, mögen uns die Götter gnädig sein, der König selbst in dieser Sache eine Rolle spielt… nein, das kann ich nicht glauben. «Doch als er eben diese Worte sagte, fiel ihm jener kalte Morgen in der Steppe ein, und Roberts Worte davon, der Prinzessin der Targaryen gedungene Mörder zu schicken. Ihm fiel Rhaegars kleiner Sohn ein, die rote Ruine seines Schädels, und wie sich der König abgewandt hatte, in Darrys Audienzsaal vor nicht allzu langer Zeit. Noch jetzt hörte er Sansas Flehen, wie einst auch Lyanna gefleht hatte.

«Höchstwahrscheinlich wußte der König es nicht«, sagte Littlefinger.»Es wäre nicht das erste Mal. Unser guter Robert ist geübt darin, die Augen vor Dingen zu verschließen, die er nicht sehen möchte.«

Darauf wußte Ned keine Antwort. Das Gesicht des Schlachterjungen tauchte vor seinen Augen auf, wie er, fast in zwei Hälften gehackt, dalag, und der König hatte kein Wort dazu gesagt. Es hämmerte in seinem Kopf.

Littlefinger schlenderte zum Tisch hinüber und drehte das Messer aus dem Holz.»Die Anschuldigung bedeutet in beiden Fällen Hochverrat. Beschuldigt den König, und Ihr tanzt mit Ilyn Payne, bevor die Worte noch aus Eurem Mund gekommen sind. Die Königin… falls Ihr Beweise finden könntet, falls Ihr es schafft, daß Robert Euch anhört, dann vielleicht…«

«Wir haben einen Beweis«, hielt Ned dagegen.»Wir haben den Dolch.«

«Das hier?«Littlefinger wirbelte das Messer lässig durch die Luft.»Ein hübsches Stückchen Stahl, doch hat es wohl zwei Schneiden, Mylord. Der Gnom wird ohne Zweifel schwören, daß es verloren oder gestohlen wurde, als er selbst auf

Winterfell war, und nachdem sein gedungener Mörder tot ist, wer soll ihn nun als Lügner entlarven?«Er warf das Messer etwas mehr in Neds, Richtung.»Mein Rat wäre, dieses Ding in den Fluß zu werfen und zu vergessen, daß es je geschmiedet wurde.«

Ned betrachtete ihn mit kaltem Blick.»Lord Baelish, ich bin ein Stark von Winterfell. Mein Sohn ist verkrüppelt, dem Tode nah. Er wäre bereits tot, und Catelyn mit ihm, wäre da nicht dieses Wolfsjunge gewesen, das wir im Schnee gefunden haben. Falls Ihr wirklich glauben solltet, daß ich das vergessen könnte, seid Ihr heute noch ein ebensolcher Narr wie damals, als Ihr Euer Schwert gegen meinen Bruder erhoben habt.«

«Ein Narr mag ich wohl sein, Stark… nur bin ich noch immer hier, während Euer Bruder schon seit vierzehn Jahren tot ist. Wenn Ihr so darauf bedacht seid, an seiner Seite zu verfaulen, so liegt es mir fern, Euch davon abzubringen, doch möchte ich an dieser Gesellschaft lieber nicht teilhaben, vielen Dank.«

«Ihr wäret der letzte Mensch, den ich freiwillig an einer Gesellschaft teilhaben ließe, Lord Baelish.«

«Ihr habt mich tief verwundet. «Littlefinger legte die Hand auf sein Herz.»Ich für mein Teil habe Euch Starks stets als ermüdenden Haufen erlebt, doch scheint Cat an Euch zu hängen, aus Gründen, die mir fern sind. Ich will versuchen, Euch um ihretwillen am Leben zu erhalten. Zugegebenermaßen ein närrisches Vorhaben, nur könnte ich Eurer Gattin nichts ausschlagen.«

«Ich habe Petyr von unserem Verdacht über Jon Arryns Tod erzählt«, sagte Catelyn.»Er hat versprochen, daß er Euch helfen will, die Wahrheit ans Licht zu bringen.«

Das war keine Neuigkeit, die Eddard Stark gern hörte, doch traf es sicher zu: sie brauchten Hilfe. Und Littlefinger war für Cat einst fast ein Bruder gewesen. Es wäre nicht das erste Mal, daß Ned gezwungen war, mit einem Mann, den er verachtete, gemeinsame Sache zu machen.»Also gut«, sagte er und schob den Dolch in seinen Gürtel.»Ihr habt von Varys gesprochen. Weiß der Eunuch von alledem?«

«Nicht aus meinem Mund«, sagte Catelyn.»Ihr habt keine Närrin geheiratet, Eddard Stark. Nur besitzt Varys wie kein anderer Möglichkeiten, Dinge in Erfahrung zu bringen. Er beherrscht dunkle Künste, Ned, ich schwöre es.«

«Er hat Spione, das ist wohlbekannt«, sagte Ned mit wegwerfender Geste.

«Es ist mehr als das«, beharrte Catelyn.»Ser Rodrik traf sich mit Ser Aron Santagar in aller Heimlichkeit, und dennoch wußte die Spinne von ihrem Gespräch. Ich fürchte diesen Mann.«

Littlefinger lächelte.»Überlaßt Lord Varys mir, meine Liebe. Wenn Ihr mir eine kleine Obszönität verzeihen wollt — und wo wäre sie angebrachter als hier: Ich halte die Eier dieses Mannes mit fester Hand. «Er machte lächelnd eine hohle Hand.»Oder ich würde es tun, wenn er ein Mann wäre oder Eier hätte. Seht Ihr, wird der Kuchen erst angeschnitten, fangen die Vögel an zu singen, und das würde Varys nicht gefallen. Wäre ich an Eurer Stelle, würde ich mich mehr um die Lannisters und weniger um den Eunuchen sorgen.«