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«Wir mußten Steine werfen«, gestand sie bedrückt.»Ich habe ihr gesagt, daß sie weglaufen soll, daß sie frei sein soll, daß ich sie nicht mehr wollte. Da waren andere Wölfe, mit denen sie spielen konnte, wir haben ihr Heulen gehört, und Jory sagte, die Wälder seien voller Wild, so daß sie jagen konnte. Nur ist sie uns nachgelaufen, und schließlich mußten wir Steine werfen. Zweimal habe ich sie getroffen. Sie hat gejault und mich angesehen, und ich habe mich so geschämt, aber es war doch richtig, oder? Die Königin hätte sie getötet.«

«Es war richtig«, sagte ihr Vater.»Und selbst die Lüge war… nicht ohne Ehre. «Er hatte Needle beiseite gelegt, als er zu Arya gegangen war, um sie in seine Arme zu schließen. Nun nahm er die Klinge wieder auf und trat ans Fenster, wo er einen Moment lang stehenblieb und hinaus auf den Burghof blickte. Als er sich umdrehte, wirkte sein Blick nachdenklich. Er setzte sich auf den Fensterplatz, mit Needle auf dem Schoß.»Arya, setz dich. Ich muß versuchen, dir noch ein paar Dinge zu erklären.«

Ängstlich kauerte sie auf dem Rand ihres Bettes.»Du bist zu jung, als daß ich dich mit meinen Nöten belasten sollte«, erklärte er,»aber du bist auch eine Stark von Winterfell. Du kennst unseren Sinnspruch.«

«Der Winter naht«, flüsterte Arya.

«Die harten, schweren Zeiten«, erklärte ihr Vater.»Wir haben am Trident einen Vorgeschmack darauf bekommen, Kind, und bei Brans Sturz. Du bist im langen Sommer geboren, meine Süße, du kennst nichts anderes, doch nun kommt der Winter tatsächlich. Erinnere dich an unsere Familiensiegel, Arya.«

«Der Schattenwolf«, sagte sie und dachte an Nymeria. Sie umschlang ihre Knie vor der Brust, fürchtete sich plötzlich.

«Laß mich dir einiges über Wölfe erzählen, Kind. Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame

Wolf, doch das Rudel überlebt. Der Sommer ist die Zeit für Zank. Im Winter müssen wir einander schützen, einander wärmen, unsere Kräfte teilen. Wenn du also hassen mußt, Arya, dann hasse jene, die uns wirklich schaden würden. Septa Mordane ist eine gute Frau, und Sansa… sie ist deine Schwester. Ihr mögt so verschieden wie Sonne und Mond sein, doch fließt das gleiche Blut durch eure Herzen. Du brauchst sie, wie sie dich braucht… und ich brauche euch beide, mögen mir die Götter beistehen.«

Er klang so müde, daß es Arya traurig stimmte.»Ich hasse Sansa nicht«, erklärte sie ihm.»Nicht wirklich. «Es war nur eine halbe Lüge.

«Ich will dir keine Angst machen, aber ebensowenig will ich dich belügen. Wir sind an einem finsteren, gefährlichen Ort, Kind. Hier ist nicht Winterfell. Wir haben Feinde, die uns Böses wollen. Wir dürfen untereinander keinen Krieg führen. Deine Halsstarrigkeit, dein Weglaufen, die bösen Worte, der Ungehorsam… zu Hause war das alles nur das sommerliche Spiel eines Kindes. Hier und jetzt, da der Winter vor der Tür steht, ist das eine gänzlich andere Sache. Es wird Zeit, langsam erwachsen zu werden.«

«Das will ich«, schwor Arya. Niemals hatte sie ihn so sehr geliebt wie in diesem Augenblick.»Auch ich kann stark sein. Ich kann so stark wie Robb sein.«

Er hielt ihr Needle hin, mit dem Heft zuerst.»Hier.«

Mit Staunen im Blick sah sie das Schwert an. Einen Moment lang fürchtete sie, es zu berühren, fürchtete, wenn sie danach griff, würde er es wieder fortreißen, doch dann sagte ihr Vater:»Mach nur, es gehört dir«, und sie nahm es in die Hand.

«Ich darf es behalten?«sagte sie.»Ehrlich?«

«Ehrlich. «Er lächelte.»Wenn ich es dir nähme, würde ich innerhalb der nächsten vierzehn Tage einen Morgenstern unter deinem Kopfkissen finden. Versuche, deine Schwester nicht zu

erstechen, sosehr sie dich auch provozieren mag.«

«Tu ich nicht, ich verspreche es. «Arya drückte Needle fest an die Brust, als ihr Vater ging.

Am nächsten Morgen beim Morgenbrot entschuldigte sie sich bei Septa Mordane und bat sie um Verzeihung. Die Septa musterte sie argwöhnisch, doch Vater lächelte.

Drei Tage später, gegen Mittag, schickte Vayon Poole, der Haushofmeister ihres Vaters, Arya in den Kleinen Saal. Die aufgebockten Tische waren beiseite geräumt und die Bänke an die Wand geschoben. Der Saal schien menschenleer, bis eine ihr unbekannte Stimme sagte:»Du kommst spät, Junge. «Ein schmächtiger Mann mit kahlem Kopf und einer großen Hakennase trat aus dem Schatten, mit ein paar Holzschwertern in Händen.»Morgen wirst du zur Mittagsstunde hier sein. «Er hatte einen Akzent, die Melodie der Freien Städte, Braavos vielleicht oder Myr.

«Wer seid Ihr?«fragte Arya.

«Ich bin dein Tanzlehrer. «Er warf ihr eines der Holzschwerter zu. Sie griff danach, verfehlte es und hörte, wie es klappernd zu Boden fiel.»Morgen wirst du es fangen. Nun heb es auf.«

Es war nicht nur ein Stecken, sondern ein echtes Holzschwert mit Griff und Stichblatt und Knauf. Arya hob es auf und hielt es unsicher mit beiden Händen, streckte es vor sich aus. Es war schwerer, als es aussah, viel schwerer als Needle.

Der kahle Mann klickte seine Zähne aufeinander.»So geht das nicht, Junge. Es ist kein Großschwert, das man mit beiden Händen schwingen muß. Du hältst die Klinge in einer Hand.«

«Sie ist zu schwer«, sagte Arya.

«Sie ist so schwer, wie sie sein muß, damit du stark wirst, und wegen der Balance. Deshalb ist ein Hohlraum im Inneren

mit Blei gefüllt. Eine Hand ist alles, was du brauchst.«

Arya nahm ihre rechte Hand vom Griff und wischte die verschwitzte Handfläche an der Hose ab. Sie hielt das Schwert in ihrer Linken. Das schien ihm recht zu sein.»Die Linke ist gut.

Alles ist umgekehrt, was deine Feinde ungeschickter machen wird. Nun stehst du aber falsch. Dreh deinen Körper seitwärts, ja, so. Du bist dürr wie der Schaft von einem Speer, weißt du. Das ist auch gut, du bietest ein kleineres Ziel. Jetzt dein Griff, laß mich mal sehen. «Er trat näher heran und betrachtete ihre Hand, drückte ihre Finger auseinander, arrangierte sie neu.»Genau so, ja. Drück nicht zu fest, nein, der Griff muß locker sein, zart.«

«Was ist, wenn ich es fallen lasse?«sagte Arya.

«Der Stahl muß Teil deines Armes werden«, erklärte ihr der kahle Mann.»Kannst du einen Teil deines Armes fallen lassen? Nein. Neun Jahre war Syrio Forel Erster Krieger des Seelords von Braavos, der weiß so was. Hör auf ihn, Junge.«

Es war das dritte Mal, daß er sie» Junge «nannte.»Ich bin ein Mädchen«, protestierte Arya.

«Junge, Mädchen«, sagte Syrio Forel.»Du hältst ein Schwert in der Hand, das ist entscheidend. «Er klickte seine Zähne aufeinander.»Genau so, das ist der Griff. Du hältst keine Streitaxt, du hältst eine…«

«… Nadel«, beendete Arya grimmig seinen Satz.

«Genau das. Jetzt beginnen wir mit dem Tanz. Vergiß nicht, Kind, wir lernen hier nicht den eisernen Tanz von Westeros, den Königstanz, das Hacken und Hämmern, nein. Alle Menschen sind aus Wasser gemacht, wußtest du das? Wenn man sie ansticht, läuft das Wasser aus, und sie sterben. «Er trat einen Schritt zurück, hob seine eigene hölzerne Klinge an.»Jetzt wirst du versuchen, mich zu treffen.«

Arya versuchte, ihn zu treffen. Sie versuchte es vier Stunden lang, bis jeder Muskel in ihrem Leib müde war und schmerzte, während Syrio Forel mit den Zähnen klickte und ihr sagte, was sie tun sollte.

Am nächsten Tag begann die eigentliche Arbeit.

Daenerys

Das Dothrakische Meer«, sagte Ser Jorah Mormont, als er neben ihr auf dem Kamm zum Stehen kam.

Unter ihnen erstreckte sich die endlose Leere, eine flache, unermeßliche Weite, die bis zum Horizont und noch darüber hinaus reichte. Es war ein Meer, dachte Dany. Von hier an gab es keine Hügel, keine Berge, weder Bäume noch Städte oder Flüsse, nur die endlose, gräserne Steppe, und die hohen Halme wogten wie Wellen, wenn der Wind wehte.»Es ist so grün«, sagte sie.