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«Mein Bruder ist nicht hier, um Fragen zu beantworten«, sagte Robb barsch.»Tut, was Ihr zu tun habt, und dann macht Euch auf den Weg.«

«Ich habe ein Geschenk für dich«, wandte sich der Zwerg an Bran.»Reitest du gern, Junge?«

Maester Luwin trat vor.»Mylord, das Kind kann seine Beine nicht benutzen. Er kann auf keinem Pferd sitzen.«

«Unsinn«, sagte Lannister.»Mit dem richtigen Pferd und dem richtigen Sattel kann selbst ein Krüppel reiten.«

Das Wort traf Bran ins Herz wie eine Klinge. Er spürte, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen.»Ich bin kein Krüppel!«

«Dann bin ich kein Zwerg«, entgegnete der Zwerg und verzog den Mund dabei.»Mein Vater wird sich freuen, das zu hören. «Greyjoy lachte.

«Welche Art von Pferd und Sattel schlagt Ihr vor?«fragte Maester Luwin.

«Ein kluges Pferd«, erwiderte Lannister.»Der Junge kann das Pferd nicht mit seinen Beinen lenken, also muß man das Pferd dem Reiter anpassen, es lehren, auf die Zügel zu reagieren, auf die Stimme. Ich würde mit einem nicht zugerittenen Einjährigen beginnen, dem man noch nichts wieder abgewöhnen muß. «Er zog ein aufgerolltes Papier aus seinem Gürtel.»Gebt das hier Eurem Sattler. Er wird den Rest beschaffen.«

Maester Luwin nahm dem Zwerg das Blatt aus der Hand, neugierig wie ein kleines, graues Eichhörnchen. Er entrollte es, studierte es.»Ich verstehe. Ihr zeichnet gut, Mylord. Ja, das

müßte gehen. Ich hätte selbst daraufkommen können.«

«Mir fiel es leichter, Maester. Er unterscheidet sich nicht sonderlich von meinen eigenen Satteln.«

«Werde ich wirklich wieder reiten können?«fragte Bran. Er wollte ihnen gern glauben, doch fürchtete er sich. Vielleicht war es nur wieder eine Lüge. Die Krähe hatte versprochen, daß er würde fliegen können.

«Das wirst du«, erklärte ihm der Zwerg.»Und ich schwöre dir, Junge, auf dem Rücken eines Pferdes wirst du so groß wie alle anderen sein.«

Robb schien verblüfft.»Ist das eine Falle, Lannister? Was bedeutet Euch Bran? Warum solltet Ihr ihm helfen wollen?«

«Euer Bruder Jon hat mich darum gebeten. Und ich habe ein weiches Herz für Krüppel und Bastarde und Zerbrochenes. «Tyrion Lannister legte eine Hand auf sein Herz und grinste.

Die Tür zum Hof flog auf. Sonnenlicht fiel in den Saal, als Rickon atemlos hereinplatzte. Die Schattenwölfe waren bei ihm. Der Junge blieb an der Tür stehen, mit großen Augen, doch die Wölfe liefen weiter. Ihre Augen fanden Lannister, oder vielleicht witterten sie seinen Geruch. Summer knurrte zuerst. Grey Wind stimmte mit ein. Sie tappten zu dem kleinen Mann, einer von rechts und einer von links.

«Den Wölfen gefällt nicht, wie Ihr riecht, Lannister«, bemerkte Theon Greyjoy.

«Vielleicht wird es Zeit, daß ich mich auf den Weg mache«, sagte Tyrion. Er trat einen Schritt zurück… und Shaggydog trat knurrend aus dem Schatten hinter ihm. Lannister wich zurück, und Summer sprang ihn von der Seite an. Tyrion wankte von ihm, unsicher auf den Beinen, und Grey Wind schnappte nach seinem Arm, die Zähne gruben sich in seinen Ärmel und rissen ein Stück Stoff heraus.

«Nein!«rief Bran von seinem Stuhl aus, als Lannisters

Männer nach ihrem Stahl griffen.»Summer, hier, Summer, zu mir!«

Der Schattenwolf hörte die Stimme, sah zu Bran hinüber, dann wieder Lannister an. Er schlich rückwärts fort von dem kleinen Mann und legte sich unter Brans baumelnde Beine.

Robb hatte die Luft angehalten. Mit einem Seufzen ließ er sie heraus und rief:»Grey Wind. «Sein Schattenwolf kam zu ihm, flink und leise. Nun war es nur noch Shaggydog, der den kleinen Mann anknurrte, und seine Augen brannten wie grünes Feuer.»Rickon, ruf ihn«, rief Bran seinem kleinen Bruder zu, und Rickon kam zu sich und schrie:»Hierher, Shaggy, komm hierher. «Der schwarze Wolf knurrte Lannister ein letztes Mal an und sprang zu Rickon hinüber, der ihn fest in seine Arme schloß.

Tyrion Lannister löste seinen Schal, tupfte sich die Stirn und sagte mit tonloser Stimme:»Wie interessant.«

«Geht es Euch gut, Mylord?«fragte einer seiner Männer mit dem Schwert in der Hand. Unruhig sah er zu den Schattenwölfen, während er sprach.

«Mein Ärmel ist zerrissen, und meine Hosen sind unerklärlicherweise feucht, aber außer meiner Würde wurde nichts verletzt.«

Selbst Robb wirkte erschüttert.»Die Wölfe… ich weiß nicht, warum sie das getan haben… «

«Zweifelsohne haben sie mich für ihre nächste Mahlzeit gehalten. «Lannister verneigte sich steif vor Bran.»Ich danke Euch, daß Ihr sie zurückgerufen habt, junger Herr. Ich verspreche Euch, sie hätten mich eher unverdaulich gefunden. Und nun werde ich gehen, wahrlich.«

«Einen Moment, Mylord«, sagte Maester Luwin. Er trat zu Robb, und sie standen nah beieinander und flüsterten. Bran versuchte zu verstehen, was sie sagten, doch waren ihre Stimmen zu leise.

Schließlich schob Robb Stark sein Schwert wieder in die Scheide zurück.»Ich… ich mag etwas vorschnell mit Euch gewesen sein«, sagte er.»Ihr habt Bran eine Gefälligkeit erwiesen, und, nun…«Robb beherrschte sich mit einiger Mühe.»Die Gastlichkeit von Winterfell soll Euer sein, wenn Ihr es wünscht, Lannister.«

«Erspar mir deine falsche Höflichkeit, Junge. Du liebst mich nicht, und du willst mich hier nicht haben. Ich habe ein Gasthaus draußen vor euren Mauern gesehen, im Winterdorf. Dort werde ich ein Bett finden, und wir werden beide besser schlafen. Für ein paar Kupferstücke könnte ich sogar ein williges Weib finden, das mir die Laken wärmt. «Er wandte sich einem der schwarzen Brüder zu, einem alten Mann mit krummem Rücken und verfilztem Bart.»Yoren, bei Tagesanbruch ziehen wir gen Süden. Zweifelsohne werdet Ihr mich auf der Straße finden. «Mit diesen Worten ging er, kämpfte sich auf seinen kurzen Beinen durch den Saal, an Rickon vorüber und zur Tür hinaus. Seine Männer folgten ihm.

Die vier der Nachtwache blieben. Robb wandte sich unsicher zu ihnen um.»Ich habe die Zimmer vorbereiten lassen, und ich hoffe, Ihr findet keinen Mangel an heißem Wasser, mit dem Ihr Euch den Staub der Straße vom Leib waschen könnt. Ich hoffe, Ihr beehrt uns heute abend bei Tisch. «Er sprach die Worte derart unbeholfen, daß selbst Bran es auffiel. Es war eine Rede, die er auswendig gelernt hatte, keine Worte, die von Herzen kamen, doch die schwarzen Brüder dankten ihm.

Summer folgte ihnen die Turmtreppe hinauf, als Hodor Bran wieder zu seinem Bett trug. Old Nan schlief auf ihrem Stuhl.

Hodor sagte:»Hodor«, hob seine Urgroßmutter, die leise schnarchte, hoch und trug sie fort, während Bran dalag und nachdachte. Robb hatte versprochen, daß er gemeinsam mit der Nachtwache in der Großen Halle speisen durfte.»Summer«, rief er. Der Wolf sprang auf das Bett. Bran umarmte ihn fest und spürte den heißen Atem an seiner Wange.»Ich kann wieder reiten«, flüsterte er seinem Freund zu.»Bald können wir in den Wäldern jagen, warte nur, du wirst es sehen. «Nach einer Weile schlief er ein.

In seinem Traum kletterte er wieder, zog sich an einem alten, fensterlosen Turm hoch, seine Finger zwangen sich zwischen schwarz gewordene Steine, seine Füße suchten Halt. Höher und immer höher stieg er, durch die Wolken in den Nachthimmel hinauf. Als er anhielt, um hinabzusehen, wurde ihm schwindlig, und er fühlte, wie seine Finger abrutschten. Bran schrie auf und klammerte sich an sein Leben. Die Erde lag tausend Meilen unter ihm, und er konnte nicht fliegen. Er konnte nicht fliegen. Er wartete, bis sein Herz nicht mehr so sehr hämmerte, bis er wieder atmen konnte, und dann kletterte er weiter. Es ging nur nach oben. Weit über ihm, vor dem Hintergrund eines riesigen, blassen Mondes, sah er die Umrisse von Wasserspeiern. Seine Arme schmerzten, doch wagte er nicht, sich auszuruhen. Er zwang sich, schneller zu klettern. Die Wasserspeier beobachteten seinen Aufstieg. Ihre Augen glühten rot wie heiße Kohlen auf einem Rost. Vielleicht waren sie einst Löwen gewesen, doch nun waren sie entstellt und grotesk. Bran konnte hören, wie sie mit gräßlichen, steinernen Stimmen flüsterten. Er durfte nicht darauf hören, sagte er sich, er durfte nicht darauf hören, solange er nicht darauf hörte, war er in Sicherheit. Doch als die Wasserspeier sich vom Stein lösten und zur Turmseite tappten, an die Bran sich klammerte, wußte er, daß er doch nicht in Sicherheit war.»Ich habe nichts gehört«, weinte er, als sie immer näher kamen,»hab ich nicht, hab ich nicht.«