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Ned sah den Mann.»Ein weiterer Ohrenbläser des Eunuchen?«

«Nein, der gehört zur Königin. Beachtet, welch guten Blick er auf die Tür dieses Turmes hat, um besser sehen zu können, wer Euch besucht. Es gibt noch andere, die selbst mir nicht bekannt sind. Der Red Keep ist voller Augen. Was glaubt Ihr, wieso ich Cat in einem Bordell versteckt hatte?«

Eddard Stark fand keinen Geschmack an diesen Intrigen.»Bei allen sieben Höllen«, fluchte er. Es schien tatsächlich, als beobachtete ihn der Mann auf der Mauer. Beklommen trat Ned vom Fenster zurück.»Ist jedermann in dieser verfluchten Stadt ein Informant?«

«Kaum«, sagte Littlefinger. Er zählte an den Fingern seiner

Hand.»Nun, da bin ich, Ihr, der König… obwohl, wenn ich es genau bedenke, erzählt der König der Königin viel zuviel, und ich bin mir keineswegs sicher, was Euch angeht. «Er stand auf.»Gibt es einen Mann in Euren Ebensten, dem Ihr vollkommen und rückhaltlos vertraut?«

«Ja«, sagte Ned.

«In diesem Falle habe ich einen herrlichen Palast in Valyria, den ich Euch liebend gern verkaufen würde«, sagte Littlefinger mit höhnischem Grinsen.»Die klügere Antwort wäre nein, Mylord. Schickt diesen Ausbund an Tugenden zu Ser Hugh und den anderen. Wer bei Euch ein und aus geht, wird man bemerken, doch selbst die Spinne Varys kann nicht jeden Mann in Euren Diensten zu jeder Stunde des Tages beobachten. «Er machte sich zur Tür auf.

«Lord Petyr«, rief Ned ihm nach.»Ich… danke Euch für Eure Hilfe. Vielleicht war es ein Fehler, Euch zu mißtrauen.«

Littlefinger fingerte an seinem kleinen, spitzen Bart herum.»Ihr lernt langsam, Lord Eddard. Mir zu mißtrauen war das Klügste, was Ihr getan habt, seid Ihr von Eurem Pferd gestiegen seid.«

Jon

Jon machte eben Daeron vor, wie man am besten einen Seitenhieb ausführte, als der neue Rekrut den Übungshof betrat.»Deine Füße sollten weiter auseinander stehen«, drängte er.»Du willst doch nicht dein Gleichgewicht verlieren. So ist es gut. Nun dreh dich um dich selbst, und wenn du den Hieb ausführst, leg dein ganzes Gewicht hinter die Klinge.«

Daeron hielt inne und hob sein Visier.»Bei allen sieben Göttern«, murmelte er.»Sieh dir das mal an, Jon?«

Jon fuhr herum. Durch den Augenschlitz seines Helmes wurde er des fettesten Jungen gewahr, den er je in der Tür der Waffenkammer hatte stehen sehen. Er sah aus, als wöge er soviel wie zwanzig große Steine. Der Pelzkragen seines bestickten Wappenrocks verlor sich unter seinen Kinnen. Matte Augen zuckten unruhig hin und her, in einem großen, runden Mond von einem Gesicht, und plumpe, schwitzige Finger wischten am Samt seines Wamses herum.»Man… man hat mir gesagt, ich solle mich wegen der… der Übungen hier melden«, sagte er, an niemand Bestimmtes gerichtet.

«Ein kleiner Lord«, sagte Pyp zu Jon.»Südländer, wohl aus der Gegend um Highgarden. «Pyp hatte die Sieben Königslande mit einer Komödiantentruppe bereist und prahlte stets, er könne allein am Klang der Stimme erkennen, was jemand war und woher er kam.

Ein schreitender Jägersmann war mit rotem Faden auf den pelzbesetzten Wappenrock des Jungen gestickt. Jon kannte dieses Wappen nicht. Ser Alliser Thorne sah zu seinem neuen Schützling hinüber.»Es scheint, als wären denen im Süden die Wilderer und Diebe ausgegangen. Jetzt schicken sie uns schon Schweine von der Mauer. Sind Pelz und Samt Eure Vorstellung von einer Rüstung, edler Lord von Schweinebacke?«

Bald stellte sich heraus, daß der neue Rekrut seine eigene Rüstung mitgebracht hatte: gepolstertes Wams, Leder, Kettenhemd und Plattenpanzer und Helm, sogar einen großen Schild aus Holz und Leder, verziert mit dem gleichen schreitenden Jäger, den er auf seinem Wappenrock trug. Da jedoch nichts von alledem schwarz war, bestand Ser Alliser darauf, daß er sich in der Waffenkammer neu ausrüstete. Damit verging der halbe Morgen. Sein Körperumfang machte nötig, daß Donal Noye die Ketten einer Halsberge auseinandernahm und an den Seiten Lederstücke einsetzte. Um einen Helm über seinen Kopf zu bekommen, mußte der Waffenschmied das Visier entfernen. Seine Lederkleider waren um die Beine und unter den Armen derart eng, daß er sich kaum rühren konnte. Zur Schlacht bereit sah der neue Junge wie eine zu lange gekochte Wurst aus, die ihre Pelle zu sprengen drohte.»Hoffen wir, daß du nicht so unfähig bist, wie du aussiehst«, sagte Ser Alliser.»Halder, sieh dir mal an, was Ser Piggy kann.«

Jon Snow zuckte zusammen. Halder war in einem Steinbruch geboren und gelernter Steinmetz. Er war sechzehn, groß und muskulös, und seine Hiebe waren härter als alle, die Jon bis dahin erlebt hatte.»Das wird häßlicher als ein Hurenarsch«, murmelte Pyp, und das war es auch.

Der Kampf dauerte keine Minute, bis der dicke Junge am Boden lag und am ganzen Leib zitterte, während das Blut aus seinem geborstenen Helm und zwischen den dicken Fingern hervorlief.»Ich gebe auf«, kreischte er.»Nicht mehr, ich gebe auf, nicht mehr schlagen. «Rast und einige der anderen Jungen lachten.

Selbst da wollte Ser Alliser dem Spiel kein Ende bereiten.»Auf die Beine, Ser Piggy«, rief er.»Nehmt Euer Schwert auf. «Als der Junge auch weiterhin am Boden liegenblieb, gab Thorne Halder ein Zeichen.»Gib es ihm mit der flachen Seite deiner Klinge, bis er auf die Beine kommt. «Halder versetzte den aufragenden Hinterbacken seines Gegners einen zögerlichen Klaps.»Du kannst härter schlagen«, höhnte Thorne. Halder nahm sein Langschwert in beide Hände und schlug so fest zu, daß der Hieb das Leder spaltete, selbst mit der flachen Seite. Der neue Junge schrie vor Schmerz.

Lord Snow tat einen Schritt nach vorn. Pyp legte ihm die Hand auf den Arm.»Jon, nicht«, flüsterte der kleine Junge mit ängstlichem Blick auf Ser Alliser Thorne.

«Auf die Beine«, wiederholte Thorne. Der dicke Junge rappelte sich auf, rutschte aus und plumpste schwerfällig zu Boden.»Langsam ahnt Ser Piggy, was ich meine«, bemerkte Ser Alliser.»Noch einmal.«

Halder hob sein Schwert zum nächsten Hieb.»Schneid uns was vom Schinken ab!«rief Rast lachend. Jon schüttelte Pyps Hand.»Halder, genug. «Halder sah Ser Alliser an.

«Der Bastard spricht, und die Bauern zittern«, dröhnte der Waffenmeister mit seiner scharfen, kalten Stimme.»Ich erinnere daran, daß ich hier der Waffenmeister bin, Lord Snow.«

«Sieh ihn dir an, Halder«, rief Jon und beachtete Thorne so wenig wie möglich.»Es liegt keine Ehre darin, einen gefallenen Feind zu schlagen. Er hat aufgegeben. «Er kniete neben dem dicken Jungen.

Halder ließ sein Schwert sinken.»Er hat aufgegeben«, wiederholte er.

Ser Allisers onyxfarbene Augen waren auf Jon Snow gerichtet.»Anscheinend hat unser Bastard sich verliebt«, sagte er, als Jon dem dicken Jungen auf die Beine half.»Zeigt mir Euren Stahl, Lord Snow.«

Jon zog sein Langschwert. Er wagte nur bis zu einem bestimmten Punkt, sich Ser Alliser zu widersetzen, und er fürchtete, dieser sei längst schon überschritten.

Thorne lächelte.»Der Bastard möchte seine Herzensdame verteidigen, also werden wir eine Übung daraus machen. Rast, Pimple, helft unserem Steinschädel. «Rast und Albett gingen zu Halder hinüber.»Drei von Euch sollten genügen, die kleine Schweinedame zum Quieken zu bringen. Ihr müßt nur den Bastard überwinden.«

«Bleib hinter mir«, wies Jon den dicken Jungen an. Oft schon hatte Ser Alliser ihm zwei Gegner gegeben, doch niemals drei. Er wußte, daß er heute abend höchstwahrscheinlich blutig und blaugeprügelt schlafen gehen würde. Er machte sich für den Angriff bereit.

Plötzlich war Pyp an seiner Seite.»Drei gegen zwei macht sicher viel mehr Spaß«, sagte der kleine Junge gutgelaunt. Er klappte sein Visier herunter und zückte sein Schwert. Bevor Jon auch nur etwas dagegen einwenden konnte, war Grenn vorgetreten und machte sich zum dritten Mann.