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Ned legte dem Jungen die Hand auf den Kopf und fühlte das dicke, schwarze Haar.»Sieh mich an, Gendry. «Der Lehrling blickte auf. Ned betrachtete die Form seines Unterkiefers, die Augen wie blaues Eis. Ja, dachte er, ich sehe es.»Geh wieder an deine Arbeit, Junge. Es tut mir leid, wenn ich dich gestört habe. «Er kehrte mit dem Meister zum Haus zurück.»Wer hat das Lehrgeld für den Jungen bezahlt?«fragte er beiläufig.

Mott machte ein ärgerliches Gesicht.»Ihr habt den Jungen gesehen. Ein so kräftiger Junge. Diese Hände, seine Hände sind für den Hammer wie geschaffen. Er war so vielversprechend, daß ich ihn ohne Lehrgeld genommen habe.«

«Sagt die Wahrheit«, drängte Ned.»Die Straßen sind voll kräftiger Jungen. Der Tag, an dem Ihr einen Lehrling ohne Lehrgeld annehmt, wird der Tag sein, an dem die Mauer einstürzt. Wer hat für ihn bezahlt?«

«Ein Lord«, sagte der Meister zögerlich.»Er hat keinen Namen genannt und trug kein Siegel an seinem Mantel. Er hat in Gold gezahlt, das Doppelte der üblichen Summe, und er sagte, er zahlte einmal für den Jungen und einmal für mein Schweigen.«

«Beschreibt ihn.«

«Er war stämmig, mit runden Schultern, nicht so groß wie Ihr. Brauner Bart, doch mit etwas Rot darin, das würde ich beschwören. Er trug einen teuren Umhang, daran erinnere ich mich noch, schwerer, roter Samt mit silbernem Faden, aber die Kapuze verdeckte sein Gesicht, und ich konnte es nicht richtig sehen. «Einen Moment lang zögerte er.»Mylord, ich möchte keine Schwierigkeiten.«

«Keiner von uns möchte Schwierigkeiten, nur fürchte ich, daß wir in schwierigen Zeiten leben, Meister Mott«, sagte Ned.»Ihr wißt, wer der Junge ist.«

«Ich bin nur ein Waffenschmied, Mylord. Ich weiß nur, was man mir sagt.«

«Ihr wißt, wer der Junge ist«, wiederholte Ned geduldig.»Das ist keine Frage.«

«Der Junge ist mein Lehrling«, sagte der Meister. Er sah Ned in die Augen, unbeugsam wie altes Eisen.»Wer er war, bevor er zu mir kam, geht mich nichts an.«

Ned nickte. Er kam zu dem Schluß, daß ihm Tobho Mott, der meisterliche Waffenschmied, gefiel.»Sollte je der Tag kommen, an dem Gendry ein Schwert lieber schwingen als schmieden möchte, schickt ihn zu mir. Er sieht wie ein Krieger aus. Bis dahin seid Euch meines Dankes gewiß, Meister Mott, und meines Versprechens: Sollte ich je mit einem Helm Kinder erschrecken wollen, komme ich zuallererst zu Euch.«

Seine Garde wartete draußen bei den Pferden.»Habt Ihr etwas herausgebracht, Mylord?«fragte Jacks, als Ned aufstieg.

«Allerdings«, erklärte Ned und überlegte. Was hatte Jon Arryn von einem Bastard des Königs gewollt, und wieso war dies sein Leben wert gewesen?

Catelyn

«Mylady, Ihr solltet Euren Kopf bedecken«, erklärte Ser Rodrik, während sich ihre Pferde gen Norden schleppten.»Ihr werdet Euch erkälten.«

«Es ist nur Wasser, Ser Rodrik«, erwiderte Catelyn. Ihr Haar hing naß und schwer herab, eine lose Strähne klebte an ihrer Stirn, und sie konnte sich vorstellen, wie abgerissen und wild sie aussehen mußte, doch diesmal war es ihr egal. Der Regen im Süden war weich und warm. Catelyn gefiel es, wie er sich auf ihrem Gesicht anfühlte, sanft wie die Küsse einer Mutter. Es führte sie zurück in ihre Kindheit, zu langen, grauen Tagen in Riverrun. Sie erinnerte sich an den Götterhain, herabhängende Äste, schwer von der Feuchtigkeit, und an das Lachen ihres Bruders, wenn er sie durch Haufen feuchter Blätter jagte. Sie erinnerte sich daran, wie sie mit Lysa Matschkuchen gebacken hatte, wie schwer diese waren, und an den glitschigen, braunen Schlamm zwischen den Fingern. Sie hatten sie Littlefinger serviert, kichernd, und er hatte so viel Matsch gegessen, daß er eine Woche krank war. Wie jung sie alle gewesen waren.

Fast hatte Catelyn es schon vergessen. Im Norden fiel der Regen kalt und hart, und manchmal wurde er bei Nacht zu Eis. Er konnte das Korn ebenso leicht vernichten wie nähren, und ausgewachsene Männer flüchteten in den nächstbesten Schutz. Das war kein Regen, in dem kleine Mädchen spielten.

«Ich bin triefnaß«, beklagte sich Ser Rodrik.»Bis auf die Knochen. «Die Bäume um sie standen immer dichter, und das stete Prasseln von Regen auf den Blättern wurde begleitet vom leise schmatzenden Geräusch, das ihre Pferde machten, wenn sie ihre Hufe aus dem Schlamm zogen.»Wir werden heute abend ein Feuer brauchen, Mylady, und eine warme Mahlzeit

würde uns beiden guttun.«

«Es gibt einen Gasthof an der Kreuzung dort hinten«, erklärte ihm Catelyn. So manche Nacht hatte sie in ihrer Jugend dort geschlafen, wenn sie mit ihrem Vater reiste. Lord Hoster Tully war in der Blüte seiner Jahre ein rastloser Mann gewesen, der stets irgendwohin ritt. Noch heute erinnerte sie sich an die Wirtin, eine dicke Frau namens Masha Heddle, die bei Tag und Nacht Bitterblatt kaute und einen nie enden wollenden Vorrat an Freundlichkeit und süßen Kuchen für die Kinder bereitzuhalten schien. Die Kuchen waren von Honig durchtränkt, mächtig und schwer auf der Zunge, doch ihr Lächern hatte Catelyn gefürchtet. Das Bitterblatt hatte Mashas Zähne dunkelrot gefärbt, was ihr Lächeln zum blanken Schrecken machte.

«Einen Gasthof«, wiederholte Ser Rodrik versonnen.»Wenn nur… aber wir dürfen es nicht riskieren. Wenn wir unerkannt bleiben wollen, halte ich es für das beste, wenn wir uns einen kleinen Unterstand suchen…«Er hielt inne, als sie vor sich auf der Straße etwas hörten, platschendes Wasser, das Klirren von Ketten, das Wiehern eines Pferdes.»Reiter«, warnte er, und seine Hand ging zum Heft seines Schwertes. Selbst auf der Kingsroad schadete es nie, wachsam zu sein.

Sie folgten den Geräuschen um eine leichte Biegung und sahen sie: eine Kolonne bewaffneter Männer, die lärmend einen reißenden Bach durchquerten. Catelyn hielt ihr Pferd an, um sie passieren zu lassen. Das Banner in der Hand des vordersten Reiters hing schlaff und durchweicht herab, doch die Garde trug indigoblaue Umhänge, und auf ihren Schultern flog der silberne Adler von Seagard.»Mallisters«, flüsterte Ser Rodrik ihr zu, als wüßte sie es nicht.»Mylady, Ihr solltet lieber Eure Kapuze aufsetzen.«

Catelyn rührte sich nicht. Lord Jason Mallister höchstselbst ritt mit ihnen, umgeben von seinen Rittern, sein Sohn Patrek an seiner Seite und ihre Knappen gleich dahinter. Sie ritten nach

King's Landing zum Turnier der Hand, das war ihr klar. Seit Wochen drängten sich die Reisenden wie die Fliegen auf der Kingsroad. Ritter und Edelfreie, Sänger mit ihren Harfen und Trommeln, schwere Wagen, beladen mit Hopfen oder Getreide oder Honigwaben, Händler und Handwerker und Huren, und sie alle waren auf dem Weg nach Süden.

Offen betrachtete sie Lord Jason. Sie war ihm zuletzt begegnet, als er mit ihrem Onkel bei ihrer Hochzeit gescherzt hatte. Die Mallisters waren Vasallen der Tullys, und seine Geschenke waren verschwenderisch gewesen. Inzwischen war sein braunes Haar von Weiß durchzogen, sein Gesicht im Laufe der Jahre wie gemeißelt, doch hatte die Zeit seinem Stolz nichts anhaben können. Er ritt wie ein Mann, der nichts fürchtete. Darum beneidete ihn Catelyn. Sie selbst fürchtete mittlerweile so vieles. Als die Reiter passierten, nickte Lord Jason kurz zum Gruße, doch war es nur die Höflichkeit eines hohen Herrn einer Fremden gegenüber. In seinen grimmigen Augen lag kein Erkennen, und sein Sohn verschwendete nicht einmal einen Blick an sie.

«Er hat Euch nicht erkannt«, sagte Ser Rodrik später staunend.

«Er hat ein paar schlamm verdreckte Reisende am Straßenrand gesehen, naß und müde. Ihm käme nicht in den Sinn, daß einer davon die Tochter seines Lehnsherrn sein könnte. Ich denke, wir dürften im Gasthof sicher sein, Ser Rodrik.«

Es war fast dunkel, als sie ihn erreichten, am Kreuzweg nördlich des großen Zusammenflusses zum Trident. Masha Heddle war dicker und grauer, als Catelyn sie in Erinnerung hatte, kaute noch immer Bitterblatt, doch widmete sie ihnen nur einen höchst flüchtigen Blick, ohne auch nur die Andeutung ihres gräßlich roten Lächelns.»Zwei Zimmer ganz oben am Ende der Treppe, mehr ist nicht mehr da«, sagte sie und kaute dabei.»Sie liegen unter dem Glockenturm, so daß