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«Dorthin bin ich unterwegs«, erklärte sich der Jüngling. Wie sie vermutet hatte, war er mehr daran interessiert, seine eigene Geschichte zu erzählen, als sich die ihre anzuhören. Sänger lieben nichts so sehr wie den Klang ihrer eigenen Stimmen.»Das Turnier der Hand bedeutet reiche Herren mit dicken Geldbeuteln. Beim letzten Mal blieb mir mehr Silber, als ich tragen konnte… oder getragen hätte, wenn ich nicht alles verloren hätte, als ich auf den Sieg des Königsmörders gewettet habe.«

«Den Göttern mißfällt der Spieler«, sagte Ser Rodrik streng. Er kam aus dem Norden und teilte die Ansichten der Starks, was Turniere betraf.

«Ganz sicher habe ich ihnen mißfallen«, stimmte der Sänger zu.»Eure grausamen Götter und der Ritter der Blumen haben mich gemeinsam in die Knie gezwungen.«

«Zweifellos war es Euch eine Lehre«, sagte Ser Rodrik.

«Das war es. Diesmal werde ich mein Geld auf Ser Loras setzen.«

Ser Rodrik versuchte, an einem Backenbart zu zupfen, der nicht da war, doch bevor er einen Rüffel formulieren konnte, eilte der Servierjunge heran. Er stellte Bretter mit Brot vor ihnen ab und legte Stücke von gebräuntem Fleisch vom Spieß ab, das vor heißer Soße troff. Auf einem weiteren Spieß steckten winzige Zwiebeln, Feuerschoten und dicke Pilze. Ser Rodrik machte sich tatkräftig ans Werk, während der Junge lief, um ihnen Bier zu holen.

«Mein Name ist Marillion«, sagte der Sänger und zupfte eine Saite seiner Holzharfe.»Sicher habt Ihr mich schon einmal irgendwo spielen gehört?«

Sein Auftreten ließ Catelyn lächeln. Nur wenige wandernde Sänger gelangten je so weit nördlich wie Winterfell, doch kannte sie seinesgleichen aus ihren Mädchenjahren in Riverrun.»Ich fürchte, nicht.«

Er schlug einen wehmütigen Akkord auf seiner Harfe an.»Dann ist Euch etwas entgangen«, sagte er.»Wer war der beste Sänger, den Ihr je gehört habt?«

«Alia von Braavos«, antwortete Ser Rodrik sofort.

«Oh, ich bin viel besser als der alte Stockfisch«, sagte Marillion.»Wenn Ihr das Silber für ein Lied habt, würde ich es Euch gern zeigen.«

«Vielleicht hätte ich das eine oder andere Kupferstück, nur würde ich es eher in einen Brunnen werfen, als für Euer Geheul bezahlen«, nörgelte Ser Rodrik. Seine Ansichten zu Sängern waren wohlbekannt. Musik war etwas Hübsches für Mädchen, nur konnte er nicht verstehen, warum ein gesunder Junge eine Harfe zur Hand nehmen sollte, wenn er ein Schwert halten konnte.

«Euer Großvater ist von sauertöpfischem Wesen«, sagte Marillion zu Catelyn.»Ich wollte Euch die Ehre erweisen. Ein Loblied auf Eure Schönheit. In Wahrheit bin ich dafür geschaffen, für Könige und hohe Herren zu singen.«

«Oh, das sieht man Euch an«, sagte Catelyn.»Lord Tully ist ein Freund von Liedern, wie ich höre. Zweifellos wart Ihr schon in Riverrun.«

«Hundertmal«, sagte der Sänger unbekümmert.»Dort hält man mir ein Zimmer frei, und der junge Lord ist mir wie ein Bruder.«

Catelyn lächelte und fragte sich, was Edmure wohl dazu sagen würde. Ein anderer Sänger war einst mit einem Mädchen ins Bett gegangen, das ihrem Bruder gefiel. Seither hatte er die ganze Brut gehaßt.»Und Winterfell?«fragte sie ihn.»Seid Ihr je in den Norden gezogen?«

«Warum sollte ich?«fragte Marillion.»Da oben gibt es nur Schneestürme und Bärenfelle, und die Starks kennen keine andere Musik als Wolfsgeheul. «Am Rande nahm sie wahr, daß am anderen Ende des Raumes eine Tür aufgeworfen wurde.

«Wirtin«, rief die Stimme eines Dieners hinter ihr,»wir haben Pferde, die einen Stall brauchen, und mein Lord von Lannister benötigt ein Zimmer und ein heißes Bad.«

«Oh, bei allen Göttern«, stöhnte Ser Rodrik, bevor Catelyn eine Hand ausstreckte, um ihn zum Schweigen zu bringen, und ihre Finger griffen fest nach seinem Unterarm.

Masha Heddle verneigte sich und lächelte ihr schreckliches, rotes Lächeln.»Es tut mir leid, M'lord, wahrlich, wir sind voll, alle Zimmer voll.«

Sie waren zu viert, wie Catelyn sah. Ein alter Mann im Schwarz der Nachtwache, zwei Diener… und er, klein und dreist wie das Leben.»Meine Männer werden im Stall schlafen, und was mich angeht, ich brauche kein großes Zimmer, wie Ihr unschwer erkennen könnt. «Er ließ ein höhnisches Grinsen aufblitzen.»Solange das Feuer warm ist und das Stroh einigermaßen frei von Flöhen, bin ich ein glücklicher Mensch.«

Masha Heddle war außer sich.»M'lord, wir haben nichts, es ist das Turnier, ich kann nichts tun, oh…«

Tyrion Lannister nahm eine Münze aus seinem Geldbeutel und schnippte sie in die Luft, fing sie, warf sie erneut. Selbst auf der anderen Seite des Raumes, wo Catelyn saß, war das Blinken von Gold nicht zu übersehen.

Ein fahrender Ritter mit verblaßtem, blauem Mantel kam auf die Beine.»Seid willkommen in meiner Kammer, M'lord.«

«Das ist mal ein kluger Mann«, lobte Lannister, als er die Münze durch den ganzen Raum fliegen ließ. Der fahrende Ritter fing sie aus der Luft.»Und ein flinker dazu. «Der Zwerg wandte sich wieder Masha Heddle zu.»Seid Ihr wenigstens in der Lage, uns mit Speisen zu versorgen?«

«Alles, was Ihr wünscht, M'lord, alles, was Ihr wollt«, versprach die Wirtin. Und möge er daran ersticken, dachte Catelyn, doch war es Bran, den sie ersticken sah, ertrinkend in seinem eigenen Blut.

Lannister warf einen Blick auf die vordersten Tische.»Meine Männer bekommen, was immer Ihr diesen Leuten serviert. Doppelte Portionen, wir hatten einen langen, harten Ritt. Ich nehme gebratenes Geflügel… Huhn, Ente, Taube, das ist mir ganz egal. Und schickt einen Krug mit Eurem besten Wein. Yoren, wollt Ihr mit mir speisen?«

«Aye, M'lord, das will ich«, erwiderte der schwarze Bruder. Der Zwerg hatte das andere Ende des Raumes noch keines Blickes gewürdigt, und Catelyn wollte es den überfüllten Bänken zwischen ihnen schon danken, als plötzlich Marillion aufsprang.»Mylord von Lannister!«rief er aus.»Ich würde mich freuen, wenn ich Euch bei Eurer Mahlzeit unterhalten dürfte. Laßt mich Euch die Weisen vom großen Sieg Eures Vaters in King's Landing singen!«

«Nichts könnte mir mein Essen besser verderben«, entgegnete der Zwerg trocken. Seine ungleichen Augen betrachteten den Sänger kurz, wollten sich schon abwenden… und fanden Catelyn. Einen Moment lang sah er sie an, verdutzt. Sie wandte sich ab, doch zu spät. Der Zwerg lächelte.»Lady

Stark, welch unerwartete Freude«, rief er.»Es tat mir schon leid, daß wir uns auf Winterfell nicht begegnet sind.«

Marillion gaffte sie offenen Mundes an, und Verblüffung wich Verdruß, als Catelyn langsam aufstand. Sie hörte Ser Rodrik fluchen. Wäre der Mann doch nur auf der Mauer geblieben, dachte sie, wäre er doch nur…

«Lady… Stark?«fragte Masha Heddle mit belegter Stimme.

«Ich war noch Catelyn Tully, als ich zuletzt hier unterkam«, erklärte sie der Wirtin. Sie konnte das Gemurmel hören, spürte die Blicke auf sich ruhen. Catelyn sah sich im Raum um, sah die Gesichter der Ritter und der anderen Recken, und holte tief Luft, um das irrwitzige Hämmern ihres Herzens zu verlangsamen. Sollte sie das Risiko eingehen? Es blieb keine Zeit, es zu durchdenken, nur dieser Augenblick.»Ihr dort in der Ecke«, sagte sie zu einem älteren Mann, den sie bisher noch nicht bemerkt hatte.»Ist das die schwarze Fledermaus von Harrenhai, die ich dort auf Eurem Wappenrock sehe, Ser?«

Der Mann kam auf die Beine.»So ist es, Mylady.«

«Und ist Lady Whent eine wahre und treue Freundin meines Vaters, des Lord Hoster Tully von Riverrun?«

«Das ist sie«, erklärte der Mann beherzt.

Schweigend erhob sich Ser Rodrik und löste sein Schwert in dessen Scheide. Der Zwerg blinzelte sie an, mit leerer Miene und Erstaunen in seinen ungleichen Augen.