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Seine Finger hielten ihr Kinn so fest wie eine Eisenfalle. Seine Augen beobachteten die ihren. Trunkene Augen, düster vor Zorn. Sie mußte hinsehen.

Die rechte Seite seines Gesichts war ausgemergelt, mit scharfen Wangenknochen und einem grauen Auge unter schwerer Braue. Seine Nase war groß und krumm, sein Haar dünn und dunkel. Er trug es lang und kämmte es seitwärts, denn auf der anderen Seite dieses Gesichts wuchs kein Haar.

Die linke Gesichtshälfte war eine Ruine. Sein Ohr war weggebrannt, dort war nur mehr ein Loch. Sein Auge war noch gut, doch drumherum fand sich nur ein entstellender Wust von Narben, glattem, schwarzem Fleisch, so hart wie Leder, von Kratern übersät und durchzogen von tiefen Rissen, die rot und feucht glänzten, wenn er sich bewegte. Unten an seinem Kinn sah man eine Andeutung von Knochen, wo das Fleisch versengt war.

Sansa fing zu weinen an. Da ließ er sie los und drückte die

Fackel im Dreck aus.»Keine hübschen Worte dafür, Mädchen? Keine kleinen Komplimente, die dich die Septa gelehrt hat?«Als keine Antwort kam, fuhr er fort.»Die meisten glauben, es wäre eine Schlacht gewesen. Eine Belagerung, ein brennender Turm, ein Feind mit einer Fackel. Ein Narr fragte, ob ein Drache Feuer gespien hätte. «Diesmal klang sein Lachen weicher, doch nicht minder bitter.»Ich will dir sagen, was es war, Mädchen«, sagte er, eine Stimme aus der Nacht, ein Schatten, der so nah herankam, daß sie den säuerlichen Gestank von Wein in seinem Atem riechen konnte.»Ich war jünger als du, sechs, vielleicht sieben. Ein Holzschnitzer richtete seine Werkstatt unter der Burg meines Vaters ein, und um ihn wohlwollend zu stimmen, schickte er uns Gaben. Der alte Mann baute wundervolles Spielzeug. Ich weiß nicht mehr, was ich bekam, doch wollte ich Gregors Geschenk. Ein hölzerner Ritter, bemalt, und alle Gelenke einzeln aufgehängt und mit Bändern befestigt, damit man ihn kämpfen lassen konnte. Gregor ist fünf Jahre älter als ich, das Geschenk bedeutete ihm nichts, er war bereits ein Knappe, fast sechs Fuß groß, mit Muskeln wie ein Ochse. Also nahm ich seinen Ritter, doch hatte ich keine Freude daran, das kann ich dir sagen. Ich fürchtete mich dauernd, und schließlich fand er mich. Es war eine Kohlenpfanne im Raum. Gregor sagte kein Wort, klemmte mich nur unter seinen Arm und drückte mein Gesicht in die brennenden Kohlen und hielt mich dort fest, während ich schrie und schrie. Du hast gesehen, wie stark er ist. Damals schon mußten drei ausgewachsene Männer mich von ihm befreien. Die Septonen predigen von den sieben Höllen. Was wissen die schon? Nur jemand, der verbrannt wurde, weiß, wie die Hölle wirklich ist.

Mein Vater erzählte jedermann, mein Lager habe Feuer gefangen, und unser Maester gab mir Salben. Salben! Auch Gregor bekam seine Salben. Vier Jahre später hat man ihn mit den sieben Ölen gesalbt, und er hat seinen ritterlichen Eid abgelegt, und Rhaegar Targaryen hat ihm das Schwert auf die Schulter gelegt und gesagt: >Erhebt Euch, Ser Gregor. <«

Die schnarrende Stimme erstarb. Schweigend kauerte er vor ihr, ein ungeschlachter, schwarzer Schatten, von der Nacht umhüllt, vor ihrem Blick verborgen. Sansa konnte seinen rauhen Atem hören. Sie empfand Trauer für ihn, das merkte sie. Irgendwie war die Angst verflogen.

Das Schweigen dauerte an, so lange, daß sie sich schon wieder fürchtete, doch fürchtete sie um ihn, nicht um sich selbst.»Er war kein wahrer Ritter«, flüsterte sie ihm zu.

Der Bluthund warf seinen Kopf in den Nacken und brüllte. Sansa taumelte zurück, fort von ihm, doch nahm er sie beim Arm.»Nein«, knurrte er sie an,»nein, kleiner Vogel, er war kein wahrer Ritter.«

Den Rest des Weges in die Stadt sagte Sandor Clegane kein Wort mehr. Er führte sie dorthin, wo die Wagen warteten, sagte einem Kutscher, er solle sie zum Red Keep bringen, und stieg nach ihr ein. Schweigend fuhren sie durchs Königstor und die fackelbeschienenen Straßen hinauf. Er öffnete die Seitentür und führte sie in die Burg, wobei sein verbranntes Gesicht zuckte und die Augen brüteten, und er blieb einen Schritt hinter ihr, als sie die Stufen zum Turm erklommen. Er brachte sie sicher den ganzen Weg zum Korridor vor ihrem Schlafgemach hinauf.

«Ich danke Euch, Mylord«, sagte Sansa demütig. Der Bluthund packte sie beim Arm und beugte sich über sie.»Was ich dir heute abend erzählt habe«, sagte er, und seine Stimme klang noch rauher als gewöhnlich.»Falls du es je Joffrey erzählst…deiner Schwester, deinem Vater… irgendwem…«

«Das tue ich nicht», flüsterte Sansa.»Ich verspreche es.«

Es genügte nicht.»Falls du es irgend jemandem erzählst«, endete er,»werde ich dich töten.«

Eddard

«Ich habe selbst die letzte Wache bei ihm gehalten«, sagte Ser Barristan Selmy, als sie die Leiche auf dem Karren betrachteten.»Er hatte sonst niemanden. Eine Mutter im Grünen Tal, wie man mir sagte.«

Im fahlen Licht des Morgengrauens sah der junge Ritter aus, als schliefe er. Er war nicht hübsch gewesen, doch der Tod hatte seine grob gehauenen Züge geglättet, und die Schweigenden Schwestern hatten ihm sein bestes, samtenes Gewand angelegt, mit hohem Kragen, um die Wunde zu bedecken, die die Lanze an seinem Hals hinterlassen hatte. Eddard Stark sah in sein Gesicht und fragte sich, ob der Junge seinetwegen gestorben war. Von einem Vasallen der Lannisters erschlagen, bevor Ned mit ihm hatte sprechen können. Konnte das bloßer Zufall sein? Er nahm an, daß er es nie erfahren würde.

«Hugh war vier Jahre lang Jon Arryns Knappe«, fuhr Selmy fort.»Der König hat ihn zum Ritter geschlagen, bevor er gen Norden ritt, zum Gedenken an Jon. Der Junge wollte es unbedingt, nur fürchte ich, daß er dafür noch nicht bereit war.«

Ned hatte in der letzten Nacht schlecht geschlafen, und er fühlte sich müder, als er dem Alter nach sein sollte.»Keiner von uns ist je bereit«, sagte er.

«Für die Ritterwürde?«

«Für den Tod. «Sanft bedeckte Ned den Jungen mit dessen Umhang, einem blutigen, blauen Tuch, das mit Halbmonden gesäumt war. Wenn seine Mutter fragte, warum er tot sei, so dachte er verbittert, würde man ihr erklären, er habe zu Ehren Eddard Starks, der Rechten Hand des Königs, gefochten.»Es war sinnlos. Krieg sollte kein Spiel sein. «Ned wandte sich der Frau neben dem Karren zu, die in Grau gewandet war, das Gesicht bis auf die Augen verhüllt. Die Schweigenden

Schwestern bereiteten die Menschen für das Grab vor, und es brachte Unglück, dem Tod ins Gesicht zu schauen.»Schickt seine Rüstung in seine Heimat, ins Tal von Arryn. Die Mutter wird sie haben wollen.«

«Die ist ein schönes Stück Silber wert«, sagte Ser Barristan.»Der Junge hat sie speziell für das Turnier schmieden lassen. Schlichte Arbeit, aber gut. Ich weiß nicht, ob er den Schmied schon ausgezahlt hat.«

«Er hat gestern bezahlt, Mylord, und er hat teuer bezahlt«, erwiderte Ned. Und zu der Schweigenden Schwester sagte er:»Schickt der Mutter die Rüstung. Ich kümmere mich um seinen Schmied. «Sie verneigte sich.

Später ging Ser Barristan mit Ned zum Zelt des Königs. Langsam rührte sich das Lager. Fette Würste brutzelten und spritzten über Feuerstellen, würzten die Luft mit den Düften von Knoblauch und Pfeffer. Junge Knappen eilten auf Botengängen umher, während ihre Herren erwachten, gähnten und sich reckten, um den Tag zu begrüßen. Ein Dienstmann mit einer Gans unter dem Arm kniete vor ihnen nieder, als er sie sah.»M'Lord«, murmelte er, während die Gans schrie und nach seinen Fingern schnappte. Die Schilde, die vor den Zelten aufgestellt waren, kündeten von ihren Bewohnern: der silberne Adler von Seagard, Bryce Carons Feld von Nachtigallen, Weintrauben für die Redwynes, gestreifter Keiler, roter Ochse, brennender Baum, weißer Widder, Dreifachspirale, rotes Einhorn, tanzende Maid, schwarze Natter, Zwillingstürme, Ohreule, und zuletzt die reinen, weißen Wappen der Königsgarde, schimmernd wie die Morgendämmerung.