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«Der König will heute im Buhurt kämpfen«, sagte Ser Barristan, als sie an Ser Meryns Schild vorüberkamen, der von einem tiefen Spalt verunstaltet war, wo Loras Tyrell s Lanze das Holz durchschlagen hatte, als er ihn aus seinem Sattel hob.

«Ja«, sagte Ned grimmig. Jory hatte ihn in der letzten Nacht geweckt, um ihm diese Nachricht zu überbringen. Was Wunder, daß er so schlecht geschlafen hatte.

Ser Barristans Blick war besorgt.»Es heißt, die Schönheit der Nacht verginge am Morgen, und die Kinder des Weines würden oft bei Tageslicht verstoßen.«

«So sagt man«, gab Ned ihm recht,»doch nicht von Robert. «Andere Männer mochten Worte, die sie in trunkenem Übermut gesprochen hatten, überdenken, doch Robert Baratheon würde sich erinnern, und da er sich erinnerte, würde er zu seinem Wort stehen.

Das Zelt des Königs stand nah am Wasser, und der morgendliche Dunst vom Fluß umschmückte es mit grauen Fetzen. Es war ganz aus goldener Seide, das größte und prächtigste im ganzen Lager. Vor dem Eingang stand Roberts Streithammer neben einem mächtigen Eisenschild, auf dem der gekrönte Hirsch des Hauses Baratheon prangte.

Ned hatte gehofft, er würde den König noch in weinseligem Schlaf vorfinden, doch war das Glück nicht auf seiner Seite. Robert trank Bier aus einem polierten Horn und röhrte sein Mißfallen über zwei junge Knappen heraus, die versuchten, ihm seine Rüstung anzulegen.»Majestät«, sagte der eine beinah unter Tränen,»sie ist zu klein, es wird nicht gehen. «Kurz gab er nicht acht, und die Halsberge, die er um Roberts dicken Hals legen wollte, fiel zu Boden.

«Bei allen sieben Höllen!«fluchte Robert.»Muß ich es denn selbst tun? Auf euch gepißt! Heb sie auf! Steh nicht nur da und glotz, Lansel, heb sie auf!«Der Bursche sprang, und der König bemerkte seinen Besuch.»Sieh dir diese Esel an, Ned. Meine Frau hat darauf bestanden, daß ich die beiden als Knappen für mich nehme, und sie sind schlimmer als nutzlos. Können einem Mann nicht mal seine Rüstung richtig anlegen. Schildknappen, sagen sie. Ich sage, es sind Schweinehirten in Seidenkleidern.«

Ned brauchte nur einen Blick, um das Problem zu verstehen.»Die Jungen trifft keine Schuld«, erklärte er dem König.»Du bist zu fett für deine Rüstung, Robert. «Nach dem Eintreffen am Hof war Ned dazu übergegangen, seinen alten Freund, heute König, auf dessen Wunsch wieder zu duzen.

Robert Baratheon nahm einen ordentlichen Schluck Bier, warf das leere Horn auf die Felle seiner Bettstatt, wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab und sagte düster:»Fett? Fett? Spricht man so mit seinem König?«Er stieß ein Lachen aus, urplötzlich wie ein Sturm.»Ach, verflucht sollst du sein, Ned, warum hast du immer recht?«

Die Knappen lächelten unsicher, bis der König sich ihnen zuwandte.»Ihr da. Ja, alle beide. Ihr habt die Hand gehört. Der König ist zu fett für seine Rüstung. Geht und sucht Ser Aron Santagar. Sagt ihm, ich brauchte einen Einsatz für meinen Brustharnisch. Also! Worauf wartet ihr?«

Die Jungen stolperten übereinander, in ihrer Eile, das Zelt zu verlassen. Robert schaffte es, ein ernstes Gesicht zu machen, bis sie draußen waren. Dann ließ er sich auf einen Stuhl fallen und bebte vor Lachen.

Ser Barristan Selmy gluckste mit ihm. Selbst Eddard Stark brachte ein Lächeln zustande. Stets jedoch schlichen sich die ernsteren Gedanken ein. Er mußte an die beiden Knappen denken: hübsche Jungen, blond und Wohlgestalt. Einer war in Sansas Alter, mit langen, goldenen Locken, der andere vielleicht fünfzehn, rotblond, mit dem Hauch eines Bärtchens und den smaragdgrünen Augen der Königin.

«Ach, ich wünschte, ich könnte dabeisein und Santagars Gesicht sehen«, sagte Robert.»Ich hoffe, er ist schlau genug, sie zu jemand anderem zu schicken. Wir sollten sie den ganzen Tag lang laufenlassen.«

«Diese Jungen«, fragte Ned.»Lannisters?«Robert nickte, wischte sich die Tränen aus den Augen.»Vettern. Söhne von

Lord Tywins Bruder. Einer von den Toten. Oder vielleicht auch vom Lebenden, wenn ich näher darüber nachdenke. Ich erinnere mich nicht. Meine Frau kommt aus einer sehr großen Familie, Ned.«

Aus einer sehr ehrgeizigen Familie, dachte Ned. Er hatte nichts gegen die Knappen, doch bereitete es ihm Sorgen, wenn er Robert bei Tag und Nacht von Verwandten der Königin umgeben sah. Der Hunger der Lannisters nach Ämtern und Ehren schien keine Grenzen zu kennen.»Es heißt, zwischen dir und der Königin seien gestern abend böse Worte gefallen.«

Der Frohsinn auf Roberts Gesicht erstarrte.»Die Frau wollte mir verbieten, im Buhurt mitzukämpfen. Verdammt soll sie sein, jetzt schmollt sie in der Burg. Deine Schwester hätte mir nie solche Schande gemacht.«

«Du kanntest Lyanna nicht so, wie ich sie kannte, Robert«, erklärte Ned.»Du hast ihre Schönheit gesehen, doch nicht das Eisen darunter. Sie hätte dir erklärt, daß du in einem Buhurt, einem solchen Handgemenge, nichts zu suchen hast.«

«Auch du?«Der König legte seine Stirn in Falten.»Du bist ein sauertöpfischer Mann, Stark. Zu lange schon im Norden, alle Körpersäfte sind in dir erfroren. Aber meine fließen noch.«

Zum Beweis schlug er sich auf die Brust.

«Du bist der König«, rief Ned ihm in Erinnerung.

«Ich sitze auf dem verdammten Eisenstuhl. Soll das heißen, daß ich nicht dieselben Bedürfnisse wie andere Männer habe? Hin und wieder etwas Wein, ein Mädchen, das im Bette quiekt, ein Pferd zwischen den Beinen spüren? Bei allen sieben Höllen, Ned, ich möchte jemanden prügeln.«

Ser Barristan Selmy meldete sich zu Wort.»Eure Majestät«, sagte er.»Es ist nicht schicklich, daß ein König im Buhurt reitet. Es wäre kein ehrlicher Wettbewerb. Wer würde es wagen, Euch zu schlagen?«

Robert schien ehrlich verblüfft.»Wieso denn, sie alle, verdammt. Falls sie es können. Und der letzte, der noch steht… «

«… wirst du sein«, endete Ned an seiner Stelle. Ihm war sofort klar, daß Selmy den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Die Gefahren eines Buhurts waren für Robert nur die Würze, doch war sein Stolz gekränkt.»Ser Barristan hat recht. Es gibt niemanden in den Sieben Königslanden, der es wagen würde, deinen Mißmut zu erregen, indem er dich verletzt.«

Der König kam auf die Beine, mit puterroter Miene.»Wollt ihr mir erzählen, diese gockelnden Memmen lassen mich gewinnen?«

«Mit Sicherheit«, sagte Ned, und Ser Barristan Selmy verneigte sich in stillem Einverständnis.

Einen Moment lang war Robert so wütend, daß ihm die Worte fehlten. Er stampfte durch das Zelt, fuhr herum, stampfte zurück, mit finsterem und zornigem Gesicht. Er riß seinen Brustharnisch vom Boden hoch und warf ihn in stummer Wut nach Barristan Selmy. Selmy wich aus.»Hinaus«, sagte der König mit kalter Stimme.»Geht, bevor ich Euch erschlage.«

Eilig zog Ser Barristan sich zurück. Schon wollte Ned ihm folgen, als der König rief:»Du nicht, Ned.«

Ned wandte sich um. Wieder nahm Robert sein Horn auf, füllte es mit Bier aus einem Faß in der Ecke und hielt es Ned hin.»Trink«, sagte er barsch.»Ich habe keinen Durst…«»Trink. Dein König befiehlt es.«

Ned nahm das Horn und trank. Das Bier war schwarz und dick, so stark, daß es in den Augen brannte.