Robert setzte sich wieder.»Verdammt seist du, Ned Stark. Du und Jon Arryn, ich habe euch beide geliebt. Was habt ihr mir angetan. Ihr wart es, die Könige hätten werden sollen, du oder Jon.«
«Du hattest den berechtigteren Anspruch darauf, Majestät.«
«Ich habe gesagt, du sollst trinken, nicht streiten. Du hast mich zum König gemacht, also könntest du wenigstens die Höflichkeit besitzen, mir zuzuhören, wenn ich rede, verdammt. Sieh mich an, Ned. Sieh dir an, was das Königsamt aus mir gemacht hat. Bei allen Göttern, zu fett für meine Rüstung, wie konnte es jemals dazu kommen?«
«Robert… «
«Trink und schweig, der König spricht. Ich schwöre dir. Nie war ich so lebendig wie damals, als ich den Thron erstritten habe, und nie so tot wie jetzt, da ich darauf sitze. Und Cersei… ich kann mich bei Jon Arryn für sie bedanken. Mir war nicht nach heiraten zumute, nachdem mir Lyanna genommen war, nur sagte Jon, das Reich brauchte einen Erben. Cersei Lannister sei eine gute Partie, so hat er mir erklärt, sie würde Lord Tywin an mich binden, falls Viserys Targaryen je versuchen sollte, den Thron seines Vaters zurückzugewinnen. «Der König schüttelte den Kopf» Ich habe diesen alten Mann geliebt, das schwöre ich, aber inzwischen glaube ich, er war ein noch größerer Narr als Moon Boy. Oh, Cersei ist hübsch anzusehen, wahrlich, aber kalt… so wie sie ihre Fotze hütet, sollte man meinen, sie hielte alles Gold von Casterly Rock zwischen ihren Beinen. Hier, gib mir das Bier, wenn du es nicht trinken willst. «Er nahm das Horn, hob es an, rülpste, wischte sich den Mund.»Das mit deinem Mädchen tut mir leid, Ned. Ehrlich. Das mit dem Wolf, meine ich. Mein Sohn hat gelogen, darauf würde ich meine Seele verwetten. Mein Sohn… Du liebst deine Kinder, nicht?«
«Von ganzem Herzen«, sagte Ned.
«Ich will dir ein Geheimnis verraten, Ned. Mehr als einmal habe ich davon geträumt, die Krone abzugeben. Mich mit meinem Pferd und meinem Hammer nach den Freien Städten einzuschiffen und meine Zeit mit Kriegerei und Hurerei zu verbringen, denn dafür bin ich gemacht. Der Söldnerkönig, wie die Sänger mich lieben würden. Weißt du, was mich davon abhält? Der Gedanke an Joffrey auf dem Thron, während Cersei hinter ihm steht und in sein Ohr flüstert. Mein Sohn. Wie konnte ich einen solchen Sohn in die Welt setzen, Ned?«
«Er ist noch ein Junge«, sagte Ned unbeholfen. Er hatte für Prinz Joffrey nur wenig übrig, doch hörte er den Schmerz in Roberts Stimme.»Hast du vergessen, wie wild du in seinem Alter warst?«
«Es würde mir nichts ausmachen, wenn der Junge wild wäre, Ned. Du kennst ihn nicht, wie ich ihn kenne. «Er seufzte und schüttelte den Kopf.»Ach, vielleicht hast du recht. Jon hat mich oft genug zur Verzweiflung gebracht, und dennoch ist aus mir ein guter König geworden. «Robert sah Ned an und bedachte dessen Schweigen mit finsterem Blick.»Du könntest jetzt etwas sagen und mir zustimmen, weißt du.«
«Majestät…«, begann Ned vorsichtig
Robert schlug Ned auf den Rücken.»Ach, sag nur, daß ich ein besserer König als Aerys bin, und laß es gut sein. Du konntest weder für die Liebe noch die Ehre jemals lügen, Ned Stark. Ich bin noch jung, und da du nun bei mir bist, wird alles anders werden. Wir machen es zu einer Herrschaft, von der man noch singen wird, und sollen die Lannisters in allen sieben Höllen schmoren. Ich rieche Schinken. Was glaubst du, wer heute unser Meister sein wird? Hast du Mace Tyrells Sohn gesehen? Den Ritter der Blumen nennen sie ihn. Das ist mal ein Sohn, auf den jeder Mann stolz wäre. Beim letzten Turnier, als der dem Königsmörder den goldenen Rumpf geprügelt hat, hättest du Cerseis Gesicht sehen sollen. Ich mußte lachen, bis ich Seitenstechen hatte. Renly sagt, er hätte diese Schwester, eine Jungfer von vierzehn Jahren, lieblich wie der neue Morgen… «
Sie frühstückten schwarzes Brot, gekochte Gänseeier und
Fisch, der mit Zwiebeln und Schinken gebraten war, an einem aufgebockten Tisch am Ufer des Flusses. Die Schwermut des Königs verflog mit dem Morgendunst, und bald schon aß Robert eine Orange, palaverte freudig über einen Morgen auf der Eyrie, als sie noch Jungen gewesen waren.»… hatte uns Jon ein Faß voller Orangen gegeben, weißt du noch? Nur waren die Dinger verdorben, also habe ich meine über den Tisch und Dacks direkt in die Nase geworfen. Weißt du noch, Redforts pockennarbiger Knappe? Er hat dann eine nach mir geworfen, und bevor Jon auch nur furzen konnte, flogen Orangen in allen Richtungen durch die Hohe Halle. «Er lachte donnernd, und selbst Ned lächelte, da er sich erinnerte.
Das war der Junge, mit dem er aufgewachsen war, dachte er. Das war Robert Baratheon, wie er ihn kannte und liebte. Wenn er beweisen konnte, daß die Lannisters hinter dem Mordversuch auf Bran standen, wenn er beweisen konnte, daß sie Jon Arryn ermordet hatten, würde dieser Mann auf ihn hören. Dann würde Cersei stürzen, und der Königsmörder mit ihr, und falls Tywin es wagte, den Westen aufzuwiegeln, würde Robert ihn vernichten, wie er Rhaegar Targaryen am Trident vernichtet hatte. Das alles sah er klar und deutlich.
Dieses Frühstück schmeckte besser als alles, was Eddard Stark seit langer Zeit gegessen hatte, und danach fiel ihm das Lächeln leichter, bis es Zeit wurde, das Turnier wieder aufzunehmen.
Ned ging mit dem König zum Kampfplatz. Er hatte versprochen, sich die entscheidenden Durchgänge mit Sansa anzusehen. Septa Mordane war heute krank, und seine Tochter war entschlossen, sich das Ende des Turniers nicht entgehen zu lassen. Als er Robert zu dessen Platz geleitete, fiel ihm auf, daß Cersei Lannister es vorgezogen hatte, nicht zu erscheinen. Der Platz neben dem König war leer. Auch das gab Ned Grund zur Hoffnung.
Er bahnte sich einen Weg dorthin, wo seine Tochter saß, und fand sie, als die Hörner den ersten Kampf des Tages ankündigten. Sansa war derart versunken, daß sie seine Ankunft kaum bemerkte.
Sandor Clegane war der erste Reiter, der sich zeigte. Er trug einen olivgrünen Umhang über seiner aschgrauen Rüstung. Das und sein Helm in Form eines Bluthundkopfes waren sein einziges Zugeständnis an Verzierungen.
«Einhundert Golddrachen auf den Königsmörder«, verkündete Littlefinger laut, als Jaime Lannister auf den Platz kam, auf einem eleganten, roten Streitroß. Das Pferd trug eine Decke aus vergoldeten Ketten, und Jaime glitzerte von Kopf bis Fuß. Selbst seine Lanze war aus dem goldenen Holz von den Summer Isles gearbeitet.
«Abgemacht«, rief Lord Renly zurück.»Der Bluthund hat heute morgen etwas Hungriges an sich.«
«Selbst hungrige Hunde sind klug genug, nicht die Hand zu beißen, die sie füttert«, rief Littlefinger trocken zurück.
Sandor Clegane klappte sein Visier hörbar herunter und ging in Position. Ser Jaime warf einer Frau aus dem gemeinen Volk eine Kußhand zu, ließ sein Visier sanft herab und ritt zum Ende des Platzes. Beide Männer senkten ihre Lanze.
Ned Stark wäre nichts lieber gewesen, als zu sehen, wie sie beide unterlagen, Sansa hingegen beobachtete alles eifrig und mit feuchten Augen. Die eilig errichtete Empore erbebte, als die Pferde den Galopp aufnahmen. Der Bluthund beugte sich beim Reiten vor, die Lanze starr und unbeweglich, doch Jaime veränderte seine Sitzposition im Augenblick vor dem Aufprall. Cleganes Lanze wurde wirkungslos vom goldenen Schild mit dem Löwenwappen abgelenkt, während seine eigene voll traf. Holz splitterte, und der Bluthund wankte, kämpfte darum, im Sattel zu bleiben. Sansa stöhnte auf. Heiserer Jubel kam vom gemeinen Volk.
«Ich überlege schon, wofür ich Euer Geld ausgebe«, rief
Littlefinger zu Lord Renly hinab.
Der Bluthund hielt sich gerade noch im Sattel. Hart riß er sein Pferd herum und ritt für den zweiten Versuch auf die Bahn zurück. Jaime Lannister warf seine gebrochene Lanze fort und nahm sich eine neue, scherzte dabei mit seinem Knappen. Der Bluthund gab seinem Pferd die Sporen zu hartem Galopp, und Lannister ritt ihm entgegen. Diesmal, als Jaime sich im Sattel drehte, drehte sich Sandor Clegane mit ihm. Beide Lanzen explodierten, und als sich die Splitter gelegt hatten, trabte ein reiterloser Fuchs auf der Suche nach Gras davon, während Ser Jaime Lannister durch den Dreck rollte, golden und verbeult.