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«Man muß es Robert sagen«, meinte Ned.»Falls, was Ihr sagt, der Wahrheit entspricht, muß der König selbst es hören.«

«Und welchen Beweis könnten wir ihm liefern? Mein Wort gegen das der anderen? Meine kleinen Vögel gegen die Königin und den Königsmörder, gegen seine Brüder und seinen Rat, gegen die Wächter des Ostens und Westens, gegen die Macht von Casterly Rock? Seid so gut und laßt Ser Ilyn lieber gleich rufen, das spart uns viel Zeit. Ich weiß, wo diese Straße endet.«

«Doch wenn das, was Ihr sagt, wahr ist, werden sie nur den rechten Augenblick abwarten und den nächsten Versuch wagen.«

«Das werden sie allerdings«, sagte Varys,»und eher früher als später, wie ich fürchte. Ihr macht denen große Angst, Lord

Eddard. Doch meine kleinen Vögel werden lauschen, und gemeinsam könnten wir ihnen zuvorkommen, Ihr und ich. «Er erhob sich und setzte seine Kapuze auf, daß sein Gesicht erneut verborgen war.»Danke für den Wein. Wir sprechen später weiter. Wenn Ihr mich beim nächsten Mal im Rat seht, achtet darauf, daß Ihr mich mit Eurer üblichen Verachtung straft. Das sollte Euch nicht schwerfallen.«

Er war schon an der Tür, als Ned rief:»Varys. «Der Eunuch drehte sich um.»Woran ist Jon Arryn gestorben?«

«Ich habe mich schon gefragt, wann Ihr wohl darauf kommen würdet.«

«Sagt es mir.«

«Die Tränen von Lys, so nennt man es. Eine seltene und kostspielige Sache, klar und süß wie Wasser, und es hinterläßt keinerlei Spuren. Ich habe Jon Arryn bekniet, einen Vorkoster zu benutzen, in eben diesem Zimmer habe ich ihn bekniet, doch davon wollte er nichts hören. Nur jemand, der kein echter Mann sei, würde so etwas auch nur in Erwägung ziehen, erklärte er.«

Ned mußte auch den Rest wissen.»Wer hat ihm das Gift verabreicht?«

«Zweifellos ein guter, lieber Freund, der oft Met und Speisen mit ihm teilte. Oh, aber welcher? Davon gibt es so viele. Lord Arryn war ein herzlicher, vertrauensvoller Mann. «Der Eunuch seufzte.»Da war ein Junge. Alles, was er war, verdankte er Jon Arryn, doch als die Witwe mit ihrem Haushalt auf die Eyrie floh, blieb er in King's Landing und gedieh. Stets freut es mein Herz, wenn ich sehe, daß die Jungen in der Welt zu Ehren kommen. «Der schneidende Unterton war wieder in seiner Stimme, jedes Wort ein Hieb.»Er muß im Turnier eine stattliche Figur abgegeben haben, mit seiner schimmernden, neuen Rüstung und diesen Halbmonden auf seinem Umhang. Schade, daß er so frühzeitig sterben mußte, bevor Ihr mit ihm sprechen konntet… «

Ned fühlte sich selbst schon halb vergiftet.»Der Knappe«, sagte er» Ser Hugh. «Rädchen im Rädchen im Rädchen. In Neds Kopf hämmerte es.»Warum? Warum jetzt? Seit vierzehn Jahren war Jon Arryn die Rechte Hand. Was hat er getan, daß man ihn vergiften mußte?«

«Er hat Fragen gestellt«, erwiderte Varys und schob sich zur Tür hinaus.

Tyrion

Während er kurz vor dem Morgengrauen dort in der Kälte stand und sah, wie Chiggen sein Pferd schlachtete, dachte Tyrion Lannister an die Schuld, die er eines Tages bei den Starks einklagen würde. Dampf stieg aus dem Inneren des Kadavers auf, als der stämmige Söldner den Bauch mit seinem Messer öffnete. Er arbeitete mit flinken Händen, vergeudete keinen Schnitt. Die Arbeit mußte schnell getan sein, bevor der Blutgestank die Schattenkatzen aus den Bergen lockte.

«Heute abend muß keiner von uns hungern«, sagte Bronn. Er war selbst fast nur ein Schatten, knochendürr und knochenhart, mit schwarzen Augen und schwarzem Haar und einem Stoppelbart.

«Ein paar von uns vielleicht doch«, erklärte Tyrion.»Ich esse nicht gern Pferdefleisch. Besonders nicht von meinem Pferd.«

«Fleisch ist Fleisch«, sagte Bronn achselzuckend.»Die Dothraki mögen Pferd lieber als Rind oder Schwein.«

«Haltet Ihr mich für einen Dothraki?«fragte Tyrion mürrisch. Die Dothraki aßen Pferde, das stimmte. Außerdem überließen sie mißgebildete Kinder den wilden Hunden, die ihren khalasars folgten. Für die Sitten der Dothraki konnte er sich nicht eben begeistern.

Chiggen schnitt einen schmalen Streifen blutigen Fleisches von dem Kadaver und hielt ihn prüfend in die Luft.»Willst du kosten, Zwerg?«

«Mein Bruder Jaime hat mir die Stute zu meinem dreiundzwanzigsten Geburtstag geschenkt«, erwiderte Tyrion mit ausdrucksloser Stimme.

«Dann danke ihm in unser aller Namen. Falls du ihn je wiedersiehst. «Chiggen grinste, zeigte seine gelben Zähne und schluckte das rohe Fleisch mit zwei Bissen. «Schmeckt reinrassig.«

«Besser noch, wenn man es mit Zwiebeln brät«, warf Bronn ein.

Wortlos hinkte Tyrion davon. Die Kälte saß ihm tief in den Knochen, und seine Beine waren so wund, daß er kaum laufen konnte. Vielleicht hatte seine tote Stute im Grunde Glück. Er hatte noch Stunden zu reiten, worauf es einige Mundvoll Essen und einen kurzen Schlaf auf hartem, kaltem Boden gäbe, und dann noch eine ebensolche Nacht, und noch eine und noch eine, und allein die Götter wußten, wie es enden sollte.»Verdammt soll sie sein«, murmelte er, während er sich die Straße hinaufschleppte, um sich seinen Häschern anzuschließen, als ihm alles wieder einfiel,»verdammt soll sie sein, und alle Starks dazu.«

Die Erinnerung war schmerzlich. In einem Moment hatte er noch Abendbrot bestellt, und einen Augenblick später sah er sich einem ganzen Raum voll bewaffneter Männer gegenüber, wobei Jyck nach seinem Schwert griff und die fette Wirtin kreischte:»Keine Schwerter, nicht hier, bitte, M'lords!«

Eilig riß Tyrion Jycks Arm herunter, bevor sie beide seinetwegen in Stücke gehackt wurden.»Wo sind deine Manieren, Jyck? Unsere gute Wirtin sagte, keine Schwerter. Tu, worum sie dich bittet. «Er zwang sich zu lächeln, doch mußte es so übertrieben gewirkt haben, wie es sich anfühlte.»Ihr macht einen Fehler, Lady Stark. Mit dem Mordversuch an Eurem Sohn hatte ich nichts zu tun. Bei meiner Ehre…«

«Die Ehre eines Lannisters«, war alles, was sie sagte. Sie hielt ihre Hände hoch, damit alle im Raum sie sehen konnten.»Sein Dolch hat diese Narben hinterlassen. Das Messer, das er gesandt hat, damit es meinem Sohn die Kehle durchschneidet.«

Tyrion spürte den Zorn um sich herum, dicht und rauchig, gefüttert von den tiefen Schnitten in den Händen dieser Stark.»Tötet ihn«, zischte eine betrunkene Hure von weiter hinten, und andere Stimmen nahmen die Forderung auf, schneller, als er es für möglich gehalten hätte. Allesamt Fremde, deren Gerede eben eigentlich noch wohlgesonnen war, und schon wollten sie Blut sehen, wie Hunde auf der Jagd.

Tyrion sprach mit lauter Stimme, versuchte, das Beben seiner Stimme zu unterdrücken.»Wenn Lady Stark glaubt, ich hätte mich eines Verbrechens zu verantworten, werde ich mit ihr gehen und Rede und Antwort stehen.«

Es war die einzige Möglichkeit. Ein Versuch, sich den Weg aus dieser Sache freizuhauen, war eine sichere Einladung in ein frühes Grab. Ein gutes Dutzend Krieger hatten auf die Bitte der Stark um Hilfe reagiert: die Männer von Harrenhai, die drei Brackens, ein paar unangenehme Söldner, die aussahen, als wollten sie ihn töten, sobald er auch nur ausspuckte, und einige einfältige Landarbeiter, die zweifelsohne keine Ahnung hatten, worauf sie sich einließen. Was hatte Tyrion Lannister dagegen aufzubieten? Einen Dolch in seinem Gürtel und zwei Mann. Jyck schwang sein Schwert ganz ordentlich, doch Morrec zählte kaum. Er war teils Stallbursche, teils Koch, teils Kammerdiener und keineswegs Soldat. Was Yoren anging, wie auch immer seine Empfindungen sein mochten, so hatten die schwarzen Brüder den Eid abgelegt, sich an keinem Streit im Reiche zu beteiligen. Yoren würde gar nichts tun.

Und tatsächlich trat der schwarze Bruder schweigend beiseite, als der alte Ritter an Catelyn Starks Seite sagte:»Nehmt ihre Waffen«, und der Söldner Bronn trat vor, um das Schwert aus Jycks Händen zu winden und sie alle um ihre Dolche zu erleichtern.»Gut«, sagte der alte Mann, als die Spannung im Schankraum spürbar nachließ,»ausgezeichnet. «Tyrion erkannte die rauhe Stimme. Winterfells Waffenmeister mit rasiertem Backenbart.