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Tyrion hielt Catelyn Stark noch immer fest.»Ihr habt keine Wahl«, erklärte er ihr.»Drei von uns und ein vierter Mann vergeudet, der uns bewachen muß… vier Mann können hier oben über Leben und Tod entscheiden.«

«Gebt mir Euer Wort, daß Ihr Eure Schwerter niederlegt, sobald der Kampf vorüber ist.«

«Mein Wort?«Schon wurde das Hufgerrappel lauter. Tyrion grinste schief.»Oh, das habt Ihr, Mylady… auf meine Ehre als ein Lannister.«

Einen Moment lang dachte er, sie würde ihn anspucken, doch statt dessen rief sie:»Bewaffnet sie«, und schon machte sie sich davon. Ser Rodrik warf Jyck sein Schwert und Messer zu und fuhr herum, um sich dem Feind zu stellen. Morrec bekam Bogen und Köcher und kniete neben der Straße. Mit dem Bogen war er besser als mit dem Schwert. Und Bronn ritt heran und bot Tyrion eine Doppelaxt an.

«Ich habe noch nie mit einer Axt gekämpft. «Die Waffe fühlte sich in seinen Händen unhandlich und fremd an. Sie hatte einen kurzen Stiel, einen schweren Kopf, einen bösen Stachel am Ende.»Tut, als würdet Ihr Holz hacken«, erklärte ihm Bronn, während er sein Langschwert aus der Scheide auf seinem Rücken zog. Er spuckte aus und trabte davon, um sich neben Chiggen und Ser Rodrik aufzubauen. Ser Willis stieg auf, um sich ihnen anzuschließen, fingerte an seinem Helm herum, einem metallenen Topf mit schmalen Schlitzen für die Augen und einem langen, schwarzen, seidenen Federbusch.

«Holz blutet nicht«, sagte Tyrion, an niemand im besonderen gerichtet. Ohne Rüstung fühlte er sich nackt. Er sah sich nach einem Felsen um und lief dorthin, wo sich Marillion versteckte.»Rutsch ein Stück zur Seite.«

«Geh weg!«schrie der Junge ihn an.»Ich bin Sänger, ich will mit diesem Kampf nichts zu schaffen haben!«

«Was, hast du deinen Geschmack am Abenteuer schon verloren?«Tyrion trat nach dem Jüngling, bis dieser Platz machte, und das keinen Augenblick zu früh. Einen Herzschlag

später fielen die Reiter über sie her.

Es gab keine Herolde, keine Banner, weder Hörner noch Trommeln, nur das Singen der Sehnen, als Morrec und Lharys losließen, und plötzlich donnerten die Stammesbrüder aus dem Morgengrauen hervor, schlanke, dunkle Männer in Leder und ungleichen Rüstungen, die Gesichter hinter vergitterten Halbhelmen verborgen. Die behandschuhten Hände hielten die verschiedensten Waffen: Langschwerter und Lanzen und geschliffene Sicheln, dornbesetzte Keulen und Dolche und schwere Holzhämmer. An ihrer Spitze ritt ein großer Mann in einem gestreiften Umhang aus Schattenfell, mit einem beidhändigen Großschwert bewaffnet.

Ser Rodrik rief:»Winterfell!«und ritt ihnen entgegen, mit Bronn und Chiggen an seiner Seite, die irgendeinen wortlosen Schlachtruf von sich gaben. Ser Willis Wode folgte ihnen, schwang einen mit Eisenspitzen besetzten Morgenstern über seinem Kopf.»Harrenhai! Harrenhai!«rief er. Tyrion verspürte den plötzlichen Drang aufzuspringen, seine Axt zu schwingen und zu brüllen:»Casterly Rock!«, doch der Irrsinn verflog schnell, und er duckte sich noch tiefer.

Er hörte die Schreie ängstlicher Pferde und das Krachen von Metall auf Metall. Chiggens Schwert harkte durch das nackte Gesicht eines Reiters im Kettenhemd, und Bronn pflügte durch die Stammesbrüder wie ein Wirbelwind, schlug links und rechts von sich die Feinde nieder. Ser Rodrik hämmerte auf den großen Mann im Schattenfellumhang ein, und ihre Pferde umtanzten einander, während sie einen Hieb nach dem anderen tauschten. Jyck sprang auf ein Pferd und galoppierte ohne Sattel in den Kampf. Tyrion sah, daß ein Pfeil aus dem Hals des Mannes mit dem Umhang aus Schattenfell ragte. Als der den Mund aufmachte, um zu schreien, kam nur Blut heraus. Als er dann fiel, rang Ser Rodrik schon mit einem anderen.

Plötzlich schrie Marillion auf, schützte seinen Kopf mit der Harfe, als ein Pferd über ihren Felsen sprang. Tyrion kam auf die Beine, als der Reiter wendete, um sie anzugreifen, wobei er einen dornbesetzten Hammer in der Hand wog. Tyrion schwang seine Axt mit beiden Händen. Die Klinge traf das Pferd mit fleischigem Geräusch im Hals, nach oben abgewinkelt, und fast glitt sie Tyrion aus der Hand, als das Pferd schrie und zusammenbrach.

Er schaffte es, die Axt freizubekommen und unbeholfen aus dem Weg zu taumeln. Marillion hatte weniger Glück. Pferd und Reiter gingen gemeinsam über dem Sänger zu Boden. Tyrion sprang wieder heran, während das Bein des Räubers noch unter dem Pferd eingeklemmt war, und schlug dem Mann die Axt in den Hals, kurz oberhalb der Schulterblätter.

Als er darum rang, die Axt zu befreien, hörte er Marillion unter den beiden Leichen stöhnen.»Hilf mir doch jemand«, ächzte der Sänger.»Bei allen Göttern, ich blute.«

«Ich glaube, es ist Pferdeblut«, widersprach Tyrion. Die Hand des Sängers kam unter dem toten Tier hervor, krabbelte wie eine fünfbeinige Spinne durch den Dreck. Tyrion stellte seinen Absatz auf die tastenden Finger und spürte zufrieden deren Knirschen.»Schließ die Augen und stell dich tot«, riet er dem Sänger, bevor er die Axt nahm und sich abwandte.

Danach kam eines zum anderen. Die Morgendämmerung war voll Gebrüll und Geschrei und dem Gestank von Blut, und die Welt versank im Chaos. Pfeile pfiffen an seinem Ohr vorbei und prallten von den Steinen ab. Er sah, wie Bronn vom Pferd stieg und mit dem Schwert in einer Hand kämpfte. Tyrion hielt sich am Rande der Schlacht, schlich von Fels zu Fels und schoß aus dem Schatten hervor, um auf die Beine vorüber donnernder Pferde einzuhauen. Er fand einen verwundeten Banditen, half ihm sterben und bediente sich bei dessen Halbhelm. Dieser saß zu eng, doch war Tyrion froh um jede Art von Schutz. Jyck wurde von hinten niedergemacht, als er einen Mann vor sich aufschlitzte, und später stolperte Tyrion über Kurlekets Leiche. Das Schweinsgesicht war mit einer

Keule eingeschlagen worden. Tyrion erkannte den Dolch, als er ihn den Fingern des toten Mannes entwand. Eben schob er ihn in seinen Gürtel, als er eine Frau schreien hörte.

Catelyn saß an der steinernen Wand des Berges in der Falle, umgeben von drei Männern, einer noch zu Pferd, die beiden anderen zu Fuß. Sie hielt ein Messer unbeholfen in ihren zerschnittenen Händen und stand mit dem Rücken an der Wand, und sie war von drei Seiten umzingelt. Sollen sie sich die Hexe holen, dachte Tyrion, und sie bei sich willkommen heißen, doch irgendwie griff er trotzdem ein. Den ersten Mann traf er von hinten ins Knie, bevor sie überhaupt merkten, daß er da war, und das schwere Eisen der Axt spaltete Fleisch und Knochen wie morsches Holz. Holz, das blutet, dachte Tyrion geistlos, als sich der zweite Mann über ihn hermachte. Tyrion duckte sich unter dessen Schwert hindurch, schwang die Axt, der Mann taumelte rückwärts… und Catelyn Stark trat von hinten an ihn heran und schnitt ihm die Kehle auf. Dem Reiter fiel ein, daß er andernorts dringend gebraucht wurde, er galoppierte urplötzlich davon.

Tyrion sah sich um. Der Feind war bezwungen oder geflohen. Irgendwie hatten die Kämpfe aufgehört, als er gerade nicht hinsah. Verendende Pferde und verwundete Männer lagen überall, schrien und stöhnten. Zu seinem unendlichen Erstaunen war er nicht einer von ihnen. Er entspannte seine Finger und ließ die Axt mit dumpfem Schlag zu Boden fallen. Seine Hände waren ganz klebrig vom Blut. Er hätte schwören können, daß er einen halben Tag lang gekämpft hatte, die Sonne hingegen schien sich kaum bewegt zu haben.

«Deine erste Schlacht?«fragte Bronn später, während er sich über Jycks Leiche beugte und ihr die Stiefel auszog. Es waren gute Stiefel, wie es sich für einen von Lord Tywins Männern gehörte, schweres Leder, weich und eingefettet, weit besser als das, was Bronn trug.

Tyrion nickte.»Mein Vater wird wirklich stolz auf mich sein«, sagte er. Die Krämpfe in seinen Beinen waren so heftig, daß er kaum stehen konnte. Seltsam nur, während des Kampfes hatte er die Schmerzen nicht gespürt.