Выбрать главу

«Jetzt bräuchte man eine Frau«, sagte Bronn mit einem Funkeln in den schwarzen Augen. Er schob die Stiefel in seine Satteltasche.»Nichts geht über eine Frau, wenn ein Mann seine blutige Feuertaufe erlebt hat, das kannst du mir glauben.«

Chiggen unterbrach seine Leichenfledderei gerade so lange, daß er prusten und sich die Lippen lecken konnte.

Tyrion sah zu Lady Stark hinüber, die Ser Rodriks Wunden verband.»Ich wäre bereit, wenn sie es wäre«, sagte er. Die Reiter brachen in Gelächter aus, und Tyrion grinste und dachte: Das ist doch mal ein Anfang.

Später kniete er am Bach und wusch mit eiskaltem Wasser das Blut von seinem Gesicht. Als er wieder zu den anderen humpelte, sah er sich die Toten noch einmal an. Die erschlagenen Stammesbrüder waren magere, zerlumpte Männer, ihre Pferde knochig und von kleinem Wuchs, bei denen man jede Rippe erkennen konnte.

Was Bronn und Chiggen ihnen an Waffen gelassen hatten, war nicht allzu eindrucksvoll. Schlegel, Keulen, eine Sichel… er dachte an den großen Mann mit seinem Umhang aus Schattenfell, der mit einem zweihändigen Großschwert gegen Ser Rodrik gekämpft hatte, doch als er die Leiche auf dem steinigen Boden liegend fand, war dieser Mann gar nicht so groß, der Umhang fort, und Tyrion sah, daß die Klinge tiefe Kerben hatte und der billige Stahl von Rostflecken überzogen war. Kein Wunder, daß der Stamm neun Leichen am Boden zurückgelassen hatte.

Sie selbst hatten nur drei Tote zu beklagen, zwei von Lord Brackens Soldaten, Kurleket und Mohor, und dazu Jyck, einen seiner Mannen, der mit seiner Attacke ohne Sattel einen solch verwegenen Auftritt hingelegt hatte. Ein Narr bis in den Tod, dachte Tyrion.»Lady Stark, ich rate Euch, weiterzuziehen, in aller Eile«, sag Ser Willis Wode, und seine Augen suchten wachsam durch den Spalt in seinem Helm die Klippen ab.»Für den Augenblick haben wir sie vertrieben, aber sie werden nicht weit sein.«

«Wir müssen unsere Toten begraben«, Ser Willis«, gab sie zurück.»Es waren tapfere Männer. Ich werde sie nicht den Krähen und Schattenkatzen überlassen.«

«Diese Erde ist zu steinig zum Graben«, sagte Ser Willis.»Dann sammeln wir Steine, um sie damit zu bedecken.«»Sammelt alle Steine, die Ihr sammeln wollt«, erklärte Bronn,»aber tut es ohne Chiggen und mich. Ich weiß Besseres zu tun, als Steine auf toten Männern aufzuhäufen… atmen zum Beispiel. «Er sah den Rest der Überlebenden an.»Jeder von Euch, der hofft, bei Einbruch der Dunkelheit noch am Leben zu sein, reitet mit uns.«

«Mylady, ich fürchte, er spricht wahr«, sagte Ser Rodrik müde. Der alte Ritter schien in der Schlacht verwundet worden zu sein, beklagte einen tiefen Schnitt im linken Arm, und ein Speer hatte seinen Nacken gestreift. Er klang so alt, wie er tatsächlich war.»Wenn wir hierbleiben, fallen sie mit Sicherheit wieder über uns her, und einen zweiten Angriff überleben wir vielleicht nicht.«

Tyrion konnte den Zorn in Catelyns Gesicht sehen, doch hatte sie keine Wahl.»Dann mögen uns die Götter vergeben. Wir reiten gleich.«

Nun herrschte kein Mangel an Pferden mehr. Tyrion hob seinen Sattel auf Jycks gescheckten Wallach, der kräftig genug aussah, noch mindestens drei oder vier Tage durchzuhalten. Eben wollte er aufsteigen, als Lharys an ihn herantrat.»Gib mir diesen Dolch zurück, Zwerg.«

«Laßt ihn den Dolch behalten. «Catelyn Stark sah von ihrem Pferd herab.»Und sorgt dafür, daß er auch seine Axt wiederbekommt. Wir könnten sie gebrauchen, falls wir noch einmal angegriffen werden.«

«Seid meines Dankes gewiß, Lady«, sagte Tyrion und stieg auf.

«Spart ihn Euch«, sagte sie schroff.»Ich traue Euch nicht mehr als vorher. «Sie war fort, bevor ihm eine Antwort einfallen wollte.

Tyrion richtete seinen gestohlenen Helm und nahm die Axt von Bronn entgegen. Er dachte daran, wie er die Reise begonnen hatte, mit gefesselten Händen und einer Kapuze über dem Kopf, und kam zu dem Schluß, daß er sich enorm verbessert hatte. Lady Stark konnte ihr Vertrauen für sich behalten. Solange er die Axt behalten durfte, hatte er ihr etwas voraus.

Ser Willis Wode führte sie an. Bronn übernahm die Nachhut, Lady Stark blieb zu ihrer Sicherheit in der Mitte, Ser Rodrik wie ein Schatten neben ihr. Marillion warf Tyrion ständig mürrische Blicke zu, während sie so ritten. Dem Sänger waren ein paar Rippen gebrochen, seine Holzharfe und alle vier Finger seiner Spielhand, doch war der Tag für ihn kein gänzlicher Verlust gewesen. Irgendwo hatte er einen Umhang aus Schattenfell gefunden, einen dicken, schwarzen Pelz, von weißen Streifen durchzogen. Schweigend hüllte er sich hinein, und dieses eine Mal mangelte es ihm an Worten.

Sie hörten das tiefe Knurren von Schattenkatzen hinter sich, bevor sie auch nur eine halbe Meile geritten waren, und später das wilde Fauchen, als die Tiere um die Leichen stritten, die sie zurückgelassen hatten. Marillion wurde sichtlich blasser. Tyrion ritt neben ihm.»Memme«, sagte er,»reimt sich hübsch auf Gemme. «Er gab seinem Pferd einen Tritt und ritt an dem Sänger vorbei zu Ser Rodrik und Catelyn Stark.

Sie sah ihn an, die Lippen fest zusammengepreßt.»Wie ich bereits sagte, als wir so rüde unterbrochen wurden«, begann

Tyrion,»es gibt einen schweren Fehler in Littlefingers Fabel. Was immer Ihr von mir glauben mögt, Lady Stark, eines kann ich Euch versichern: Ich wette niemals gegen meine Familie.«

Arya

Der einohrige, schwarze Kater machte einen Buckel und fauchte sie an.

Arya tappte die Gasse entlang, balancierte auf den Ballen ihrer nackten Füße, lauschte dem Flattern ihres Herzens, atmete tief und langsam. Leise wie ein Schatten, sagte sie zu sich, leicht wie eine Feder. Der Kater sah sie kommen, mit Argwohn in den Augen.

Katzen zu fangen war schwer. Ihre Hände waren von halb verheilten Narben übersät, und beide Knie waren verschorft, denn sie hatte sie sich übel aufgeschlagen. Anfangs hatte ihr selbst die dicke, fette Katze des Kochs entfliehen können, doch Syrio trieb sie bei Tag und Nacht an. Als sie mit blutenden Händen zu ihm gelaufen kam, hatte er gesagt:»So langsam? Sei schneller, Mädchen. Deine Feinde werden dir mehr als nur Kratzer verpassen. «Sie hatte Wunden mit myrischem Feuer abgetupft, welches so schlimm brannte, daß sie sich auf die Lippen beißen mußte, um nicht zu schreien. Dann sandte er sie aus, weitere Katzen zu fangen.

Der Red Keep war voller Katzen: Faule, alte Katzen schlummerten in der Sonne, kaltäugige Mauser zuckten mit den Schwänzen, schnelle, kleine Kätzchen mit Krallen wie Nadeln, Katzen der Hofdamen, gekämmt und zutraulich, struppige Schatten, welche die Abfallhaufen durchstöberten. Eine nach der anderen hatte Arya gejagt und gefangen und stolz Syrio Forel gebracht… alle, bis auf diese eine, diesen einohrigen schwarzen Teufel von einem Kater.»Das da drüben ist der wahre König dieser Burg«, hatte einer der Goldröcke ihr erklärt.»Alter als die Sünde und doppelt so böse. Einmal, als der König ein Festmahl für den Vater der Königin gab, sprang der schwarze Mistkerl auf den Tisch und hat sich eine gebratene Wachtel direkt aus Lord Tywins Hand geschnappt. Robert mußte lachen, daß er fast geplatzt wäre. Von dem da halte dich lieber fern, Kindchen.«

Sie hatte ihn durch die halbe Burg gehetzt. Zweimal um den Turm der Hand, über den Innenhof, durch die Ställe, die Wendeltreppe hinunter, an der kleinen Küche und dem Schweinestall und den Kasernen der Goldröcke vorbei, am Fuße der Flußmauer entlang und wieder die Treppen hinauf und am Verrätergang vor und zurück und wieder hinunter und durch ein Tor und um einen Brunnen und in seltsame Gebäude hinein und wieder aus ihnen hervor, bis Arya nicht mehr wußte, wo sie war.

Jetzt endlich hatte sie ihn. Hohe Mauern ragten zu beiden Seiten auf, und vor sich sah sie eine kahle, fensterlose Wand. Leise wie ein Schatten, wiederholte sie, während sie voranschlich, leicht wie eine Feder.