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Tempus hatte um Jihan gefreit und sie bekommen, und nun gab es nichts mehr, das etwas am Entschluß der Gischttochter hätte ändern können, jetzt, da sie ihn gefaßt hatte.

Zip konnte sich die Schwierigkeiten gar nicht vorstellen, in denen er sich nun befand, da er zu einem Bündnis mit so vielen gezwungen war, die guten Grund hatten, ihm den Tod zu wünschen.

Jubals Falkenmasken geleiteten ihn hinaus zur Stiefsohnkaserne, um ihm dort alles zu zeigen. Nun, wenigstens mußte er hier nicht leben – noch nicht.

Die Abmachung sah so aus, daß er den Anführer eines verrückten Zusammenschlusses aller seiner bekannten Feinde machte – und einiger, von denen er gar nichts gewußt hatte: beispielsweise eine Frau namens Chenaya, die mehr Mumm hatte als die meisten Söldner, die auf dem weißgetünchten Übungsplatz herumlungerten – und sie hatte ihm klargemacht, daß die Hackordnung nicht von Dauer sein würde, solange sie nicht der Kopf war.

Mit einer übertriebenen Verbeugung und spöttisch galant ausgestreckter Hand bedeutete er ihr, daß sie gern jederzeit und überall den Vortritt in ein Grab haben könnte, und machte ihr klar, daß in Freistatt Köpfe dazu neigten, schnell zu rollen.

Aber Chenaya, die anscheinend eine rankanische Edle war, begriff nicht, daß er es spöttisch meinte. Sie nahm an, daß er sich aus Gewohnheit verbeugte und Kratzfüße machte wie andere Winder, und sie gestattete ihm, ihr in ihre Prunkkutsche zu helfen, sie sagte, sie würden sich später wiedersehen.

Er hätte sich besser gefühlt, bei all diesen Veränderungen, wenn Jubal von Mann zu Mann das erste Wort über die Regelung der Angelegenheiten zu ihm gesagt hätte; oder wenn der Rankaner Walegrin ihn nicht anblickt hätte, als wäre Zip eine Ziege, die man angepflockt hatte, um einen Wolf anzulocken.

Ja, es wäre auszuhalten in der Landgut-Festung des ehemaligen Sklavenhändlers. Ja, es war viel besser als das stinkende Loch seiner Rattenfalle. Aber irgendwie war er überzeugt, er würde nicht so lange leben, daß er mit seinen Rebellen hier einziehen könnte.

Er glaubte auch nicht, daß das 3. Kommando die Stadt verlassen würde, wenn die Stiefsöhne erst zur Hauptstadt unterwegs waren. Schließlich waren die Dritten die größte Macht hier, nach den Göttern, der Zauberei und nach Tempus.

Sync ließ sich von niemandem etwas vormachen. Und Sync blickte ihn eigenartig an, als er ein Pferd für ihn herbeipfiff, um ihm die Gangarten eines Streitrosses zu zeigen.

Es war ein sonniger Tag, das Pferd schwitzte, und Zip ritt mit Sync auf dem Übungsplatz herum wie ein rankanisches Kind mit seinem Papi, als der Pfeil sirrend sein Ohr streifte.

Er fluchte, tauchte auf der anderen Seite des Pferdes hinunter und rollte zum Zaun hinüber, während Sync Befehle brüllte und die Männer besorgt umherliefen.

Zip suchte nach dem Pfeil und fand ihn.

Wenn es nicht derselbe war, mit dem im Winter von einem Dach aus nach Straton geschossen worden, sah er zumindest genauso aus.

»Das bedeutet nicht, daß Strat – oder irgendein Stiefsohn – dahintersteckt«, sagte Sync, mit einem Grashalm zwischen den Zähnen, eine Stunde später, als sie ihre Pferde im Schritt gehen ließen. Die Männer kehrten schwitzend und schmutzig zurück und konnten keinen Erfolg melden. Sie grinsten Zip, den einzigen Ilsiger in der Kaserne, mit kühler Belustigung in den Söldneraugen an.

»Das habe ich auch nicht gedacht. Aber wahrscheinlich will jemand, daß ich es denke. Kein Problem.« Und er glaubte beinahe selbst, was er sagte. Wenn Strat ein Stück von ihm wollte, würden die Heiligen Trupps es sich mit großem Tamtam holen, nach dem seltsamen Kodex der Heiligen Trupps, damit Mord nicht Mord sein würde, weil er von dem bereitwilligen Mördergott abgesegnet war.

Für so einen Zweck hatten sie ganz hinten am Übungsplatz einen Altar.

Mit dem Pfeil in der Hand führte Zip sein neues Pferd dort hinüber, um seine Meinung kundzutun, indem er die aufgehäuften Steine in alle Richtungen trat.

Doch dann überlegte er es sich anders, saß auf und ritt aus der Kaserne.

Es interessierte ihn nicht wirklich, wer versucht hatte, ihn zu töten; und nach allem, was er in der Kaserne mitgehört hatte, interessierte es auch die Stiefsöhne nicht sonderlich. Sie machten sich mehr Sorgen wegen des Wetters.

Er hatte es doch gewußt, daß dieses ganze Getue, ihn an die Spitze einer Waffenstillstandskoalititon zu stellen, nur eine etwas umständlichere Art war, für seine Hinrichtung zu sorgen.

Durch die rituelle Hinrichtung zu sterben, war nicht gerade angenehm. Aber Zip hatte oft genug getötet, um zu wissen, daß keine Art zu sterben, angenehm war.

Er ritt den ganzen Tag im Sumpf der Nächtlichen Geheimnisse umher und dachte über seine Chancen nach und seine Alternativen – aber es gab gar keine.

Er würde in dem Augenblick tot sein, in dem er erklärte, daß er das Spiel nicht mitmachte. Und wenn er so tat, als machte er mit, blieb ihm zumindest eine Gnadenfrist von einer Woche.

Es war nicht viel, aber das einzige, was er hatte. Er konnte nirgendwohin fliehen; er hatte zu viele Feinde, ohne daß er auch noch Tempus dazu rechnen wollte. Wenn er von der ›Abmachung‹ abwich, blieb ihm überhaupt keine Überlebenschance. Dann wäre Zip Freiwild.

Eine Trumpfkarte besaß er – vielleicht – in Kama. Er konnte sich nicht vorstellen, daß sie sich aus Rache so um ihn gekümmert hatte.

Er wollte sie wiedersehen, doch bis er endlich aus dem Sumpf heraus war, ging bereits die Sonne unter, und es war höchste Zeit, daß er in die Rattenfalle zurückkehrte.

Sync hatte bewiesen, daß Zip in Abwind nicht sicher war, und irgend jemand hatte bewiesen, daß er in der Kaserne nicht sicher war. Aber er wußte schon lange, daß er nirgendwo sicherer sein konnte, als seine eigenen Fähigkeiten ihn machten.

Also kehrte er zur Rattenfalle zurück und erlaubte sich nur einen kurzen Umweg, um den Pfeil auf den kleinen Steinaltar am Ufer des Schimmelfohlenflusses zu legen.

Früher hatte er hier Blutopfer dargebracht – an etwas. Was dieses Etwas war, wußte er nicht so recht. Aber es hatte seine Opfer gemocht. Er dachte, wenn es ihn vielleicht genug mochte, weil er die Geschenke brachte, daß es dann möglicherweise zornig auf denjenigen war, der den Pfeil abgeschossen hatte.

Denn ohne die Hilfe eines Gottes hatte ein Stück Gossendreck wie Zip keine Chance, auch nur eine weitere Freistätter Nacht unversehrt zu überleben.

Tempus hatte recht: Freistatt war für Liebende, nicht mehr für Kämpfer.

Originaltiteclass="underline" Sanctuary is for Lovers
Copyright: 1986 by Janet und Chris Morris

Liebe und Verrat

Robin Wayne Bailey

Chenaya räkelte sich im Bett, kaum daß die Sonnenstrahlen durch das Ostfenster ihres Schlafgemachs fielen. Ein verschmitztes Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie wieder an ihre Begegnung mit Tempus Thaies dachte. Er war nicht so einfallsreich wie Hanse Nachtschatten, nicht halb so bezaubernd wie Enas Yorl, und der arme Irre war enttäuschend schnell gewesen. Wenn schon nichts anderes, so hatte sie eine weitere namhafte Freistätter Persönlichkeit auf ihre private Liste fügen können. Sie war froh, daß sie ihn gleich bemerkt hatte, als er im Garten herumschlich; froh, daß sie beschlossen hatte, ihm unauffällig über den Weg zu laufen.

Es war ja auch eine langweilige Party gewesen vor seinem Auftauchen.

Natürlich bildete er sich ein, er hätte sie vergewaltigt, und das erhöhte ihre Belustigung noch. Ihr spitzbübisches Lächeln wurde zu einem wahrlich boshaften Grinsen. Der arme Narr hatte keine Ahnung, was er für sein flüchtiges Vergnügen würde bezahlen müssen.