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Wie sehen eigentlich sachakanische Häuser aus?, fragte er sich. Ich sollte es in Erfahrung bringen, bevor ich aufbreche. Falls ich aufbreche.

Administrator Osen hatte gesagt, er könne keinen Grund sehen, warum man Dannyl die Position nicht geben sollte, da er gute Voraussetzungen mitbrachte und niemand sonst sich für das Amt beworben hatte.

Aber ich werde dieses Haus vermissen. Es wird gewiss Zeiten geben, da ich mir wünschen werde, ich könnte mir ein Buch aus meiner Bibliothek holen oder bei dem braven alten Yerak mein Lieblingsessen bestellen oder…

Er blickte auf, als draußen vor dem Raum Schritte laut wurden. Es folgte eine Pause, dann spähte Tayend um den Bogengang. Seine Augen wurden schmal.

»Wer seid Ihr, und wo ist der echte Lord Dannyl?«

Dannyl runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. »Was redest du da?«

»Ich habe deinen Schreibtisch gesehen.« Der Gelehrte trat ein und sah Dannyl mit gespieltem Argwohn an. »Er ist aufgeräumt.«

»Ah.« Dannyl lachte leise. »Ich werde es dir gleich erklären. Setz dich. Yerak wartet, und ich bin im Augenblick zu hungrig für Erklärungen.«

Als Tayend Platz nahm, sandte Dannyl ein wenig Magie in Richtung des Essensgongs, so dass der Klöppel sachte gegen die Scheibe tippte.

»Du warst heute in der Gilde?«, fragte Tayend.

»Ja.«

»Neue Bücher?«

»Nein, ich hatte eine Besprechung mit Administrator Osen.«

»Wirklich? Worum ging es?«

Die Tür zur Küche öffnete sich und ersparte Dannyl eine Antwort. Diener kamen mit dampfenden Platten und Schalen voller Essen herein. Dannyl und Tayend füllten sich ihre Teller und begannen zu essen.

»Was hast du heute getan?«, fragte Dannyl zwischen zwei Bissen.

Der Gelehrte zuckte die Achseln, dann erzählte er eine Geschichte, die er von einem anderen im Ausland lebenden Elyner gehört hatte. Er hatte den Mann am Morgen besucht, und dieser hatte von einigen Feuelschmugglern aus Vin berichtet, die von ihren Waren gekostet hatten und nackt und mit Wahnvorstellungen an einem Flussufer gefunden worden waren.

»Also, was hatte Administrator Osen zu sagen?«, erkundigte sich Tayend, als die Teller abgeräumt waren.

Dannyl zögerte kurz, dann holte er tief Luft. Ich kann es nicht länger hinausschieben. Er sah Tayend an und setzte eine ernste Miene auf.

»Er sagte, es gäbe keine anderen Bewerber für die Position des Gildebotschafters in Sachaka, daher sei es sehr wahrscheinlich, dass ich die Position bekommen würde.«

Tayend blinzelte, dann klappte ihm der Unterkiefer herunter. »Botschafter?«, wiederholte er. »Sachaka? Das ist nicht dein Ernst.«

»Oh doch.«

In Tayends Augen leuchtete Erregung auf. »Ich war noch nie in Sachaka! Und um dort hinzugelangen, braucht man nicht einmal übers Meer zu reisen.«

Dannyl schüttelte den Kopf. »Du kommst nicht mit, Tayend.«

»Ich komme nicht mit?« Tayend starrte ihn an. »Natürlich komme ich mit!«

»Ich wünschte, ich könnte dich mitnehmen, aber…« Dannyl breitete die Hände aus. »Alle Besucher Sachakas brauchen eine Genehmigung, entweder von der Gilde oder von ihrem König.«

»Dann werde ich ein Gesuch an meinen König richten.«

Wieder schüttelte Dannyl den Kopf. »Nein, Tayend. Ich… es wäre mir lieber, wenn du es nicht tätest. Zunächst einmal ist es ein gefährliches Land, und obwohl Magier und die meisten Händler lebendig zurückkehren, weiß noch niemand, wie die Sachakaner auf einen adligen Nichtmagier reagieren, der in ihr Land reist.«

»Dann werden wir es herausfinden.«

»Außerdem wäre da noch die Etikette zu bedenken. Soweit ich bisher in Erfahrung bringen konnte, sind Sachakaner Knaben gegenüber weder tolerant, noch haben sie die Gewohnheit, uns hinrichten zu lassen. Sie betrachten uns jedoch als Personen von niederem Ansehen, und sie weigern sich häufig, Umgang mit Leuten zu pflegen, die in ihren Augen in der gesellschaftlichen Hierarchie zu weit unter ihnen stehen. Das wird weder in meiner Position hilfreich sein noch bei meiner Suche nach historischen Aufzeichnungen.«

»Sie werden es nicht erfahren, wenn wir diskret sind«, sagte Tayend. Dann runzelte er die Stirn und funkelte Dannyl an. »Das ist der Grund, warum du das tust, nicht wahr? Weitere Nachforschungen!«

»Natürlich. Dachtest du, ich hätte plötzlich das Verlangen, wieder Botschafter zu sein oder in Sachaka zu leben?«

Tayend erhob sich und begann im Raum auf und ab zu gehen. »Jetzt ergibt es einen Sinn.« Er hielt inne. »Über welchen Zeitraum sprechen wir?«

»Zwei Jahre, aber ich kann wenn nötig früher zurückkehren. Und ich kann zu Besuch nach Hause fahren.«

Tayend setzte sein Auf und Ab fort und tippte sich mit einem Finger ans Kinn. Plötzlich runzelte er die Stirn.

»Wer wird dein Gehilfe sein?«

Dannyl lächelte. »Lord Lorkin hat Interesse bekundet.«

Tayends Schultern entspannten sich. »Nun, das ist eine Erleichterung. Er wird dich nicht verführt haben, um dich dazu zu bringen, mich zurückzulassen.«

»Was macht dich da so sicher?«

»Oh, Soneas Sohn hat einen beachtlichen Ruf unter den Damen. Wahrscheinlich maßlos übertrieben wie immer. Aber es gibt eine hübsche Anzahl von Frauen, die es gern selbst herausfinden würden.«

Ein Stich der Neugier durchzuckte Dannyl. »Wirklich? Warum haben sie es dann nicht getan?« »Anscheinend ist er wählerisch.«

Dannyl lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. »Also, werde ich ihn in Sachaka im Auge behalten müssen oder nicht?«

Ein verschlagener Ausdruck glitt über die Züge des Gelehrten. »Ich könnte auf ihn aufpassen. Dann wärst du frei für deine Forschung.«

»Nein, Tayend.«

Tayends Gesicht spiegelte Ärger und Frustration wider, dann holte er tief Luft und atmete schnaubend aus.

»Du solltest deine Meinung besser noch ändern«, sagte er. »Und du solltest außerdem wissen, dass ich, wenn du deine Meinung nicht änderst…« Er hielt inne, dann straffte er die Schultern. »Dann wirst du mich vielleicht nicht länger hier vorfinden, wenn du in zwei Jahren nach Kyralia zurückkehrst.«

Dannyl sah seinen Geliebten an, plötzlich unsicher, was er sagen sollte. Sein Herz hatte bei der Drohung einen Satz getan, doch irgendetwas veranlasste ihn, Schweigen zu bewahren. Vielleicht war es die Tatsache, dass Tayend nicht versuchte, ihn zum Bleiben zu überreden. Er suchte lediglich die Chance zu einem weiteren Abenteuer.

Der Gelehrte erwiderte seinen Blick mit großen Augen. Dann schüttelte er den Kopf, drehte sich um und stolzierte aus dem Raum.

5

Vorbereitungen

Als Cery die Hand ausstreckte, um die Mauer zu berühren, verspürte er eine merkwürdige Zuneigung. Früher einmal war die Befestigung des äußeren Rings der Stadt ein Symbol für die Trennung zwischen Arm und Reich gewesen – eine Barriere, die nur Diebe und ihre Freunde überschreiten konnten, wenn die Säuberung alle Heimatlosen und die Bewohner der überfüllten Schlafhäuser jeden Winter aus der Stadt in die Hüttenviertel getrieben hatte.

Jetzt hatte die Stadtmauer für die Bewohner Imardins keine andere Bedeutung mehr als eine Erinnerung an die Vergangenheit. Hier, auf einem von Cerys Grundstücken, war sie sogar als praktische Außenmauer für ein weitläufiges Lagerhaus verwendet worden, in dem Händler sowohl legal importierte als auch geschmuggelte Waren lagerten. Es gab noch immer einige Eingänge zu dem unterirdischen Netzwerk von Tunneln, die als die Straße der Diebe bekannt waren, aber sie wurden selten benutzt. Er hatte sie nur als mögliche Fluchtrouten bewahrt, aber heutzutage war die Wahrscheinlichkeit, dass ein Dieb, der diese Straße benutzte, auf Schwierigkeiten stieß, genauso groß wie die, dass er unbehelligt fliehen konnte.

Cery trat von der Mauer weg und setzte sich. Er war zu dem Schluss gekommen, dass die gut eingerichtete Wohnung im Obergeschoss des Lagerhauses zum Leben geradeso gut geeignet war wie jeder andere Ort. Eine Rückkehr in sein altes Versteck war undenkbar. Selbst wenn es nicht schmerzhafte Erinnerungen beherbergt hätte, war es doch offenkundig nicht sicher genug gewesen. Nicht dass irgendeins seiner anderen Verstecke besser geschützt wäre, aber es bestand zumindest die Chance, dass der Mörder seiner Familie nicht wusste, wo sie sich befanden.