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»Der Dieb, mit dem wir zusammenarbeiten, ist die Hauptquelle von Feuel?«, unterbrach ihn Sonea.

Cery nickte und rümpfte angewidert die Nase. »Ja.«

Sie wandte sich ab. »Oh, das ist einfach wunderbar.« »Wirst du seine Hilfe annehmen?«

Sie sah ihn an. Sein Blick war hart und herausfordernd. Doch was hatte er gesagt? »…hatte sein Geschäft in meinem Gebiet aufgezogen, bis ich der Sache Einhalt geboten habe.« Vielleicht gefiel ihm genauso wenig wie ihr, was Feuel den Menschen antat. Aber er hatte keine andere Wahl, als mit Leuten wie Skellin zusammenzuarbeiten. »Er ist einer der mächtigsten Diebe in der Stadt.« Wenn die wilde Magierin für einen Feuelhändler arbeitete, dann machte es Sinn, sich der Hilfe eines Importeurs der Droge zu versichern. Vielleicht war sie süchtig nach der Droge, und der Verkäufer zwang sie, ihre Magie für Verbrecher einzusetzen, um Nachschub zu bekommen.

Sonea massierte sich die Schläfen, während sie nachdachte. Ich breche bereits einen ganzen Haufen Regeln. Ironischerweise wird dies die Dinge nicht schlimmer machen, soweit es die Gilde betrifft. Es wird sich nur für mich schlimmer anfühlen.

»Dann rekrutiere ihn. Solange er begreift, dass eine Begegnung mit mir nicht mehr bedeutet, als dass wir beide ein einziges Mal am selben Ort sein und uns für eine vernünftig bemessene Zeitspanne freundlich unterhalten werden – und solange du es für notwendig hältst, ihn mit einzubeziehen –, habe ich nichts dagegen einzuwenden.«

Cery nickte. »Ich denke tatsächlich, dass wir ihn brauchen. Und ich werde dafür sorgen, dass er versteht, dass man deine Dienste nicht mieten kann.«

Nachdem Dannyl und Achati aus der Kutsche gestiegen waren, drehten sie sich um, um ihre Umgebung zu betrachten. Die Straße, auf der sie in Richtung Norden unterwegs gewesen waren, endete an einer von Osten nach Westen verlaufenden Durchgangsstraße, die neben einem Fluss herführte. Hügel umgaben sie, und Felsbrocken ragten aus wilder Vegetation hervor.

»Wir werden hier warten«, sagte Achati.

»Was denkt Ihr, wie lange es dauern wird?«, fragte Dannyl.

»Eine Stunde, vielleicht zwei.«

Achati hatte veranlasst, dass die Gruppe einheimischer Magier, die ihnen magische Unterstützung gewähren wollten, sie an der Kreuzung traf. Sie brachten einen Fährtensucher mit. Er hatte ihnen erklärt, wie er die Dinge sah: Wenn sie bis zu den Bergen kamen und die Straße verlassen mussten, würde das Risiko, von den Verräterinnen angegriffen zu werden, dramatisch steigen.

Der Sachakaner drehte sich um und sprach mit seinen Sklaven, die er anwies, für ihn, Dannyl und sie selbst Wasser und Essen zu holen. Als die beiden jungen Männer gehorchten, ging Dannyl nicht zum ersten Mal durch den Kopf, dass Achati seine Sklaven gut behandelte. Er schien sie beinahe zu mögen.

Während sie die kleinen, flachen Pasteten verzehrten, die man ihnen auf dem letzten Gut mitgegeben hatte, betrachtete Dannyl abermals die Hügel. Die Felsvorsprünge erregten seine Aufmerksamkeit. Stirnrunzelnd bemerkte er, dass einige eher wie Mauern aus Felsblöcken wirkten. Und dass diese Felsblöcke sich so perfekt einer an den anderen fügten, dass es kaum noch allein auf eine Laune der Natur zurückgeführt werden konnte.

»Ist das eine Ruine dort oben?«, fragte er, an Achati gewandt.

Der Mann folgte Dannyls ausgestreckter Hand und nickte.

»Wahrscheinlich. Davon gibt es einige in diesem Gebiet.«

»Wie alt sind sie?«

Achati zuckte die Achseln. »Alt.«

»Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich sie mir ansehe?«

»Natürlich nicht.« Achati lächelte. »Ich werde Euch ein Zeichen geben, wenn die anderen eintreffen.«

Dannyl aß die letzte Pastete, dann überquerte er die Straße und begann hügelaufwärts zu gehen. Der Hügel war steiler, als es von der Straße aus den Anschein gehabt hatte, und als Dannyl den ersten Haufen Felsbrocken erreichte, war er außer Atem. Bei deren Untersuchung kam er zu dem Schluss, dass es sich um einen Teil einer Mauer handelte. Eine Weile ging er auf dem Hang umher, fand weitere Mauerabschnitte und ruhte sich aus, um wieder zu Atem zu kommen. Als er sich erholt hatte, beschloss er festzustellen, was diese Befestigungsanlage umgab, und machte sich erneut auf den Weg hügelaufwärts.

Je näher er dem Gipfel kam, desto dichter und höher wurde die Vegetation. Nachdem sein Ärmel sich an einem Dornenstrauch verfangen hatte und es ihm gelungen war, den Stoff zu zerreißen, machte er um solche Pflanzen einen großen Bogen. Es war nicht weiter schwierig, Stoff mit Magie zu trocknen und sogar einige Flecken zu entfernen, aber das Flicken von Rissen überstieg sein Vermögen. Es mochte irgendwie möglich sein, die feinen Fäden wieder zusammenzufügen, aber das würde Zeit und Konzentration erfordern.

Enttäuscht stellte er fest, dass er zwar vor sich die Überreste weiterer Mauern sehen konnte, dass sie jedoch inmitten eines anscheinend undurchdringlichen Gürtels miteinander verwachsener Dornensträucher emporragten. Er schuf einen magischen Schild, damit er sich zwischen ihnen hindurchzwängen konnte. Oben befand sich ein flacher Bereich innerhalb der niedrigen Mauern, der alles war, was von einem Gebäude übrig geblieben war, aber darüber hinaus gab es nichts zu sehen als verwitterte Steine.

Hier werde ich nichts Neues erfahren, überlegte er. Nicht ohne all das auszugraben. Er verließ das Gebäude und machte sich auf den Rückweg zur Straße.

Ein kleines Stück weiter den Hang hinunter teilte sich die Vegetation, und er hatte einen unverstellten Blick auf die Kutsche und die Straße unter ihm. Achati saß in der schmalen Tür des Wagens. Der gutaussehende Sklave namens Varn kniete vor dem Magier und hielt die Hände hoch, die Innenflächen nach außen gekehrt. Etwas in Achatis Hand fing das Licht auf.

Ein Messer.

Dannyls Magen krampfte sich zusammen, und er blieb stehen. Achati hob die kunstvoll geschmückte Klinge, die normalerweise in ihrer Scheide an seiner Seite ruhte, und berührte damit leicht die Handgelenke des Sklaven. Er steckte das Messer weg und legte beide Hände um das Gelenk des Mannes. Während Dannyl das Schauspiel beobachtete, raste sein Herz. Nach kurzer Zeit ließ Achati den Sklaven los.

Ich schätze, das bedeutet, dass Varn Achatis Quellsklave ist, dachte Dannyl. Dann wurde ihm klar, dass sein Herz nicht vor Furcht raste. Eher vor Aufregung. Ich habe soeben ein uraltes schwarzmagisches Ritual beobachtet. Magie war vom Sklaven an seinen Herrn weitergereicht worden. Und dazu war es nicht vonnöten gewesen, jemanden zu ermorden. Das Ganze war bemerkenswert ruhig und würdevoll abgelaufen.

Der junge Mann stand nicht auf, sondern rückte näher an seinen Herrn heran. Statt den Blick wie üblich gesenkt zu halten, sah er zu Achati auf. Dannyl starrte den Mann an, fasziniert von seinem Gesichtsausdruck. Falls ich aus dieser Entfernung keinem Trugschluss erliege, würde ich sagen, dass es ein Ausdruck der Bewunderung ist. Er lächelte. Ich schätze, es wäre einfach, einen Herrn zu lieben, der einen gut behandelt.

Dann lächelte der Sklave und trat sehr nah an Achati heran. Der Magier legte dem jungen Mann eine Hand auf die Wange und schüttelte den Kopf. Dann beugte er sich vor und küsste Varn auf die Lippen. Der Sklave bewegte sich wieder von ihm weg, immer noch lächelnd.

Dannyl wurden mehrere Dinge gleichzeitig klar. Erstens, dass die beiden Männer sich als Nächstes umschauen würden, um festzustellen, ob jemand sie gesehen hatte. Er wandte den Blick ab und ging weiter den Hang hinunter, damit sie ihn nicht dabei ertappten, dass er sie beobachtet hatte. Zweitens, dass der Sklave seinen Herrn nicht nur mochte – er liebte seinen Herrn. Und drittens, dass die Art, wie Achati den jungen Mann liebkost hatte, vermuten ließ, dass es für ihn um mehr ging, als einen Sklaven zu seinem Vergnügen zu haben.