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»Bis heute. Bis er Fotos von Karrelis sah. Er ist bereit, öffentlich zu erklären, daß das sein Agent CX einundzwanzig gewesen ist.«

»Dann soll er es doch öffentlich erklären! Was ändert das an dem Vorhandensein des Films? Ich habe meinen Schock jetzt überwunden. Ich finde das alles großartig. Da habt ihr ja jetzt den Kronzeugen für die Echtheit des Films!«

»Wen?«

»Von Karrelis, verflucht! Nehmt ihn vor die Kamera! Laßt ihn seine Geschichte erzählen! Die Wahrheit, die ganze Wahrheit, so wie ich sie dir jetzt gesagt habe, Tochter.«

»Vater! Ich sage dir doch, er ist verschwunden.« »Das verstehe ich nicht ... Aber warum ... aber wann?« »Vor ein paar Stunden hat er den Sender verlassen, sagen sie

uns. Niemand weiß, mit welchem Ziel. Man kann annehmen, daß er längst nicht mehr in Deutschland ist.«

»Aber weshalb?«

»Er war der Verräter. Alles deutet darauf hin.« »Karrelis? Niemals!«

»Es steht schon so gut wie fest. Karrelis hat alle unsere Aktionen vorher der Gegenseite verraten. Danny und Colledo vermuteten es. Sie stellten ihm eine Falle. Er glaubte, wir würden Chan Ragai in Südfrankreich interviewen, der hat dort ein Haus in einem kleinen Dorf bei Cannes. Colledo flog auch mit einem Aufnahmeteam hinunter, um Karrelis ganz in Sicherheit zu wiegen. Ohne Zweifel hat Karrelis das seinen Freunden gemeldet, damit Chan Ragai umgebracht werden konnte da unten an der Riviera – wie die anderen umgebracht wurden, die Karrelis verraten hat. Aber diesmal waren Danny und Colledo schlauer. Heimlich ließen sie Chan Ragai nach Frankfurt kommen, in Dannys Wohnung, unter Bewachung. Und in Dannys Wohnung hat Chan Ragai soeben vor der Kamera sein Statement abgegeben. Der Intendant muß Verdacht geschöpft haben, daß wir ihm auf der Spur waren – wir wissen noch nicht, wie –, und da ist er geflohen, augenblicklich.«

»Unfaßbar. Ich ...«

»Der Kontakt zwischen ihm und dir ist nie abgerissen, wie?« »Doch. Nach Kriegsende. Einige Jahre. Dann hörte ich, daß

Emanuel beim Norddeutschen Rundfunk zu arbeiten begonnen hatte. Ich ließ ihm eine Nachricht zukommen – über Dritte. Er antwortete umgehend. Es ging ihm gut. Er hatte knapp vor Kriegsende Westdeutschland erreicht. Alle Verwandten tot ... Als es mit dem Fernsehen losging in Deutschland, hatte er seine Chance. Neunundsechzig wurde er Intendant des Senders Frankfurt. Ist zweimal wiedergewählt worden. Großer Gott, seine Vergangenheit wäre nie herausgekommen, wenn man diesen Chan Ragai umgelegt hätte, bevor er aussagen konnte. Es ist wirklich phantastisch.«

»Es wäre auch so herausgekommen, Vater. Ich sage dir doch, Colledo und Danny hatten Verdacht geschöpft.«

»Aber, um alles in der Welt, warum soll Karrelis der Verräter gewesen sein? Welchen Grund hatte er, Mercedes?«

»Vielleicht den gleichen wie du, Vater.«

»Was soll das heißen? Was hatte ich für einen Grund?« »Geld.«

»Das ist ... das ist ...«

»... die Wahrheit. Kein Grund, beleidigt zu sein. Du hast gewußt, daß Karrelis Intendant des Senders Frankfurt war, noch bevor du wußtest, wo Danny war, ob er noch lebte und wo, ja?«

»Ja.«

»Und als du das dann herausgefunden hast, kam dir alles sehr gelegen.«

»Sehr. Ich kann in demselben Ton mit dir reden wie du mit mir. Sehr gelegen kam es mir, Tochter. Ich brauchte einen Mittelsmann. Ich konnte doch nicht direkt mit Karrelis in Verbindung treten und ihm den Film geben. Es durfte doch nicht herauskommen, daß wir einander kannten. Niemand hätte sonst geglaubt, was jetzt durch die Aussage Chan Ragais fest steht nämlich, daß der Film echt ist.«

»Aber du hast mit Karrelis über den Film und seine Ausstrahlung und insbesondere seinen Ankauf gesprochen, bevor du mich losschicktest, um Danny zu dir zu bringen, wie?«

»Natürlich. Hätte ich mich an den mir unbekannten Intendanten eines anderen Senders wenden sollen?«

»Es kommt noch einmal ein Team zu dir. Du wirst vor der Kamera auch all das erzählen.«

»Niemals!«

»Dann werde ich es erzählen. Alles, was du mir jetzt gesagt hast, jedes Wort. Ist dir das lieber?«

»Du ... du erpreßt mich?«

»Natürlich. Wie soll ich anders mit dir umgehen? Das Team kommt schnellstens. Du hörst sehr bald wieder von mir. Leb wohl!«

»Mercedes! So warte doch! Mercedes ... Aufgehängt. Das muß man sich bieten lassen! Als ob man ein Verbrecher wäre!«

Ein kleiner Junge rannte auf dem Kinderspielplatz Coram Fields in Roger Morley hinein. »Hoppla, mein Sohn«, sagte der Anwalt. »Ich bin kein Punching-Ball, weißt du?« Er beeilte sich, mit Karrelis Schritt zu halten. »Wie man Ihnen auf die Spur

gekommen ist, wollen meine Bekannten noch wissen. Lassen Sie mich kurz rekapitulieren: Nachdem die Filmkopien bei Ihnen im Sender eingetroffen waren, haben Sie äußerst geschickt und umsichtig Kontakt mit der amerikanischen Botschaft in Bonn aufgenommen und angeboten, sich zu ihrer Verfügung zu stellen aus Gründen der Verantwortung für eine Ausstrahlung des Films, die plötzlich auf Ihren Schultern lag und die Sie nicht tragen wollten, und weil Sie – sehr zu Recht – der Meinung sind, daß eine solche Ausstrahlung, jedenfalls mit Zeugen, welche die Echtheit des Films beschwören, nur Unheil anrichten kann. Als Bezahlung Ihrer Dienste haben Sie einen – wenn ich so sagen darf – satten Betrag verlangt, den meine Bekannten Ihnen sogleich auf ein von Ihnen benanntes Konto in Toronto überwiesen haben.«

»Fünf Millionen Dollar«, sagte von Karrelis gekränkt. »Das nennen Sie einen satten Betrag – für mein enormes Risiko, für alles, was ich in dieser Sache getan und verhindert habe?«

»Verzeihen Sie die ungebührliche Bemerkung, Herr von Karrelis. Taktlos von mir. Sie haben recht: Das Risiko war enorm. Nun müssen Sie verschwinden. Ein neues Leben aufbauen. Natürlich brauchen Sie dafür Geld. Wirklich abscheulich, meine Bemerkung, wenn ich daran denke, daß Ihre Handlungsweise von so hohen ethischen Überlegungen bestimmt gewesen ist.« Ein Ball flog Morley gegen die Brust. Er warf ihn lachend einem kleinen Mädchen in einem roten Jogginganzug zurück, das die dünnen Arme gehoben hatte. »Niedliches Kind, wie? Nun müssen Sie für diese Überlegungen und Überzeugungen alles hinter sich lassen und weit, weit fort gehen. Sie haben mein aufrichtiges Mitgefühl, Herr von Karrelis.« Morley lüpfte seinen steifen Hut. »Und nun sagen Sie mir endlich, durch welchen teuflischen Zufall man Ihnen auf die Spur gekommen ist.«

»Es war kein Zufall, Mister Morley. Es war ein gründlich vorbereiteter Plan, mich zu stürzen. Colledo hat die Verantwortung dafür. Er haßt mich ...«

»Warum?«

Von Karrelis ging nicht auf die Frage ein. Er sprach weiter: »... und hat mich offenbar schon lange im Verdacht gehabt. Er und Daniel Ross. Ich habe Ihnen doch sofort, als unsere Rechercheure Chan Ragai da unten in Südfrankreich aufgestöbert hatten, mitgeteilt, daß Colledo ihn – unter sorgfältigster Bewachung durch französische Gendarmerie – in La Roquette sur Siagne interviewen wollte, nicht wahr?«

»Ja, Herr von Karrelis. Sie riefen sofort an. Zuverlässig wie immer. Daraufhin schickte ich unseren besten Mann nach La Roquette sur Siagne, nachdem ich ihm die Fotos zeigte, die Sie mir geschickt hatten, die Fotos von Chan Ragai. Damit er wußte, wie der Mann aussah, den er töten mußte, bevor eine Kamera an ihn herankam.«

»Weil klar war, daß er ganz bestimmt die Echtheit des Films beschwören würde«, sagte von Karrelis. Er dachte: Und weil er den Agenten CX einundzwanzig kannte. Ein lebender Chan Ragai bedeutete das Ende meiner Sicherheit. Das ist der wirkliche Grund, weshalb Ragai sterben sollte. Großer Gott, wenn Morley und seine Freunde wüßten, daß ich CX einundzwanzig war! Nicht auszudenken! Sie würden fragen und fragen und nie mehr lockerlassen: Habe ich wirklich den Film von dem Fahrer der amerikanischen Gesandtschaft in Teheran bekommen? Ist er also echt oder habe ich mit dem SD zusammengearbeitet und geholfen, eine Fälschung herzustellen? Was immer ich antworten würde – ich wäre ein toter Mann danach. Ich bin der einzige, der die Wahrheit über diesen Film weiß. Nur ein toter Chan Ragai hätte mir genützt. Ein lebender ist tödlich für mich. Darum mußte ich schnellstens weg aus Frankfurt. Darum! Aber das hat diesen Anwalt und seine Bekannten nicht zu kümmern. Jetzt heißt es schleunigst untertauchen. Es geht um jede Stunde. Laut sagte er: »Ich mußte weg aus Frankfurt, sobald ich erfuhr, daß Colledo und Ross mich hintergangen, daß sie mich im Verdacht hatten, der Verräter zu sein. Das ging aus ihrer Handlungsweise klar hervor. Wer weiß, was für Beweise sie nun präsentieren werden. Ich mußte weg. Ich mußte weg.«