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Churchill steigt in einen auf dem Flugfeld vorgefahrenen Wagen, der britische Gesandte folgt. Churchills Begleitung benützt drei weitere auf das Rollfeld gekommene Wagen. Die kleine Kolonne setzt sich in Bewegung. Vorneweg ein großes Polizeiauto mit blinkenden Blaulichtern. Auf den ausgefahrenen Trittbrettern stehen schwerbewaffnete persische Polizisten.

»Wer hat diese Aufnahmen gemacht?« fragte Ross, der gebannt auf den Fernsehschirm sah.

»Ausgesuchte amerikanische und sowjetische Armeekameraleute«, antwortete Olivera. »Die Reporter, Wochenschauoperateure und Fotografen landeten erst später auf dem zivilen Flughafen Mehrabad.« Olivera hatte eine Stehlampe angeknipst, und Ross sah, daß ein Buch neben dem Vater lag. Ein zweites hielt er geöffnet auf den Knien.

»Churchill lachte zwar für die Kameras, aber er war wütend«, sagte Mercedes. Sie hatte die goldenen Slipper abgestreift und die Beine hochgezogen. So kauerte sie in ihrem Fauteuil. »Warum wütend?« fragte Ross. Das Bild hatte gewechselt ... Der kleine Konvoi fährt über eine Landstraße vom Militärflughafen zur Stadt. In kurzen Abständen bewachen persische Kavalleristen die Straße. Zunächst sind nur wenige winkende Menschen zu sehen.

»Er war unzufrieden mit den Sicherheitsmaßnahmen«, sagte Olivera und setzte eine Brille mit schwerer Hornfassung auf. »Ich habe hier einen Band seiner Memoiren. Churchill schreibt: ›... Als wir uns der Stadt näherten, säumten mindestens fünf Kilometer weit alle fünfzig Meter persische Kavallerieposten die Straße. Böswillige Leute vermochten daraus unschwer zu entnehmen, daß eine hohe Persönlichkeit erwartet und welchen Weg sie nehmen würde ... Das Tempo war langsam, und bald füllte eine große Menge die Zwischenräume zwischen den Reitern aus. Polizisten zu Fuß gab es, wenn überhaupt, nur wenige ...‹ Der Film bestätigt, was Churchill später schrieb.«

Vororte von Teheran. Plötzlich viele Menschen zwischen den Reitern. Die meisten überrascht und ernst. KAMERA zeigt ein kleines Mädchen, das auf den Schultern seines Vaters sitzt und winkt. In mehreren Einstellungen die Fahrt durch das Stadtzentrum. Hier drängen sich die Menschen auf beängstigende Weise, sie kommen, ohne daran gehindert zu werden, dicht an die Wagen heran.

Olivera sagte, das Buch auf den Knien: »Churchill weiter: ›Im Stadtzentrum stand die Menge zu viert und fünft hintereinander. Man kam freundlich, aber zurückhaltend, bis auf wenige Schritte an den Wagen heran. Gegen zwei oder drei entschlossene Individuen mit Revolvern oder Bomben hätte es keinen Schutz gegeben ...‹«

Die Menge wird immer dichter. Der Konvoi fährt im Schrittempo. An einer Kreuzung muß er sogar halten. Die Straße ist von Menschen verstopft. Persische Soldaten werden der Lage nur mühsam Herr. Die Menschen weichen unwillig und zögernd zurück.

Die Stimme Oliveras erklang: »Churchill schreibt, und ich zitiere: ›An der zur Gesandtschaft führenden Kreuzung entstand eine Stockung; wir standen drei bis vier Minuten unbeweglich inmitten der Menge der gaffenden Perser. Wenn man sich vorgenommen hätte, das größte Risiko zu laufen und sowohl auf den Schutz einer geheimen Ankunft wie auf die Bedeckung durch eine starke Eskorte zu verzichten, hätte man das Problem nicht besser lösen können. Doch ereignete sich nichts. Ich lächelte der Menge zu, und die meisten lächelten zurück ...‹«

Das Bild auf dem Fernsehschirm zeigt einen unerschütterlichen ruhigen Churchill mit der Zigarre im Mund. Er winkt den Menschen zu, die seinen Wagen umdrängen, und lacht. Viele winken zurück und lachen gleichfalls. Ohne die Zigarre aus dem Mund zu nehmen, sagt Churchill etwas zu dem neben ihm sitzenden britischen Gesandten. Dieser nickt und macht ein wütendes Gesicht.

Die Kreuzung ist endlich geräumt, die Wagen können weiterfahren. Enge Straßen, die zuletzt einer breiteren weichen. Der Konvoi erreicht eine große Villa, welche in einem Garten liegt. Das Gartentor steht offen. Das ganze Gelände, die

Einfahrt, der Weg durch den Garten und die Villa werden von britischindischen Soldaten bewacht. Sie tragen weiße Turbane. Alle sind schwer bewaffnet. Der Konvoi fährt auf die Villa zu. KAMERA SCHWENKT und zeigt das danebenliegende Grundstück, einen im Vergleich zum Garten der britischen Gesandtschaft riesenhaften Park, in dem mehrere große Gebäude stehen. Hier wimmelt es von sowjetischen Soldaten.

SPRECHER

Die Wagenkolonne mit Premierminister Churchill hat nun die britische Gesandtschaft erreicht. Churchill und seine Begleiter werden hier wohnen. Bewacht wird die Residenz von britisch-indischen Soldaten. (Nach dem KAMERASCHWENK:) Gleich nebenan befindet sich die sowjetische Botschaft, in der Marschall Stalin mit seiner Begleitung bereits eingezogen ist. Olivera las, an seiner Brille rückend, weiter vor: »›Die Gebäude‹, schreibt Churchill, ›lagen nebeneinander. Unsere über unsere Sicherheit wachende britischindische Brigade kam dadurch in Kontakt mit den noch zahlreicheren, ihr eigenes Areal absperrenden Russen, und bald machten sie gemeinsame Sache, so daß wir uns in einer isolierten, kriegsmäßig gesicherten Enklave befanden ...‹«

Wieder der sowjetische Militärflughafen. Eine Maschine vom Typ »Flying Fortress« landet und rollt an der gleichen Stelle aus wie zuvor die Maschine, mit der Churchill kam. Das Flughafengelände ist wieder hermetisch abgesperrt. Eine lange Kolonne großer amerikanischer Wagen – Chevrolets, Buicks, Chryslers, Lincolns und Cadillacs – rollt an die Maschine heran. Die Luke der »Flying Fortress« öffnet sich, die Gangway ist herangerollt. Unbarmherzig zeigt die KAMERA, wie Präsident Roosevelt von zwei amerikanischen Sicherheitsbeamten die Treppe herabgetragen und in einen Rollstuhl gesetzt wird. (Nach seiner Erkrankung an Kinderlähmung kann der Präsident nicht mehr gehen und nur kurze Zeit mit größter Mühe stehen.) Zahlreiche Zivilisten und Militärs begrüßen ihn. Der Rollstuhl verschwindet hinter einer Limousine. Der Präsident wird offenbar in einen Wagen gehoben. Man sieht sein bleiches, von Krankheit gezeichnetes Gesicht gleich darauf in einem Fondfenster.

SPRECHER

16 Uhr 47. Zu diesem ebenfalls geheimgehaltenen Zeitpunkt landet die Maschine mit Präsident Roosevelt auf dem russischen Militärflughafen. Der Präsident kommt zur Konferenz »Eureka«, wie sie auf Vorschlag des britischen Premiers genannt wird, mit einer sechsundsiebzig Personen umfassenden Begleitung.

Diese außerordentlich große Anzahl von Mitreisenden sehen wir nun. Immer mehr Zivilisten und Militärs kommen über die Gangway herab aus dem Flugzeug. Die Männer steigen in die Wagen. Wie bei Churchill rollt ein Polizeiauto mit zuckenden Blaulichtern an der Spitze des diesmal sehr langen Konvois.

»Allmächtiger«, sagte Ross. »Sechsundsiebzig Mann Begleitung!«

Die Bilder, die der Videofilm nun zeigte, entsprachen im Grunde jenen von der Ankunft Churchills und seiner Fahrt in die Stadt. Mit der Fernsteuerung ließ Olivera die Stimme des Sprechers leiser werden. Zu den Bildern der amerikanischen Delegation auf ihrem Weg zur und durch die Stadt sagte Olivera, das zweite Buch nehmend: »Ich habe hier ein – übrigens ausgezeichnetes – Werk zur Zeitgeschichte von Gottfried Zieger. Der Verfasser dieses 1967 erschienenen Buches mit dem Titel ›Die Teheran-Konferenz neunzehnhundertdreiundvierzig‹ war damals am Institut für Völkerrecht der Universität Göttingen tätig. Er schreibt in Kapitel römisch drei: ›...von den Schwierigkeiten der Unterbringung dieses riesigen Stabes abgesehen, erwies sich sogleich die Lage des amerikanischen Quartiers als recht ungeeignet ...‹«

Der Film zeigt die Ankunft der Wagenkolonne des Präsidenten vor der amerikanischen Gesandtschaft, einem großen, weißen Gebäude, das gleichfalls in einem Garten liegt. Sehr viele amerikanische Soldaten, schwer bewaffnet, sichern das Gelände.