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››... Die Gesandtschaft der Vereinigten Staaten befand sich nämlich fast zwei Kilometer von den Missionsgebäuden Großbritanniens und der Sowjetunion entfernt‹, schreibt Zieger. ›Es wurden Befürchtungen laut, dem Präsidenten könne bei den täglichen Fahrten dorthin etwas zustoßen ...‹ Und an anderer Stelle notiert Zieger: ›Dem Logbuch des Präsidenten zufolge war den Amerikanern bekannt gewesen, daß Teheran noch bis vor kurzem, vollständig unter deutscher Kontrolle gestanden hat‹« – Olivera begann, zuerst unterdrückt, zu lachen, während er weiterlas – »›oder, wie sich Roosevelt drastisch ausdrückte, das Hauptquartier für die ganze Spionage der Achse im Mittleren Osten war und genügend Parteigänger Deutschlands sich in der persischen Hauptstadt aufhalten würden ...‹« Nun lachte Olivera schallend. Er beruhigte sich erst allmählich wieder und sagte, immer noch von Heiterkeitsausbrüchen unterbrochen: »Schlaue Köpfe, wie? Die hatten doch tatsächlich mitbekommen, daß wir in Teheran tätig waren! Ich will mich ja wirklich nicht selber loben ...«

»Das mußt du auch nicht«, sagte Ross zwischen den Zähnen. »Roosevelt tut es.«

»O Daniel«, stöhnte Olivera, »ist das vielleicht kein Kompliment?«

Ross sah, daß Mercedes in flehend anblickte. Ihre Augen bettelten: Bitte nicht! Sie haben versprochen, die Nerven zu bewahren. Ross nickte. Sie lächelte ihm zu. Er sah wieder zum Fernsehapparat.

Der Film zeigt nun einen Saal in einer der Villen, die zur sowjetischen Botschaft gehören. Sehr prunkvoll. Im Raum und im Gespräch: Stalin in Uniform (weiße Jacke), ein kleiner Mann mit altmodischem Kneifer auf der Nase und ein weiterer mächtiger Mann in Uniform.

Olivera hatte den Ton durch Knopfdruck wieder lauter werden lassen.

SPRECHER

Die schon früher eingetroffenen sowjetischen Sicherheitsorgane behaupteten am späten Nachmittag des 27. November, einem Komplott gegen einen der Grossen Drei auf die Spur gekommen zu sein. Marschall Stalin beriet sich mit Außenminister Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow und seinem persönlichen politischen Berater General Kliment Jefremowitsch Woroschilow ...

Abend. Außenminister Molotow fährt von der sowjetischen Botschaft zur amerikanischen Gesandtschaft, verläßt den Wagen, wird von Zivilisten ins Haus geführt und in einem Raum von einem etwa fünfzigjährigen Zivilisten empfangen. Begrüßung, Händeschütteln, die beiden gehen in einen anderen Raum.

SPRECHER

Noch am Abend des Ankunftstages begibt sich Außenminister Molotow in die amerikanische Gesandtschaft und macht den persönlichen politischen Berater Präsident Roosevelts, Harry Lloyd Hopkins, noch einmal nachdrücklich auf die Existenz deutscher Agenten und ihre verbrecherischen Umtriebe aufmerksam.

Olivera hatte das erste Buch wieder in die Hand genommen. Zu den Bildern des Umzugs, der sehr ausführlich gezeigt wurde, sagte er, den Ton leiser stellend: »Wieder Churchilclass="underline" ›Die von amerikanischen Truppen bewachte amerikanische Gesandtschaft lag fast zwei Kilometer weit von uns entfernt; das bedeutete, daß entweder der Präsident oder Stalin und ich die engen Strassen Teherans zwei- oder dreimal täglich in beiden Richtungen passieren mußten. Molotow, bereits vierundzwanzig Stunden vor uns eingetroffen, meldete zu allem Überfluß, der russische Sicherheitsdienst sei einem Komplott auf die Spur gekommen, einen der Grossen Drei, wie wir genannt wurden, zu ermorden, und der Gedanke, daß wir beständig die Straßen passieren sollten, erfüllte ihn mit Entsetzen. Jedes derartige Ereignis würde einen denkbar schlechten Eindruck machen, meinte er. Das war nicht zu leugnen. Ich unterstützte deshalb mit aller Energie Molotows Appell an den Präsidenten, in der Sowjetbotschaft Quartier zu nehmen, die, räumlich drei- bis viermal größer als die anderen Missionen in einem großen Park stand und von Sowjettruppen und Sowjetpolizei umringt war ...‹«

Gerade da zeigt der Film die ungeheuer große Anzahl von sowjetischen Sicherheitskräften während des Umzugs der Amerikaner.

»›... Es gelang uns‹, schreibt Churchill, ›den Präsidenten zur Annahme dieses guten Rates zu bewegen, und am nächsten Nachmittag zog er mit seinem persönlichen Stab, die ausgezeichneten philippinischen Köche von seiner Jacht mit eingeschlossen, ins russische Besitztum um, wo ihm reichliche und bequeme Unterkunft geboten wurde.‹«

Szenen vom Umzug der Amerikaner in die sowjetische Botschaft. KAMERA zeigt wieder groß den persönlichen Berater Roosevelts, Harry Hopkins.

»Du siehst, Daniel« sagte Olivera, »der Sprechertext und der Text aus Churchills Memoiren sind fast identisch an dieser Stelle. Nur, daß Churchill seine Memoiren erst viele Jahre später zu schreiben begann. An der Echtheit der Bilder und des Filmkommentars kann also kein Zweifel bestehen. Churchill schreibt: ›Damit befanden wir uns alle innerhalb eines kleinen Bezirks, in dem wir ohne die Gefahr einer Störung die Weltkriegsprobleme besprechen konnten. Mir wurde es in der britischen Gesandtschaft sehr behaglich gemacht; und zum Palast der Sowjets, von dem man sehr wohl sagen kann, daß er für den Moment den Mittelpunkt der Welt bildete, brauchte ich nur einige hundert Meter zurückzulegen. Ich fühlte mich immer noch schlecht; meine Erkältung und mein schmerzender Hals verhielten sich so bösartig, daß ich zeitweise kaum zu reden vermochte. Doch setzte mich Lord Moran mit Einpinselungen und unermüdlicher Fürsorge in die Lage, das zu sagen, was ich zu sagen hatte – und das war viel.‹«

Olivera nahm die Brille ab und schloß das Buch. Die KAMERA zeigt nun groß das Gebäude der

Sowjetbotschaft und fährt sehr nahe an sie heran. Olivera drehte den Ton wieder auf laut.

Olivera sagte: »Über diese Zusammenkünfte berichtet Zieger in seinem Buch übrigens exakt – mit denselben Daten und Zeitangaben. Über das folgende Treffen berichtet er natürlich nicht ...«

Ein kleiner Raum. Darin Harry Hopkins und General Woroschilow. Beide sehr ernst.

SPRECHER

29. November 1943, 2 Uhr morgens. Erstes geheimes Treffen zwischen Harry Hopkins und General Woroschilow, den persönlichen politischen Beratern Präsident Roosevelts und Marschall Stalins, in einem abgelegenen Salon der sowjetischen Botschaft. Später anwesend: zwei Dolmetscher, ein Stenograf. Von diesem Treffen sind nur Roosevelt und Stalin unterrichtet. Es dauert bis 4 Uhr 30 früh. Erster Gedankenaustausch und erster Entwurf eines beidseitigen Geheimprotokolls zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika ...

BLENDE

ABBLENDEN

AUFBLENDEN

Ein Saal mit riesigen Teppichen, Gobelins, alten Gemälden und antiken Möbeln. Einander gegenübersitzend und für Fotografen und Kamerateams posierend: Roosevelt und Stalin.

SPRECHER

28. November 1943: Erste Unterredung Stalin – Roosevelt in der sowjetischen Botschaft. Beginn: 15 Uhr Ortszeit, Ende: 16 Uhr Ortszeit. Anwesend außerdem: zwei Dolmetscher, ein Stenograf.

BLENDE

Ein großer Sitzungssaal. Etwa zwei Dutzend Männer, teils in Uniform, teils in Zivil.

SPRECHER

Erste Vollsitzung am 28. November 1943 in der sowjetischen Botschaft. Beginn: 16 Uhr. Ende: 19.30 Uhr. Teilnehmer: Präsident Roosevelt, sein persönlicher Berater Harry Hopkins, Admiral Leahy, Admiral King, Major General Deane, Captain Royal und Charles Bohlen. – Premierminister Churchill, Außenminister Eden, Field Marshall Dill, General Brooke, Admiral of the Fleet Cunningham, Air Chief Marshall Portal, Lieutenant General Ismay, Major Birse. – Marschall Stalin, Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten Molotow, General Woroschilow, Pavlov und Berezkov ...

BLENDE

Daniel Ross, der Bluejeans und ein weißes Netzhemd trug, fuhr hoch. Atemlos sagte er: »Beidseitiges Geheimprotokoll – neunzehnhundertdreiundvierzig schon?«

»Gewiß. Und was für eins! Meinst du, ich habe dich zum Spaß von Mercedes herholen lassen? Meinst du, ich bin zu Unrecht der Ansicht, daß man mit diesem Film die Welt aus den Angeln heben kann? Sei ruhig und hör zu!«