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»Gewiß, mein General.« Miguel bearbeitete jetzt den Rücken des dicken Mannes.

»Er möchte dich so gerne haben. Ob er wirklich mein guter Freund ist – verflucht, tut das weh!«

»Es muß sein, mein General.«

»Schon gut. Das weiß ich eben nicht, ob er wirklich mein guter Freund ist. Vergiß nicht: wieder ordentlich die Schenkel, Lieber, ja? Die Beine werden so schnell müde.«

»Ja, mein General.« Miguel verbrauchte viel Talkum. Es wurde ihm heiß. Dies war Schwerstarbeit. »Ich habe das nicht verstanden«, sagte er. »Sie wissen nicht, ob Senor Olivera wirklich Ihr guter Freund ist?«

»Richtig.« Alvarez grunzte. »Da! Ja, da! Mach da weiter! Das tut gut. Olivera ist ein seltsamer Mann, weißt du. Er hat mir und den Kameraden immer sehr geholfen. Nicht nur als Bankier. Auch mit Informationen.« Miguel walkte Alvarez’ Gesäßbacken. Der General redete weiter: »Aber ist er treu? Treu wie du, Kleiner? Nur halb so treu? Fester! Da kannst du ruhig fester zupacken. Wird er jetzt nicht die Seite wechseln und ein Freund unserer Feinde werden?«

»Ich verstehe nicht, mein General ...«

»Wir stehen vor Wahlen«, sagte Alvarez. »In fünf Tagen finden sie statt. Wir werden sie verlieren. Alfonsin wird gewinnen.«

»Heilige Maria – nein, das glaube ich niemals!« rief Miguel. »Du wirst es sehen. Wir erwarten die Niederlage. Seit dem Falklandkrieg haßt uns das Volk. Auch früher wurden wir von den Menschen gehaßt, aber gefürchtet. Jetzt werden wir nur noch gehaßt. Die Oberschenkel noch einmal bitte!«

»Ja, mein General.« Miguel schlug mit beiden Handkanten schnell und exakt den rechten Oberschenkel entlang. Dasselbe tat er beim linken Bein – mehrere Male.

»Alfonsin wird siegen«, sagte Alvarez. »Und natürlich wird er der Junta den Prozeß machen.«

»Auch Ihnen, mein General?« Miguel war entsetzt. Er hörte auf zu massieren. Er begann zu weinen.

»Weine nicht, Lieber! Das hat keinen Sinn. Man wird uns den Prozeß machen, ganz bestimmt.«

»Sie meinen ... Sie werden ins Gefängnis kommen?« Miguel stand noch immer fassungslos da. Er fuhr sich mit einem Arm über die nassen Wangen.

»Ja, sicherlich, Kleiner. Hat keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen. Ich weiß, du bist mit allem einverstanden, was ich tue, nicht wahr?«

»Mit allem, mein General. Meine Dankbarkeit und Liebe zu Ihnen sind ohne Grenzen. Ich bin immer zu Ihren Diensten.« Carlo Maria Alvarez wälzte sich stöhnend auf den Rücken. Er hatte fast weibliche Brüste. Miguel begann, die Brüste zu bearbeiten.

»Ich habe dich ihm schon vermacht, Liebster«, sagte der General.

»Herr General haben ...«

»Wenn sie kommen und mich holen, kannst du sofort bei ihm anfangen. Nimm all deine Sachen mit – das wird lange dauern.« General Alvarez bewohnte eine riesige Villa an der Straße Dorrego im Prominentenviertel Palermo. Elf Straßenzüge entfernt verlief die lange Cespedes, an der Olivera sein Haus hatte. »Aber ... aber ich will nicht, mein General! Ich will nicht zu Senor Olivera. Wenn man Sie wirklich verhaftet und verurteilt, bringe ich mich um.« Miguel hatte wieder Tränen in den Augen. »Das wäre ganz lieb von dir und ganz dumm«, sagte Alvarez. »Als Toter kannst du niemandem nützen. Als Lebender, und gerade bei Olivera, meinem guten Freund, kannst du enorm nützlich sein – uns.«

»Ihnen?« Miguel massierte jetzt von der Brust abwärts in Richtung des großen, schlaffen Bauchs des Generals.

»Uns, ja, Liebster«, sagte Alvarez. »Uns allen, die wir nun stürzen. Dies bleibt keine Demokratie, glaube mir! Wir kommen wieder.«

»Sie kommen wieder?« Miguel versetzte dem schlaffen Bauch klatschende Schläge. Das welke Fleisch rutschte hin und her. »Wir sind noch immer wiedergekommen. So viele man nun auch einsperren wird – sie können nicht alle einsperren. Es bleiben genügend in Freiheit, in Aktion. Dazu kommt der gewaltige Verbund von Kameraden im ganzen Land. Keiner kennt diesen Verbund, und darum bleibt er ebenfalls intakt. Für den Widerstand. Für große Anschläge. Um Unsicherheit und Furcht zu verbreiten. Um den Boden zu bereiten für unsere Rückkehr. Du siehst, du hast wirklich mein ganzes Vertrauen, Kleiner.«

»Das können Sie mir auch schenken, mein General. Ich würde – bei der Heiligen Jungfrau – auch mein Leben für Sie geben.«

»Solltest du mich trotzdem enttäuschen, überlebst du deinen Verrat keinen Tag, Liebster. Du bist natürlich nicht der einzige Vertrauensmann. Wir haben Tausende, wie du dir denken kannst. Aber du wärest einer der Wichtigsten. Jeder wird über wacht werden von unseren Leuten, jeder. Und es ist absolut notwendig, daß jemand Olivera überwacht. Ich muß abnehmen, ich weiß, ich weiß. Nun, jetzt werde ich ja Gelegenheit dazu haben. Die Oberschenkel vorne, bitte!«

Miguel arbeitete schwer atmend. Er war überwältigt von dem, was er gehört hatte.

»Olivera war unser aller guter Freund. Ich höre indessen aus sicherer Quelle, daß er bereits in Kontakt mit Männern aus der Umgebung von Alfonsin stehen soll.«

»Nein!«

»Du kennst die Menschen nicht, kleiner Unschuldiger. Olivera hat offenbar schon die Seite gewechselt. Er wird jetzt der gute Freund unserer Feinde werden, ihnen helfen – als Bankier und mit Informationen. Er wird sie in sein Haus einladen. Er ist wirklich klug. Sie werden seinen Rat suchen. Sie werden ihn als einen der Ihren betrachten. Und deshalb mußt du jetzt zu ihm gehen.« Alvarez fuhr Miguel, der ihm nun den Rücken zuwandte, während er ihm die Oberschenkel bearbeitete, zärtlich zwischen die Beine. »Du tust es für mich, Liebster. Durch dich werden wir im Gefängnis informiert sein über so vieles, was die neuen Herren planen, wollen, vorhaben. Und wir müssen informiert sein, das verstehst du doch, nicht wahr? Nur so ist der Kampf im Dunkeln möglich ... ein Aufstand ... ein Staatsstreich später ...«

»Aber ... aber was soll ich tun, mein General? Ich bin nur ein dummer Junge, den Sie in Ihrer unendlichen Güte aus dem Schmutz gezogen haben.«

»Du bist ein kluger Junge, Liebster. Du wirst die Gespräche abhören, die Olivera hinter verschlossenen Türen führt. Alles, was dir wichtig erscheint. Wirst du das tun?«

»Ich tue alles, mein General.«

»Auch töten?«

»Wenn es sein muß, auch töten, mein General. Aber wie soll ich diese Gespräche abhören?«

»Nun, es gibt da die hervorragendsten Instrumente. Du wirst bekommen, was du brauchst. Man wird dir alles erklären. Meine Freunde und ich denken an eine moderne Anlage. Du bist doch ein großer Bastler! Ich habe Olivera schon gesagt, daß du bei

mir immer von Freitag abends bis Sonntag früh frei hast und daß er dir da auch freigeben muß. Er wird es gerne tun. Er ist ganz wild darauf, dich zu bekommen. Sei völlig ruhig! Er ist nicht so, wie wir es sind. Du wirst nicht in Gefahr kommen, mich zu betrügen.«

»Das würde ich niemals tun!« Miguel fuhr herum. Sein hübsches, offenes Gesicht zeigte ehrliche Empörung.

»Das weiß ich doch. Ein Scherz«, sagte der General und faßte Miguel wieder an. »Mein Liebster, mein Bester. Was ich sagen wollte: In deiner freien Zeit wirst du dann immer die Ernte der Woche an einen bestimmten Ort bringen... Man wird dir noch mitteilen, wohin... Du sollst dir Verdienste um die Revolution erwerben, Kleiner. Das willst du doch – wenn es mir nützt?«

»Alles, mein General«, sagte Miguel überwältigt. »Alles, was Sie von mir verlangen.«

Miguel erreichte mit seinem Volkswagen das schmiedeeiserne Tor der Einfahrt. Auch er besaß ein kleines Kunststoffkästchen, mit dessen elektronischer Hilfe sich die Torhälften langsam öffneten. Miguel ließ den Wagen auf die Straße hinausrollen. Das Tor schloß sich hinter ihm. Er bog nach links ein. Entlang der Cespedes standen zu beiden Seiten viele Wagen unter den alten Palmen. Der Junge sah, daß Nachbarn ein großes Gartenfest feierten. Er hörte verwehte Musik und erblickte Paare, die im Freien auf einem Acrylglasparkett tanzten.

Ein schwarzer Buick und ein blauer Lincoln, in denen junge Männer saßen, parkten etwas entfernt in verschiedenen Fahrtrichtungen; der Lincoln in jener, die Miguels VW nun nahm. Der Mann am Steuer hob ein kleines Mikrofon aus seiner Halterung und sagte: »Peru, hier ist Cuba.«