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»Was soll das?«

»Gott möge dich beschützen.«

»Du glaubst doch nicht an Ihn, mein armer Danny!« »Ich nicht, aber du. Nun sperr schon auf!«

»Danke«, sagt Sybille. »Danke, Danny! Ich werde dich nie vergessen.«

»Ich dich auch nicht, Liebling«, sagt er. »Und jetzt geh! Schnell! Bitte, geh schnell ...«

Sie sieht ihn noch einmal an, dann läuft sie ins Haus hinein. Die schwere Glastür schließt sich langsam. Daniel blickt Sibylle nach, bis sie um die Ecke stolpert, hinter der sich die Lifts befinden. Dann geht er zu seinem Wagen zurück.

»Als sein Vater ihm den Film gezeigt hatte, rief Daniel mich sofort an und erzählte mir davon. Daraufhin flog ich mit der ersten erreichbaren Maschine nach Buenos Aires«, sagte Conrad Colledo. »Sie sind ja über alles informiert, Mister Corley. Sie wissen natürlich auch, daß Daniel und ich seit einundzwanzig Jahren Freunde sind und sehr lange miteinander gearbeitet haben.«

»Wo sind Sie abgestiegen?« fragte Wayne Hyde. »Im NOGARO«. Colledo warf Hyde ein flaches

Streichholzheftchen zu. »Da steht die Telefonnummer drauf. Sie können sich erkundigen.«

»Nur auf einen Anruf von Ross hin sind Sie nach Argentinien geflogen?« Hyde spielte mit dem Heftchen.

»Ich habe Ihnen ja gesagt, wir arbeiten seit vielen Jahren zusammen. Er besitzt mein unbedingtes Vertrauen. Als er mir erzählte, was er da hatte, flog ich natürlich sofort. Wären Sie nicht geflogen? Stecken Sie endlich die Pistole weg, das ist ja blödsinnig!« Hyde schob die Waffe in einen Schulterhalfter,

nachdem er sie wieder gesichert hatte.

»Und weiter?« fragte er.

»Wenig weiter. Als Daniel und Mercedes – Frau Olivera – dann nach Ezeiza fuhren – der Vater war dabei –, um nach Europa zurückzufliegen, war auch ich am Airport. Ich flog gleichfalls zurück.«

»In derselben Maschine?«

»In derselben Maschine.«

»Wie haben Sie das mit der Filmübergabe gemacht?« »Daniel nannte mir am Telefon die Kassettenmarke. Ich

kaufte zwei Kassetten Disney-Filme der gleichen Marke. Ich hatte eine rote Flugtasche der AEROLINEAS ARGENTINAS, Daniel auch. Beim Einchecken standen wir nebeneinander. Wir haben einfach die Flugtaschen vertauscht.«

»Diese Scheißkerle!«

»Wer?«

»Ross und Frau Olivera wurden beobachtet.« »Davon waren wir überzeugt. Es konnte wirklich kein

Mensch bemerken, daß wir die Taschen wechselten. Wir hatten sie schon vertauscht auf das Bord des Ticketschalters gestellt. Um es kurz zu machen, Mister Corley: Ich brachte die richtigen Kassetten also nach Frankfurt. Fuhr sofort damit hinauf nach Königstein. Was danach geschah, werde ich Ihnen natürlich nicht erzählen.« Es entstand eine Pause.

Hyde stand auf und ging zum Schreibtisch. »Was wollen Sie?« fragte Colledo. »Telefonieren, wenn Sie gestatten.« Hyde nahm den kleinen Decoder aus einer Tasche, hob den Hörer ab und wählte die Londoner Nummer von Morleys Anrufbeantworter. Nachdem die Stimme des Anwalts sich gemeldet hatte, hielt Hyde den Decoder an die Muschel und wartete, bis die drei Pfeiftöne den Beantworter präparierten. Morleys Stimme vom Band klang nervös: »Zweiundzwanzigster Februar vierundachtzig, achtzehn Uhr fünfzig mitteleuropäischer Zeit. Mister Hyde! Mister Hyde, wo immer Sie sind, was immer Sie tun oder zu tun beabsichtigen: Unternehmen Sie nichts! Ziehen Sie sich augenblicklich von allem zurück. Nehmen Sie sich ein Zimmer in einem Hotel und verlassen Sie es nicht, bevor Sie von mir neue Weisungen erhalten haben. Ich erfahre soeben, daß sich die zwei Filmkassetten im Besitz des Senders Frankfurt befinden. Ein Mann namens Conrad Colledo hat sie von Buenos Aires nach Deutschland gebracht. Damit ist die Lage vollkommen verändert. Meine Auftraggeber beraten über das weitere Vorgehen. Rufen Sie mich um dreiundzwanzig Uhr mitteleuropäischer Zeit wieder an. Ich hoffe, Ihnen dann schon mehr sagen zu können. Das ist alles. Ende.«

Wayne Hyde legte den Hörer zurück auf den Apparat, nahm den Dufflecoat von einem Fauteuil und verließ ohne ein einziges Wort, und ohne Mercedes oder Colledo auch nur noch einmal anzusehen, die Wohnung. Colledo ging zu einem Fenster, durch das er auf die Straße hinausblicken konnte. Er sah Hyde in einen grauen BMW einsteigen. Der BMW fuhr los. Colledo kehrte in das Arbeitszimmer zurück.

»Erzählen Sie mir, was inzwischen geschehen ist, Conrad«, sagte Mercedes. »Ich muß es wissen. Danny auch.«

Colledo setzte sich.

»Na ja, ich fuhr also mit den Kassetten zum Sender. Herr von Karrelis erwartete mich. Das ist der Intendant. Dann war noch Hans Kleinhals da, der Chefredakteur, dazu unser Justitiar und zwei Leute aus der Rechtsabteilung. Wir gingen in eine Vorführung und sahen uns den Film an. Zuerst waren alle ungeheuer skeptisch.«

»Wieso?«

»Wir hielten den Film natürlich für eine Fälschung.« »Er ist keine Fälschung! Er ist echt!« Mercedes fuhr auf.

»Bitte«, sagte Colledo. »Bitte, Mercedes. Sie sind davon überzeugt, daß er echt ist. Weil Sie Ihrem Stiefvater glauben. Natürlich auch, weil Sie so sehr wünschen, er möge echt sein. Die Männer im Sender sind abgebrüht. Sie haben schon die unglaublichsten Dinge erlebt, vor allem die von der Rechtsabteilung. Es gehört zu ihrem Beruf, mißtrauisch zu sein. Wenn dieser Film echt ist – er wäre die größte Sensation in der Geschichte des Fernsehens.«

»Das ist er auch! Das ist er auch!«

»Mercedes ...« Colledo machte eine hilflose Bewegung. »Sie wollen wissen, was geschah. Ich erzähle es Ihnen. Am negativsten äußerte sich zunächst Hans Kleinhals, der Chefredakteur. Er meinte, der Film gehöre überhaupt in die Abteilung Unterhaltung. Die Anwälte warnten. Dann erzählte ich alles über Herkunft und Geschichte des Films, was mir Danny in Buenos Aires am Telefon erzählt hat. Da wurden sie nachdenklicher. Karrelis hatte endlich einen Vorschlag, den alle akzeptierten.«

»Nämlich welchen?«

»Den Film in eine gewaltige Dokumentation einzubetten und ihn in mehreren Teilen auszustrahlen. Alles zu versuchen, um herauszufinden, ob er eine Fälschung ist oder nicht. Unsere besten Leute loszuschicken. Alle ihre Recherchen, alles, was sie an Beweisen oder Zeugen für oder gegen die Echtheit des Films finden, zu einem Bestandteil der Dokumentation zu machen. Und dieses ganze Dokumentationswerk dann mitsamt dem Film zu senden – egal, ob die Recherchen ergeben, daß er echt oder daß er gefälscht ist. Der Brocken, den wir da haben, ist einfach zu gewaltig, als daß man ihn so liegen lassen kann. Und auf diese Weise wird es nach allen gesetzlichen Bestimmungen möglich, den Film auszustrahlen – und eben wirklich Fernsehgeschichte zu machen. Danny ist selbstverständlich wieder bei uns. Die Diskussion dauerte bis zum Morgen. Es folgten Gespräche mit dem Kanzler in Bonn, mit dem Außenminister.«

»Warum das?«

»Weil wir fair sein wollen. Nach dem Grundgesetz und nach dem Rundfunkgesetz darf die Regierung keinerlei Einfluß auf die redaktionelle Arbeit der Sender, insbesondere auf den Nachrichtenapparat, nehmen. Das darf nur der Rundfunkrat der ARD.«

»Was ist das?«

»Die Abkürzung der ›Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands‹. Wir gehören zur Sendergruppe der ARD. Deshalb bat Karrelis den Vorsitzenden des Rundfunkrates noch nachts nach Königstein. Er zeigte ihm den Film. Danach wurde Kleinhals, der Chefredakteur, hinzugezogen. Die drei konferierten kurz. Dann gab der Vorsitzende des Rundfunkrats grünes Licht.«

»Und der Kanzler?« fragte Mercedes. »Und der Außenminister?«

»Karrelis ist heute vormittag nach Bonn geflogen. Er wurde von einer Maschine der Bundeswehr abgeholt. Karrelis hatte am Telefon angekündigt, daß es sich um eine Angelegenheit von weltweiter Bedeutung handelt. In Bonn berichtete er dann dem Kanzler und dem Außenminister.«

»Und?«

»Beide waren tief besorgt. Sie baten Karrelis, den Film noch zurückzuhalten. Sie wollten Verbindung mit dem amerikanischen Verbündeten und der Kremlführung aufnehmen. Wenn dieser Film echt ist, dann kann seine Ausstrahlung unübersehbare politische Folgen haben. Weltpolitische.«