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»Mir wäre es recht, wenn niemals jemand davon erführe«, sagte Perrin.

»Ich werde ihnen sagen, Ihr hättet vermeintlich Hurins Gabe. Das kennen sie; es stößt sie nicht ab. Einige von ihnen haben bemerkt, wie Ihr damals in dem Dorf und auch an der Fähre Eure Nase gerümpft habt. Ich habe Scherze über Eure empfindliche Nase gehört. Ja, Ihr führt uns heute auf ihre Spur, und Uno wird genug von ihren Spuren sehen, um zu bestätigen, daß es wirklich die richtige Spur ist, und dann ist noch vor Anbruch der Nacht auch der letzte meiner Männer davon überzeugt, daß Ihr ein Schnüffler seid. Ich muß das Horn haben.« Er blickte zum Himmel auf und erhob die Stimme: »Wir werden kein Tageslicht mehr verschwenden! Aufsitzen!«

Zu Perrins Überraschung schienen die Schienarer Ingtars Geschichte zu glauben. Ein paar von ihnen blickten skeptisch drein — Masema ging sogar so weit, daß er ausspuckte —, aber Uno nickte nachdenklich, und das genügte den meisten. Mat war am schwersten zu überzeugen.

»Ein Schnüffler? Du? Du willst Mörder am Geruch erkennen? Perrin, du spinnst ja schon genauso wie Rand! Ich bin der einzige aus Emondsfeld, der noch normal ist. Und Egwene und Nynaeve trotteln nach Tar Valon, um dort... « Er brach ab und sah sich unsicher nach den Schienarern um. Perrin übernahm Hurins Platz neben Ingtar, als die kleine Kolonne nach Süden ritt. Mat machte ständig verächtliche Bemerkungen, bis Uno die ersten Spuren von Trollocs und von menschlichen Reitern fand, aber Perrin achtete sowieso nicht viel auf ihn. Er hatte genug damit zu tun, die Wölfe davon abzuhalten, vorauszurennen, um die Trollocs zu töten. Den Wölfen lag nur daran, die Verzerrten zu töten; für sie unterschieden sich Schattenfreunde nicht von allen anderen Zweibeinern. Perrin konnte sich vorstellen, wie die Schattenfreunde in allen Richtungen auseinanderstoben, während die Wölfe Trollocs rissen. Sie würden mit dem Horn von Valere fliehen; mit dem Dolch fliehen. Und wenn die Trollocs einmal tot waren, dann glaubte er nicht, daß er die Wölfe noch dafür gewinnen konnte, die Menschen zu verfolgen. Er wüßte auch gar nicht, welche von ihnen er dann verfolgen sollte. Er setzte sich fortwährend deswegen mit den Wölfen auseinander, und seine Stirn war schweißbedeckt, als er die ersten Bilder aufblitzen sah, die ihm den Magen umdrehten.

Er zerrte an den Zügeln und ließ sein Pferd auf der Stelle anhalten. Die anderen folgten seinem Beispiel und warteten. Er starrte geradewegs nach vorn und fluchte leise und bitter.

Wölfe töteten schon auch gelegentlich Menschen, aber Menschen waren für sie keine besonders beliebte Beute. Zum einen erinnerten sich die Wölfe daran, daß man einmal gemeinsam gejagt hatte, und zum anderen schmeckten die Zweibeiner schlecht. Wölfe waren in bezug auf ihr Fressen wählerischer, als er geglaubt hatte. Sie fraßen kein Aas, außer sie waren am Verhungern, und nur wenige töteten mehr, als sie fressen konnten. Was Perrin nun von den Wölfen empfing, konnte man am besten als Ekel bezeichnen. Und da waren die Bilder, die Eindrücke. Er sah sie viel genauer, als er wollte. Leichen, Männer und Frauen und Kinder, aufeinandergehäuft und herumgeschleudert. Blutgetränkte Erde, von Hufen und verzweifelten Fluchtversuchen aufgewühlt. Zerfetztes Fleisch. Abgeschlagene Köpfe. Geier flatterten um sie herum, die weißen Schwingen rotgefärbt. Blutige federlose Köpfe rissen und schlangen. Er brach den Kontakt ab, bevor sich sein Magen entleerte.

Über einigen Bäumen in der Ferne konnte er gerade noch schwarze Flecke ausmachen, die in geringer Höhe kreisten, sich fallen ließen und dann wieder erhoben. Geier, die sich um ihre Beute stritten.

»Da vorn ist etwas Schlimmes.« Er schluckte und sah Ingtar in die Augen. Wie konnte er das mit der Geschichte erklären, daß er ein Schnüffler war? Ich will nicht nahe genug herankommen, um das alles zu sehen. Aber sie werden nachsehen wollen, sobald sie die Geier sehen. Ich muß ihnen genug sagen, damit sie einen Bogen darum machen. »Die Leute aus diesem Dorf... Ich glaube, die Trollocs haben sie getötet.«

Uno fluchte leise, und einige Schienarer murmelten vor sich hin. Keiner von ihnen jedoch schien seine Erklärung eigenartig zu finden. Lord Ingtar sagte, er sei ein Schnüffler, und Schnüffler konnten Morde riechen.

»Und jemand folgt uns«, sagte Ingtar.

Mat drehte übereifrig sein Pferd um. »Vielleicht ist es Rand. Ich wußte, daß er mir nicht fortrennen würde.«

Dünne Staubwölkchen erhoben sich im Norden: Ein Pferd galoppierte über spärlich mit Gras bewachsene Flächen. Die Schienarer verteilten sich mit erhobenen Lanzen, so daß sie alle Richtungen überblicken konnten. Dies war kein Ort, an dem man die Ankunft eines Fremden leichtnahm.

Ein Fleck schälte sich aus dem Staub — Pferd und Reiter. Lange bevor jemand den Reiter erkennen konnte, wußte Perrin, daß es eine Frau war, die sich ihnen schnell näherte. Sie ritt langsamer, als sie sie sah, und wedelte sich mit einer Hand frische Luft zu. Es war eine mollige Frau mit ergrautem Haar, den Umhang hinter den Sattel geschnallt, die sie abwesend anblinzelte.

»Das ist eine der Aes Sedai«, sagte Mat enttäuscht. »Ich kenne sie. Verin.«

»Verin Sedai«, sagte Ingtar in scharfem Ton und verbeugte sich im Sattel vor ihr.

»Moiraine Sedai hat mich geschickt, Lord Ingtar«, verkündete Verin mit befriedigtem Lächeln. »Sie dachte, Ihr würdet mich brauchen. Welch ein Ritt war das! Ich glaubte schon, ich würde Euch nicht mehr vor Cairhien erreichen. Ihr habt natürlich dieses Dorf gesehen? Oh, das war schlimm, nicht wahr? Und dieser Myrddraal. Auf allen Dächern saßen Raben und Krähen, aber kein einziger näherte sich ihm, so tot er auch war. Ich mußte allerdings Fliegen vom Gewicht des Dunklen Königs wegscheuchen, bevor ich erkannte, wer das war. Eine Schande, daß ich keine Zeit hatte, ihn herunterzunehmen. Ich hatte noch nie Gelegenheit, einen Myrddraal zu... « Plötzlich verengten sich ihre Augen, und das abwesende Gebaren verschwand. »Wo ist denn Rand al'Thor?«

Ingtar verzog das Gesicht. »Weg, Verin Sedai. Verschwand letzte Nacht spurlos. Er, der Ogier und Hurin, einer meiner Männer.«

»Der Ogier, Lord Ingtar? Und Euer Schnüffler ging mit ihnen? Was könnten diese beiden gemeinsam haben mit...?« Ingtar starrte sie mit offenem Mund an und schnaubte. »Habt Ihr geglaubt, Ihr könntet so etwas geheimhalten?« Sie schnaubte nochmals. »Schnüffler. Verschwunden, behauptet Ihr?«

»Ja, Verin Sedai.« Ingtar klang verstört. Es war unangenehm, festzustellen, daß Aes Sedai die Geheimnisse kannten, die man vor ihnen verborgen hielt. Perrin hoffte, Moiraine habe nichts von ihm erzählt. »Aber ich habe... Ich habe einen neuen Schnüffler.« Der schienarische Lord deutete auf Perrin. »Dieser Mann scheint die gleiche Begabung zu haben. Ich werde das Horn von Valere finden, wie ich es schwor, keine Angst. Eure Gesellschaft ist uns willkommen, Aes Sedai, falls Ihr mit uns reiten wollt.« Zu Perrins Überraschung wirkte er dabei nicht so ganz überzeugt.

Verin sah Perrin an, bis er unsicher hin und her rutschte. »Ein neuer Schnüffler, nachdem Ihr gerade Euren alten verloren habt. Wie — vorsorglich. Ihr habt keine Spuren gefunden? Nein, natürlich nicht. Ihr sagtet ja: spurlos. Seltsam. Letzte Nacht.« Sie drehte sich im Sattel um und blickte nach Norden zurück. Einen Augenblick lang glaubte Perrin, sie werde denselben Weg zurückreiten, den sie gekommen war. Ingtar sah sie mit gerunzelter Stirn an. »Glaubt Ihr, daß ihr Verschwinden etwas mit dem Horn zu tun hat, Aes Sedai?«

Verin setzte sich bequem zurecht. »Mit dem Horn? Nein. Nein, ich... glaube nicht. Aber es ist eigenartig. Sehr seltsam. Ich mag keine eigenartigen Dinge, wenn ich sie nicht verstehe.«

»Ich kann Euch von zwei Männern dorthin zurückbringen lassen, wo sie verschwanden, Verin Sedai. Es wird ihnen keine Mühe bereiten, Euch geradewegs zu dem Ort zu führen.«