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CHARITY

von Wolfgang Hohlbein im Bechtermünz Verlagsprogramm:

Charity 01 - Die beste Frau der Space Force

Charity 02 - Dunkel ist die Zukunft

Charity 03 - Die Königin der Rebellen.

Charity 04 - In den Ruinen von Paris

Charity 05 - Die schlafende Armee

Charity 06 - Hölle aus Feuer und Eis

Charity 07 - Die schwarze Festung

Charity 08 - Der Spinnenkrieg

Charity 09 - Das Sterneninferno

Charity 10 - Die dunkle Seite des Mondes

Charity 11 - Überfall auf Skytown

Charity 12 - Der dritte Mond

Charity, die junge Raumpilotin, die in der Welt des 21. Jahrhunderts gestrandet ist, nimmt den Kampf gegen die außerirdischen Invasoren auf, welche die Erde unterjochen. Mit einer Handvoll Rebellen versucht sie hinter das Geheimnis der Besatzer zu kommen

Sie dringt in den Tempel der fremden ein und macht eine grauenvolle Entdeckung. Die Menschen werden gezwungen, ihre Kinder zu opfern.

Doch bevor Charity eingreifen kann, hat man sie umstellt. Ihr bleibt nur ein Ausweg: der Sprung in den Materietransmitter

Lizenzausgabe mit Genehmigung der Bastei-Verlag Gustav H Lübbe

Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1997

© by Bastei-Verlag Gustav H Lübbe GmbH & Co , Bergisch Gladbach

Umschlagmotiv Kevin Ward/Agentur Luserke, Stuttgart Umschlaggestaltung Adolf Bachmann, Reischach Gesamtherstellung Ebner Ulm

Printed in Germany

ISBN 3-86047-833-8

Wolfgang Hohlbein

Die Königin der Rebellen

Science Fiction Roman

Bechtermünz Verlag

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Erstens: Lokalisation:

Ein kalter Raum aus Stahl. Alle Seiten exakt gleich lang - etwa zwei Meter. Eine angenehme Temperatur, achtzehn Grad, vielleicht zwanzig. Mobiliar ist kaum vorhanden - eine schmale, ungepolsterte Liege, rechts neben der Tür in Kopfhöhe ein Interkomschirm, darunter eine einzige rote Taste. Die Tür selbst massiv, mehr als mannshoch, ohne sichtbaren Öffungsmechanismus. Der Raum ist nur von außen zu öffnen. Die Luft riecht steril; Klimaanlagenluft, sorgsam gefiltert.

Zweitens: Lageerfassung/-beurteilung:

Er ist allein. Vor einer nicht näher zu definierenden Zeitspanne angekommen und mit einem noch nicht näher definierten Auftrag.

Drittens:

Aktion - Keine.

Ruhephase:

Zeit für subjektive Eindrucke.

1

Kyle war allein, lauschte auf das gleichmäßige, schwere Schlagen seines Herzens und versuchte, einen Rhythmus zu erarbeiten, nach dem er das Verstreichen der Zeit messen konnte. Vor Momenten hatte er das Bewußtsein wiedererlangt und die Augen aufgeschlagen.

Langsam, mit der gleichen Bedächtigkeit, die alle seine Bewegungen auszeichnete und die so entsetzlich über die wahre Schnelligkeit hinwegtäuschen konnte, zu der er fähig war, richtete er sich auf seinem Lager auf, blickte einen Moment lang das kalte Videoauge rechts neben der Tür an und nahm dann seine gewohnte Wartestellung ein: aufrecht sitzend, mit leicht nach vorne gebeugten Schultern und untergeschlagenen Beinen; für einen unbeteiligten Zuschauer hätte es ausgesehen, als schliefe er.

Aber das tat er nicht.

Kyle schlief nie. Er wußte nicht, was Schlaf war, und hätte er es gewußt, hätte er es für eine Vergeudung von Zeit und Energie gehalten.

Zeit verging.

Für seinen Auftrag war es irrelevant, wie viel, aber etwas in ihm registrierte trotzdem getreulich ihr Verstreichen: Viertausend Herzschläge - mehr als drei Stunden, bei der verminderten Atem- und Herztätigkeit, zu der er seinen Körper gezwungen hatte.

Dann begann der Boden zu zittern; ganz sacht nur, aber deutlich genug, Kyle seine eigene Einschätzung der Gegebenheiten korrigieren zu lassen. Offensichtlich befand er sich nicht in einem Gebäude, sondern in einem Fahrzeug; ein Schiff, möglicherweise auch ein sehr großes Transportflugzeug, in das man ihn gebracht haben mußte, während er bewußtlos war.

Ein kaum hörbares Summen drang an sein Bewußtsein, und Kyle öffnete im gleichen Moment die Augen, in dem die Metalltür auf glitt. Herzschlag und Atmung beschleunigten sich wieder, und ein kurzer, nur halb bewußter Befehl zwang eine hypersensibilisierte Drüse in seinem Körper, eine adrenalinähnliche Substanz in seine Blutbahn abzugeben.

Als sich die Tür vollends geöffnet hatte und die Gestalt eintrat, war Kyle bereit.

Ein Humanoider und eine Dienerkreatur betraten den Raum. Kyle musterte den Vierarmigen flüchtig - durchschnittliche Erscheinung, durchschnittliche Größe, aber von etwas präziseren und schnelleren Bewegungen als gewöhnlich. Kyle stufte ihn automatisch als Angehörigen der Elite-Kaste ein - und wandte seine Aufmerksamkeit dann dem Humanoiden zu. Der Mann war größer als er, ein wenig schlanker, trotzdem etwas übergewichtig. Seine Haut war ein wenig zu blaß. Der Mann war nicht sehr gut in Form. Offensichtlich ein Ureinwohner der Welt, für die auch er, Kyle, konditioniert worden war. Das rote Flammen-›M‹ Morons, das auf sein rechtes Handgelenk tätowiert war, wies ihn als Weisungsberechtigten aus.

Kyle ignorierte die Dienerkreatur und trat dem Humanoiden einen halben Schritt entgegen. Sein Gesicht blieb starr. Höflichkeitsfloskeln gehörten nicht zu seiner Konditionierung.

»Du bist ...?«

»Kyle«, antwortete Kyle, als der Humanoide nicht weitersprach, sondern ihn nur fragend ansah. »Megakrieger erster Klasse, abkommandiert zu ...«

»Ich weiß«, unterbrach ihn der Humanoide. Seine Stimme verriet Nervosität, und Kyle registrierte darüber hinaus deutliche Anzeichen von Furcht - beschleunigter Atem, starke Schweißbildung, kleine, rasche Bewegungen der Finger und Augen, die nicht seiner bewußten Kontrolle unterlagen. Kyle verstand den Grund dieser Furcht nicht - oder doch: es war eindeutig Furcht vor IHM.

Aber er verstand nicht, warum der Humanoide Angst vor ihm hatte. Wäre er dazu in der Lage gewesen, hätte er vielleicht Verachtung empfunden.

»Spar dir den ganzen Quatsch«, fuhr der Mann nach einer langen, nervösen Pause fort. »Ich weiß, wer du bist. Ich bin Daniel.«

Kyle nickte. Das war der Name, den man ihm genannt hatte. »Ich unterstehe Ihrem Kommando.«

»Auch das weiß ich«, murrte Daniel. Sein Blick huschte nervös über Kyles Gesicht, blieb einen Moment an seinen Augen hängen und glitt weiter. »Du kennst deinen Auftrag?«

Kyle nickte knapp. »Zum Teil.«

»Zum Teil? Was soll das heißen?« Daniels Herzschlag beschleunigte sich weiter. Er begann unruhig in der kleinen Zelle auf und ab zu gehen.

»Wieso schickt man dich hierher, wenn man -«

Er brach mitten im Wort ab, starrte Kyle wütend an und ballte die Hand zur Faust.

Kyle verstand diesen Wutausbruch nicht. Zorn war ein schädliches Gefühl, und ein Mann in Daniels Position sollte dies eigentlich wissen. Er, Kyle, hatte sich keinen Fehler zuschulden kommen lassen. Es war nicht nötig, Details zu kennen, bevor der Einsatz begann. Kyle fragte sich, wieso man ein so unbeherrschtes Wesen wie den Humanoiden Daniel als Governor eines ganzen Planeten einsetzte. Natürlich sprach er nichts von alledem aus.

»Dein Auftrag ist einfach«, fuhr Daniel nach einer Weile fort. »Du wirst jemanden suchen. Einen Menschen. Eine ... Ureinwohnerin dieses Planeten, wenn du so willst.«