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Arnau gab Mar ein Zeichen und diese trat vor Joan. Das Mädchen senkte den Blick, verstört von der Strenge, die in seinen Priesteraugen zu erkennen war. Als der Mönch sie lange genug betrachtet hatte, stellte Arnau ihm Guillem vor.

»Das ist Guillem«, sagte Arnau. »Ich habe dir in meinen Briefen schon viel von ihm erzählt.«

»Ja.« Joan machte keine Anstalten, ihm die Hand zu reichen, und Guillem zog seine Hand wieder zurück, die er Joan angeboten hatte. »Erfüllst du deine christlichen Pflichten?«, wollte er von ihm wissen.

»Ja …«

»Bruder Joan«, setzte Joan hinzu.

»Ja, Bruder Joan«, wiederholte Guillem.

»Das ist Donaha«, warf Arnau rasch ein.

Joan nickte, ohne sie auch nur anzusehen.

»Und du bist Ramons Tochter, nicht wahr?«, sagte er, an Mar gewandt, und bedeutete ihr, sich zu setzen. »Dein Vater war ein wunderbarer Mann, fleißig und gottesfürchtig wie alle Bastaixos.« Joan sah Arnau an. »Ich habe oft für ihn gebetet, seit Arnau mir mitteilte, dass er gestorben ist. Wie alt bist du, Mädchen?«

Arnau trug Donaha auf, das Essen zu servieren, und setzte sich zu Tisch. Erst jetzt bemerkte er, dass Guillem abseits des Tisches stehen geblieben war, als wagte er es angesichts des neuen Gastes nicht, sich zu setzen.

»Setz dich, Guillem«, bat er ihn. »Mein Tisch gehört dir.«

Joan ließ sich nichts anmerken.

Das Essen verlief schweigsam. Mar war ungewöhnlich still, als hätte der Neuankömmling ihr die Natürlichkeit genommen. Joan seinerseits aß nur wenig.

»Erzähl mir, Joan«, sagte Arnau, als sie fertig gegessen hatten. »Wie ist es dir ergangen? Wann bist du angekommen?«

»Ich habe die Rückreise des Königs genutzt und ein Schiff nach Sardinien genommen, als ich von seinem Sieg erfuhr. Von dort ging es dann weiter nach Barcelona.«

»Hast du den König gesehen?«

»Er hat mich nicht empfangen.«

Mar bat um Erlaubnis, sich zurückziehen zu dürfen. Guillem tat es ihr nach. Die beiden verabschiedeten sich von Bruder Joan. Die Unterhaltung zog sich bis in die späte Nacht hin. Bei einer Flasche Dessertwein holten die beiden Brüder die dreizehn Jahre nach, die sie getrennt gewesen waren.

37

Zur Beruhigung von Arnaus Familie beschloss Joan, im Kloster Santa Caterina zu wohnen.

»Dort ist mein Platz«, sagte er zu seinem Bruder, »aber ich werde euch jeden Tag besuchen kommen.«

Arnau, dem nicht entgangen war, dass sich sowohl sein Mündel als auch Guillem während des Essens am Vorabend unwohl gefühlt hatten, insistierte nicht länger als unbedingt notwendig.

»Weißt du, was er mich gefragt hat?«, flüsterte er Guillem nach dem Mittagessen zu, als alle vom Tisch aufstanden. Guillem beugte sich näher zu ihm. »Was wir unternommen hätten, um Mar zu verheiraten.«

Guillem erstarrte und sah zu dem Mädchen hinüber, das Donaha half, den Tisch abzuräumen. Sie verheiraten? Aber sie war doch noch …! Guillem sah Arnau an. Keiner der beiden hatte sie jemals so betrachtet, wie sie es nun taten. Tatsächlich: Sie war eine Frau geworden!

»Wo ist unser kleines Mädchen geblieben?«, flüsterte Arnau seinem Freund zu.

Die beiden betrachteten Mar. Sie war flink, schön, heiter und selbstsicher. Während sie die Teller abtrug, blickte Mar immer wieder zu ihnen herüber.

Ihr Körper zeigte bereits die Sinnlichkeit einer Frau. Ihre Kurven waren nicht zu übersehen und ihre Brüste zeichneten sich unter dem Hemd ab. Sie war vierzehn Jahre alt.

Mar blickte erneut zu ihnen und bemerkte ihre Verwirrung. Diesmal lächelte sie nicht. Für einen kurzen Moment schien es, als errötete sie.

»Was schaut ihr so?«, warf sie ihnen dann vor. »Habt ihr nichts zu tun?«, setzte sie hinzu, während sie sich ernst vor den beiden aufbaute.

Die beiden nickten gleichzeitig. Kein Zweifeclass="underline" Sie war eine Frau geworden.

»Sie wird eine Mitgift bekommen wie eine Prinzessin«, sagte Arnau zu Guillem, als sie wieder am Wechseltisch saßen. »Geld, Kleider, ein Haus … nein, einen Palast!« Er wandte sich brüsk zu seinem Freund um. »Was ist mit den Puigs?«

»Sie wird uns verlassen …«, murmelte Guillem, ohne auf Arnaus Frage zu achten.

Die beiden schwiegen.

»Sie wird uns Enkel schenken«, sagte Arnau schließlich.

»Mach dir nichts vor. Sie wird ihrem Mann Kinder schenken. Außerdem haben Sklaven keine Kinder und folglich auch keine Enkel.«

»Wie oft habe ich dir die Freiheit angeboten?«

»Was sollte ich als freier Mann tun? Es geht mir gut so, wie es ist. Aber Mar und heiraten! Ich weiß nicht, warum, aber ich versichere dir, dass ich ihn jetzt schon hasse, wer auch immer es sein mag.«

»Ich auch«, murmelte Arnau.

Sie sahen sich erneut an, grinsten und brachen in Lachen aus.

»Du hast mir nicht geantwortet«, sagte Arnau, als sie sich wieder beruhigt hatten. »Was ist mit den Puigs? Ich will diesen Palast für Mar.«

»Ich habe Anweisungen nach Pisa geschickt, zu Filippo Tescio. Wenn es jemanden gibt, der unsere Pläne ausführen kann, dann ist das Filippo.«

»Was hast du ihm gesagt?«

»Dass er Piraten anheuern soll, wenn es nötig ist, aber die Warenlieferungen der Puigs unter keinen Umständen in Barcelona ankommen dürfen. Genauso wenig wie jene, die Barcelona mit entgegengesetztem Ziel verlassen haben. Er soll die Waren stehlen oder anzünden, ganz wie er will, nur ihr Ziel dürfen sie nicht erreichen.«

»Hat er dir geantwortet?«

»Filippo? Das würde er nie tun. Weder schriftlich, noch würde er die Nachricht jemandem anvertrauen. Wenn einer davon erführe … Wir müssen das Ende der Seefahrtsaison abwarten. Es ist nur noch ein knapper Monat. Wenn die Lieferungen der Puigs bis dann nicht eingetroffen sind, können sie ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und sind ruiniert.«

»Haben wir ihre Kredite gekauft?«

»Du bist Grau Puigs größter Gläubiger.«

»Sie sollen Qualen ausstehen«, murmelte Arnau vor sich hin.

»Hast du sie nicht gesehen?« Arnau fuhr zu Guillem herum. »Sie sind schon eine ganze Weile am Strand. Zuerst nur die Baronin und eines ihrer Kinder; nun ist auch noch Genis hinzugekommen, der soeben aus Sardinien zurückgekehrt ist. Sie blicken stundenlang zum Horizont, um nach einem Mast Ausschau zu halten … Und wenn ein Schiff in den Hafen einläuft, das sie nicht erwartet haben, verflucht die Baronin die Wellen. Ich dachte, du wüsstest das …«

»Nein, das wusste ich nicht.« Arnau ließ einen Augenblick verstreichen. »Gib mir Bescheid, wenn eines unserer Schiffe in den Hafen einläuft.«

»Es kommen mehrere Schiffe auf einmal«, sagte Guillem eines Morgens, als er vom Konsulat zurückkam.

»Sind sie da?«

»Natürlich. Die Baronin steht so nahe am Wasser, dass die Wellen ihre Schuhe berühren …« Guillem verstummte plötzlich. »Es tut mir leid … Ich wollte nicht …«

Arnau lächelte.

»Macht nichts«, beruhigte er ihn.

Arnau ging nach oben in sein Zimmer und zog langsam seine besten Kleider an. Guillem hatte ihn davon überzeugen können, sie zu kaufen.

»Ein angesehener Mann wie du kann nicht schlecht gekleidet in der Börse oder auf dem Konsulat erscheinen. Der König gebietet es, und sogar eure Heiligen. Der heilige Vinzenz zum Beispiel …« Arnau hatte ihn schweigen geheißen, hatte aber nachgegeben.

Jetzt zog er einen ärmellosen, pelzgefütterten Übermantel mit weißer Mechelner Spitze an, einen knielangen Rock aus roter Damaszener Seide, schwarze Strümpfe sowie Seidenschuhe. Dann legte er einen breiten, mit Gold, Silber und Perlen bestickten Gürtel um. Arnau komplettierte seine Erscheinung mit einem eindrucksvollen schwarzen Umhang, den Guillem bei einer Lieferung aus dem fernen Dakien für ihn erstanden hatte. Er war mit Hermelin gefüttert und mit Gold und Edelsteinen bestickt.

Guillem nickte beifällig, als Arnau in die Wechselstube kam. Mar wollte etwas sagen, schwieg dann aber doch. Als sie sah, wie Arnau das Haus verließ, lief sie auf die Straße und sah ihm hinterher, wie er in Richtung Strand ging. Sein Umhang wehte in der Meeresbrise, die nach Santa María hinaufkam, und die Edelsteine funkelten.