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»Ja, das wollte ich damit natürlich sagen«, erwiderte sie. »Wir leisten den Eid.«

Ihre Kinder nickten oder murmelten ihre Zustimmung.

An der Schwelle ergriff Elemak leise das Wort. »Na gut«, sagte er. »Jeder hat seine Wahl getroffen. Jetzt setzt euch wieder.«

Augenblicklich befolgte Kokor den Befehl und drängte ihre Kinder, es ihr gleichzutun. Nacheinander setzten sich auch die anderen, abgesehen von Volemak, Rasa und Eiadh, die sich zu ihrem Gatten umdrehte. »Es ist vorbei, Elja«, sagte sie. »Siehst allein du nicht ein, daß du nicht mehr gewinnen kannst?«

»Ich sehe nur«, sagte Elemak, »daß ich Nafai nicht erlauben werde, je wieder über mich oder irgendeinen anderen zu herrschen.«

»Selbst wenn das zur Folge hat, daß deine eigenen Kinder ersticken werden?«

»Wenn Nafais kleiner Computer unbedingt die schwächsten von uns töten will, kann ich ihn nicht daran hindern. Aber ich töte niemanden.«

»Mit anderen Worten, dir ist es gleichgültig«, sagte Eiadh. »Für mich ist das der letzte Beweis, daß du nicht dafür geeignet bist, diese Kolonie zu beherrschen. Dein Stolz ist dir wichtiger als das Überleben unserer Kinder.«

»Das reicht«, sagte Elemak. »Mehr höre ich mir von dir nicht an.«

»Nein«, sagte Eiadh. »Mehr höre ich mir von dir nicht an. Bis du mit diesem kindischen Spiel aufhörst, unbedingt deine männliche Härte zur Schau stellen zu wollen, bist du nicht mehr mein Gatte.«

»Oh, du willst den Vertrag nicht erneuern?« sagte Elemak und lächelte häßlich. »Was hältst du denn davon, Proja?«

Sein ältester Sohn, Protschnu, ging zu seinem Vater. »Ich glaube, ich habe keine Mutter mehr«, sagte er.

»Wie passend«, sagte Elemak, »denn ich habe keinen Vater und keine Frau. Habe ich auch keine Freunde mehr?«

»Ich bin dein Freund«, sagte Obring.

»Ich stehe auf deiner Seite«, sagte Meb. »Aber Vas hat den Eid geleistet.«

»Vas leistet jeden Eid, um den du ihn bittest«, sagte Elemak. »Aber sein Wort war schon immer wertlos. Das wissen alle.«

Sevet lachte. »Sieh dir deine Freunde an, du armer Mann«, sagte sie. »Ein verleiteter Achtjähriger. Und wen noch? Meb! Obring! In Basilika waren beide wertlos.«

»Das hast du nicht gesagt, als du mich in dein Bett eingeladen hast!« schrie Obring sie an.

»Das hatte nichts mit dir zu tun«, sagte Sevet verächtlich. »Das war eine Sache zwischen mir und meiner Schwester, und glaube mir, ich habe für diesen Fehler teuer bezahlt. Vas weiß, daß ich ihm seitdem treu gewesen bin, sowohl in meinem Herzen als auch mit meinen Taten.«

Die Kinder, die alt genug waren, um zu verstehen, was hier enthüllt wurde, würden später über einen gewaltigen Familienskandal sprechen können. Obring und Sevet hatten eine Affäre gehabt? Und wie hatte Sevet dafür bezahlt? Und was meinte sie damit, daß es um sie und Kokor gegangen war?

»Genug«, sagte Elemak. »Der alte Mann hat sein kleines Spiel aufgezogen, aber ihr werdet feststellen, daß er jetzt nicht den Mut hat, euch aufzufordern, euch gegen mich zu stellen. Er herrscht lediglich in irgendeiner eingebildeten Zukunft über euch. Er weiß genau, wie ihr alle, daß ich jetzt über euch herrsche. Und glaubt mir, ihr werdet nie eine Zukunft erleben, in der das nicht der Fall sein wird.« Er wandte sich an Obring. »Bleib hier und sorge dafür, daß niemand die Bibliothek verläßt.«

Obring grinste Vas an. »Ich glaube, du wirst mir keine Befehle mehr erteilen.«

»Vas ist noch immer eine Wache«, sagte Elemak. »Ich vertraue ihm nicht, aber er wird tun, was man ihm sagt. Und jetzt wird er tun, was du ihm sagst, Obring. Nicht wahr, Vas?«

»Ja«, erwiderte Vas ruhig. »Ich werde tun, was man mir sagt. Aber ich werde auch alle meine Eide halten.«

»Ja, ja, ein ehrenwerter Mann und so weiter«, sagte Elemak. »Und jetzt komm, Meb. Bringen wir Vater und seine Frau zu Nafai. Und wenn wir schon dabei sind, können wir auch die Frau mitnehmen, die behauptet, daß sie nicht mehr meine Gattin ist.«

»Was habt ihr vor?« fragte Rasa verächtlich. »Wollt ihr uns so fesseln, wie ihr Nafai gefesselt habt?«

»Natürlich nicht«, sagte Elemak. »Ich behandle alte Leute mit Respekt. Aber für jeden, der deinen kleinen Eid geleistet hat, Vater, wird Nafai einen Schlag bekommen. Und ihr werdet zuschauen.«

Volemak funkelte Elemak an. »Ich wünschte, man hätte mich kastriert oder getötet, bevor ich dich zeugen konnte.«

»Was für ein trauriger Gedanke«, sagte Elemak. »Dann hättest du nie deinen kostbaren Nafai gezeugt. Aber jetzt, wo ich darüber nachdenke, frage ich mich, ob dazu überhaupt der Samen eines Mannes nötig war. Er ist doch nichts weiter als ein kleines Muttertöchterchen.«

Einen Augenblick später stießen Elemak und Mebbekew Volemak und Eiadh die Leiter hinab und durch den Gang zum Lagerraum, in dem Nafai lag. Rasa folgte ihnen hilflos.

Nafai schlief nicht richtig; er hatte in den letzten paar Tagen schon nicht mehr richtig geschlafen. Oder falls er doch geschlafen haben sollte, kam es ihm vor, als wäre er wach gewesen, so lebhaft waren die Träume. Manchmal brachten sie seine schlimmsten Befürchtungen zum Ausdruck, Träume von den Zwillingen, die nach Luft rangen, bis sie schließlich ganz zu atmen aufhörten, die Augen geöffnet, die Münder weit aufgerissen. Im Traum versuchte Nafai immer wieder, ihre Augen und Münder zu schließen, doch jedesmal, wenn er die Hand wegnahm, öffneten sie sich wieder. Aus diesen Träumen erwachte er selbst nach Luft ringend.

Manchmal jedoch träumte er von anderen Zeiten, von besseren Zeiten. Er erinnerte sich, wie er morgens im Haus seines Vaters aufgestanden, hinaus zur Dusche gelaufen war und das kalte Wasser aufgedreht hatte. Damals hatte er es nicht ausstehen können, doch jetzt erinnerte er sich mit Wohlgefallen daran. Eine unschuldige Zeit, in der das Schlimmste, was einem passieren konnte, der Schock des eiskalten Wassers auf Kopf und Rücken war, und in der das Schlimmste, das man tun konnte, altkluge Bemerkungen waren, die man solange von sich gab, bis die anderen zu lachen aufhörten und einem eine Abreibung verpaßten. Aber jetzt lachten sie überhaupt nicht mehr, jetzt verziehen sie nichts mehr, und das kalte Wasser war gar nichts; es wäre das reinste Vergnügen, es noch einmal zu spüren. Wie hatte ich in jenen Tagen wissen können, fragte er sich, wenn er aus solchen Träumen aufwachte, in denen er sich erinnerte, wie hatte ich damals wissen können, daß Elemaks Verärgerung sich in solchen Haß verwandelt? Daß uns so schlimme Tage bevorstehen? Ich habe klugscheißerische Scherze gerissen, weil ich Elemaks Aufmerksamkeit erregen wollte, das war alles. Er war wie ein Gott, so stark, und Vater hat ihn so sehr geliebt. Ich wollte nur, daß er mich bemerkt, daß er mir sagt, daß er mich gern hat, daß er annahm, ich würde eines Tages mit ihm in einer Karawane in ein fernes Land reiten und mit exotischen Pflanzen nach Hause kommen, die Vater dann verkaufen würde. Ich wollte nur, daß er mich respektiert, den Arm um meine Schulter legt und sagt: Das ist mein Bruder, seht euch meinen Bruder an, ich kann mich auf ihn verlassen, er ist meine rechte Hand.

Wer sonst hätte dein Bruder sein können, Elemak? Meb? Hättest du ihn gewählt? War ich für dich so verabscheuungswürdig, daß du ihn mir vorgezogen hast?

›Er hat Meb vorgezogen, weil er Mebbekew beherrschen konnte. Er hat dich gehaßt, weil du stärker warst als er.‹

Ja, mit dem Mantel des Herrn der Sterne bin ich stärker.

›Du weißt, daß du ihn jederzeit niederschlagen kannst.‹

Nein, das kann ich nicht. Der Mantel kann es. Du kannst es. Aber ich nicht. Ich liege hier gefesselt, und meine Handgelenke und Knöchel schmerzen.

›Es ist deine Entscheidung, sie nicht zu heilen. Du weißt, daß der Mantel es sofort könnte.‹

Er will, daß ich Schmerzen habe. Wenn er sieht, daß meine Haut aufgescheuert ist und blutet, wird er vielleicht zufrieden sein.