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Es war nicht weit. pTo war nicht mal müde, als der Turm in Sicht kam. Er hatte ihn schon öfter gesehen, immer aus der Ferne, und er staunte jedesmal darüber. Wer war imstande, ein so großes und glattes Gebilde zu schaffen? Es war so hell wie Sonnenlicht auf dem Wasser, und die Bäume in seiner Umgebung sahen wie Büsche aus, die sich niederkauerten, um ihn anzubeten.

Warum hatten die Alten sich zwischen den Teufeln niedergelassen und nicht beim Volk? War es möglich, daß die Alten ein Höllenvolk waren und daß die Götter sie gar nicht geschickt hatten? Doch sie waren nicht aus dem Boden hervorgebrochen; sie waren vom Himmel gekommen. Wie konnten sie da ein Höllenvolk sein? Die Frage war leicht zu beantworten.

Sie konnten ein Höllenvolk sein, weil sie ihren Turm direkt neben mehrere dicke, uralte Bäume gestellt hatten. Überall in der Nähe waren die Spuren einer Teufelsstadt zu sehen. Hier und dort lagen tote Bäume; hier und dort waren Senken von alten Tunnels, die nachgegeben hatten; und nicht weit entfernt befanden sich die felsigen Hügel, in denen sich kilometerweit Höhlen befanden, in denen sie ihre obszönen kannibalistischen Verehrungen abhielten. Die Alten mußten das alles gesehen, mußten es gewußt haben, und doch erbauten sie ihr Dorf dort, wo die Teufel sie beobachten konnten, ohne ihre Löcher zu verlassen. Warum sollten die Alten so etwas tun, wenn sie sich nicht mit den Teufeln anfreunden wollten? Wahrscheinlich hatten sie genau das schon getan. Und dann war es bereits zu spät.

Aber falls es wirklich zu spät ist, dachte pTo, werde ich Spuren ihres Bündnisses sehen, eine Vorstellung davon bekommen, wie groß die Gefahr wirklich ist, und dann werde ich nach Hause zurückkehren und darüber berichten. Wenn die Gefahr ersichtlich wird, werden sie nicht mehr auf Boboi hören. Aber dann werden wir hierher kommen, um Krieg zu führen statt zu lernen, und die Alten werden uns wahrscheinlich mit ihrer Magie aus dem Himmel holen. Die Alten wohnen in einem Turm, der auf einem Fundament aus Feuer steht. Selbst der größte Krieger des Volkes wäre für sie nicht gefährlicher als eine Mücke.

Es darf keinen Krieg geben. Es muß Freundschaft sein. Ich muß eine Möglichkeit finden, Freundschaft zu schließen.

Die Teufel hatten ihn zweifellos bereits bemerkt. Flug war die Rettung des Volkes, aber auch sein Fluch, zumindest tagsüber. Sie konnten in den Himmel springen, um vor einem Feind zu fliehen; aber ihr Feind konnte auch in den Himmel schauen und ihre Annäherung bemerken. Dieser Unterschied hatte viel bewirkt: Das Volk war offen und ehrlich; die Teufel hingegen verstohlen und betrügerisch. Das Volk lebte im Reich der Sonne und der Sterne, die Teufel lebten im Reich der Würmer und Raupen. Das Volk war leicht wie Luft und daher ätherisch, mit den Göttern verwandt; die Teufel waren schwer und unbeholfen und daher irden, mit dem Stein verwandt.

Aber das änderte nichts an der Tatsache, daß ein Teufel einem Mann des Volkes, so er ihn in die Hände bekam, problemlos alle Knochen brechen konnte, als wären es dünne Zweige. Ein Nahkampf mit einem Teufel war praktisch tödlich. Ein Stoß mit einem Speer — zu mehr kam ein Krieger nicht. Dann mußte er entweder fliegen oder sterben. Er konnte nicht mal eine sehr schwere Last tragen — nicht mal einen Stein, den er einem Teufel auf den Kopf werfen konnte, jedenfalls keinen, der so groß war, daß er ernsthaften Schaden verursachte.

Er konnte nicht einmal sein eigenes Kind mit in die Luft nehmen, wenn das Kind in diesem unbeholfenen Alter war — zu groß, als daß es beim Flug getragen werden konnte, aber noch zu klein, um selbst zu fliegen. Deshalb kamen die Teufel um diese Jahreszeit, und die Eltern mußten eine schreckliche Wahl treffen: Welches der beiden Kinder brachten sie in Sicherheit? Einige schafften es, rechtzeitig zurückzukehren, um auch das zweite Kind zu retten. Einige hatten ältere Kinder, die sich noch nicht gepaart hatten und den anderen Zwilling in Sicherheit bringen konnten. So hatte Poto überlebt — er und pTo waren Drittgeborene. Wirklich selten war der Erstgeborene, dessen Ander-Ich noch lebte.

Also beobachteten die Teufel ihn und fragten sich, weshalb er kam. Zweifellos lief ihnen schon bei dem Gedanken, sein Fleisch zwischen ihre Zähne zu kriegen, das Wasser im Mund zusammen. Nun ja, pTo war so jung und schnell, daß niemand ihn erwischen würde. Er war noch so leicht, daß er sich auf hohe Äste hocken konnte, auf die die Teufel nicht klettern konnten, ohne sie zum Schütteln zu bringen. Seine Ohren waren noch immer so scharf, daß er das Geräusch der Finger vernahm, die sich in die Baumrinde gruben. Es bestand zwar die Gefahr, daß er in eine Falle lief, aber wenn er vorsichtig war, würde ihm nichts passieren.

Dann kam pTo ein beunruhigender Gedanke: Jeder Mann und jede Frau, die den Teufeln in die Klauen gefallen waren, hatten wahrscheinlich genau dasselbe gedacht — bis zu dem Augenblick, da sie ihren Irrtum erkannt hatten.

Das Dorf der Alten war einwohnermäßig sehr klein, flächenmäßig jedoch gewaltig. Die Häuser waren ungeheuer groß. Ganze Bäume waren gefällt und gespalten worden und bildeten die Wände und Dächer — von den wenigen Gebäuden abgesehen, die aus seltsamen Substanzen bestanden, die pTo noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Es fiel ihm nicht leicht, sich einen Reim darauf zu machen, wozu die Gebäude dienten. Das große mußte ein Schlafsaal sein — aber andererseits … warum gab es nur einen? Schliefen die unverheirateten Männer und Frauen im selben Haus? Undenkbar.

Er suchte sich einen Aussichtspunkt, einen dünnen Ast, der jedoch kräftig genug war, um ihm einen guten Start zu ermöglichen, und der viele Blätter hatte, die ihn vor den Blicken der Alten verbargen. pTo inspizierte den Baumstamm, doch der war so dünn, daß die Teufel ihn noch nicht ausgehöhlt haben konnten. Also mußte er sich keine Sorgen darüber machen, wegen einer verborgenen Tür im Baum in einen Hinterhalt zu geraten. Wollte ein Teufel ihn erwischen, mußte er die Außenseite des Stammes hinaufklettern, und das würde pTo hören.

Es sei denn, er hörte es doch nicht, oder es war ihnen doch möglich, einen so dünnen Baum auszuhöhlen.

pTo verdrängte seine Ängste und schickte sich an, die Alten zu beobachten. Er behielt sie den ganzen Tag im Auge, und bei Sonnenuntergang hatte er viele seltsame neue Dinge erfahren. Am erstaunlichsten war, daß alle Erwachsenen verheiratet zu sein schienen und jedes Paar in seinem eigenen Haus wohnte. Das größte Gebäude wurde tagsüber von einigen Erwachsenen und allen kleinen Kindern benutzt. Offensichtlich hielten die Alten dort Unterricht ab. Aber in einem Gebäude? Es ergab für pTo keinen Sinn, daß sie ihre Kinder von der Welt abschnitten, um ihnen etwas über sie beizubringen.

Des weiteren erfuhr pTo, daß die Wohngebäude aus Holz bestanden; die aus der seltsamen, glatten Substanz dienten nur zur Lagerung oder für obskure Zwecke; denn diese Gebäude suchten die Alten nur selten auf, und dann auch nur, um ein Werkzeug oder einen anderen Gegenstand zu holen oder dorthin zurückzubringen.

Die Alten hielten ein paar Tiere in Pferchen, aber nur sehr wenige, und sie waren ziemlich seltsam. Einige sahen wie Ziegen aus, waren aber größer. Andere sahen wie Kühe aus, waren aber winzig. Und es gab Dutzende von Wölfen — oder zumindest bellten und jaulten und heulten sie wie Wölfe —, die frei zwischen den Alten herumliefen. Freunde von Wölfen! Was für Geschöpfe waren diese Alten? Fürchteten sie nicht um die Sicherheit ihrer Kleinkinder? Oder wurden ihre Babys so stark geboren, daß sie sich nicht zu fürchten brauchten? Nein, keineswegs: pTo sah, daß ein paar Alte Babys in Schlingen herumtrugen, und die Babys schienen völlig hilflos zu sein.

Zuerst dachte pTo — voller Enttäuschung —, daß alle Kinder allein waren. Erst spät am Nachmittag stellte er fest, daß zwei der Kleinen identisch waren und dieselben Eltern hatten. Sie hatten Ander-Ichs! Und doch waren diese beiden nicht ständig zusammen — deshalb hatte pTo erst so spät bemerkt, daß sie nicht ein und dasselbe Kind waren. Er dachte darüber nach: nur ein Paar unter allen Kindern. Waren die Alten dermaßen katastrophale Eltern, daß alle anderen Paare zerbrochen waren? Oder war es möglich, daß nur einige ihrer Kinder paarweise geboren wurden und alle anderen allein kamen? Was waren sie dann — Tiere?