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»Tz, tz, tz«, machte Meb. »Der Bursche vergißt manchmal, wie stark er ist.«

»Gut gemacht«, sagte Padarok. »Jetzt, wo er tot ist, wird er einen hervorragenden Führer abgeben.«

Elemak schleuderte das leblose Tier zu Boden. Es prallte gegen einen Baumstamm, rutschte langsam daran hinab und blieb reglos liegen. »Wo ist meine Tochter?« brüllte Elemak. »Sie haben meine Tochter geraubt!«

Seine Wut war so schrecklich, daß alle vor ihm zurückwichen, nur einen Schritt, aber es brachte trotzdem ihre Furcht zum Ausdruck. Alle bis auf Padarok. Er wich nicht zurück.

Und das bedeutete, daß er die Hauptlast von Elemaks schrecklichem Zorn ertragen mußte. Elemak funkelte ihn bereits wütend an.

Also trat Zdorab erneut vor, ohne darüber nachzudenken. »Wir kehren jetzt zurück, Elemak. Wir haben es versucht. Falls sie wirklich hier oben ist, werden wir sie nie finden. Wenn du dich besser fühlst, indem du ein hilfloses kleines Geschöpf zerbrichst und tötest … nun, das hast du gerade getan. Du brauchst nicht noch etwas zu töten oder zu zerbrechen.«

Er sah, daß Elemak sich mühsam zusammenriß.

»Diese Worte werde ich dir nie verzeihen«, erwiderte Elemak.

»Hier ist keine Menschenseele, der du nicht schon versprochen hast, ihr niemals dieses oder jenes zu verzeihen«, sagte Zdorab. »Aber wir verzeihen dir, Elemak. Wir alle haben Kinder. Es hätte jeden von uns treffen können. Könnten wir sie dir zurückholen, würden wir es tun.«

»Wenn ihr sie mir zurückbringen könntet«, sagte Elemak, »wäre ich auf ewig euer williger Diener.« Dann ging er davon, über den Sattel und in die Schlucht hinab.

Obring und Meb folgten ihm auf dem Fuße, doch beide blieben stehen, als sie an Zdorab vorbeigingen. »Wer hätte gedacht, daß das kleine Pizduhn doch ein wenig Mut in sich hat«, sagte Obring und lachte abfällig.

»Mach nur so weiter«, sagte Meb. »Wer weiß … eines Tages kriegst du dann vielleicht tatsächlich einen Ständer. Dann wärest du ein halber Mann.« Er tätschelte Zdorabs Kopf und folgte Obring und Elemak hinab.

Padarok kam zu Zdorab und umarmte ihn. »Danke, Vater. Ich dachte schon, er würde mir das Genick brechen.«

»Wir haben gesehen, was er dir antun wollte, Rokja«, sagte Zdorab, »denn er hat es bereits dem Engel angetan.«

Dann rief Yasai von dem Baum, gegen den Elemak das arme Geschöpf geworfen hatte: »Er ist nicht tot!«

»Dann sollten wir es vielleicht töten, um es von seinen Qualen zu erlösen«, schlug Zhatva vor, Nafais Ältester. Sie alle versammelten sich um das Geschöpf.

»Das ist kein Hund«, sagte Yasai. »Ojkib hat gesagt, daß sie intelligent sind. Es ist eine Person, kein Tier. Wenn es jemandem gelingt, das Wesen zu heilen, dann Schedemei.«

Das Geschöpf blinzelte langsam mit einem Auge.

»Bist du sicher, daß das kein Reflex ist?« fragte Xodhja.

Yasai zog sein Hemd aus. »Helft mir, ihn darauf zu legen«, sagte er. »Ohne ihm den Hals zu brechen.«

»Er ist bereits gebrochen«, sagte Motiga zweifelnd.

»Aber vielleicht ist die Wirbelsäule nicht durchtrennt.« Plötzlich pfiff Yasai überrascht. »Er ist so leicht.«

»Es tut ihm weh«, sagte Vas. »Er hat vor Schmerzen die Augen geschlossen.«

»Aber er beklagt sich nicht«, sagte Zdorab. »Er erträgt sein Leiden tapfer.«

»Ja, ein echter Mann«, sagte Zhatva. Doch in seiner Stimme war kaum Spott. Das Geschöpf war zu bewundern.

»Was ist, wenn Elemak sieht, daß wir ihn tragen?« fragte Motja.

»Hoffentlich sieht er es«, sagte Padarok. »Dieses Geschöpf hat ihn in keiner Hinsicht bedroht, und schaut euch an, was er getan hat. Selbst wenn es ein Hund gewesen wäre …«

Er brauchte den Satz nicht zu beenden. Vier von ihnen ergriffen die vier Ecken des Hemdes. Die anderen trugen ihre Lampen, und sie machten sich an den langsamen Abstieg in die Schlucht.

Eiadh hörte das frohe Rufen der Kinder und wußte, daß Elemak und seine Begleiter endlich von ihrer nächtlichen Suche zurückgekehrt waren. Zweifellos würde Elja erschöpft und enttäuscht darüber sein, daß seine Suche vergeblich gewesen war. Doch alles würde vergessen sein, wenn er Zhivja sah.

Zhivja hielt gerade ein Mittagsschläfchen; vielleicht war sie von den Aufregungen des Vortages erschöpft. Eiadh hob sie vorsichtig hoch; das Baby rührte sich, erwachte jedoch nicht. Eiadhs große Sorge war nun, daß sie sich vielleicht an irgend etwas erinnern würde. Sie war jetzt alt genug, um auf wackligen Beinen zu gehen, aber bestimmt noch nicht so alt, daß Erinnerungen blieben. Sie dürfte eigentlich keine Alpträume von Wühlern bekommen, die sich über ihre Krippe beugten, oder von ihrem Marsch durch lange, dunkle Tunnels. Nein, es bestand kein Grund zur Sorge.

Zhivja wachte auf, als Eiadh sie zum Dorfrand trug. Dort war Elemak, groß und stark — trotz all seiner Schwächen ein guter Mann, eine mächtige Gestalt. Eiadh erinnerte sich wieder daran, warum sie sich in Basilika in ihn verliebt hatte, damals, als sie noch ein törichtes, oberflächliches Mädchen gewesen war. Sicher, er hatte nicht die Selbstbeherrschung und die Selbstlosigkeit gezeigt, die sie bei einigen der anderen Männer bewunderte, und sein Temperament hatte zur Folge, daß sie und die Kinder zu Hause vorsichtig mit ihm umgehen mußten. Aber er war ihr Gatte, und sie war nicht unglücklich darüber. Nicht heute, nicht, nachdem ihre Tochter vor den Ungeheuern in den Höhlen gerettet worden war.

Als Eiadh näher kam, sah sie, daß Volemak ihm berichtete, was geschehen war; als sie sprachen, schaute Volemak zu ihr. Elemak blickte ebenfalls auf und sah, daß sie das Baby hatte. Er lächelte ihr zu. Das Lächeln hätte etwas begeisterter ausfallen können, aber er war müde.

Plötzlich herrschte eine hektische Aktivität. Yasai, Rokja, Xodhja und Zhjat trugen etwas in einem Hemd — zweifellos war es Yasais Hemd, denn sein Oberkörper war nackt. Volemak zeigte zum Schiff, in dem Schedemei die als Geiseln festgehaltenen Wühler studierte. Was war geschehen? Sie hatten doch bestimmt nicht einen der Engel verletzt, oder?

Kaum war ihr dieser Gedanke gekommen, als sie auch schon wußte, daß genau dies geschehen war. Volemak machte Elemak Vorhaltungen, und nun war Eiadh nah genug bei ihnen, und ihre Stimmen waren so laut, daß sie die Männer hören konnte.

»Aber er war unbewaffnet?« fragte Volemak. »Er hat euch in keiner Hinsicht bedroht?«

»Ich habe dir gesagt, daß ich glaubte, er wisse, wo meine Tochter war!«

»Also hast du ihn verkrüppelt? Auch wenn es dir völlig egal ist, daß wir an diesem Ort leben müssen und daß du dir überflüssigerweise einen Stamm intelligenter Geschöpfe zu Feinden machst, hättest du daran denken müssen, daß es eine schreckliche Dummheit ist, die einzige Person zu verletzen, die dir vielleicht helfen könnte!«

Volemak ist zu wütend, dachte Eiadh. Elemak reagierte nicht allzu gut auf harte Vorwürfe, besonders nicht in der Öffentlichkeit. Er hatte den Gehorsamseid treu eingehalten — aber warum sollte man es unbedingt auf die Spitze treiben?

Natürlich hatte sie den verletzten Engel nicht gesehen, im Gegensatz zu Volemak. Was hatte Elemak getan?

»O ja, ich bin furchtbar dumm«, erwiderte Elemak. »Aber dein perfekter Held mit dem magischen Mantel hat bei einem Haufen Ratten Gott gespielt!«

»Er hat deine Tochter zurückgeholt, er und Ojkib und Protschnu und ich«, sagte Volemak. »Und es ist uns gelungen, während wir von einer Streitmacht von bewaffneten Wühlern umzingelt waren, die hundertfach in der Überzahl war, weil du darauf bestanden hast, nur wenige Männer im kampffähigen Alter zurückzulassen.«