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Er kam am nächsten Tag zurück. Ruhig, bezwungen. Ein anderer Mensch. Ein gebrochener Mann. Als sie allein im Haus waren, versuchte Eiadh, sich bei ihm zu entschuldigen, doch er ging einfach hinaus und hörte sie nicht an. Sie teilten ihr Bett, doch er griff nie wieder nach ihr. Er antwortete den Kindern, wenn sie ihm Fragen stellten, und manchmal spielte er mit ihnen und lachte und lächelte wie in alten Zeiten. Doch er kam zu keinem der Treffen der Erwachsenen, und wenn Eiadh versuchte, ihn in Gespräche über ihren eigenen Haushalt zu verwickeln, antwortete er stets mit denselben Worten. »Was immer du willst«, sagte er. »Es ist mir egal.«

Und es war ihm gleichgültig; diesen Eindruck erweckte er zumindest. Er machte seine Arbeit auf den Feldern, unterbreitete aber keine Vorschläge mehr, was andere tun sollten. Er tat einfach, was man ihm auftrug. Er arbeitete hart, sogar bis zur Erschöpfung. Aber er schien noch immer unsichtbar zu sein.

Ich habe ihn getötet, dachte Eiadh.

Oder vielleicht, nur vielleicht, habe ich den ersten Schritt zu seiner Heilung getan.

Sie beschloß, sich an diese Hoffnung zu klammern. Diese verwirrende, stille, zurückgezogene Persönlichkeit war lediglich ein Stadium seiner Entwicklung zu einem reifen, klugen, beherrschten und guten Mann.

Zu einem Mann wie Nafai.

12

Freunde

Schedemei bat Volemak um ein Treffen all jener, die mit den beiden intelligenten Spezies zu tun hatten. »Wir müssen einige Entscheidungen treffen«, sagte sie, und als sie die Abendmahlzeit eingenommen hatten, versammelten sie sich in der Schiffsbibliothek: Volemak und Schedemei natürlich, und dazu Nafai und Luet, Issib und Huschidh sowie Ojkib und Chveja. »Ich habe Elemak eingeladen«, erklärte Volemak, »weil er auf Harmonie soviel Erfahrung im Umgang mit fremden Kulturen und Herrschern hatte. Er wollte nicht kommen, aber ich werde ihn trotzdem bitten, wenigstens mit den Wühlern zu arbeiten. Sie sitzen ja praktisch auf uns …«

»Eigentlich sitzen wir auf ihnen«, sagte Nafai.

Volemak hielt geduldig für einen Augenblick inne, als würde er sich insgeheim fragen: Wann wird der Junge endlich erwachsen? Wann wird er lernen, daß man bei so ernsten Gesprächen keine Scherze macht? Luet beugte sich zu Nafai hinüber und stieß mit dem Finger gegen sein Bein. Er grinste sie dumm an.

»Und es ist unbedingt erforderlich«, fuhr Volemak fort, »daß wir eine tragfähige Übereinkunft finden, wie sich unser Zusammenleben gestalten soll. Ich weiß nicht, was ihr davon haltet, aber ich habe in der Nacht der Entführung eine in ernsten Konflikten befindliche Wühlergesellschaft gesehen. Die Entführung wurde vom Sohn des Blutkönigs organisiert, und die Frau des Kriegskönigs setzte Verehrung dagegen. Allein die Tatsache, daß es der Frau … wie hieß sie noch gleich?«

»Emeezem«, sagte Ojkib.

»Die Tatsache, daß Emeezem Erfolg gehabt hat, wo … äh …«

»Mufruzhuuzh.«

»Wo Mufmuf … wie auch immer … versagt hat, könnte ihn geschwächt haben. Daher können wir davon ausgehen, daß es mindestens eine Fraktion gibt, die die Erde von den Menschen säubern will, vielleicht sogar zwei — Mufjas und die Ränkeschmieder, die die eigentliche Entführung ausgeführt haben. Ich glaube, Elemak könnte sich als nützlich erweisen, eine Verständigung mit den feindseligen Parteien herbeizuführen.«

»Falls er sich dazu bereiterklärt«, sagte Huschidh. »Er ist im Augenblick mit niemandem sehr eng verbunden. Nicht einmal mit Protschnu, da der Junge unbedingt vor seinem Vater damit prahlen mußte, daß er den Eingang zur Wühlerstadt in einem Baum entdeckt hat. Das war zu Hause kein sehr willkommenes Thema.«

»Hast du diese häusliche Szene gesehen?« fragte Volemak.

»Ich habe von einem Augenzeugen davon gehört.«

»Also ist es Klatsch«, sagte Volemak.

»Klatsch aus erster Hand«, sagte Huschidh. »Sehr zutreffend. Von bester Qualität.«

Volemak lächelte und wiederholte dann nachdrücklich: »Klatsch.«

Nafai ergriff das Wort. »Ich glaube, Elemak bietet sich geradezu an, mit den Wühlern zu arbeiten.«

»Nicht nur einer wird sich darum kümmern«, sagte Volemak. »Und tue uns allen einen Gefallen, Nafai. Hänge nicht an die große Glocke, daß du dich dafür ausgesprochen hast, Elemak diesen Auftrag zu erteilen.«

Nafai nickte. Plötzlich war er ganz ernst geworden. Doch Luet war nicht beeindruckt. Sie wußte, daß er verstandesmäßig begriff, wie schlecht die Idee war, nett zu Elemak sein zu wollen. Erst gestern hatte Luet es ihm erneut klarzumachen versucht, und er hatte sie unterbrochen und es ihr erklärt. »Ich weiß, Elemak betrachtet mein Bemühen, ihm Autorität zu geben, nicht als Vertrauen oder Freundlichkeit, sondern als Herablassung und Schadenfreude. Aber es ist keine Schadenfreude und keine Herablassung, Luet. Ich bewundere seine Fähigkeiten wirklich und bin davon überzeugt, daß er jede Aufgabe, die man ihm überträgt, mit Bravour bewältigen wird. Ich kann doch nicht dafür, daß ich ihm die Hand reichen will.«

»Aus deiner Warte sieht es so aus, als würdest du ihm die Hand reichen«, erklärte Luet geduldig — zum fünfzigstenmal, da war sie sicher. »Von seiner Warte aus streust du ihm Salz in die Wunde.«

Er hätte bei jedem Thema, bei dem es um Elemak ging, einfach den Mund halten sollen; das wußte Nafai, aber er hielt es einfach nicht durch. »Dann werden alle glauben, ich wäre eingeschnappt oder wolle nichts mehr mit ihm zu tun haben. Ich möchte wirklich, daß er bestimmte Aufgaben übernimmt. Also muß ich das auch sagen, oder? Damit alle wissen, daß ich ihm nichts übelnehme.«

»Kannst du mir nicht einfach vertrauen?« fragte Luet. »Kannst du mir nicht einfach vertrauen und die Klappe halten?«

Er hatte ihr — erneut — seinen ernsten Schwur geleistet, daß er nichts mehr zu oder über Elemaks Rolle in der Gemeinschaft sagen würde. Und jetzt hatten sie sich zu diesem Treffen zusammengefunden, keinen Tag, nachdem sie ihn zum letztenmal darum gebeten und er das Versprechen ihr gegenüber erneuert hatte. Und nun tat er genau das, was zu unterlassen er ihr versprochen hatte.

Volemak kam zum eigentlichen Thema zurück. »Auf jeden Fall wird nicht nur eine Person mit den Wühlern arbeiten. Wir müssen so viele verschiedene Perspektiven wie möglich haben — selbst, wenn wir nur Getreide anbauen und uns Nahrung besorgen und Vorräte für die Trockenzeit einlagern. Aber das alles ist nur eine Einleitung. Schedemei hat um dieses Treffen gebeten. Ich vermute, sie hat einen Bericht über die Biologie der Wühler und Engel fertiggestellt, und das wäre ein ausgezeichneter Anfang.«

»Eigentlich ist es kein Bericht«, sagte Schedemei. »Es ist eher eine Liste von Fragen. Die erste Untersuchung hat ergeben, daß die Wühler und Engel wie alle anderen Tiere und Pflanzen, die wir seit unserer Ankunft untersucht haben, die normalen evolutionären Veränderungen gegenüber ihren Vorfahren von vor vierzig Millionen Jahren aufweisen. Wühler waren eine Spezies von Feldratten, die im südlichen Mexiko vorkamen, und Engel waren eine ganz normale Fledermausspezies. Die genetischen Abweichungen liegen in einer Größenordnung von jeweils nur fünf Prozent gegenüber dem Original. Es wird Jahre dauern, bevor wir auch nur daran denken können, die fossilen Überreste zu untersuchen. Aber hier könnt ihr sehen, wie der Wühlerkörper sich verändert hat, um einen schwereren Kopf tragen zu können. Und die Hände haben sich weiterentwickelt, um große, schwere Werkzeuge handhaben zu können — ohne die derbe Kraft zu verlieren, die man zum Graben, Klettern und — wie ich hinzufügen muß — Töten ohne Werkzeuge braucht.«