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Also krabbelte er auf das entfernteste Ende des Astes. Der Teufel lachte über ihn und stieg dann langsam und vorsichtig auf den Ast. Er neigte sich unter seinem Gewicht immer tiefer. Poto sah, daß unter dem Ast ein anderer Teufel wartete, bereit, ihn zu ergreifen, sobald er tief genug sank.

Der Teufel unter ihm sprang, und seine scharfen Wühlhände streiften Potos Kopf. Bei einer solchen Gefahr reagierten viele Kinder dermaßen entsetzt, daß sie zu fliegen versuchten, doch so kleine und schwache Schwingen konnten sie nicht tragen, und die Teufel machten sich einen Spaß daraus, sie zu verfolgen, während sie dicht über dem Boden flatterten und taumelten. Diejenigen, die zu fliegen versuchten, wurden stets gefangen und in die Tunnels der Teufel gebracht, wo sie dann bei schrecklichen, barbarischen Festen verzehrt wurden.

Poto versuchte nicht zu fliegen. Statt dessen nahm er all seinen Mut zusammen und kroch näher zu dem Teufel auf dem Ast heran. Damit stieg er so hoch, daß der untere Teufel ihn mit seinen Sprüngen nicht erreichen konnte. Aber es brachte ihn auch fast in die Reichweite der ausholenden Hand des oberen Teufels. Zweimal berührte die Hand Potos Füße. Doch beim zweitenmal hatte der Teufel sich so weit vorgewagt, daß sein Gleichgewicht gefährdet war, und in diesem Augenblick sprang Poto. Der Teufel machte einen Satz und fiel vom Ast. Und bevor er wieder hinaufklettern und es noch einmal versuchen konnte, kehrten Potos Eltern zurück und trugen ihn in Sicherheit, an den Ort, an dem pTo ihn mit einer Umarmung begrüßte und lauschte, während Poto sein schreckliches Abenteuer erzählte. Seit dieser Zeit wußte Poto, daß sein Leben verschont geblieben war, damit er auf das erwählte Ich aufpassen konnte; alle hatten Respekt und wußten, daß pTo an diesem Tag von den Teufeln geholt worden wäre, wäre es Poto nicht bestimmt, ihn zu beschützen.

Es gab ein zweites bedeutendes Argument, das für Poto sprach: Jeder wußte — ganz gleich, wie die Versammlung entscheiden würde —, daß Poto hinabsteigen, pTo suchen und alles tun würde, um ihn zu retten, sogar sein Leben für ihn anbieten, falls er noch nicht tot war. Die Versammlung mußte in Wirklichkeit also nicht entscheiden, ob Poto gehen sollte, sondern, ob sein Versuch so gefährlich war, daß man ihm eine Schwinge abreißen sollte, um zu verhindern, daß er ging. Das wäre eine schreckliche Strafe, denn es war die äußerste Erniedrigung, einen Mann der Flugfähigkeit zu berauben. Das war die Strafe, die man einem Mann aufzwang, der einer Frau Gewalt angetan hatte, und sie führte immer zum gleichen Ende: zu einem grausamen, erniedrigenden Tod unter den Händen der Teufel, sobald sie ihren nächsten Überfall durchführten. Da Poto kein Kind war, würde man ihn nicht in die Höhlen hinabtragen. Statt dessen würden die Räuber ihn an Ort und Stelle essen, bei lebendigen Leibe. Die Ablenkung, einen mit einer zerrissenen Schwinge essen zu können, mochte ein paar Kleinkindern das Leben retten — nur dafür war ein solcher Verbrecher noch gut.

Es wäre grausam, da Potos einziges Verbrechen darin bestand, daß er sein Ander-Ich retten wollte, ganz gleich, was die Versammlung entschied. Aber es würde ihm nicht helfen, daß er abstritt, der Versammlung trotzen zu wollen — indem er den Eindruck erweckte, sein Ander-Ich mehr zu lieben als das Gesetz, würde er sich nur erniedrigen. Wie man von einer Frau erwartete, daß sie für die Rettung ihres Mannes bat, und sie deshalb schweigen mußte, ob sie nun tatsächlich für ihn gebeten hätte oder nicht, erwartete man von einem Mann, daß er allen Ängsten, Gesetzen, Gefahren und Weisheiten trotzte, um zur Rettung seines Ander-Ichs zu fliegen. Ob er das Gesetz nun brechen würde oder nicht, man müßte ihn eigentlich bestrafen, als ob er es gebrochen hätte. Wenn das Volk ihn nicht bestrafte, würde es damit zum Ausdruck bringen, daß es ihn für das verächtlichste aller Geschöpfe hielt, für einen Mann, der nicht alles für sein Ander-Ich riskierte. Da war es schon besser, wenn man seine Schwinge zerriß.

Also mußte die Versammlung entscheiden, ob sie Potos Schwinge zerreißen oder das Risiko eingehen sollten, daß er die Sicherheit des Volkes gefährdete, indem er erneut den Alten gegenübertrat.

Nachdem die letzten ihrer Befürworter gesprochen hatten, verstummte Boboi endlich. Wie viele waren es? Etwas weniger als die halbe Versammlung. Wenn auch nur einige weitere für sie stimmten, würde Poto zerrissen werden, und pTo würde allein unter den Alten bleiben.

Nun war Poto an der Reihe. Das Volk war bereits müde. Er würde sich kurz fassen. »Ich glaube nicht, daß alle Alten unsere Feinde sind. Sie waren sehr wütend auf pTo, sonst wären sie nicht die Schlucht hinaufgekommen, um ihn zu suchen. Es stimmt, sie haben sein Angebot zurückgewiesen. Aber derjenige, der ihn geschlagen hat, handelte allein. Ich sah, daß die anderen sich von ihm abwandten oder nach ihm griffen, um ihn aufzuhalten …«

»Woher willst du wissen, was die Alten tun wollten?« unterbrach Boboi ihn.

Die Versammlung kreischte ihren Ärger darüber hinaus, daß Boboi es gewagt hatte, Poto zu unterbrechen. Schließlich hatte Poto die Formen der Höflichkeit gewahrt. Durch das hohe Kreischen in Verlegenheit gebracht, wandte Boboi das Gesicht von der Versammlung ab.

»Ich habe das nicht als einziger gesehen«, fuhr Poto fort. »Wenn es irgendeinen Zeugen gibt, der abstreitet, daß die anderen Alten pTo nicht zerbrechen wollten, wie der eine es getan hat, mögen sie jetzt sprechen, und ich erkläre mich mit allem einverstanden.«

Einige waren vielleicht nicht damit einverstanden, aber keiner war sich seiner so sicher, daß er es gewagt hätte, Poto zurückzuweisen, während er für sein Ander-Ich bat.

»pTo war nicht tot — ich habe gesehen, wie er tapfer die Augen öffnete, um uns zu zeigen, daß er noch lebte. Und als die Alten sahen, daß er noch lebte, haben sie ihn nicht gegessen, obwohl er kein Kind mehr ist. Sie haben ihn behutsam behandelt und ihn in ihr eigenes Leder gelegt, um ihn die Schlucht hinabzutragen. Ich habe keine Ahnung, was sie mit ihm vorhaben. Aber wenngleich die Alten unter ihrem Leder hauptsächlich haarlos sind, stecken in ihren Körpern keine Teufel. Vielleicht sind sie also auch in ihren Herzen keine. Sie sind doch aus dem Himmel gekommen, nicht wahr? Vielleicht sind sie auf pTo gar nicht mehr wütend! Und wenn ich zu ihnen gehe, um für ihn zu bitten, lassen sie ihn mich vielleicht nach Hause bringen, oder zumindest bei ihm bleiben und ihn pflegen, bis er stirbt.«

Er schluckte und versuchte, sich Bobois andere Punkte in Erinnerung zu rufen, damit er sie widerlegen konnte. »Ich glaube nicht, daß die Alten überhaupt auf uns wütend sind. Sonst hätten sie es nicht dabei bewenden lassen, lediglich pTo Gewalt anzutun. Es dämmerte, und sie haben bestimmt die Wachfrauen gesehen, die über dem Dorf flogen. Sie haben gewußt, wo wir zu finden sind, aber sie haben den Bergkamm nicht überschritten. Das beweist, daß sie das Ganze nicht für die Tat des einen verantwortlich machen. Daher werde ich das Volk nicht gefährden, selbst wenn sie mich hassen, weil ich zu ihnen gekommen bin.«

Was war noch zu sagen? Die meisten von Bobois Argumenten hatten sich darauf gestützt, daß viele Leute immer wieder dieselben Dinge sagten; er hingegen hatte kaum noch etwas zu sagen.