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Walker Boh kam auf ihn zu und nahm Pars Hände in die seinen. Er trug Hosen, eine Tunika, einen kurzen Mantel und weiche Stiefel, alles von der Farbe der Erde und der Bäume. »Fühlst du dich in der Hütte wohl?« fragte er.

»Onkel, was machst du hier draußen? Warum warst du nicht da, als wir angekommen sind? Du wußtest doch ganz offensichtlich, daß wir kommen.«

Der Onkel ließ Pars Hände los und trat zurück. »Komm, setz dich zu mir, Par«, bat er und zog sich, ohne die Ant-wort seines Neffen abzuwarten, wieder in den Schatten zurück. Par folgte ihm, und beide ließen sich auf dem Baumstumpf nieder, auf dem Walker zu Anfang gesessen hatte.

Walker betrachtete Par ausgiebig. »Ich werde nur mit dir sprechen«, sagte er leise. »Und nur dieses eine Mal.«

Par wartete. »Es hat in meinem Leben viele Veränderungen gegeben«, fuhr sein Onkel nach einer Weile fort. »Ich nehme an, daß deine Erinnerungen an mich aus deinen Kindertagen nur sehr spärlich sind, und das meiste davon hat sowieso nicht mehr viel mit dem, der ich jetzt bin, zu tun. Ich habe das Leben im Vale aufgegeben und damit jeden Anspruch darauf, ein Südländer zu sein, und bin dann hierher gekommen, um noch einmal von vorne anzufangen. Ich habe den Wahnsinn der Menschen hinter mir gelassen, deren Leben durch ihre primitiven Instinkte bestimmt wird. Ich habe den Menschen aller Rassen den Rücken gekehrt, ihrer Habgier und ihren Vorurteilen, ihren Kriegen, ihrer Politik und ihrer abscheulichen Vorstellung von Verbesserung. Ich bin hierher gekommen, Par, damit ich allein leben konnte. Ich war natürlich schon immer allein; ich bin dazu geboren, allein zu sein. Der Unterschied besteht jetzt darin, daß ich nicht deswegen allein bin, weil die anderen es so wollen, sondern deshalb, weil ich es so will. Ich habe die Freiheit, das zu sein, was ich bin – ohne daß ich mich deshalb unwohl fühlen müßte.« Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht. »Die Zeit, in der wir leben, und das, was wir sind, machen es uns schwer. Verstehst du mich, Par? Auch du verfügst über Magie – in deinem Fall eine sehr konkrete Magie. Durch sie wirst du keine Freunde gewinnen, im Gegenteil. Man gestattet uns heutzutage nicht, Ohmsfords zu sein, weil Ohmsfords die Zauberkraft ihrer Vorfahren besitzen, und weder die Magie noch die Elfen werden heutzutage geschätzt oder verstanden. Ich bin es leid geworden, ich habe keine Lust mehr, ein Außenseiter zu sein und ständig mit Argwohn und Mißtrauen behandelt zu werden. Ich bin es leid, als etwas Fremdartiges angesehen zu werden. Dir wird es genauso ergehen, wenn es dir nicht schon so ergangen ist. Es liegt einfach im Wesen der Dinge.«

»Ich lasse mich davon nicht beirren«, antwortete Par. »Die Magie ist eine Gabe.«

»Ja wirklich? Ist sie das jetzt? Eine Gabe ist nicht etwas, das man verstecken muß wie eine ansteckende Krankheit. Sie ist nicht etwas, dessen man sich schämen, wovor man sich in Acht nehmen oder Angst haben sollte. Sie ist nicht etwas, das einen töten könnte.«

Er sprach mit solcher Bitterkeit, daß Par ein Schauer über den Rücken lief. Schuldbewußt schüttelte der Onkel den Kopf. »Ich weiß manchmal nicht, was ich sage, wenn ich über die Vergangenheit spreche. Es tut mir leid. Ich wollte andere Dinge mit dir besprechen. Aber nur mit dir, Par. Ich überlasse die Hütte deinen Gefährten für die Zeit ihres Aufenthaltes. Aber ich werde sie dort nicht aufsuchen. Mein Interesse gilt nur dir.«

»Aber was ist mit Coll?« fragte Par verwirrt. »Warum willst du nur mit mir sprechen und nicht auch mit ihm?«

Sein Onkel lächelte spöttisch. »Denk nach, Par. Ich habe ihm nie so nahe gestanden wie dir.«

Par starrte ihn schweigend an. Er mußte zugeben, daß sein Onkel recht hatte. Es war die Magie, durch die er Walker nähergekommen war, und Coll hatte daran nie teilgehabt. Die Zeit, die er mit seinem Onkel verbracht und die ihn dem Mann nähergebracht hatte, war immer eine Zeit ohne Coll gewesen.

»Außerdem«, fuhr der andere leise fort, »geht das, was ich mit dir besprechen will, nur uns an.«

Plötzlich verstand Par. »Die Träume.« Sein Onkel nickte.

»Das heißt also, daß auch du sie geträumt hast – die schwarze Gestalt, die Allanon zu sein scheint und vor dem Hadeshorn steht und uns warnt und ruft?« Par war sprachlos. »Und was ist mit dem alten Mann? War er auch bei dir?« Wieder nickte sein Onkel. »Dann kennst du ihn, nicht wahr? Ist es wirklich Cogline?«

Walker Bohs Gesicht war jetzt ausdruckslos. »Ja, Par, es ist Cogline.«

Par rieb sich aufgeregt die Hände. »Ich kann es nicht glauben! Wie alt ist er? Hunderte von Jahren, nehme ich an – genauso alt, wie er zu sein behauptet. Lebt er immer noch hier bei dir?«

»Er besucht mich manchmal. Die Katze gehörte ihm, bevor er sie mir schenkte. Du erinnerst dich doch daran, daß es immer eine Moorkatze gab. Die davor hieß Whisper. Das war zu Zeiten von Brin Ohmsford. Die jetzige heißt Ondit. Der alte Mann hat ihr diesen Namen gegeben. Er meinte, es sei ein guter Name für eine Katze – besonders für eine Katze, die mir gehört.«

Er sprach nicht weiter, und etwas, das Par nicht deuten konnte, zeigte sich in seinem Gesicht, um sofort wieder zu verschwinden. Par warf einen Blick auf die Stelle, wo er die Katze zuletzt gesehen hatte, doch sie war verschwunden.

»Gerüchte kommen und gehen auf die gleiche Weise wie Moorkatzen«, sagte Walker Boh, als hätte er seine Gedanken gelesen.

Par nickte abwesend und gab seinen Blick zurück. »Was wirst du tun, Onkel?«

»Wegen der Träume?« Die Augen des Onkels nahmen einen leblosen Ausdruck an. »Nichts.«

Par zögerte. »Aber der alte Mann muß dir…«

»Hör mir zu«, unterbrach ihn der andere. »Ich habe meine Entscheidung getroffen. Ich weiß, worum ich in meinen Träumen gebeten worden bin, und ich weiß, wer sie geschickt hat. Der alte Mann war bei mir, und wir haben uns unterhalten. Es ist noch keine Woche her, daß er hier war. All das zählt nicht. Ich bin schon längst kein Ohmsford mehr; ich bin ein Boh. Wenn ich mich meiner Vergangenheit entledigen könnte, würde ich keinen Augenblick zögern. Ich will damit nichts zu tun haben. Ich bin in das Ostland gekommen, um in diesem Tal zu leben, um so zu leben, wie meine Vorfahren einst gelebt haben, um wenigstens einmal dort zu sein, wo alles frisch und sauber ist und nicht durch die Gegenwart anderer gestört wird. Ich habe gelernt, mir mein Leben einzurichten. Du kennst jetzt das Tal; die Familie meiner Mutter hat es so hinterlassen, und ich will es so erhalten. Ab und zu besuche ich sogar die Menschen draußen. Der Dunkelstreif ist mein Himmel und der Kamin mein Heim.« Er lehnte sich vor. »Ich besitze die Magie, Par – sie ist anders als deine, aber sie ist trotzdem wirklich. Manchmal weiß ich, was die anderen denken, selbst wenn sie weit weg sind. Ich kann mich mit dem Leben auf eine Art verständigen, wie es die anderen nicht können. Manchmal kann ich mich unsichtbar machen, genau wie die Moorkatze. Ich kann sogar Kraft heraufbeschwören!« Er schnippte unerwartet mit den Fingern, und einen Augenblick waren seine Finger in blaues Feuer getaucht. Er blies es aus. »Mir fehlt die Magie des Wunschlieds, aber offensichtlich hat sich ein Teil davon in mir niedergelassen. Ein Teil meines Wissens ist angeboren, einen Teil habe ich mir selbst beigebracht, und den Rest haben mich andere gelehrt. Aber ich habe alles, was ich brauche, und das reicht mir. Die Welt muß ohne mich zurechtkommen. Sie hat es bis jetzt auch getan.«

Par suchte nach einer Antwort. »Aber wenn die Träume recht haben, Onkel?« fragte er endlich.

Walker Boh lachte höhnisch. »Par! Die Träume haben niemals recht! Hast du nichts gelernt aus deinen eigenen Geschichten? Gleichgültig, ob sie wahr werden wie jetzt oder wie damals, als Allanon noch lebte, eines bleibt doch immer gleich – die Ohmsfords erfahren entweder gar nichts oder aber nur das, was die Druiden für notwendig erachten!«

»Du glaubst, daß wir benutzt werden?«

»Ich glaube, daß ich ein Narr wäre, wenn ich anders denken würde! Ich glaube nicht alles, was man mir erzählt.« Die Augen des anderen schienen so kalt wie Stein. »Die Magie, die du für eine Gabe hältst, ist niemals etwas anderes gewesen als ein nützliches Werkzeug der Druiden. Ich habe nicht die Absicht, mich für die neuen Aufgaben, die sie erfunden haben, gebrauchen zu lassen. Wenn die Welt gerettet werden muß, so wie die Träume es anordnen, laß Allanon und den alten Mann hinausziehen und sie retten!«