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Par holte tief Luft. »Was wirst du tun, wenn die Dinge aus den Träumen wahr werden? Was wird dann aus deinem Heim? Was wird geschehen, wenn das Böse, das die Träume prophezeit haben, sich auf den Weg zu dir macht?«

Sein Onkel sagte nichts, aber der starre Blick wich nicht aus seinem Gesicht.

»Ich habe eine andere Einstellung zu den Dingen«, sagte Par leise. »Ich war schon immer der Meinung, daß die Magie eine Gabe ist und daß sie mir aus einem ganz bestimmten Grund gegeben wurde. Lange Zeit schien es so, als wäre sie dazu da, die Geschichten zu erzählen, damit sie nicht ganz in Vergessenheit geraten. Ich habe meine Meinung jedoch geändert. Ich glaube, daß die Magie für größere Dinge bestimmt ist.« Er setzte sich aufrecht hin, weil er sich in Gegenwart des anderen plötzlich klein fühlte. »Coll und ich können nicht ins Vale zurück, weil die Föderation von der Magie Wind bekommen hat und hinter uns her ist. Der alte Mann, Cogline, sagt, daß es noch andere Dinge gibt, die uns verfolgen – vielleicht sogar Schattenwesen. Bist du den Schattenwesen begegnet? Ich ja. Das Komische daran ist, daß ich glaube, daß die Dinge, die uns verfolgen, ebenfalls Angst haben. Es ist die Magie, vor der sie sich fürchten.« Er machte eine Pause. »Ich habe keine Ahnung, warum das so ist, aber ich bin entschlossen, es herauszufinden.«

Ein Anflug von Überraschung zeigte sich in Walker Bohs Augen.

Par nickte. »Ja, Onkel, ich habe mich entschlossen, der Aufforderung der Träume zu folgen. Ich glaube, daß Allanon sie geschickt hat, und ich glaube, daß man sie beachten muß. Ich werde zum Hadeshorn gehen. Ich glaube, daß mir die Entscheidung jetzt erst klar geworden ist; das Gespräch mit dir hat mir zu dieser Entscheidung verholfen. Coll weiß noch nichts davon. Ich habe keine Ahnung, was er tun wird. Vielleicht kommt es soweit, daß ich allein gehe. Aber gehen werde ich, schon deshalb, weil ich glaube, daß Allanon mir sagen kann, welchem Zweck die Magie dienen soll.« Traurig schüttelte er den Kopf. »Ich kann nicht so sein wie du, Onkel. Ich kann nicht als Außenseiter leben. Ich will irgendwann wieder nach Shady Vale zurückkehren. Ich will mich nicht irgendwo anders niederlassen und noch einmal von vorne anfangen. Auf meinem Weg hierher habe ich Culhaven gesehen. Die Zwerge, die uns hierher begleitet haben, sind von dort. Die ganzen Vorurteile und die ganze Habgier, die Politik und die Kriege, der ganze Wahnsinn, von dem du sprichst, all das kann man dort erleben. Aber ich will im Gegensatz zu dir nicht davor weglaufen; ich möchte einen Weg finden, um dem allem ein Ende zu machen! Wie kann ich das erreichen, wenn ich einfach so tue, als gäbe es all das nicht?« Seine Hände ballten sich zu Fäusten. »Weißt du, ich frage mich, was wäre, wenn Allanon etwas wüßte, das den Lauf der Dinge ändern könnte. Was wäre, wenn er mir zeigen könnte, wie der ganze Wahnsinn beendet werden kann?«

Walker Boh erhob sich.

»Wirst du noch einmal darüber nachdenken?« fragte Par.

Walker sah ihn schweigend an, ging dann zum Teich in der Mitte der Lichtung, blieb stehen und schaute hinein. Als er mit den Fingern schnippte, tauchte wie aus dem Nichts Ondit auf und näherte sich ihm. Er drehte sich um und schaute zurück. »Viel Glück, Par«, war alles, was er sagte. Dann verschwand er, begleitet von seiner Katze, in der Nacht.

10

Par wartete bis zum Morgen, ehe er den anderen von seiner Begegnung mit Walker Boh erzählte. Er sah keinen Grund zur Eile. Walker hatte seine Absichten ganz klar zum Ausdruck gebracht, und es gab sowieso nichts, was einer von ihnen daran hätte ändern können. Par machte sich also auf den Rückweg zur Hütte, nahm seine Wache wieder auf, hing seinen Gedanken nach und wartete auf die Morgendämmerung.

Die Reaktionen der anderen waren gemischt, als er die Geschichte schließlich zum Besten gab. Morgan war entrüstet über Walkers Verhalten und erklärte, daß sie anstandshalber wenigstens ein Zusammentreffen verdienthätten. Überzeugt davon, daß der Mann noch nicht weit gekommen sein konnte, bestand er darauf, daß sie das Tal durchsuchten.

Steff war der Meinung, Walker Boh sei lediglich darauf bedacht, Schwierigkeiten möglichst aus dem Weg zu gehen. »Mir scheint, daß sein Verhalten, egal für wie ärgerlich man es halten mag, keineswegs außergewöhnlich ist«, erklärte er mit einem Achselzucken. »Schließlich habt ihr selbst gesagt, daß er sich hierher zurückgezogen hat, um allen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Wenn er sich nun weigert, zum Hadeshorn zu gehen, tut er nur das, was er schon immer tun wollte.«

Teel hatte dazu, wie immer, nichts zu sagen. Coll meinte nur: »Ich wünschte, ich hätte mit ihm sprechen können.« Damit war die Angelegenheit für ihn erledigt.

Obwohl es keinen Grund gab, länger zu bleiben, entschlossen sie sich, ihre Abreise um einen Tag zu verschieben. Der Mond war noch immer mehr als halb voll, und so hatten sie mindestens noch zehn Tage Zeit, bis sie am Hadeshorn sein mußten – falls sie überhaupt dorthin gingen. Ein Gespräch über ihr weiteres Vorgehen wurde vermieden. Par hatte sich bereits entschieden, ohne jedoch den anderen seine Entscheidung mitzuteilen. Die anderen warteten natürlich darauf, daß er sich äußerte. Während sie dieses Katz-und-Maus-Spiel weiterspielten, beendeten sie ihr Frühstück und beschlossen dann, Morgans Vorschlag aufzugreifen und das Tal ein letztes Mal zu durchsuchen. Auf diese Weise waren sie beschäftigt, während sie über die Auswirkungen von Walker Bohs Entscheidung nachsannen. Morgen früh würde immer noch genügend Zeit bleiben, um eine eigene Entscheidung zu treffen.

Sie wanderten also zurück zu der Lichtung, wo Par in der vergangenen Nacht Walker und die Moorkatze getroffen hatte, und begannen, nachdem sie verabredet hatten, sich am späten Nachmittag bei der Hütte zu treffen, eine zweite Suche. Steff und Teel bildeten eine Gruppe, Par und Coll eine zweite, und Morgan machte sich allein auf den Weg. Es war ein warmer, sonniger Tag, und eine leichte Brise wehte aus den Bergen zu ihnen herunter.

Nachdem sich Par und Coll von den anderen getrennt hatten, wandten sie sich nach Osten.

Halbherzig schlenderte Par dahin; wohl wissend, daß Coll ihn von Zeit zu Zeit beobachtete, wich er seinem Blick aus. Nachdem sie durch Lichtungen gewandert waren und Bäche durchwatet hatten, ohne auch nur auf die kleinste Spur von Walker zu stoßen, blieb Par stehen. »Wir verschwenden nur unsere Zeit«, verkündete er, wobei ein Anflug von Ärger in seiner Stimme mitklang. »Wir finden hier ja doch nichts.«

»Der Meinung bin ich auch«, antwortete Coll.

Par drehte sich zu ihm um, und sie sahen einander schweigend an. »Ich habe mich entschlossen, zum Hades-horn zu gehen, Coll. Mir ist es egal, was Walker macht; für mich zählt nur, was ich mache. Ich muß gehen.«

Coll nickte. »Ich weiß.« Dann lächelte er. »Par, ich bin nicht umsonst all die Jahre dein Bruder gewesen; ich weiß, wie du denkst. In dem Augenblick, in dem du mir erzählt hast, daß Walker mit der ganzen Sache nichts zu tun haben will, wußte ich, daß du dich entschlossen hast zu gehen. So ist das mit dir. Du bist wie ein Hund, der einen Knochen zwischen den Zähnen hat – du kannst nicht loslassen.«

»Ja, ich glaube, so stellt es sich manchmal dar.« Müde schüttelte Par den Kopf und ging auf ein schattiges Plätzchen unter einen Baum zu. Er stellte sich mit dem Rücken an den Stamm und ließ sich auf die Erde gleiten. Coll tat es ihm nach. Sitzend starrten sie hinaus in die leere Waldung. »Ich gebe zu, daß ich meine Entscheidung so getroffen habe, wie du es beschrieben hast. Ich konnte einfach Walkers Standpunkt nicht akzeptieren. In Wahrheit, Coll, konnte ich ihn nicht einmal verstehen. Ich war so durcheinander, daß ich nicht einmal daran gedacht habe, ihn zu fragen, ob er die Träume für wahr hält oder nicht.«