Выбрать главу

»Du hast also mit ihm gesprochen?« fragte Walker Boh.

Cogline schwieg.

»Warum hast du bis jetzt gewartet, um uns von den Schattenwesen zu erzählen?« Par war plötzlich ärgerlich. »Warum jetzt, Cogline, wenn du uns schon sehr viel früher davon hättest erzählen können?«

Der alte Mann schüttelte den Kopf, sein Gesicht drückte sowohl Tadel wie auch Mitgefühl aus. »Es stand nicht in meiner Macht, mein Junge. So lange nicht, bis ihr alle hier zusammengekommen seid.«

»Kindereien!« murmelte Walker Boh und schüttelte angewidert den Kopf.

Der alte Mann schenkte ihm keine Beachtung. »Du kannst denken, was du willst, solange du nur zuhörst. Ich erzähle euch jetzt das über die Schattenwesen, was Allanon mir aufgetragen hat. Das Böse in ihnen ist von unvorstellbarem Ausmaß. Sie sind weder Gerüchte noch Legenden, wie die meisten glauben wollen, sondern Lebewesen wie ihr und ich. Sie sind aus einem Irrtum hervorgegangen, den selbst Allanon in all seiner Weisheit nicht vorhersehen konnte. Als Allanon die Welt der Sterblichen verließ, glaubte er, das Zeitalter der Magie nähere sich seinem Ende und ein neues Zeitalter breche an. Den Dämonenlord gab es nicht mehr. Die Dämonen der alten Zauberwelt waren wieder eingekerkert. Der Ildatch war zerstört. Paranor war in die Geschichte eingegangen, und der letzte der Druiden war im Begriff, diesem Schicksal zu folgen. Es schien, als wäre die Magie nicht mehr vonnöten.«

»Die Magie ist immer vonnöten«, sagte Walker Boh schnell.

Wieder schenkte ihm der alte Mann keine Beachtung. »Die Schattenwesen sind ein Irrtum. Sie sind eine Magie, die aus der Anwendung anderer Magie hervorgegangen ist, ein Überrest dessen, was einmal war. Die Saat war schon in den Vier Ländern vorhanden, blieb jedoch zu Zeiten Allanons unentdeckt und ging erst auf, als die Druiden und ihre schützende Macht nicht mehr vorhanden waren. Niemand hatte wissen können, daß es sie gab, nicht einmal Allanon. Sie waren die Überreste der vergangenen Magie.«

»Nun mach mal halb lang!« wandte Par ein. »Was sagst du da, Cogline? Die Schattenwesen sind nur Teilchen einer abartigen Magie?«

Cogline atmete tief ein, während er die Hände faltete. »Talbewohner, ich habe dir schon einmal gesagt, daß du trotz der ganzen Magie, über die du verfügst, sehr wenig von ihr weißt. Die Magie ist eine Naturgewalt, so wie das Feuer im Erdinnern, wie die Gezeiten des Meeres und der Wind, der Wälder zerbricht, oder der Hunger, der ganze Völker auslöscht. Die Magie ist nicht etwas, das da ist, um dann spurlos zu verschwinden. Denk nach! Was war mit Wil Ohmsford und den Elfensteinen, als sein Elfenblut nicht mehr ausreichte, um über die Macht der Elfensteine zu gebieten? Sie blieb als das Wunschlied erhalten, das in deinen Vorfahren weiterlebte. War das etwa bedeutungslos? Jede Magie hat Auswirkungen, die über das Unmittelbare hinausgehen. Und alle sind sie wichtig.«

»Welche Magie hat denn nun die Schattenwesen geschaffen?« fragte Coll, dessen Gesicht wie versteinert war.

Der alte Mann schüttelte sein strähniges Haupt. »Allanon weiß es nicht. Niemand kann es mit Sicherheit sagen. Es könnte sich jederzeit im Leben Shea Ohmsfords und seiner Nachfahren ereignet haben. In jenen Zeiten gab es allerlei Magie, und nicht selten handelte es sich um schwarze Magie. Die Schattenwesen konnten aus allen möglichen Quellen hervorgehen.« Er hielt inne. »Am Anfang waren die Schattenwesen gar nichts. Sie waren der Abfall der angewandten Magie. Irgendwie haben sie unbemerkt überleben können. Erst als Allanon und Paranor verschwunden waren, sind sie in die Vier Länder eingedrungen und wurden allmählich mächtiger. Inzwischen herrschte, was die höhere Ordnung der Dinge anbetraf, eine Lücke, die auf jeden Fall gefüllt werden mußte, und die Schattenwesen haben nicht gezögert, sie zu füllen.«

»Das verstehe ich nicht«, sagte Par eilig. »Was für eine Lücke meinst du?«

»Und warum hat Allanon sie nicht vorausgesehen?« fügte Wren hinzu.

Der alte Mann hob eine Hand in die Höhe und bog ihre Finger, während er sprach, einen nach dem anderen nach unten. »Das Leben war schon immer ein Kreislauf. Macht kommt und geht; sie nimmt verschiedene Formen an. Irgendwann war es die Wissenschaft, die der Menschheit ihre Macht verlieh. Seit einiger Zeit ist es die Magie. Allanon sah die Rückkehr der Wissenschaft als ein Mittel zum Fortschritt voraus, im besonderen im Zusammenhang mit dem Niedergang der Druiden und Paranors. Das war das Zeitalter, das kommen sollte. Aber die Entwicklung der Wissenschaft ging zu langsam vonstatten, als daß sie die Lücke hätte füllen können. Zum Teil ist dies auf die Föderation zurückzuführen. Die Föderation hat dafür gesorgt, daß das Alte intakt blieb; sie verbot die Ausübung jeder Art von Macht mit Ausnahme ihrer eigenen, und ihre eigene war primitiv und kriegerisch. Sie dehnte ihren Einflußbereich auf alle Vier Länder aus, bis alle Lebewesen ihrem Gesetz unterworfen waren. Aber auch die Elfen besaßen Macht und Einfluß; aus Gründen, die wir noch nicht kennen, sind sie verschwunden. Sie waren die ausgleichende Kraft, das letzte Volk der Zauberwelt der alten Zeit. Ihre Gegenwart war unbedingt erforderlich, sollte der Übergang von der Magie zur Wissenschaft reibungslos erfolgen.« Er schüttelte den Kopf. »Doch selbst wenn die Elfen in der Welt der Sterblichen geblieben und die Föderation weniger mächtig gewesen wäre, gäbe es möglicherweise heute Schattenwesen. Die Lücke entstand, als die Druiden verschwanden. Nichts hätte daran etwas ändern können.« Er seufzte. »Allanon hat nicht alles vorausgesehen, was er hätte voraussehen sollen. Er hat nicht mit den Schattenwesen gerechnet. Während er am Leben war, tat er, was er konnte, um die Vier Länder zu beschützen – und er blieb am Leben, solange er dies vermochte.«

»Scheinbar war das nicht genug«, sagte Walker Boh spitz.

Cogline sah ihn an, und der Zorn in seiner Stimme war offensichtlich. »Nun, Walker Boh, vielleicht hast du eines Tages Gelegenheit zu zeigen, daß du es besser kannst.«

Einen Augenblick herrschte bedrückendes Schweigen. Dann wandte Cogline seinen Blick ab. »Ihr müßt verstehen, was die Schattenwesen sind. Die Schattenwesen sind Parasiten. Sie leben auf Kosten der sterblichen Lebewesen. Sie sind eine Magie, die sich von lebendigen Dingen ernährt. Sie dringen in sie ein, saugen sie aus und nehmen ihre Gestalt an. Par, denk an die Waldfrau, auf die du und Coll gestoßen seid, als wir uns zum erstenmal getroffen haben. Sie war ein Schattenwesen, ein vergiftetes, ehemals sterbliches Wesen, ein zerstörtes Wesen, das sich ebenso wenig in der Gewalt hatte wie ein wildes Tier. Und erinnerst du dich an das kleine Mädchen am Tofferkamm?«

In Par stieg die Erinnerung an das Monster, dem ihn die Spinnengnome ausgeliefert hatten, auf. Er spürte wieder, wie sie sich an ihn heranschlich und ihn bat: »Drück mich, drück mich«, spürte, wie verzweifelt sie seine Umarmung wünschte. Die Erinnerung ließ ihn zusammenzucken.

Coglines Hand legte sich fest auf seinen Arm. »Auch das war ein Schattenwesen, selbst wenn es auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen war. Sie treten zuweilen auf wie wir, verbergen sich hinter einer menschlichen Maske. Manche nehmen in Gestalt und Verhalten groteske Formen an; diese sind leicht zu erkennen. Andere dagegen sind nicht so leicht zu erkennen.«

»Aber warum gibt es solche und solche?« fragte Par unsicher.

»Wieder einmal weiß Allanon darauf keine Antwort. Die Schattenwesen haben ihr Geheimnis vor ihm bewahrt.« Coglines Gesicht drückte Verzweiflung aus. »Es ist wie eine Seuche. Die Krankheit breitet sich aus, bis sich die Zahl der Erkrankten ins Unermeßliche steigert. Jedes einzelne Schattenwesen kann die Krankheit übertragen. Je größer ihre Zahl, desto stärker sind sie. Was würdest du tun, um eine Seuche zu bekämpfen, deren Ursache unbekannt ist, deren Symptome erst dann ersichtlich werden, wenn sie ausgebrochen ist, und gegen die es keine Gegenmittel gibt?«