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Par schüttelte den Kopf. »Morgan, du solltest nicht scherzen…«

»Scherzen! Das ist es ja gerade! Seit Monaten tue ich nichts anderes als scherzen. Und was habe ich bewirkt?« Morgans Gesichtszüge verhärteten sich. »Mit dir habe ich die Chance, etwas wirklich Sinnvolles zu tun, etwas, das sehr viel wichtiger ist, als den Feinden von Leah kleine Unannehmlichkeiten und Demütigungen zu bereiten.« Seine Augen wandten sich unvermittelt ab. »Steff, wie steht’s mit dir? Was hast du vor? Und du, Teel?«

Steff lächelte. »Nun, Teel und ich sind in diesem Punkt so ziemlich einer Meinung. Wir haben unsere Entscheidung bereits getroffen. Wir sind ja mit euch gekommen, weil wir gehofft haben, etwas zu finden, Magie oder sonst etwas, das unserem Volk helfen könnte, sich von der Föderation zu befreien. Wir haben dieses Etwas noch nicht gefunden, aber es ist möglich, daß wir ihm näher kommen. Was der Geist über die Schattenwesen gesagt hat, die schwarze Magie verbreiten und dazu in Männern, Frauen und Kindern leben, könnte sehr wohl eine Erklärung des Wahnsinns sein, der die Länder zerstört. Es könnte sogar der Grund dessen sein, warum die Föderation so bestrebt ist, das Rückgrat der Zwerge zu brechen! Ihr habt es mit eigenen Augen gesehen. Die schwarze Magie ist am Werk. Wir Zwerge spüren es eher als die anderen, weil das Ostland schon immer ein ideales Versteck der schwarzen Magie war. Der einzige Unterschied besteht jetzt darin, daß sie nicht mehr im Verborgenen wirkt, sondern vor aller Augen wie ein tollwütiges Tier, das uns alle bedroht. Deshalb hat der Geist vielleicht recht gehabt, als er gesagt hat, daß das Schwert von Shannara dieses Tier unschädlich machen wird.«

»Da hast du’s!« rief Morgan triumphierend. »Könntest du dir bessere Begleiter vorstellen, Par?«

Par schüttelte den Kopf. »Nein, Morgan, aber…«

»Dann sag, daß du es tun wirst! Vergiß Walker und Wren und ihre Ausreden! Denk daran, was wir alles erreichen werden!«

Steff beugte sich vor und stieß Morgan an. »Dräng ihn nicht so, Hochländer!«

Par blickte sie der Reihe nach an, Steff mit dem versteinerten Gesicht, die geheimnisvolle Teel, Morgan Leah, dessen Gesicht vor Eifer glühte, und schließlich Coll. Er erinnerte sich plötzlich daran, daß sein Bruder nicht dazu gekommen war, seine Entscheidung kundzutun. Er hatte lediglich gesagt, daß er an Pars Stelle gehen würde. »Coll…«, begann Par.

Aber Coll schien seine Gedanken zu lesen. »Wenn du gehst, gehe ich auch.«

Sie sahen einander lange an.

Par atmete tief ein. »Dann, glaube ich, ist die Angelegenheit entschieden«, sagte er. »Womit fangen wir an?«

17

Die üblich hatte Morgan Leah einen Plan. »Wenn wir bei unserer Suche nach dem Schwert erfolgreich sein wollen, brauchen wir Hilfe. Wir fünf sind einfach zu wenig. Die Suche nach dem Schwert von Shannara entspricht höchstwahrscheinlich der buchstäblichen Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen – und wir wissen einfach nicht genügend über den Heuhaufen. Steff, du und Teel, ihr kennt euch wahrscheinlich im Ostland aus, aber Callahorn und die Grenzgebiete sind euch fremd. Das Gleiche gilt für Par, Coll und für mich – wir wissen einfach nicht genügend über das Land. Und wir dürfen außerdem nicht vergessen, daß die Föderation wahrscheinlich jeden Ort, den wir voraussichtlich aufsuchen werden, durchsuchen wird. Soweit ich weiß, sind Zwerge und Flüchtlinge keine gern gesehenen Gäste im Südland. Zudem müssen wir uns vor den Schattenwesen in Acht nehmen. Tatsache ist, daß sie von der Magie angezogen werden wie die Wölfe vom Geruch frischen Blutes, und wir können nicht davon ausgehen, daß wir keinen mehr begegnen. Es ist schon schwierig genug, uns vor ihnen zu schützen, geschweige denn herauszufinden, was mit dem Schwert von Shannara geschehen ist. Wir brauchen jemand, der uns hilft, jemand, der genauestens über die Vier Länder Bescheid weiß, jemand, der uns mit Männern und Waffen versorgen kann.« Sein Blick wandte sich Par zu. »Wir brauchen deinen Freund von der Bewegung.«

Par stöhnte. Er war nicht darauf versessen, sich mit den Geächteten einzulassen. Aber Steff und Teel und sogar Coll hießen die Idee gut, und nachdem sie eine Zeitlang darüber gesprochen hatten, blieb ihm keine andere Wahl, als den Vorschlag des Hochländers ebenfalls anzunehmen. Die Geächteten besaßen die Mittel, die ihnen fehlten, und kannten sich zudem in den Grenzgebieten und den angrenzenden freien Gebieten aus. Von ihnen würden sie erfahren, wo sie zu suchen hatten und vor welchen Fallen sie sich auf ihrer Suche vorsehen mußten. Darüber hinaus schien Pars Retter ein Mann, auf den man sich verlassen konnte.

»Er hat dir doch gesagt, daß du, solltest du ihn brauchen, jederzeit mit ihm rechnen kannst«, erklärte Morgan. »Ich meine, daß es jetzt an der Zeit ist, von diesem Angebot Gebrauch zu machen.«

Genau das ließ sich nicht leugnen, womit die Sache entschieden war. Sie verbrachten den Rest des Tages im Lager. Als der Morgen anbrach, packten sie ihre Sachen zusammen, bestiegen ihre Pferde und ritten davon. Der Plan war einfach. Sie würden nach Varfleet reiten, die Kiltan-Schmiede am Nordrand der Stadt aufsuchen und nach dem Bogenschützen fragen – genau wie es Pars geheimnisvoller Retter angegeben hatte. Dann würde man weitersehen.

Sie ritten durch das mit Buschwerk und Gestrüpp bedeckte Gebiet nach Süden, bis sie den östlichen Nebenfluß des Mermidon erreichten, wo sie sich nach Westen wandten. Sie folgten dem Fluß bis zum frühen Nachmittag; vom wolkenlosen Himmel brannte die Sonne auf das Land herab. Niemand redete viel, während sie dahinritten, denn jeder war in seine Gedanken versunken. Seit sie aufgebrochen waren, hatten sie nicht mehr über Allanon gesprochen. Auch nicht über Walker Boh oder Wren. Par tastete von Zeit zu Zeit nach dem Ring mit dem Falkenzeichen in seiner Tasche und fragte sich jedesmal nach der Identität des Mannes, der ihn ihm gegeben hatte.

Am Spätnachmittag verließen sie das Flußtal nördlich von Varfleet und näherten sich den Randgebieten der Stadt. Sie erstreckte sich vor ihnen über eine Reihe von Hügeln. Hütten und Schuppen säumten den Rand der Stadt, erbärmliche Quartiere von Männern und Frauen, denen selbst das Nötigste zum Leben fehlte. Sie riefen den Reisenden allerhand zu, als sie vorüberritten, baten um Geld und Nahrung, und Par und Coll reichten ihnen das Wenige, das sie selbst hatten. Morgan warf ihnen einen tadelnden Blick zu.

Wenig später wünschte Par, er hätte daran gedacht, sein Elfengesicht etwas unkenntlicher zu machen. Er würde vorsichtig sein müssen. Er warf einen Blick auf die Zwerge. Sie hatten ihre Umhänge fest um sich gezogen, die Kapuzen bedeckten fast vollständig ihre Gesichter. Sie setzten sich sehr viel größerer Gefahr aus als er. Jedermann wußte, daß es den Zwergen nicht gestattet war, sich im Südland aufzuhalten. Selbst ein Aufenthalt in Varfleet war riskant.

Als sie die ersten Straßen mit Geschäften erreichten, wurde das Gedränge dichter. Schon bald war es beinahe unmöglich vorwärtszukommen. Sie stiegen von ihren Pferden und führten sie, bis sie einen Stall fanden, wo sie sie unterbringen konnten. Während Morgan sich um alles kümmerte, beobachteten die anderen die Menschen der Stadt, die langsam an ihnen vorbeigingen. Bettler kamen auf sie zu und baten um ein paar Münzen. Ein Feuerschlucker führte seine Kunst einer staunenden Menge von Jungen und Männern vor.

»Manchmal hat man Glück«, erklärte ihnen Morgan leise, als er zurückkam. »Wir befinden uns in der Nähe der Kiltan-Schmiede.«

Sie huschten durch das Menschengewühl, bis sie eine weniger lebhafte, wenn auch übelriechende Seitenstraße erreichten. Schon bald führte sie Morgan zu einem zweistöckigen Gebäude, auf dessen Vorderseite ein Holzschild angebracht war, auf dem »Kiltan-Schmiede« geschrieben stand. Schließlich standen sie vor dem Eingang der Schmiede. Eine Handvoll Männer bediente die Schmelzöfen unter der Aufsicht eines großen Kerls mit herabhängendem Schnurrbart und einem kahlen rußgeschwärzten Schädel. Der Kerl schenkte ihnen keine Beachtung, bis sie neben ihm standen. Jetzt drehte er sich um und fragte: »Womit kann ich euch helfen?«