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Morgan antwortete: »Wir suchen den Bogenschützen.«

»Und wer soll das sein?«

»Das weiß ich nicht«, gab Morgan zu. »Man hat uns nur gesagt, daß wir hier nach ihm fragen sollen.«

»Wer hat das gesagt?«

»Nun…«

»Wer, hab’ ich gefragt. Weißt du das nicht, Bursche?«

Es war heiß in der Schmiede, und es war klar, daß Morgan bei diesem Mann so nicht weiterkommen würde. Schon jetzt drehten sich Köpfe nach ihnen um. Par drängte sich erregt nach vorne; er wollte keine Aufmerksamkeit auf sich und seine Gefährten lenken. »Ein Mann, der einen Ring mit dem Zeichen eines Falken trägt.«

Die scharfen Augen des Kerls verengten sich und sahen Par genau an.

»Diesen Ring«, fügte Par hinzu und hielt ihn hoch.

Der andere fuhr zusammen, als wäre er gestochen worden.

»Sag uns, wo wir den Bogenschützen finden!« warf Morgan ein, ohne ein Hehl aus seiner Verärgerung zu machen.

Plötzlicher Lärm auf der Straße veranlaßte sie, sich eilig umzuschauen. Eine Abteilung Föderationssoldaten näherte sich der Schmiede. »Macht euch unsichtbar!« herrschte der Kerl mit dem Schnurrbart sie an und trat zur Seite.

Die Soldaten betraten die Schmiede und blickten sich in der feuererhellten Dunkelheit um. Der Mann mit dem Schnurrbart trat auf sie zu. Morgan und Par gingen zu den Zwergen, doch die Soldaten standen zwischen ihnen und der zur Straße führenden Tür.

»Ein Waffenauftrag, Hirehone«, erklärte der Anführer der Abteilung dem Mann mit dem Schnurrbart, wobei er ein Papier aus der Tasche zog. »Muß bis Ende der Woche fertig sein.«

Hirehone murmelte etwas Unverständliches und nickte. Der Anführer der Abteilung redete auf ihn ein, seine Stimme klang gereizt. Die Soldaten sahen mit unruhigen Blicken um sich. Einer bewegte sich auf die kleine Gruppe zu. Morgan versuchte sich vor seine Gefährten zu stellen und den Soldaten in ein Gespräch zu verwickeln. Der Soldat, ein großer Kerl mit einem rötlichen Bart, zögerte. Dann schien er etwas zu sehen und drängte den Hochländer beiseite. »Du da!« herrschte er Teel an. »Was ist denn mit dir los?« Er streckte eine Hand aus und zog die Kapuze herunter. »Zwerge! Hauptmann, hier sind…«

Er konnte seinen Satz nicht vollenden. Teel tötete ihn mit einem einzigen Hieb ihres langen Messers, das sie ihm in die Kehle stieß. Die anderen Soldaten griffen nach ihren Waffen, aber Morgan war bereits bei ihnen, schwang sein Schwert und drängte sie auf diese Weise zurück. Er rief nach den anderen, und die Zwerge und Par bahnten sich ihren Weg zur Tür. Mindestens ein Dutzend Soldaten hatten die Verfolgung aufgenommen, doch zwei davon waren verletzt und die übrigen standen sich bei dem Versuch, den Hochländer zu fassen, selbst im Weg. Mit einem wilden Schrei hieb Morgan auf den ersten ein. Vor ihm erreichte Steff jetzt die Tür zu einem Lagerhaus, holte seine Keule hervor und schlug das lästige Hindernis mit einem einzigen Schlag in Stücke. Sie eilten zuerst durch das dunkle Innere und dann zu einer anderen Tür hinaus, bogen nach links in ein Gäßchen ein und standen schon bald vor einem Zaun. Verzweifelt machten sie kehrt.

Die Soldaten waren ihnen dicht auf den Fersen.

Par stimmte das Wunschlied an und füllte den zwischen ihnen liegenden Abstand mit einem Schwärm Hornissen. Die Soldaten brüllten und suchten Schutz. In der allgemeinen Verwirrung gelang es Steff, Bretter aus dem Zaun zu brechen. Sie liefen ein zweites Gäßchen hinunter, durch ein Labyrinth von Schuppen, bogen rechts ab und versteckten sich hinter einem Metalltor.

Sie stellten fest, daß sie sich in einem mit Metallabfällen bedeckten Hof hinter der Schmiede befanden. Vor ihnen öffnete sich eine Tür zur Schmiede.

Jemand rief: »Hierher!«

Sie vernahmen Rufe und liefen, ohne lange zu fragen. Sie drängten sich durch die Öffnung in einen kleinen Lagerraum und hörten, wie die Tür hinter ihnen zuschlug.

Vor ihnen stand Hirehone, die Hände in die Hüften gestemmt. »Ich hoffe, ihr seid den ganzen Ärger wert!« sagte er.

Er versteckte sie in einem kleinen Verschlag unter dem Fußboden des Lagerraums, und es kam ihnen vor, als wären sie stundenlang dort. In ihrem Versteck war es heiß, eng und dunkel, und der Klang über ihnen marschierender Stiefel, den sie zweimal vernahmen, nahm ihnen den Atem. Als Hirehone sie endlich befreite, war es Nacht. Er führte sie aus dem Lagerraum in eine kleine angrenzende Küche, hieß sie an einem Tisch Platz nehmen und gab ihnen zu essen.

»Wir mußten warten, bis die Soldaten ihre Suche beendet und sich überzeugt hatten, daß ihr nicht zurückkommt oder euch im Hinterhof versteckt habt«, erklärte Hirehone. »Sie waren zornig, das kann ich euch sagen – ganz besonders wegen des Todes ihres Kameraden.«

Teel zeigte keine Regung, und keiner sprach ein Wort.

Hirehone hob die Schultern. »Mir bedeutet das auch nichts.«

Eine Zeitlang kauten sie schweigend, dann fragte Morgan: »Was ist mit dem Bogenschützen? Können wir ihn jetzt sehen?«

Hirehone grinste. »Ich glaube nicht, daß das möglich ist. Eine solche Person gibt es nicht.«

Morgans Kinn fiel herunter. »Aber warum…?«

»Das ist ein Codewort«, unterbrach ihn Hirehone. »Dadurch weiß ich, was ich zu tun habe. Ich habe euch auf die Probe gestellt. Manchmal gerät das Codewort in die falschen Hände. Ich mußte sichergehen, daß ihr keine Spione der Föderation seid.«

»Du bist ein Geächteter«, sagte Par.

»Und du bist Par Ohmsford«, erwiderte der andere. »Beendet jetzt eure Mahlzeit, bevor ich euch zu dem Mann bringe, den ihr sehen wollt.«

Sie taten wie geheißen und folgten Hirehone zurück ins Innere der Kiltan-Schmiede. Die Schmiede war jetzt leer mit Ausnahme eines einzigen Gehilfen, der die Aufgabe hatte, den Blasebalg zu betätigen, denn die Öfen durften niemals erkalten. Er beachtete sie nicht.

Als sie durch eine Seitentür in die Dunkelheit hinaustraten, flüsterte Morgan Hirehone zu: »Unsere Pferde stehen in einem Stall nicht weit von hier.«

»Keine Sorge«, flüsterte der andere zurück. »Dort, wo ihr hingeht, braucht ihr keine Pferde.«

Sie verließen die Stadt und wanderten am Mermidon hinauf nach Norden, wo sich der Fluß durch das Vorgebirge der Drachenzähne schlängelte. Sie marschierten die ganze Nacht und überquerten den Fluß an der Stelle, wo mehrere Stromschnellen sein Wasser teilten. Da er zu dieser Jahreszeit nur wenig Wasser führte, konnten sie ihn ohne Boot überqueren. Trotzdem reichte das Wasser den Zwergen an einigen Stellen bis zum Hals, und auch den anderen blieb nichts übrig, als ihr Gepäck und ihre Waffen in die Höhe zu halten.

Auf der anderen Seite des Flusses erreichten sie bald dichtbewaldete Schluchten und Hohlwege, die sich meilenweit in die Drachenzähne hinein erstreckten.

»Das ist der Parmakeil«, teilte ihnen Hirehone irgendwann mit. »Ganz schön gefährlich, das Land, wenn man sich nicht auskennt.«

Das war eine gewaltige Untertreibung, wie Par schnell feststellen konnte. Der Parmakeil war ein Gewirr von Höhen, die sich inmitten von Bäumen steil erhoben, um ohne Vorwarnung genauso steil wieder abzufallen. Der neue Mond bot ihnen kein Licht, und die Sterne wurden durch das Dach der Bäume verdeckt.

Selbst bei hellem Tageslicht schien ein Durchkommen unmöglich. Die Bergwälder des Parmakeils lagen beständig in Dunkelheit und Nebel, und die Schluchten und Kämme durchzogen das ganze Land. Es gab jedoch einen Weg, der jedem, der ihn nicht kannte, verborgen geblieben wäre, ein Pfad, dem Hirehone mühelos folgte.

Als sie eine kurze Rast einlegten, um zu essen, fragte Par ihren Führer, ob er ihnen sagen könne, wie weit sie noch zu gehen hatten.

»Nicht mehr weit«, antwortete Hirehone. »Dort.« Er deutete auf einen wuchtigen Felsen, der sich über dem Parmakeil, dort wo der Wald sich an die Berghänge der Drachenzähne anschmiegte, erhob. »Das, Ohmsford, nennen wir den Zeigefinger. Der Zeigefinger ist die Festung der Bewegung.«