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»Jetzt kennt ihr also meine ganze Geschichte«, erklärte Padishar Creel, während er seinen Teller zurückschob. Seine Augen funkelten. »Gibt es irgend etwas, was ihr noch näher erklärt haben wollt?«

Schweigen. Dann schockierte Steff alle, als er murmelte: »Wieviel davon entspricht der Wahrheit?«

Alle erstarrten vor Schreck. Aber Padishar Creel lachte sichtlich amüsiert. »Manches, mein Freund aus dem Ostland, manches.« Er blinzelte. »Und je öfter ich die Geschichte erzähle, desto besser wird sie.« Er nahm sein Glas und schenkte sich aus dem großen Bierkrug ein.

Par starrte mit neuerwachter Bewunderung Steff an. Keiner der anderen hätte gewagt, diese Frage zu stellen.

Der Anführer der Geächteten lehnte sich vor. »Aber genug der Vergangenheit!« Seine Augen richteten sich auf Par. »Es hat etwas mit der Magie zu tun, stimmt’s? Ich kann mir nicht vorstellen, daß dich etwas anderes hierher geführt hat. Erzähle!«

Par zögerte. »Gilt dein Angebot immer noch? Wirst du mir helfen?« fragte er dann.

Der andere schien gekränkt. »Mein Wort ist ein Pfand, mein Junge. Wenn ich gesagt habe, daß ich dir helfe, dann tu’ ich’s auch!«

Par blickte die anderen an und sagte dann: »Ich muß das Schwert von Shannara finden.« Er erzählte Padishar Creel von seiner Begegnung mit dem Geist Allanons und von der Aufgabe, mit der der Druide ihn betraut hatte. Er berichtete von der Begegnung mit den Föderationssoldaten und den Monstern namens Schattenwesen. Trotz der Vorbehalte, die er dem Mann gegenüber hegte, verschwieg er nichts.

Als er zum Ende gekommen war, setzte sich der Anführer der Geächteten langsam zurück, trank das Bier aus dem Glas, an dem er lange genippt hatte, und lächelte verschwörerisch zu Steff hin. »Jetzt wäre es für mich an der Zeit zu fragen, wieviel von dieser Geschichte der Wahrheit entspricht.«

Par wollte protestieren, doch der andere hob die Hand, um ihn zu unterbrechen. »Nein, mein Junge, spar dir die Mühe. Ich stelle das, was du mir erzählt hast, nicht in Frage. Du erzählst die Geschichte so, wie du sie siehst.«

»Du verfügst über die notwendigen Männer und Waffen, über ein Netz von Spionen, um uns bei unserer Suche zu helfen«, warf Morgan ruhig ein. »Deshalb sind wir hier.«

Padishar Creel rieb sich heftig das Kinn. »Ich hab’ noch mehr als das, meine Freunde«, sagte er mit dem Lächeln eines Wolfes. »Ich glaube an das Schicksal.« Er erhob sich wortlos und führte sie zum Rand des Hanges. Sie blickten von dort über den Parmakeil, über unzählige Baumwipfel und Kämme, die, da die Sonne unterging, in ihre letzten Strahlen getaucht waren. Mit seinem Arm umfaßte er das ganze Land. »Das ist jetzt mein Land, das Land des Barons Creel, wenn ihr so wollt. Aber ich werde nur dann darüber herrschen, wenn es mir gelingt, die Föderation aus den Angeln zu heben.« Er hielt inne. »Das Schicksal, habe ich gesagt. Ich glaube daran. Das Schicksal hat mich zu dem gemacht, was ich bin, und es kann mich auch schnell wieder zunichte machen, wenn ich in diesem Spiel nicht mitspiele. Die Hand, die ich ergreifen muß, glaube ich, ist die, die ihr mir anbietet. Es ist kein Zufall, Par Ohmsford, daß du zu mir gekommen bist. Es ist Bestimmung. Ich bin mir ganz sicher, jetzt sogar noch mehr, nachdem ich gehört habe, was du suchst. Verstehst du, was ich meine? Mein Vorfahr und dein Vorfahr, Panamon Creel und Shea Ohmsford, haben sich vor mehr als dreihundert Jahren auf die Suche nach dem Schwert begeben. Jetzt sind wir an der Reihe, du und ich. Wieder ein Creel und ein Ohmsford, der Anfang einer Veränderung im Land, ein neuer Anfang. Ich spüre es!« Er beobachtete sie gespannt. »Freundschaft hat euch zusammengeführt; zu mir seid ihr gekommen, weil eine Veränderung in eurem Leben ansteht. Par, es gibt tatsächlich Verbindungen zwischen uns, wie ich dir bereits bei unserer ersten Begegnung gesagt habe. Es gibt eine Geschichte, die wiederholt werden will. Abenteuer wollen gemeinsam bestanden und Schlachten gemeinsam gewonnen werden. Genau das hat das Schicksal für uns beide vorgesehen!«

Par, der angesichts dieser Worte ein wenig verwirrt war, fragte: »Dann wirst du uns also helfen?«

»Genau das werde ich.« Der Anführer der Geächteten zog eine Augenbraue in die Höhe. »Ich gebiete über den Parmakeil, aber nicht über das Südland – meine Heimat, mein Land, mein Erbe. Ich will es zurückhaben. Magie ist die Macht, mit der das Ungeheuer namens Föderation vernichtet werden und in seine Höhle zurückgetrieben werden kann.«

»Das hast du bereits gesagt«, unterbrach ihn Par. »Aber Allanon fürchtet in erster Linie die Schattenwesen, und das Schwert soll gegen die Schattenwesen kämpfen. Weshalb also…?«

»Ja, ja, mein Junge«, unterbrach ihn der andere eilig. »Du triffst wieder einmal den Kern der Sache. Das Böse der Föderation und der Schattenwesen ist ein und dasselbe. Auf irgendeine Art und Weise sind sie miteinander verbunden, vielleicht auf die gleiche Weise wie die Ohmsfords und die Creels. Wenn wir also eine Möglichkeit finden, das eine zu vernichten, finden wir auch eine Möglichkeit, das andere zu vernichten.«

Der Blick seiner Augen zeugte von so wilder Entschlossenheit, daß lange Zeit niemand ein Wort sprach. Die Sonne verschwand am Horizont, und das heraufziehende Dunkel umhüllte den Parmakeil und das Land im Süden und Westen mit einem milchigen Schleier. Die Männer hinter ihnen verließen ihre Tische und begaben sich zu ihren Schlafplätzen, die über den ganzen Hang verstreut waren. Selbst in dieser Höhe war die Nacht warm und windstill. Am Himmel schienen bereits die Sterne und der zunehmende Mond.

»Also«, sagte Par leise, »was kannst du tun, um uns zu helfen?«

Padishar Creel strich die Falten seines Gewandes glatt und sog die Gebirgsluft tief in sich ein. »Ich kann das tun, mein Junge, worum du mich gebeten hast. Ich kann dir helfen, das Schwert von Shannara zu finden.« Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er hinzufügte: »Ich weiß, wo es ist.«

18

Während der folgenden zwei Tage verlor Padishar Creel kein weiteres Wort über das Schwert von Shannara. Wenn Par oder seine Gefährten versuchten, ihn in ein Gespräch darüber zu verwickeln, antwortete er entweder, daß Zeit Rat bringe oder daß sie sich in Geduld fassen müßten. Da er dauernd Fröhlichkeit zur Schau trug, hielten sie mit ihren Gefühlen hinter dem Berg.

Außerdem waren sie, ungeachtet der Behandlung, die ihnen der Anführer der Geächteten angedeihen ließ, keineswegs Gäste, sondern Gefangene. Es war ihnen zwar gestattet, den Felsen zu erkunden, aber nicht, ihn zu verlassen. Die Winden, mit denen die Lasten zum und vom Parmakeil befördert wurden, waren jederzeit scharf bewacht, und niemand durfte sich ihnen ohne triftigen Grund nähern. Und ohne die Aufzüge, die sie nach unten befördert hätten, gab es keine Möglichkeit, den Hang zu verlassen. Die Felswand fiel senkrecht nach unten ab, und die hinter ihnen stieg ebenfalls steil an.

Es blieben also die Höhlen. Par und seine Freunde wagten sich am ersten Tag in die Haupthöhle, da sie erfahren wollten, was sich im Innern befand. Sie stellten fest, daß sich die riesige, kathedralartige Höhle in Dutzende von kleineren Höhlen verzweigte, in denen die Geächteten ihre Vorräte und Waffen aller Art aufbewahrten, und daß sie ihnen bei schlechtem Wetter als Unterschlupf sowie als Übungs- und Versammlungsraum diente. Tunnels erstreckten sich in den Berg hinein, deren Eingänge jedoch versperrt waren und bewacht wurden. Als Par Hirehone, der sich entschlossen hatte, noch einige Tage zu bleiben, fragte, wohin die Tunnels führten, lächelte der Herr der Kiltan-Schmiede hämisch und erklärte ihm, daß die Tunnels ebenso wie die Pfade zum Parmakeil ins Paradies führten.

Die zwei Tage vergingen dennoch recht schnell. Par, Coll und Morgan verbrachten die meiste Zeit miteinander. Steff schloß sich ihnen gelegentlich an, doch Teel blieb wie eh und je für sich. Mit der Zeit gewöhnten sich die Geächteten an den Anblick Pars, Colls und des Hochländers, die über den Hang und die Befestigungsanlagen wanderten und begutachteten, was der Mensch und die Natur gemeinsam geschaffen hatten, die mit den Männern, die hier lebten und arbeiteten, sprachen und von jeder neuen Entdeckung fasziniert waren.