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Er hielt inne und ließ den Kopf auf die Brust sinken. Er war plötzlich furchtbar müde.

Der Arm, der ihn mit einem Ruck umdrehte, war stark. Er blickte ins Gesicht von Damson Rhee.

»Was ist geschehen?« fragte sie.

Völlig außer sich griff Par nach seinem langen Messer. Aber er besaß keine Waffen mehr, die Föderationssoldaten hatten sie ihm abgenommen. Um sich ihrem Griff zu entwinden, versuchte er das Mädchen zu schlagen, aber sie wich seinem Hieb durch einen Schritt zur Seite aus und stieß ihm ihre Faust in den Magen, worauf er zusammensackte.

»Was machst du denn, du Idiot?« flüsterte sie wütend.

Ohne eine Antwort abzuwarten, zerrte sie ihn in den schützenden Schatten des Parks und warf ihn zu Boden. »Wenn du dergleichen noch einmal versuchst, breche ich dir beide Arme!« herrschte sie ihn an.

Par setzte sich mühsam auf und hielt weiterhin Ausschau nach einer Fluchtmöglichkeit.

Aber Damson Rhee drückte ihn auf die Erde zurück und kauerte sich neben ihn. »Wo sind die anderen?«

Par schluckte seinen Zorn hinunter. »Die Föderation hat sie! Sie haben auf uns gewartet, Damson! Als ob du das nicht wüßtest!«

Der Zorn in ihren Augen wich einem Ausdruck der Überraschung. »Was meinst du mit: ›Als ob ich das nicht wüßte‹?«

»Sie haben auf uns gewartet. Wir sind nicht einmal über die Mauer gekommen. Wir sind verraten worden! Das hat uns der Föderationskommandant mitgeteilt. Er hat gesagt, daß es einer von uns war – ein Geächteter, Damson!« Par zitterte.

Damson Rhees Blick blieb auf ihn gerichtet. »Und du hast entschieden, daß ich es war, nicht wahr, Par Ohmsford?«

Par stützte sich auf die Ellbogen. »Wer käme denn sonst in Frage? Du warst die einzige, die über unser Vorhaben Bescheid wußte – und die einzige, die nicht gefangengenommen wurde. Kein anderer wußte Bescheid. Wenn du es nicht warst, wer hätte es sonst sein können?«

Sie starrten einander an. Der Klang von Stimmen drang immer deutlicher an ihre Ohren. Irgend jemand näherte sich ihnen.

Damson Rhee flüsterte: »Ich weiß es nicht. Aber ich war es nicht! Bleib jetzt ruhig liegen, bis sie an uns vorbei sind.« Sie zog ihn in das nahe Gestrüpp, um sich daraufhin selbst neben ihn zu legen.

Par spürte die Wärme und roch den süßen Duft ihres Körpers. Er schloß die Augen und wartete.

Zwei Föderationssoldaten traten aus dem Park, blieben einen Augenblick stehen, drehten sich dann um und waren verschwunden.

Damson Rhee flüsterte Par ins Ohr: »Wissen sie, daß du verschwunden bist?«

Par zögerte. »Ich bin mir nicht sicher«, flüsterte er zurück.

Sie schob ihre weiche Hand unter sein Kinn und drehte sein Gesicht dem ihren zu. »Ich hab’ euch nicht verraten. Vielleicht spricht alles dafür, aber ich hab’ es nicht getan. Wenn ich vorgehabt hätte, dich an die Föderation zu verraten, hätte ich dich einfach und schmerzlos den beiden Soldaten übergeben können.«

Ihre Augen glänzten im schwachen Licht des Mondes, das zwischen den Bäumen in ihr Versteck fiel.

Par sah Damson Rhee in die Augen und entdeckte darin kein Anzeichen einer Täuschung. Trotzdem zögerte er.

»Du mußt dich hier und jetzt entscheiden, ob du mir glaubst oder nicht«, sagte sie ruhig.

Er schüttelte den Kopf. »So einfach ist das nicht.«

»Es muß aber einfach sein. Schau mich an, Par. Ich habe niemand verraten – weder dich noch Padishar noch die anderen, weder jetzt noch vorher! Warum sollte ich so etwas tun? Ich hasse die Föderation so sehr wie du!« Erzürnt hielt sie inne. »Ich habe dir gesagt, daß es ein gefährliches Unterfangen werden würde. Ich habe dich vor der Schlucht gewarnt, vor dem schwarzen Loch, das Männer mit Haut und Haar verschlingt. Padishar war derjenige, der darauf bestanden hat, es trotzdem zu versuchen.«

»Deswegen ist er noch lange nicht für das verantwortlich, was passiert ist.« Mit knappen Worten erzählte ihr Par von den Ereignissen um ihre Gefangennahme einschließlich des entsetzlichen Verschwindens des Geächteten Blue. Die Umstände seines eigenen Entkommens schilderte er absichtlich vage. Die Magie war seine Sache. Ihr Geheimnis gehörte nur ihm.

Aber Damson Rhee war nicht so leicht zu beschwichtigen. »Das heißt also, daß du genauso gut wie ich der Verräter sein könntest«, sagte sie. »Wie hättest du anders entkommen können?«

Par errötete, empört über die Beschuldigung, erzürnt über ihre Beharrlichkeit. »Warum sollte ich meinen Freunden so etwas antun?«

»Genau meine Worte«, erwiderte sie.

Wortlos sahen sie einander an, schätzten die Stärke des anderen ab. Par wußte, daß Damson Rhee recht hatte. Es gab genauso viel, das auf ihn als Verräter hindeutete wie auf sie. Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, daß er wußte, daß er es nicht war, wohingegen er sich bei ihr nicht sicher sein konnte.

»Entscheide dich, Par«, drängte sie ihn leise. »Glaubst du mir, oder glaubst du mir nicht?«

Im spärlichen Licht war der Ausdruck auf ihrem Gesicht ausgeglichen und arglos. Par stellte fest, daß er sich auf eine Weise zu ihr hingezogen fühlte, die er nicht für möglich gehalten hätte. Irgend etwas Besonderes umgab dieses Mädchen, etwas, das ihn seine Bedenken und Zweifel beiseite schieben ließ. Ihre Augen hielten ihn fest, waren einnehmend und überzeugend. Er sah in ihnen nichts als die Wahrheit. »Gut, ich glaube dir«, sagte er schließlich.

»Dann erzähle mir, wie du entkommen konntest und die anderen nicht«, forderte sie. »Nein, versuch nicht, dich herauszureden. Ich muß einen Beweis für deine Unschuld haben, wenn wir einander und unseren Freunden helfen wollen.«

Pars Entschluß, das Geheimnis des Wunschliedes für sich zu behalten, begann zu wanken. Wieder hatte sie recht. Sie stellte lediglich die Frage, die er an ihrer Stelle ebenfalls gestellt hätte. »Ich habe Magie benutzt«, erklärte er.

Sie rückte näher, als ob sie die Wahrheit seiner Aussage dadurch besser beurteilen könnte. »Magie? Welche Art von Magie?«

Er zögerte immer noch.

»Taschenspielertricks? Zaubersprüche?« drängte sie. »Oder verfügst du über größeres Wissen?«

»Ja«, erwiderte er. »Ich kann mich, wenn ich will, unsichtbar machen.«

Es folgte ein langes Schweigen. Er sah die Neugier in ihren Augen.

»Du verfügst über echte Magie, nicht wahr?« sagte sie schließlich. »Nicht die vorgetäuschte Art, die ich vorführe, indem ich Münzen verschwinden und wieder auftauchen lasse und Feuer herbeizaubere. Du verfügst über die verbotene Magie. Deshalb ist Padishar so an dir interessiert.« Sie schwieg. »Wer bist du, Par Ohmsford?«

Par wog seine Antwort sorgfältig ab. »Ich bin halb Elfe und verfüge über die Magie meiner Vorfahren. Ich kann über ihre Magie gebieten, wenigstens über einen kleinen Teil davon.«

Sie sah ihn lange Zeit schweigend an. Endlich schien sie zu einem Entschluß gekommen zu sein. Sie kroch aus ihrem Versteck zwischen den Büschen hervor und zog ihn mit sich. Sie säuberten ihre Kleider, sogen die kühle Nachtluft tief in sich ein. Der Park war verlassen.

Sie trat dicht neben ihn. »Ich bin in Tyrsis als Kind eines Waffenschmieds und seiner Frau geboren. Ich hatte einen Bruder und eine Schwester, die beide älter waren als ich. Als ich acht war, kam der Föderation zu Ohren, daß mein Vater die Bewegung mit Waffen versorgte. Irgend jemand – ein Freund, ein Bekannter, ich weiß nicht genau, wer – hat ihn verraten. Eines Nachts kamen Sucher zu unserem Haus und brannten es bis auf die Grundmauern nieder. Meine Familie verbrannte darin. Ich bin nur deshalb verschont geblieben, weil ich meine Tante besucht habe. Nach einem Jahr starb auch sie, und ich war gezwungen, auf der Straße zu leben. Auf der Straße bin ich aufgewachsen. Eine Familie hatte ich nicht mehr. Auch keine Freunde. Ein Straßenzauberer nahm mich als seine Schülerin auf und hat mir das Handwerk beigebracht. Jetzt kennst du mein Leben.« Sie hielt inne. »Du hast ein Recht darauf zu wissen, warum ich nie jemand an die Föderation verraten würde.« Sie streckte ihre Hand aus und streichelte einen Augenblick seine Wange. Dann glitt ihre Hand auf seinen Arm hinunter und blieb dort liegen. »Par, wenn wir etwas unternehmen, müssen wir es heute nacht tun, oder es wird zu spät sein. Die Föderation weiß, mit wem sie es zu tun hat. Sie werden Felsen-Dall und seine Sucher kommen lassen, um Padishar zu verhören. Sobald Felsen-Dall auftaucht, ist eine Befreiungsaktion sinnlos.« Sie schwieg, um sicherzustellen, daß er die Bedeutung ihrer Worte begriffen hatte. »Wir müssen ihnen jetzt helfen.«