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»Das Schwert von Shannara?« flüsterte Par.

Jetzt war Padishar Creels Lächeln echt. »Ich würde zehn Jahre meines Lebens darauf verwetten! Aber es gibt auch jetzt nur einen Weg, um dahinterzukommen, stimmt’s?« Er legte seine Hände auf Pars Schultern. Das zerfurchte, knochige Gesicht glich einer Maske aus Ver­ schlagenheit und rücksichtsloser Entschlossenheit. Der Mann, der sie die letzten fünf Tage geführt hatte, war verschwunden; jetzt sprach wieder der alte Padishar Creel.

»Der Mann, mit dem ich gesprochen habe, hat mir erzählt, daß Felsen-Dall davon überzeugt ist, daß wir geflohen sind. Er glaubt, daß wir uns wieder im Parmakeil aufhalten und unsere Absichten hier aufgegeben haben. Er verweilt nur noch in der Stadt, weil er sich nicht entscheiden kann, was er als nächstes tun soll. Ich bin der Meinung, daß wir ihm dabei helfen sollten.«

Par riß die Augen auf. »Was sollen wir tun?«

»Das, womit er am wenigsten rechnet.« Padishar Creels Augen verengten sich. »Wir gehen zurück in die Schlucht.«

Pars Atem stockte.

»Wir gehen zurück in die Schlucht, noch bevor er die Möglichkeit hat herauszufinden, wo wir sind und was wir vorhaben, und wenn das Schwert von Shannara sich dort befindet, schnappen wir es ihnen unter der Nase weg.« Mit einem Ruck brachte Padishar Creel den erstaunten Par auf die Beine. »Noch heute nacht!«

22

Die Abenddämmerung brach an, als Walker Boh sich seinem Ziel näherte. Am frühen Morgen hatte er den Kamin in Richtung Norden verlassen und war ohne Eile gewandert, um genügend Zeit zu haben, über das nachzudenken, was er tun wollte. Die Sonne hatte, als er sich auf den Weg gemacht hatte, von einem klaren Himmel auf ihn heruntergeschienen, aber als sich der Tag dem Ende zuneigte, waren von Westen her Wolken aufgezogen. Das Land, das er durchwanderte, war zerklüftet, Bergkämme und steile Abhänge durchbrachen die Gleichförmigkeit des Waldes. Abgestorbenes Holz versperrte ihm wiederholt den Weg, und der in Fetzen über den Bäumen hängende Nebel schien dort gefangen.

Walker Boh hielt an. Er starrte von einer Anhöhe in ein schmales Tal hinunter, in dem ein winziger See, der Finsterweiher, ruhte. Der kaum sichtbare See war durch Kiefern und dichten Nebel, der gleich einem undurchdringlichen Teppich über der Wasserfläche schwebte, verdeckt.

Walker Boh machte sich auf den Weg ins Tal. Der Nebel hüllte ihn während seines Abstiegs fast vollständig ein. Er verscheuchte die Empfindungen, die ihn überkamen – die erdrückende Enge, das eingebildete Flüstern, die beunruhigende Leere –, und konzentrierte sich darauf, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Die Luft um ihn herum wurde schnell kalt, eine Feuchtigkeit legte sich auf seine Haut, die nach Verwesung roch. Er fühlte die Augen des Finsterweihers auf sich gerichtet.

Cogline hatte ihn früh vor dem Finsterweiher gewarnt. Der Finsterweiher war der Geist, der in dem See zu seinen Füßen hauste, älter als die Vier Länder. Sein Ursprung reichte angeblich zurück bis in die Zeit vor den Großen Kriegen. Er rühmte sich damit, daß er bereits im Zeitalter der Feen gelebt hatte. Wie alle anderen Geister hatte auch er die Fähigkeit, Geheimnisse vorauszusagen, die den Sterblichen verborgen blieben. Er war im Besitz von Magie. Trotzdem war er ein boshaftes Wesen, das aus Gründen, die keiner kannte, in seiner Welt für alle Ewigkeit gefangen war. Er konnte nicht sterben und haßte das körperlose, leere Dasein, dem er nicht entfliehen konnte. Er ließ seine Laune an den Menschen aus, die ihn aufsuchten, um mit ihm zu sprechen, foppte sie mit Rätseln, die sie zu lösen suchten, verspottete sie mit ihrer Sterblichkeit und konfrontierte sie mehr mit dem, was sie zu verbergen suchten, als mit dem, was sie preisgaben.

Brin Ohmsford war vor dreihundert Jahren zum Finsterweiher gekommen, um von dort aus zum Maelmord zu gelangen, wo sie dem Ildatch zu begegnen hoffte. Der Geist spielte so lange mit ihr, bis sie das Wunschlied einsetzte, um ihn zu überlisten und auf diese Weise zu zwingen, das, was sie wissen wollte, preiszugeben. Der Geist hatte diese Begebenheit nie vergessen; es war das einzige Mal, daß er auf einen Menschen hereingefallen war. Walker Boh hatte die Geschichte während seiner Kindheit mehr als einmal gehört. Aber erst als er sich am Kamin niedergelassen und dem Erbe der Ohmsfords abgeschworen hatte, hatte er entdeckt, daß der Finsterweiher auf ihn wartete. Auch wenn Brin Ohmsford längst gestorben war, war der Finsterweiher immer noch am Leben und mehr denn je entschlossen, irgend jemand für seine Erniedrigung bezahlen zu lassen.

Cogline hatte Walker Boh geraten, sich von dem Finsterweiher fernzuhalten. Dieser werde, sofern sich ihm Gelegenheit bot, für seine Vernichtung sorgen. Seine Eltern hatten den gleichen Rat erhalten, und sie hatten ihn befolgt. Aber Walker Boh hatte einen Punkt im Leben erreicht, an dem er sich nicht länger für das, was er war, entschuldigen wollte. Er war in den Wildewald gekommen, um seinem Erbe zu entfliehen; er hatte nicht die Absicht, während seines übrigen Lebens darüber zu rätseln, ob irgend etwas oder irgend jemand ihn zugrunde richten konnte. Er hielt es für besser, sich sofort mit dem Geist zu beschäftigen. Er machte sich also auf die Suche nach dem Finsterweiher. Da der Geist sich nie mehr als einem Menschen zeigte, war Cogline gezwungen, Walker Boh allein gehen zu lassen. Die Begegnung mit dem Finsterweiher dauerte fast sechs Stunden. Als sie aufeinandertrafen, überfiel ihn der Finsterweiher mit jeder nur vorstellbaren List, die ihm zur Verfügung stand, indem er ihm wahre und falsche Geheimnisse über seine Gegenwart und Zukunft auftischte, indem er ihn mit rhetorischen Ausführungen überhäufte, die ihn um seinen Verstand bringen sollten, indem er ihm Bilder seiner selbst und derer, die er liebte, vorgaukelte, die gehässig und zerstörerisch waren. Walker Boh widerstand alldem. Als der Geist erschöpft war, verfluchte er Walker Boh und verschwand im Nebel.

Walker Boh kehrte in dem Gefühl zum Kamin zurück, daß diese Angelegenheit erledigt sei. Er kümmerte sich nicht mehr um den Finsterweiher, und der Finsterweiher kümmerte sich nicht mehr um ihn.

Erst heute kehrte Walker Boh an diesen Ort zurück.

Er seufzte. Dieses Mal würde es schwieriger werden, denn er wollte etwas vom Finsterweiher. Er hätte versuchen können, ihn zu täuschen. Er konnte die Wahrheit über den Grund seines Besuchs verschweigen, daß er nämlich erfahren wollte, wo sich der geheimnisvolle schwarze Elfenstein befand. Er konnte über dies und jenes reden, aber es war unwahrscheinlich, daß er dadurch etwas bewirkte. Irgendwie erriet der Finsterweiher die Beweggründe seiner Besucher jedesmal.

Walker Boh setzte seinen Weg fort, während das Tageslicht schwächer wurde und die Dunkelheit ihn umfing. Er zog seinen Mantel fester um sich, während er sich seine Worte für den Finsterweiher zurechtlegte, die Gründe, die er vorbringen wollte, die Spiele, die er, wenn nötig, spielen würde. Er ging im stillen noch einmal die Ereignisse in seinem Leben durch, die sich der Geist wahrscheinlich zunutze machen würde – bei den meisten handelte es sich um solche aus seiner Jugend, als er von seiner inneren Zerrissenheit und Unsicherheit geplagt wurde.