Выбрать главу

Was für ein Haufen von Narren, dachte Padishar Creel verächtlich. Als Padishar Creel die erste Reihe von Bäumen im Norden erreichte, dort, wo die Stadt Tyrsis nur noch als ferne graue Silhouette zu sehen war, ließ er den Karren stehen, schob den Leichnam, den er mitgeführt hatte, zur Seite, zog die Eisenstange heraus und begann, die Bretter des doppelten Bodens des Karrens zu lockern. Behutsam half er Morgan, sich aus seinem Versteck zu befreien.

»Nimm einen kleinen Schluck davon.« Der Anführer der Geächteten hielt Morgan den Bierschlauch hin und versuchte vergeblich, ihn nicht mißtrauisch anzuschauen. Morgan nahm das Gereichte wortlos an. Er wußte, was der andere dachte – daß er, Morgan, seit ihrer Flucht aus der Grube nicht ganz bei Sinnen war.

Sie ließen den Karren mit dem Leichnam stehen und wanderten ungefähr eine Meile bis zu einem Fluß, wo sie sich waschen konnten. Sie badeten, zogen die sauberen Kleider an, die Padishar Creel mit Morgan im doppelten Boden des Karrens versteckt hatte, und setzten sich, um zu essen.

Die Mahlzeit verlief schweigend, bis Padishar Creel, der sich nicht mehr länger beherrschen konnte, sagte: »Wir werden uns später darum kümmern, daß die Klinge wieder in Ordnung gebracht wird, Hochländer. Möglicherweise ist die Magie nicht verlorengegangen.«

Morgan schüttelte nur den Kopf. »Es handelt sich nicht um eine Klinge, die man wieder in Ordnung bringen kann«, erwiderte er mit monotoner Stimme.

»Nein? Nenn mir einen Grund. Erzähl mir, wie das Schwert funktioniert.« Padishar Creel war nicht geneigt, die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Morgan tat wie geheißen, aber nicht, weil er besonders daran interessiert war, sondern weil dies der einfachste Weg war, um Padishar Creel zum Schweigen zu bringen. Er erzählte ihm, wie das Schwert von Leah zu seiner Zauberkraft gekommen war, wie Allanon die Klinge in die Wasser des Hadeshorns getaucht hatte, damit Rone Leah eine Waffe hatte, um Brin Ohmsford zu beschützen. »Die Zauberkraft lag in der Klinge, Padishar«, endete er. Es fiel ihm schwer, noch mehr Geduld zu zeigen. »Einmal zerstört, kann sie nicht wieder instand gesetzt werden. Die Zauberkraft ist verloren.«

Padishar Creel runzelte zweifelnd die Stirn und zuckte dann die Schultern. »Tja, sie hat dafür einen guten Zweck erfüllt, Hochländer. Schließlich hat sie uns das Leben gerettet.«

Morgan sah ihn mit gepeinigtem Blick an. »Du verstehst nichts. Es gab eine besondere Verbindung zwischen dem Schwert und mir. Als das Schwert zerstört wurde, schien es, als ob das Gleiche mit mir passierte. Ich weiß, daß das keinen Sinn ergibt – aber es ist trotzdem so. Als die Zauberkraft verlorenging, ging auch ein Teil von mir verloren.«

»Aber das glaubst du doch nur jetzt, mein Junge. Wie kann man denn wissen, daß sich das nicht noch ändert?« Padishar Creel lächelte ihm aufmunternd zu. »Laß dir etwas Zeit. Laß die Wunde heilen, wie man so schön sagt.«

Morgan, dem der Appetit vergangen war, hörte auf zu essen. Er dachte über die Erkenntnis nach, daß alles, was sie seit ihrer Entscheidung, in der Schlucht nach dem verschwundenen Schwert von Shannara zu suchen, schiefgegangen war.

Gereizt zog Padishar Creel die Augenbrauen in die Höhe. »Wir müssen gehen«, verkündete er unvermittelt und stand auf. Als Morgan keine Anstalten machte aufzustehen, sagte er: »Jetzt hör mir mal zu, Hochländer. Wir sind noch am Leben und wollen es auch bleiben. Schwert hin, Schwert her, ich lasse nicht zu, daß du dich weiterhin wie ein Hampelmann aufführst…«

»Genug, Padishar! Ich brauche deine Anteilnahme nicht!« Morgans Stimme klang härter als beabsichtigt, aber er konnte den Zorn, den er empfand, nicht verhehlen. Sein Zorn fand rasch eine Zielscheibe. »Warum kümmerst du dich nicht um Par und Coll? Hast du vielleicht eine Idee, was mit ihnen passiert sein könnte? Warum haben wir sie einfach zurückgelassen?«

»Ah, darüber zerbrichst du dir den Kopf! Nun, Hochländer, den Talbewohnern geht es höchstwahrscheinlich sehr viel besser als uns. Die Föderation ist nicht so dumm, daß sie den Bericht von den Ereignissen wie auch die Tatsache, daß zwei der sogenannten Wachen verschwunden sind, einfach übersieht. Sie haben unsere Beschreibung. Wenn wir nicht sofort aus der Stadt herausgekommen wären, wären wir wahrscheinlich niemals herausgekommen!« Er stieß Morgan mit dem Finger an. »Die Talbewohner dagegen hat keiner gesehen. Niemand wird ihre Gesichter wiedererkennen. Außerdem befinden sie sich sicherlich schon in der Obhut von Damson. Sie weiß, wie sie sie zum Zeigefinger führt. Sie wird sie, sobald sich eine Gelegenheit bietet, aus Tyrsis herausschleusen.«

Mit störrischer Miene schüttelte Morgan den Kopf. »Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Du warst dir auch sicher, daß es uns gelingen würde, das Schwert von Shannara zu holen, und du siehst, was passiert ist.«

Padishar Creel errötete vor Zorn. »Die Risiken, die wir eingegangen sind, waren beileibe kein Geheimnis.«

»Erzähl das mal Stasas und Drutt und Ciba Blue!«

Der große Mann packte Morgan. Seine Augen waren voller Zorn. »Die Männer, die dort gestorben sind, waren meine Freunde, Hochländer, und nicht deine. Das brauchst du mir nicht unter die Nase zu reiben! Was ich getan habe, habe ich für uns alle getan. Wir brauchen das Schwert von Shannara! Früher oder später müssen wir uns noch einmal hineinwagen – Schattenwesen hin oder her! Das weißt du so gut wie ich! Was die Talbewohner anbetrifft, behagt mir der Gedanke daran, daß wir sie zurücklassen, keineswegs besser als dir! Aber uns blieb, verdammt nochmal, keine andere Wahl!«

Morgan versuchte vergeblich, sich aus seinem Griff zu befreien. »Du hättest wenigstens nach ihnen suchen können!«

»Wo? Wo hätte ich suchen sollen? Glaubst du, sie verstecken sich an einem Ort, wo wir sie hätten finden können? Damson ist keine Närrin! Sie hat sie im hintersten Winkel von Tyrsis versteckt. Himmel nochmal, Hochländer! Begreifst du nicht, was dort vor sich geht? Wir haben ein Geheimnis gelüftet, das die Föderation mit allen Mitteln verbergen wollte. Ich bin mir nicht sicher, daß irgend jemand wirklich weiß, was all das zu bedeuten hat, aber es reicht, daß die Föderation glaubt, daß wir es wissen. Dafür wollen sie unseren Kopf… Ich habe, als wir durch die Tore gingen, einen Blick auf die kommenden Ereignisse geworfen. Die Föderationsregierung gibt sich nicht mehr damit zufrieden, nur die Wachen zu verdoppeln und die Patrouillen zu verstärken. Sie hat ihre gesamten Truppen mobilisiert! Wenn ich nicht vollkommen daneben liege, dann haben sie beschlossen, uns ein für allemal zu eliminieren – dich und mich und jedes andere Mitglied der Bewegung, das sie zu fassen kriegen. Wir sind für sie zu einer echten Bedrohung geworden, denn zum erstenmal fangen wir an zu begreifen, was es mit der Föderation wirklich auf sich hat – und genau das kann sie sich nicht leisten… Sie werden uns jagen, und wir sollten uns deshalb dorthin begeben, wo sie uns nicht finden.« Er stieß den Hochländer von sich weg und holte tief Luft. »Auf jeden Fall möchte ich darüber mit dir nicht streiten. Ich bin der Anführer. Du hast dich in der Grube tapfer geschlagen, aber das gibt dir noch lange nicht das Recht, meine Befehle in Frage zu stellen. Ich beherrsche die Kunst des Überlebens sehr viel besser als du, und du tätest gut daran, das nicht zu vergessen.«

Morgans Gesicht war weiß vor Zorn, aber er nahm sich zusammen. Er wußte, daß es keinen Sinn hatte, weiter zu streiten; der große Mann war nicht gewillt, seine Meinung zu ändern. Er wußte außerdem, wußte es tief im Inneren, wo er es sich eingestehen konnte, daß das, was Padishar Creel über die Suche nach Par und Coll gesagt hatte, die Wahrheit war. Er wandte sich von ihm ab und strich sorgfältig seine Kleider glatt. »Ich wollte nur sicher sein, daß wir uns darüber einig sind, daß die beiden nicht vergessen werden.«

Ein kurzes und hartes Lächeln überzog Padishar Creels Gesicht. »Keinen Augenblick, wenigstens nicht von mir. Du kannst tun und lassen, was du willst.« Dann drehte er sich um und verschwand zwischen den Bäumen.