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»Den Kuppelbau, ja, aber nicht das Schwert«, stellte Damson Rhee fest. Ihre grünen Augen leuchteten, als sich ihr Blick mit dem der Talbewohner kreuzte.

»Aber wenn nicht auch das Schwert in der Schlucht ist, warum sind dann die Schattenwesen dort?« fragte Par sogleich. »Sicherlich nicht, um einen leeren Kuppelbau zu bewachen. Nein, das Schwert ist immer noch dort, wo es schon vor dreihundert Jahren war. Deshalb hat Allanon mich auf die Suche geschickt – er wußte, daß es dort ist und nur darauf wartet, gefunden zu werden.«

»Er hätte uns viel Zeit und Ärger ersparen können, wenn er uns nur so viel gesagt hätte«, meinte Coll.

Par schüttelte den Kopf. »Nein, Coll. Allanon handelt nicht auf diese Weise. Denk an die Geschichte des Schwertes. Bremen hat es vor mehr als tausend Jahren Jerle Shannara gegeben, um damit den Dämonenlord zu vernichten, und der Elfenkönig konnte nicht damit umgehen, weil er nicht darauf vorbereitet war, das, was es von ihm forderte, auszuführen. Als Allanon Shea Ohmsford auswählte, damit er diese Aufgabe fünfhundert Jahre später vollbringe, beschloß er, daß sich der Talbewohner erst beweisen sollte. Sollte er nicht gewillt sein, sich ganz und gar der Aufgabe zu verschreiben, die mit der Suche verbunden war, dann war die Macht des Schwertes von Shannara auch für ihn zu stark. Und wenn dies eintreten würde, würde der Dämonenlord wieder einmal entkommen können.«

»Und er glaubt, daß es sich mit dir ebenso verhält«, schloß Damson Rhee. Sie sah Par auf eine Weise an, als sähe sie ihn zum allerersten Mal. »Wenn du nicht stark genug bist, wenn du nicht gewillt bist, genug von dir selbst zu geben, wird dir das Schwert von Shannara nichts nützen. Die Schattenwesen werden weiterhin ihr Unwesen treiben.«

Pars Nicken war kaum wahrzunehmen.

»Aber warum sollten die Schattenwesen oder die Föderation das Schwert all diese Jahre in der Schlucht lassen?« fragte Coll. »Warum haben sie es nicht einfach fortgeschafft, oder besser noch, warum haben sie es nicht zerstört?«

Par antwortete: »Ich glaube, daß weder die Föderation noch die Schattenwesen es zerstören können – keiner kann ein magisches Symbol, das so viel Macht besitzt, zerstören. Ich zweifle daran, daß die Schattenwesen es überhaupt berühren können. Der Dämonenlord konnte es nicht. Was ich nicht verstehe, ist, warum die Föderation es nicht an einer anderen Stelle versteckt hat… Aber das tut nichts zur Sache. Tatsache ist, daß das Schwert immer noch dort ist, immer noch im Kuppelbau.« Er hielt inne, blickte gerade aus. »Und auf uns wartet.«

Coll starrte ihn an, weil er zum erstenmal wirklich begriff, was Par damit andeutete. Einen Augenblick verschlug es ihm die Sprache. »Das kann nicht dein Ernst sein, Par«, brachte er schließlich ungläubig heraus. »Nach dem, was letzte Nacht passiert ist? Nachdem wir gesehen haben…« Er brach ab, um dann herauszuplatzen: »Du würdest keine zwei Minuten überleben.«

»Doch, das würde ich«, erwiderte Par. Aus seinen Augen sprach wilde Entschlossenheit. »Ich weiß, daß ich es könnte. So viel hat mir Allanon gesagt. Er sagte, daß wir die Kraft besitzen, unsere Aufgabe zu bewältigen – Walker, Wren und ich. Erinnerst du dich? Ich glaube, daß er in meinem Fall vom Wunschlied gesprochen hat. Ich glaube, er hat gemeint, daß die Magie des Wunschliedes mich beschützen wird.«

»Bis jetzt hat sie aber nicht viel genützt!« rief Coll.

»Ich hatte noch nicht begriffen, wozu sie in der Lage ist. Ich glaube, daß ich es jetzt begreife.«

»Du glaubst? Lieber Himmel, Par!«

Par blieb ruhig. »Was können wir denn sonst tun? Zum Zeigefinger zurücklaufen? Oder nach Hause? Sollen wir uns für den Rest unserer Tage verstecken?« Seine Hände zitterten. »Coll, mir bleibt keine andere Wahl. Ich muß es versuchen.«

In Colls Gesicht spiegelte sich ein Widerwille. Er wandte sich Damson Rhee zu, aber sie hielt ihren Blick fest auf Par gerichtet.

Coll knirschte mit den Zähnen. »Das heißt also, daß du in die Schlucht zurückkehren würdest aufgrund eines unbewiesenen und ungeprüften Glaubens. Du würdest dein Leben aufs Spiel setzen, nur weil du annimmst, daß das Wunschlied – eine Magie, die dich im Kampf mit den Schattenwesen bereits dreimal im Stich gelassen hat- dich schützen wird.« Langsam sog er die Luft ein. »Ich kann einfach nicht glauben, daß du so etwas tun könntest, etwas so… Dummes, um es milde auszudrücken!«

»Coll…«

»Nein, ich will nichts mehr hören! Ich habe dich überall hin begleitet, bin dir überall hin gefolgt, habe dich unterstützt, habe alles getan, um dich zu beschützen – und jetzt willst du dich so in Gefahr bringen! Einfach dein Leben wegwerfen! Begreifst du, was du da tust, Par? Du opferst dich! Du glaubst immer noch, daß du diese besondere Fähigkeit hast zu erkennen, was richtig ist. Du bist besessen!« Coll hielt Par die geballte Faust unter die Nase. Die Falten auf seiner Stirn und sein harter Gesichtsausdruck zeigten, wie sehr er mit sich kämpfte, um nicht zu schreien. »Jeder andere würde abwarten, würde alles noch einmal überdenken und dann nach Hilfe Ausschau halten. Aber du hast keine Geduld. Du hast dich bereits entschieden. Vergessen sind Padishar und Morgan oder sonst jemand. Du willst das Schwert haben! Du würdest sogar dein Leben dafür geben, um es zu besitzen, habe ich recht?«

»Ich bin nicht so blind…«

»Damson, rede du mit ihm!« unterbrach ihn Coll verzweifelt. »Ich weiß, daß du ihn magst; sag ihm, was für ein Narr er ist!«

Aber Damson Rhee schüttelte den Kopf. »Nein. Das werde ich nicht tun.«

Coll starrte sie entgeistert an.

»Ich habe nicht das Recht dazu«, schloß sie leise.

Coll verstummte. Keiner sprach. Das Tageslicht erhellte jetzt nur noch den äußersten Winkel des Schuppens, während die Schatten immer länger wurden. Vereinzelte Stimmen drangen von der Straße zu ihnen herauf, um dann wieder zu verstummen.

Der Vorwurf auf dem Gesicht seines Bruders tat Par weh. Aber er konnte nichts dagegen tun. Es gab nur eines, was Par hätte sagen können, um die Dinge zu ändern, und er hatte nicht die Absicht, es zu sagen. »Ich habe einen Plan«, erklärte er statt dessen. Er wartete, bis Coll die Augen hob. »Ich weiß, was du denkst, aber ich habe nicht die Absicht, mehr Risiken einzugehen als unbedingt notwendig.« Coll warf ihm einen ungläubigen Blick zu, ohne irgend etwas zu sagen. »Der Kuppelbau befindet sich unter den Mauern des alten Palastes. Wenn ich von der anderen Seite in die Schlucht hineinkäme, müßte ich nur eine kurze Entfernung zurücklegen. Wenn ich das Schwert erst einmal in der Hand hätte, könnten mir die Schattenwesen nichts mehr anhaben.« Er schluckte. »Der kleine Weg vom Wachhaus zum alten Palast ist eine gute Abkürzung.«

Coll schlug die Hände über dem Kopf zusammen. »Du hast wirklich vor, dich ein drittes Mal in das Wachhaus hineinzubegeben?« rief er aus.

»Alles, was ich brauche, ist eine List, mit der ich sie ablenken…«

»Hast du den Verstand verloren? Sie werden dich in weniger als zwei Minuten aufspüren…«

»Coll!« Par konnte sich nicht mehr beherrschen.

»Er hat recht«, sagte Damson Rhee ruhig.

Par wandte sich wütend zu ihr um, fing sich jedoch wieder. »Dann muß ich mir eben eine andere Möglichkeit ausdenken.«

Coll sah plötzlich erschöpft aus. »Die Wahrheit ist, daß es keine andere Möglichkeit gibt.«

»Vielleicht doch«, sagte Damson Rhee. »Als zu Zeiten Balinor Buckhannahs die Truppen des Dämonenlords Tyrsis belagerten, gelang es ihnen zweimal, in die Stadt zu gelangen – einmal durch die vorderen Tore und das andere Mal durch die Stollen, die hinter dem alten Palast verliefen. Möglicherweise existieren diese Stollen immer noch und ermöglichen den Zugang zur Schlucht vom Palast aus.«