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Die beiden Gruppen vermischten sich zu einer. Lorkin bemerkte, dass Kalia sich so positionierte, dass Savara und Halana zwischen ihr und Tyvara waren. Die beiden Anführerinnen diskutierten darüber, was sie tun würden, wenn befreite Sklaven nicht in der Lage waren, die Verräter mit Nahrung zu versorgen. Es war nicht viel Zeit vergangen, als Savara plötzlich so laut sprach, dass alle sie hören konnten.

»Was ist das für ein Problem, über das ihr sprecht, Kalia?«

Lorkin blickte zu der Frau hinüber, die in seine Richtung schaute, dann sah er wieder die Königin an. Sie straffte sich.

»Wir haben einen Nichtverräter unter uns. Ich habe Cyria lediglich geraten, vorsichtig zu sein.«

»Cyria braucht hier vor niemandem auf der Hut zu sein. Wir sind alle Verräter.«

»Lorkin ist Kyralier.«

»Der Geburt nach. Jetzt ist er ein Verräter. Unter uns sind ehemalige Sklaven und Frauen, die vormals Ehefrauen und Schwestern der Ashaki waren. Alle haben sich dafür entschieden, sich uns anzuschließen. Alle werden gebraucht.«

»Aber er ist ein Gildemagier und ein Mann

Savara lächelte. »Wenn mein Treffen mit seiner Mutter seinen Zweck erfüllt hätte, würden wir zusammen mit vielen hundert Gildemagiern nach Arvice marschieren, und eine große Anzahl dieser Magier wären Männer gewesen. Würde dir so viel männliche Gesellschaft Angst machen, Kalia?«

»Natürlich nicht! Obwohl ich ihnen nicht so leicht vertrauen würde, wie Ihr es vielleicht tut.« Kalia warf Savara einen Seitenblick zu. »Also … die Gilde wird nicht gegen die Ashaki in den Krieg ziehen. Und er ist immer noch hier? Seid Ihr Euch sicher, dass er kein Spion ist?«

»Ich bin mir sicher.«

»Erwartet Ihr wirklich …?« Kalia verstummte, als einer der Verräter im hinteren Teil der Gruppe Savaras Namen rief. Alle drehten sich um und sahen, dass der Mann auf die Straße zeigte. Mehrere hundert Schritte hinter ihnen wogte eine Staubwolke hinter einem Reiter, der auf sie zugaloppierte.

»Genug«, befahl Savara. »Und schützt euch mit eurem Schild.«

Es dauerte nicht lange, bis der Reiter sie erreichte; das Pferd verlangsamte zum Schritt, und seine Flanken hoben und senkten sich und waren dunkel von Schweiß. Der Reiter war ein junger Mann in feiner Kleidung, aber sein Körperbau und seine Gesichtsfarbe legten die Vermutung nahe, dass es sich um einen ehemaligen Sklaven handelte.

»Königin Savara«, sagte er und legte sich eine Hand aufs Herz. »Ich bin hierhergeschickt worden, um Euch zu warnen, dass Euch zwei Kyralier folgen.« Er hielt inne, um nachzudenken. »Schwarzmagierin Sonea und Asha… Lord Regin. Wir haben versucht, sie auf dem Besitz festzuhalten, aber sie haben unserem Befehl, dort zu bleiben, zuwidergehandelt und sich mit Hilfe von Magie einen Weg erzwungen.«

Lorkin unterdrückte einen Seufzer. Er hätte es sich denken sollen. Wenn ich Tyvara nicht ohne mich in den Krieg ziehen lassen konnte, warum sollte ich erwarten, dass meine Mutter nicht das Gleiche tun würde?

»Wurde irgendjemand verletzt?«

Der Mann schüttelte den Kopf.

Kalia murmelte etwas. Savara starrte die Frau mit schmalen Augen an. Dann drehte sie sich zu Lorkin um und zog fragend die Augenbrauen hoch.

Er zuckte die Achseln. »Ich weiß es nicht. Sie hat nicht gesagt, dass sie vorhatte, mir zu folgen – uns.«

»Spion«, sagte Kalia.

Die Königin runzelte die Stirn. »Genug, Kalia.« Sie betrachtete die Gruppe, und ihr Blick fiel auf zwei Verräter, einen männlichen und einen weiblichen. »Saral und Temi. Reitet Schwarzmagierin Sonea entgegen und bittet sie, ihr Verhalten zu erklären.« Sie griff in einen Beutel an ihrer Taille und nahm einen Ring heraus. Als sie ihn der Frau zuwarf, reflektierte ein gelber Splitter das Sonnenlicht. »Benutzt dies, um mir mitzuteilen, was sie sagen.«

Die beiden nickten, verzogen in offensichtlichem Ärger über die Aufgabe das Gesicht und ritten dann mit dem Boten davon. Savara setzte ihr Pferd in Bewegung und schaute auf die Straße, die vor ihnen lag. In grimmigem Schweigen setzten die beiden Gruppen ihren Weg zum nächsten Gut fort, zum nächsten Kampf.

Lilia holte tief Luft und stieß den Atem seufzend wieder aus, als sie zu schreiben begann und versuchte, ihren Notizen über die Heilungsdemonstration vom Morgen einen Sinn abzuringen. Obwohl die Anzahl der Fächer, die sie studierte, verringert worden war und man ihren Abschluss hinausgezögert hatte, fiel es ihr in Zeiten wie diesen immer noch schwer, sich zu konzentrieren.

Es war einfacher, die nötige Begeisterung aufzubringen, als ich noch dachte, dass ich das Heilen vielleicht als Disziplin wählen würde. Jetzt, da ich überhaupt keine Disziplin wählen kann, welchen Sinn hat es da? Sie würde eine Schwarzmagierin sein, und es war wichtiger, dass sie bereit war zu kämpfen, als zu heilen. Nicht dass mich die Kriegskunstlektionen plötzlich in Begeisterung versetzen würden. Aber diese neuen Lektionen mit Kallen waren interessant. Vielleicht weil es viel gibt, was wir über schwarze Magie noch lernen können. Es ist nicht so, als hätte die Gilde sie seit Jahrhunderten studiert und wüsste alles darüber.

Die Heilung an diesem Morgen hatte einem Mann gegolten, der während eines Übungskampfes mit dem Schwert versehentlich verletzt worden war. Das hölzerne Übungsschwert hatte das gehärtete Leder der Rüstung durchstoßen, war aber nicht tief eingedrungen. Dergleichen kam selten vor. Ein Hieb mit dem Holzschwert glitt für gewöhnlich von der Lederrüstung ab, und Stiche wurden nicht mit voller Kraft gesetzt. Aber der jetzt Verletzte war auf seinen bereits sehr wütenden Übungsgegner zugesprungen, der mehr Kraft eingesetzt hatte, als ihm bewusst gewesen war.

Ein schneller, energischer Stich, dachte sie. Das ist der Grund, warum ich Magie benutzen will statt eines Messers, um die natürliche Barriere der Haut aufzuschlitzen, bevor ich schwarze Magie benutze, um Macht zu nehmen. Etwas erregte ihre Aufmerksamkeit, und als sie aufblickte, stellte sie fest, dass die Lehrerin sie beobachtete. Sie begriff, dass sie ins Leere gestarrt hatte und ihre Notizen vergessen waren. Und ich habe darüber nachgedacht, wie ich jemanden mit schwarzer Magie töten kann.

Andere drehten sich zu ihr um, aber sie ignorierte sie. Als sie an diesem Morgen die Universität betreten hatte und später dann die Speisehalle, waren die Blicke und das Getuschel der anderen Novizen beinahe genauso schlimm gewesen wie damals, als sie das erste Mal an die Universität zurückgekehrt war. Höchstwahrscheinlich hatte Bokkin etwas über ihre Lektion bei Kallen gesagt. Natürlich nicht die Wahrheit. Bokkin würde nicht zugeben wollen, dass er sich in eine Situation gebracht hatte, in der man seine Gedanken lesen konnte, daher hatte er wahrscheinlich etwas erfunden. Sie wünschte, Kallen hätte vor den anderen Novizen gesagt, was er von Bokkin wollte. Dann würden sie wissen, dass sie Bokkins Gedanken gelesen hatte, und wenn sie etwas über ihn offenbarte, konnte er nicht leugnen, dass es wahr war.

Nicht dass ich den Leuten erzählen würde, was ich in seinem Geist gesehen habe, dachte sie. Es kommt mir einfach falsch vor. Obwohl Bokkin nicht überlistet oder gedrängt worden war und er jederzeit hätte gehen können. Er könnte etwas anderes behaupten. Er kann Kallen oder mir nichts zur Last legen, weil er von einem Magier seine Gedanken lesen lassen müsste, um es zu bestätigen. Trotzdem, er könnte andeuten, dass etwas anderes geschehen sei.

Sie dachte über seine Strategie – sein Bedürfnis – nach, andere zu schwächen, bevor sie stärker wurden als er. Wenn es ihm nicht gefiel, wenn jemand stärker war als er, dann würde er niemals glücklich sein. Er war umringt von stärkeren Magiern, und da seine magische Stärke durchschnittlich war, würde das immer so sein.