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Dann löste sich der Pseudosaugnapf, und der Anführer der Scheißhaufen plumpste — ein Klümpchen Fäulnis an der Wand hinterlassend — mit einem Freudenschrei auf eine Koje, die den Nordic Pleasurelines gehörte und in wenigen Stunden von einer reizenden jungen Finnin gemacht werden sollte. Die Vorstellung, dass dieses reinliche, liebenswürdige Zimmermädchen überall auf dem Laken Brocken seiner Exkremente finden würde, war beinahe mehr, als Alfred verkraften konnte.

Der Rand seines Blickfelds war jetzt belebt von sich windendem Stuhl. Er musste die Dinge zusammenhalten, zusammenhalten. Da er annahm, eine undichte Stelle in der Toilette könnte die Quelle seiner Not sein, kroch er auf Händen und Knien ins Badezimmer und trat die Tür hinter sich zu. Drehte sich mit einiger Leichtigkeit auf den glatten Fliesen um. Lehnte den Rücken an die Tür und stemmte die Füße gegen das Waschbecken. Einen Augenblick lachte er über die Absurdität seiner Lage. Da saß er, ein leitender amerikanischer Angestellter, in Windeln auf dem Boden eines schwimmenden Badezimmers und wurde von einem Geschwader Fäkalien belagert. Man kam schon auf die sonderbarsten Einfalle, so spät in der Nacht.

Im Badezimmer war das Licht besser. Es gab eine Wissenschaft der Reinlichkeit, eine Wissenschaft des Erscheinungsbildes, eine Wissenschaft der Ausscheidungen gar, wie der überdimensionale Schweizer Porzellaneierbecher von einer Kloschüssel bewies, ein fürstlich aufgesockeltes Ding mit fein gerändeltem Spülknopf. In dieser kongenialeren Umgebung gelang es Alfred, sich weit genug zu sammeln, um zu begreifen, dass die Kotrebellen seiner Einbildung entsprangen, dass er bis zu einem gewissen Grad geträumt hatte und dass die Quelle seiner Not ein einfaches Kanalisationsproblem war.

Leider arbeitete hier in der Nacht keiner. Und es war weder möglich, sich den Defekt mit eigenen Augen anzuschauen, noch eine Spirale oder gar Videokamera dort hinunterzulassen. Höchst unwahrscheinlich auch, dass ein Stördienst unter den gegebenen Umständen überhaupt seine Ausrüstung würde herschaffen können. Alfred war nicht einmal sicher, ob er selbst in der Lage wäre, seinen Standort auf der Karte zu bestimmen.

Er hatte keine andere Wahl, als bis zum Morgen zu warten. In Ermangelung einer ganzen Lösung waren zwei halbe Lösungen besser als gar keine Lösung. Man rücke dem Problem mit dem zu Leibe, was sich gerade bietet.

Ein paar Extrawindeln: Das sollte für einige Stunden reichen.

Und hier waren die Windeln ja auch schon, in einer Tüte gleich neben der Toilette.

Es war fast vier Uhr. Wenn der Bezirksleiter um sieben nicht an seinem Schreibtisch säße, wäre der Teufel los. Alfred konnte sich nicht genau an den Namen des Kerls erinnern; nicht, dass das wirklich wichtig war. Einfach im Büro anrufen und warten, wer abnahm.

Aber es war doch wieder typisch für die moderne Welt, oder etwa nicht, wie rutschig die verdammten Klebestreifen an den Windeln waren.

«Nun guck dir das mal an», sagte er in der Hoffnung, seine Wut auf die hinterhältige Moderne als weise Belustigung ausgeben zu können. Die Klebestreifen hätten ebenso gut mit Teflon beschichtet sein können. Die Folie davon abzuziehen, zumal mit seiner trockenen Haut und diesem Zittern, war wie eine Murmel mit zwei Pfauenfedern aufzuheben.

«Also, um Himmels willen.»

Er versuchte es fünf Minuten lang, und dann noch einmal fünf Minuten. Aber die Folie wollte nicht abgehen.

«Also, um Himmels willen.»

Über die eigene Unzulänglichkeit grinsen. Vor Verzweiflung und in dem übermächtigen Gefühl, beobachtet zu werden, grinsen.

«Also, um Himmels willen», sagte er erneut. Diese Redensart erwies sich oft als nützlich, um die Peinlichkeit kleinerer Missgeschicke zu überspielen.

Wie sich ein Raum in der Nacht verändern konnte! Als Alfred die Sache mit den Klebestreifen schließlich aufgegeben und sich einfach eine dritte Windel so weit wie möglich, was leider nicht sehr weit war, über den Oberschenkel gezerrt hatte, befand er sich nicht mehr im selben Badezimmer. Das Licht hatte eine neue klinische Intensität; er spürte die schwere Hand einer noch weiter vorgerückten Stunde.

«Enid!», rief er. «Kannst du mir helfen?»

Dank seiner fünfzig Jahre Erfahrung als Ingenieur sah er auf einen Blick, dass der Stördienst gepfuscht hatte. Eine der Windeln war fast ganz umgestülpt, und aus zwei Schichten einer zweiten stak ein leicht spastisches Bein, sodass sich ein Großteil ihrer Saugfähigkeit ungenutzt in einem Paket ballte und die Klebestreifen nirgendwo hafteten. Alfred schüttelte den Kopf. Er konnte dem Stördienst keinen Vorwurf machen. Er war selbst schuld. Nie hätte er unter solchen Bedingungen eine solche Arbeit übernehmen sollen. Schlechtes Augenmaß. Der Versuch, den Schaden zu begrenzen, während man noch im Dunkeln tappte, schuf oft mehr Probleme, als er löste.

«Tja, jetzt sitzen wir schön in der Tinte», sagte er mit einem bitteren Lächeln.

Und konnte das da auf dem Boden Flüssigkeit sein? Ach du liebe Güte, da war anscheinend Flüssigkeit auf dem Boden.

Auch durch die Myriaden Rohre der Gunnar Myrdal lief Flüssigkeit.

«Um Himmels willen, Enid, bitte. So hilf mir doch.»

Keine Antwort von der Bezirksleitung. Die waren alle auf irgendeinem Betriebsausflug. Irgendwas mit Herbstfarben und fallendem Laub.

Flüssigkeit auf dem Boden! Flüssigkeit auf dem Boden!

Na schön, andererseits bezahlten sie ihn ja dafür, dass er Verantwortung trug. Dass er die schwierigen Fälle übernahm.

Er holte tief, Kraft schöpfend Luft.

In einem solchen Notfall musste, das war ganz offensichtlich, zuallererst ein Ablauf gegraben werden. Solange kein Gefalle geschaffen war, konnte man die Gleisreparatur vergessen, sonst drohte eine wirklich massive Unterspülung.

Missmutig stellte er fest, dass er kein Vermessungsinstrument zur Hand hatte, nicht einmal eine primitive Senkschnur. Er würde sich auf sein bloßes Auge verlassen müssen.

Wie zum Teufel war er überhaupt hier draußen gelandet? Bestimmt noch nicht mal fünf Uhr in der Früh.

«Erinnern Sie mich daran, um sieben den Bezirksleiter anzurufen», sagte er.

Irgendwo mochte auch ein Fahrdienstleiter erreichbar sein, natürlich. Aber dann hieß es, ein Telefon zu finden, und schon verspürte er einen eigentümlichen Widerwillen, die Augen auch nur über den Rand der Toilette zu heben. Die Arbeitsbedingungen in dieser Gegend waren unmöglich. Es konnte Vormittag werden, bis er ein Telefon gefunden hatte. Und bis dahin.

«Ach! So viel Arbeit», sagte er.

Da schien eine leichte Vertiefung in der Duschkabine zu sein. Ja, tatsächlich, ein Abfluss, vielleicht von einem alten Straßenbauprojekt des Verkehrsministeriums, das nie verwirklicht worden war, vielleicht hatte auch das Armeekorps etwas damit zu tun. Einer dieser mitternächtlichen Zufallstreffer: ein echter Abfluss. Das stellte ihn allerdings vor das verflixt große Problem, den ganzen Laden so umzudirigieren, dass der Abfluss genutzt werden konnte.

«Wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, fürchte ich.»

Am besten ging man gleich an die Arbeit. Die Müdigkeit wurde schließlich nicht geringer. Dachte an die Holländer mit ihrem Delta-Projekt. Vierzig Jahre Kampf gegen das Meer. Die Dinge ein bisschen zurechtrücken — eine schlechte Nacht. Er hatte schon Schlimmeres durchgestanden.

Den Versuch unternehmen, mit ein bisschen Sicherheitsmarge zu bauen, das war der Plan. Er würde sich auf gar keinen Fall darauf verlassen, dass so ein kleiner Abfluss mit all dem Wasser fertig wurde. Sonst gab es später nur weitere Verstopfungen.

«Und dann sitzen wir in der Klemme», sagte er. «Dann sitzen wir richtig in der Klemme.»

Hätte aber verdammt viel schlimmer kommen können. Die hatten Glück, dass gerade im Moment des Wasserdurchbruchs ein Ingenieur zur Stelle gewesen war. Nicht auszudenken, was sie sonst erst für einen Schlamassel am Hals gehabt hätten.