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«Ich habe die ganze Nacht herrlich geschlafen», antwortete sie.

«Und wie geht es unseren Flottierern heute Morgen?», fragte die fliegende Programmkoordinatorin Suzy Ghosh mit einer Stimme, die wie Haar in einer Shampoo-Werbung war, in die Runde.

«Jedenfalls sind wir gestern Nacht nicht untergegangen, falls Sie das meinen», sagte Sylvia Roth.

Die Norweger nahmen Suzy sofort in Beschlag und unterzogen sie einer komplizierten Befragung zum Bahnenschwimmen im größeren der beiden Pools auf der Gunnar Myrdal.

«Sieh an, sieh an, Signe», sagte Mr. Söderblad indiskret laut zu seiner Frau, «das ist ja eine Überraschung. Die Nygrens haben heute Morgen eine längere Frage an Miss Ghosh.»

«Ja, Stig, sie scheinen eigentlich immer eine längere Frage zu haben, nicht wahr? Sie sind sehr gründlich, unsere Nygrens.»

Ted Roth drehte eine halbe Pampelmuse wie ein Töpfer und kratzte dabei das Fruchtfleisch heraus. «Die Geschichte des Kohlenstoffs», sagte er, «ist die Geschichte des Planeten. Wissen Sie über den Treibhauseffekt Bescheid?»

«Sie sind dreifach steuerfrei», sagte Enid.

Alfred nickte. «Ja, ich weiß über den Treibhauseffekt Bescheid.»

«Man muss die Rabattmarken aber auch wirklich abschneiden, das vergesse ich manchmal», sagte Enid.

«Vor vier Milliarden Jahren war die Erde sehr heiß», sagte Dr. Roth. «An Atmen nicht zu denken. Methan, Kohlendioxyd, Wasserstoffsulfid.»

«In unserem Alter ist ein regelmäßiges Einkommen natürlich wichtiger als Kapitalzuwachs.»

«Die Natur hatte noch nicht gelernt, Cellulose aufzuspalten. Wenn ein Baum umfiel, lag er auf dem Boden und wurde vom nächsten Baum, der umfiel, begraben. Das war das Karbon. Die Erde eine einzige verschwenderische Orgie. Und im Laufe von Millionen und Abermillionen von Jahren, in denen Bäume auf Bäume fielen, wurde der Luft fast der gesamte Kohlenstoff entzogen und anschließend begraben. Und dort, unter der Erde, ist er, geologisch gesprochen, bis gestern geblieben.»

«Bahnenschwimmen, Signe. Glaubst du, man kann dabei auch auf die schiefe Bahn kommen?»

«Manche Menschen sind einfach unausstehlich», sagte Mrs. Nygren.

«Wenn heute ein Baumstamm umfällt, wird er von Pilzen und Mikroben zersetzt, und der ganze Kohlenstoff gelangt wieder in die Luft. Ein Karbon kann es nie wieder geben. Nie. Weil man die Natur nicht bitten kann zu verlernen, wie Cellulose abgebaut wird.»

«Es heißt jetzt Orfic Midland», sagte Enid.

«Säugetiere gibt es erst, seit die Welt sich abgekühlt hat. Frost auf dem Kürbis. Pelzige Wesen in Höhlen. Bloß jetzt haben wir da ein sehr cleveres Säugetier, das allen Kohlenstoff wieder aus der Erde holt und ihn in die Atmosphäre zurückschleust.»

«Ich glaube, wir besitzen sogar ein paar Aktien von Orfic Midland», sagte Sylvia.

«In der Tat», sagte Per Nygren, «besitzen auch wir Orfic- Midland-Aktien.»

«Per muss es wissen», sagte Mrs. Nygren.

«Daran habe ich keinen Zweifel», sagte Mr. Söderblad.

«Wenn wir erst mal alle Kohle-, Öl- und Gasvorräte verbrannt haben», sagte Dr. Roth, «werden wir die alte Atmosphäre wiederbekommen. Eine heiße, garstige Atmosphäre, wie es sie seit dreihundert Millionen Jahren nicht mehr gegeben hat. Wenn wir den Kohlenstoffgeist erst mal aus seiner mineralischen Flasche gelassen haben.»

«Norwegen hat ein hervorragendes Rentenversicherungssystem, ähm, aber trotzdem ergänzen wir unseren staatlichen Versicherungsschutz durch einen privaten Fonds. Jeden Morgen überprüft Per den Wert jeder einzelnen Aktie, die dazugehört. Sind eine ganze Menge amerikanischer Aktien darunter. Wie viele, Per?»

«Im Augenblick sechsundvierzig», sagte Per Nygren. «Wenn ich mich nicht irre, ist ‹Orfic› ein Akronym, gebildet aus Oak Ridge Fiduciary Investment Corporation. Die Aktie hat ihren Wert ziemlich stabil gehalten und wirft eine hübsche Dividende ab.»

«Faszinierend», sagte Mr. Söderblad. «Wo bleibt mein Kaffee?»

«Hör mal, Stig», sagte Signe Söderblad, «ich bin ziemlich sicher, dass wir diese Orfic-Midland-Aktie auch haben, oder?»

«Wir haben eine Unmenge Aktien. Ich kann mir nicht jeden Namen merken. Noch dazu, wo die Schrift in den Zeitungen so winzig ist.»

«Die Moral von der Geschichte ist: kein Plastik-Recycling. Bringt euer Plastik auf die Müllhalde. Befördert den Kohlenstoff unter die Erde.»

«Wenn es nach Al gegangen wäre, hätten wir immer noch jeden Penny auf dem Sparbuch.»

«Vergrabt ihn, vergrabt ihn. Sperrt den Geist in die Flasche.»

«Ich habe nämlich ein Augenleiden, das mir das Lesen sehr erschwert», sagte Mr. Söderblad.

«Ach ja?», sagte Mrs. Nygren spitz. «Und wie lautet die medizinische Bezeichnung für dieses Leiden?»

«Ich mag kühle Herbsttage», sagte Dr. Roth.

«Na ja», sagte Mrs. Nygren, «das Problem ist natürlich, dass sich die genaue Bezeichnung des Leidens wiederum nur durch mühevolles Lesen herausfinden lässt.»

«Die Erde ist ein kleiner Planet.»

«Es gibt natürlich das so genannte schwache Auge, aber gleich zwei schwache Augen auf einmal zu haben — »

«Das ist praktisch unmöglich», sagte Mr. Nygren. «Bei der ‹Schwachsichtigkeit› oder Amblyopie übernimmt das eine Auge die Arbeit des anderen. Wenn also ein Auge schwachsichtig ist, ist das andere per definitionem — »

«Per, halt den Mund», sagte Mrs. Nygren.

«Inga!»

«Ober, nachschenken.»

«Stellen Sie sich die obere Mittelschicht Usbekistans vor», sagte Dr. Roth. «Eine der Familien hatte den gleichen Ford Stomper wie wir. Der einzige Unterschied zwischen der oberen Mittelschicht bei uns und der oberen Mittelschicht bei denen ist tatsächlich, dass dort niemand, nicht einmal die reichste Familie der Stadt, sanitäre Anlagen im Haus hat.»

«Mir ist durchaus bewusst», sagte Mr. Söderblad, «dass ich als Nichtleser allen Norwegern moralisch unterlegen bin. Damit kann ich leben.»

«Jede Menge Fliegen, wie über einem vier Tage alten Kadaver. Ein Eimer voll Asche, die man in die Grube streut. Sehr weit kann man nicht reingucken, aber das ist schon weiter, als einem lieb ist. Und ein funkelnder Ford Stomper vor der Haustür. Und sie filmen mit der Videokamera, wie wir sie mit der Videokamera filmen.»

«Andererseits gelingt es mir trotz meiner Behinderung, dem Leben die eine oder andere Freude abzutrotzen.»

«Aber wie schal, Stig», sagte Signe Söderblad, «müssen unsere Freuden sein, verglichen mit denen der Nygrens.»

«Ja, sie scheinen sich an den tiefen und dauerhaften Wonnen des Geistes zu laben. Andererseits, Signe, hast du heute Morgen ein sehr vorteilhaftes Kleid an. Und sogar Mr. Nygren hat das Kleid bewundert, trotz der tiefen und dauerhaften Wonnen, die er woanders findet.»

«Komm mit, Per», sagte Mrs. Nygren. «Man beleidigt uns.»

«Stig, hast du das gehört? Die Nygrens wurden beleidigt und verlassen uns.»

«Wie schade. Es ist so lustig mit ihnen.»

«Unsere Kinder leben inzwischen alle an der Ostküste», sagte Enid. «Niemand scheint sich im Mittelwesten mehr wohl zu fühlen.»

«Ich pass hier nur den richtigen Zeitpunkt ab, Alter», sagte eine vertraute Stimme.

«Die Kassiererin im Speisesaal der Geschäftsleitung von Du Pont war Usbekin. Wahrscheinlich habe ich auch bei IKEA in Plymouth Meeting Usbeken gesehen. Wir reden hier nicht von Außerirdischen. Usbeken tragen Bifokalbrillen. Sie fliegen mit Flugzeugen.»