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Die junge Frau glitt vor ihm dahin, bis sie auf einen kleineren, gedrungenen Mann trafen, der ein wenig älter als sie war, ein weiterer Diener in einer engen weißen Hose, einem weißen Hemd mit weiten Ärmeln und einer langen grünen Weste mit dem Anker und Schwert des Hauses Mitsobar in einer weißen Scheibe. »Meister Jen«, sagte sie und vollführte erneut einen Hofknicks, »dies ist Lord Mat Cauthon, der eine Nachricht für die geehrte Elayne Aes Sedai und die geehrte Nynaeve Aes Sedai hinterlassen möchte.«

»Sehr gut, Haesel. Ihr könnt gehen.« Er verbeugte sich vor Mat. »Wenn Ihr mir bitte folgen wollt, mein Lord?«

Jen führte ihn nur bis zu einer dunklen Frau mit grimmigem Gesichtsausdruck, die ungefähr in mittlerem Alter war, und verbeugte sich. »Herrin Carin, dies ist Lord Mat Cauthon, der eine Nachricht für die geehrte Elayne Aes Sedai und die geehrte Nynaeve Aes Sedai hinterlassen möchte.«

»Sehr gut, Jen. Ihr könnt gehen. Wenn Ihr mir bitte folgen wollt, mein Lord?«

Carin führte ihn eine gewundene Marmortreppe hinauf, deren Stützen gelb und rot bemalt waren, zu einer mageren Frau namens Matilde, die ihn einem gedrungenen Burschen namens Bren übergab, der ihn zu einem bereits kahl werdenden Mann namens Madie führte, wobei jeder ein wenig älter war als der vorige. An einer Stelle, an der sich fünf Gänge wie die Speichen eines Rads trafen, ließ Madie ihn bei einer rundlichen Frau namens Laren, deren Haar an den Schläfen bereits ergraute, und bei einer stattlichen Kutsche zurück. Wie Carin und Matilde trug auch sie, was die Ebou Dari einen Hochzeitsdolch nannten, der mit dem Heft nach unten von einer engen Silberhalskette zwischen den mehr als drallen Brüsten herabhing. Fünf weiße Steine im Heft, zwei rot eingefaßt, und vier rote Steine, einer schwarz eingefaßt, besagten, daß drei ihrer neun Kinder tot und davon zwei Söhne im Duell gestorben waren, Laren beendete ihren Hofknicks vor Mat und wollte dann einen der Gänge entlangeilen, aber er ergriff schnell ihren Arm.

Sie wölbte leicht die dunklen Augenbrauen, als sie auf seine Hand sah. Sie besaß keinen anderen Dolch als den Hochzeitsdolch, aber er ließ sie dennoch augenblicklich los. Der Brauch besagte, daß sie diesen Dolch nur gegen ihren Ehemann benutzen durfte, aber man mußte nichts herausfordern. Er dämpfte seine Stimme jedoch nicht. »Wie weit muß ich noch laufen, um eine Nachricht zu hinterlassen? Bringt mich zu ihren Räumen. Zwei Aes Sedai sollten nicht so schwer zu finden sein. Dies ist nicht die verdammte Weiße Burg.«

»Aes Sedai?« sagte eine Frau hinter ihm mit schwerem illianischem Akzent. »Wenn Ihr zwei Aes Sedai sucht, so habt Ihr zwei gefunden.« Larens Gesichtsausdruck änderte sich nur unmerklich. Ihre beinahe schwarzen Augen blickten eilig an ihm vorbei, und er war sich sicher, daß sie angespannte Sorge zeigten.

Mat nahm seinen Hut ab und wandte sich mit unbekümmertem Lächeln um. Da er den silbernen Fuchskopf um den Hals trug, konnten ihm Aes Sedai absolut nichts anhaben. Nun, nicht allzu viel.

Die beiden ihm gegenüberstehenden Frauen hätten nicht unterschiedlicher sein können. Die eine war schlank, mit einem einnehmenden Lächeln, in grüngoldenem Gewand, das einen seiner Meinung nach hübschen Busen erahnen ließ. Wäre das alterslose Gesicht nicht gewesen, hätte er vielleicht erwogen, eine Unterhaltung zu beginnen, denn es war ein hübsches Gesicht mit großen Augen, in denen ein Mann versinken konnte. Schade. Auch die andere Frau wies diese Alterslosigkeit auf, aber es dauerte einen Moment, bis er sie erkannte. Er dachte, sie runzele die Stirn, bis er gewahr wurde, daß dies ihr normaler Gesichtsausdruck sein mußte. Ihr dunkles, fast schwarzes Gewand bedeckte sie bis auf Handgelenke und Kinn, wofür er dankbar war. Sie wirkte dürr wie ein alter Brombeerstrauch. Sie sah auch aus, als würde sie nur Brombeeren zum Frühstück essen.

»Ich versuche, eine Nachricht für Nynaeve und Elayne zu hinterlassen«, belehrte er sie. »Diese Frau...« Er blinzelte und blickte sämtliche Gänge entlang. Diener eilten vorbei, aber Laren war nirgends zu sehen. Er hätte nicht gedacht, daß sie sich so schnell bewegen konnte. »Wie dem auch sei, ich wollte eine Nachricht hinterlassen.« Und plötzlich vorsichtig geworden, fügte er hinzu: »Seid Ihr Freundinnen von ihnen?«

»Nicht wirklich«, sagte die Hübsche. »Ich bin Joline, und dies ist Teslyn. Und Ihr seid Mat Cauthon.« Mats Magen verkrampfte sich. Neun Aes Sedai im Palast - und er mußte den beiden begegnen, die Elaida folgten. Und eine von ihnen war noch dazu eine Rote. Nicht, daß er etwas zu befürchten hätte. Er ließ seine Hand wiedersinken, bevor sie den Fuchskopf unter seiner Kleidung berühren konnte.

Diejenige, die Brombeeren aß - Teslyn - trat näher an ihn heran. Sie war Thom zufolge eine Sitzende, obwohl selbst Thom nicht verstand, was eine Sitzende hier wollte. »Wir wären ihre Freundinnen, wenn wir könnten. Aber sie brauchen keine Freundinnen, Meister Cauthon, genauso wenig wie Ihr.« Ihr Blick versuchte in seine Gedanken einzudringen.

Joline trat neben ihn und legte eine Hand auf sein Revers. Bei einer anderen Frau hätte er ihr Lächeln als Einladung aufgefaßt. Sie gehörte der Grünen Ajah an. »Sie befinden sich auf gefährlichem Boden und sehen nicht, was unter ihren Füßen liegt. Ich weiß, Ihr seid ihr Freund. Ihr könntet es beweisen, indem Ihr ihnen sagt, sie sollen mit diesem Unsinn aufhören, bevor es zu spät ist. Törichte Kinder, die zu weit gehen, können sich eine ernstliche Strafe einhandeln.«

Mat wäre am liebsten zurückgewichen. Selbst Teslyn stand nahe genug, daß sie ihn fast berühren konnte. Statt dessen setzte er sein unverschämtestes Grinsen auf. Das hatte ihn früher zu Hause stets in Schwierigkeiten gebracht, aber jetzt schien es angemessen. Die Würfel in seinem Kopf konnten nichts mit diesen beiden zu tun haben, sonst hätten sie aufgehört, sich zu drehen. Und er hatte das Medaillon. »Ich würde sagen, sie sehen recht gut.« Nynaeve mußte dringend zur Vernunft gebracht werden, und Elayne noch dringender, aber er würde nicht dastehen und zuhören, wie diese Frau Nynaeve niedermachte. Wenn das bedeutete, daß er auch Elayne verteidigen müßte, dann sollte es so sein. »Vielleicht solltet Ihr mit Eurem Unsinn aufhören.« Jolines Lächeln schwand, aber jetzt lächelte Teslyn - ein rasiermesserscharfes Lächeln.

»Wir wissen über Euch Bescheid, Meister Cauthon.« Sie schien bereit, jemanden zu häuten, und wer auch immer zur Verfügung stand, würde genügen. »Es wird behauptet Ihr wärt ein Ta'veren. Welch gefährliche Verbindungen Ihr pflegt. Es scheint mehr als nur ein Gerücht zu sein.«

Jolines Miene war eisig. »Ein junger Mann in Eurer Position, der seine Zukunft sichern möchte, könnte etwas weitaus Schlechteres tun, als den Schutz der Burg zu suchen. Ihr hättet ihn niemals verlassen sollen.«

Sein Magen verkrampfte sich noch stärker. Was wußten sie noch? Sicherlich nichts über das Medaillon. Nynaeve und Elayne wußten davon, und Adeleas und Vandene, und nur das Licht wußte, wem sie davon erzählt hatten, aber gewiß nicht diesen beiden. Es gab jedoch Schlimmeres als Ta'veren oder den Fuchskopf oder sogar Rand, soweit es ihn betraf. Wenn sie von dem verdammten Horn wußten...

Er wurde so plötzlich von ihnen fortgerissen, daß er stolperte, und fast hätte er seinen Hut fallen lassen. Eine schlanke Frau mit glattem Gesicht und fast weißem, im Nacken zusammengenommenen Haar hielt ihn an Ärmel und Revers fest. Als Reflex hielt Teslyn ihn auf der anderen Seite auf die gleiche Art fest. Er erkannte die gerade eingetroffene Frau mit dem geraden Rücken in gewisser Weise an ihrem einfachen grauen Gewand. Sie war entweder Adeleas oder Vandene, zwei Schwestern - wirkliche Schwestern, nicht nur Aes Sedai -, die genausogut hätten Zwillinge sein können. Er konnte sie niemals mit Gewißheit auseinanderhalten. Sie und Teslyn starrten einander an, kalt und ernst, zwei Katzen, die dieselbe Maus gefangen hatten.