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Seltsamerweise schien sein Lächeln überhaupt keine Wirkung zu zeigen. »Ich würde nicht lügen, Lord Cauthon. Das würde mich zuviel kosten. Die Königin wartet, mein Lord. Ihr seid ein sehr tapferer Mann«, fügte sie hinzu, wandte sich um und sagte dann leise noch etwas; »Oder ein sehr großer Narr.« Er bezweifelte, daß er letzteres hatte hören sollen.

Er hatte die Wahl zwischen der Möglichkeit, die Königin aufzusuchen, oder Meilen von Gängen zu durchwandern, bis er auf jemanden stieße, der ihm sagen würde, was er wissen wollte. Er ging zur Königin.

Tylin Quintara, durch die Gnade des Lichts Königin von Altara, Herrin der Vier Winde, Wächterin des Meers der Stürme, Hochsitz des Hauses Mitsobar, erwartete ihn in einem Raum mit gelben Wänden und einer hellblauen Decke, wo sie vor einem gewaltigen weißen Kamin mit einem maritim gestalteten Steinsturz stand. Er entschied, daß sie recht betrachtenswert war. Sie war nicht mehr jung - das glänzende schwarze Haar, das ihr über die Schultern fiel, wurde an den Schläfen bereits grau, und um ihre Augenwinkel bildeten sich netzartige Linien -, und sie war auch nicht im eigentlichen Sinne hübsch, obwohl die beiden dünnen Narben an ihren Wangen mit dem Alter fast verschwunden waren. Ansehnlich traf es eher. Aber sie war ... eindrucksvoll. Große dunkle Augen betrachteten ihn würdevoll, die Augen eines Adlers. Sie hatte nur wenig reale Macht - man konnte innerhalb von zwei bis drei Tagen aus ihrem Einfluß-bereich herausreiten und hätte noch immer einen großen Teil Altaras vor sich -, aber er vermutete, daß sie sogar eine Aes Sedai zurückweichen lassen könnte. Wie Isebele von Dal Calain, welche die Amyrlin Anghara zu sich befohlen hatte. Das war eine der alten Erinnerungen. Dal Calain war in den Trolloc-Kriegen verschwunden.

»Majestät«, sagte er, schwang seinen Hut in weitem Bogen und bauschte einen imaginären Umhang, »ich folge Eurem Ruf.« Ob eindrucksvoll oder nicht - es fiel ihm nicht leicht, den Blick von dem üppigen, spitzenverzierten Oval abzuwenden, in das ihr in einer weißen Scheide steckender Hochzeitsdolch herabhing. Es war in der Tat eine sehr hübsch gerundete Ansicht, aber je mehr Busen eine Frau zeigte, desto weniger wollte sie ihn betrachtet wissen. Zumindest nicht offen. Eine weiße Scheide ... aber er wußte bereits, daß sie Witwe war. Nicht, daß es von Bedeutung gewesen wäre. Er würde sich mit einer Königin ungefähr genauso bereitwillig einlassen wie mit der fuchsgesichtigen Schattenfreundin. Es war schwer, gar nicht hinzusehen, aber es gelang ihm. Höchstwahrscheinlich würde sie eher Wächter rufen als den mit Edelsteinen versehenen Dolch ziehen, der hinter einem zu der Halskette mit dem Hochzeitsdolch passenden Gürtel aus geflochtenem Gold steckte. Vielleicht rollten deshalb die Würfel in seinem Kopf noch immer. Die Möglichkeit einer Begegnung mit dem Scharfrichter würde sie am ehesten in Bewegung versetzen.

Schichten von Seide kräuselten sich weiß und gelb, als sie den Raum durchquerte und langsam zu ihm herankam. »Ihr sprecht die Alte Sprache«, stellte sie fest, als sie erneut vor ihm stehenblieb. Ihre Stimme war dunkel und melodiös. Die Königin glitt ohne auf eine Antwort zu warten, zu einem Sessel und setzte sich hin, während sie ihre grünen Röcke richtete. Eine unbewußte Geste. Ihr Blick blieb auf ihn geheftet. Er hatte das Gefühl, daß ihn dieser Blick durchdrang. »Ihr wollt eine Nachricht hinterlassen. Ich habe alles Notwendige hier.« Der Spitzenbesatz an ihrem Handgelenk schwang, als sie auf einen kleinen Schreibtisch unter einem goldgerahmten Spiegel deutete. Alle Möbel waren vergoldet und mit floralen Ornamenten verziert.

Hohe dreigeteilte Bogenfenster führten auf einen schmiedeeisernen Balkon und ließen eine Meeresbrise herein, die überraschend wohltuend wirkte, wenn auch nicht wirklich kühl, und doch fühlte sich Mat erhitzter als auf der Straße, und es hatte nichts mit ihrem Blick zu tun. Deyeniye, dyu ninte concion ca'lyet ye. Das hatte er gesagt. Die verdammte Alte Sprache strömte wieder aus seinem Mund, ohne daß er es merkte. Er dachte, er hätte dieses kleine Problem unter Kontrolle. Er wußte nicht, wann diese verdammten Würfel zum Stillstand kommen würden und warum. Er sollte sich besser auf sich besinnen und so weit wie möglich den Mund halten. »Ich danke Euch, Majestät.« Er sprach diese Worte sehr bewußt aus.

Dicke Blätter hellen Papiers warteten bereits auf einem schrägen Tisch mit bequemer Schreibhöhe. Er lehnte seinen Hut gegen das Tischbein. Er konnte sie im Spiegel sehen. Sie beobachtete ihn. Warum hatte er seine Zunge nicht im Zaum gehalten? Er tauchte eine goldene Feder ein - womit sonst würde eine Königin schreiben? - und formulierte, was er zu Papier bringen wollte, zunächst in Gedanken, bevor er sich mit einem um das Blatt gelegten Arm darüberbeugte. Seine Hand bewegte sich unbeholfen. Er schrieb nicht gern.

Ich bin einer Schattenfreundin bis zu einem Palast gefolgt, den Jaichim Carridin gepachtet hat. Sie hat mich einmal zu töten versucht, und vielleicht auch 'Rand. Sie wurde wie eine alte Freundin des Hauses begrüßt.

Er betrachtete die Zeilen einen Moment und kaute auf dem Ende der Feder, bevor er erkannte, daß er das weiche Gold einkerbte. Vielleicht würde Tylin es nicht bemerken. Sie mußten von Carridin erfahren. Was noch? Er fügte schließlich einige sachlich formulierte Zeilen hinzu. Er wollte sie nicht verärgern.

Seid vernünftig. Wenn Ihr hier herumlungern müßt, laßt mich Euch wenigstens einige Männer schicken, die verhindern können, daß man Euch die Köpfe einschlägt. Wäre es übrigens nicht an der Zeit, daß ich Euch zu Egwene zurückbringe? Hier gibt es nur Hitze und Fliegen, und davon können wir auch in Caemlyn genug finden.

So. Freundlicher hätte er es nicht ausdrücken können.

Er löschte die Seite sorgfältig mit Streusand ab und faltete sie viermal. Sand in einer kleinen goldenen Schale bedeckte ein Stück Kohle. Er blies darauf, bis sie glühte, benutzte sie dann zum Entzünden einer Kerze und nahm ein Stück rotes Wachs auf. Als das Siegelwachs auf das Papier tropfte, fiel ihm plötzlich ein, daß er einen Siegelring in der Tasche trug. Nur ein Probestück des Ringmachers, der sein Können zeigen wollte, aber besser als ein ungesiegelter Klumpen Wachs. Der Ring war ein wenig breiter als der sich bereits erhärtende Wachsfleck, aber der größte Teil des Motivs war dennoch zu sehen.

Er konnte zum ersten Mal genau betrachten, was er gekauft hatte. In einer Umgrenzung großer Halbmonde schreckte ein Fuchs im Lauf anscheinend zwei Vögel auf. Das ließ ihn grinsen. Zu schade, daß es keine Hand für die Bande war, aber es paßte ausreichend. Er mußte gewiß schlau wie ein Fuchs sein, um mit Nynaeve und Elayne mitzuhalten, und wenn sie nicht regelrecht leichtsinnig waren, nun... Außerdem hatte er durch das Medaillon Gefallen an Füchsen gefunden. Er kritzelte Nynaeves Namen außen auf das Blatt, und dann, als nachträgliche Überlegung, auch Elaynes. Die eine oder die andere sollte die Nachricht bald lesen.

Er wandte sich mit dem versiegelten Brief in Händen um und zuckte zusammen, als seine Knöchel Tylins Busen streiften. Er taumelte gegen den Schreibtisch zurück, sah sie an und versuchte, nicht rot zu werden. Er blickte ihr ins Gesicht, nur ins Gesicht. Er hatte sie nicht herankommen hören. Er sollte die Berührung am besten einfach ignorieren, um sie nicht auch noch in Verlegenheit zu bringen. Sie hielt ihn jetzt wahrscheinlich für einen ungeschickten Flegel. »Es steht etwas in diesem Briet das Ihr wissen solltet, Majestät.« Es war zu wenig Raum zwischen ihnen, um den Brief hochzuheben. »Jaichim Carridin nimmt Schattenfreunde auf, und ich meine damit nicht, daß er sie einsperrt.«