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»Alles ändert sich.« Janwins Stimme klang noch sanfter als gewöhnlich. Er glaubte es, aber er wollte es nicht glauben. Weise Frauen, die sich an einer Schlacht beteiligten, verletzten einen Brauch, der so alt war wie die Aiel.

Mandelain stellte seinen Becher behutsam ab. »Corehuin möchte Jair erneut sehen, bevor die Träume enden, und ich ebenfalls.« Er hatte, wie Bael und Rhuarc, zwei Frauen. Die anderen Häuptlinge hatten jeder nur eine - außer Timolan -, aber ein verwitweter Häuptling blieb selten Witwer. Die Weisen Frauen sorgten dafür, wenn er es nicht selbst tat. »Wird irgend jemand von uns die Sonne im Dreifaltigen Land noch einmal aufgehen sehen?«

»Das hoffe ich«, sagte Rand langsam. Er soll die Leben der Menschen aufbrechen, wie der Pflug die Erde aufbricht, und alles, was gewesen ist, soll von der Glut seiner Augen vereinnahmt werden. Die Kriegsposaunen sollen ihm nachklingen, die Raben sollen sich an seiner Stimme nähren, und er soll eine Krone aus Schwertern tragen. Die Prophezeiungen des Drachen ließen wenig Hoffnung auf etwas anderes als den Sieg über den Dunklen König. Die Prophezeiung von Rhuidean, die Aiel-Prophezeiung, besagte, daß er sie vernichten würde. Wegen ihm vereinnahmte die Öde die Clans, und uralte Bräuche wurden zerstört. Selbst ohne die Aes Sedai war es kein Wunder, wenn die Häuptlinge darüber nachdachten, ob es richtig war, Rand al'Thor zu folgen, ob er Drachen auf den Armen aufwies oder nicht. »Ich hoffe es.«

»Möget Ihr stets Wasser und Schatten finden, Rand al'Thor«, sagte Indirian.

Nachdem sie gegangen waren, saß Rand stirnrunzelnd in seinen Becher blickend da, fand aber in dem dunklen Tee keine Antworten. Schließlich stellte er ihn neben das Tablett und zog seine Ärmel herunter. Meranas Blick ruhte angespannt auf ihm, als wollte sie ihm seine Gedanken entziehen. Sie schien ebenfalls Ungeduld auszustrahlen. Er hatte ihr gesagt, sie solle in der Ecke bleiben, solange sie keine Stimmen hören konnte. Merana aber sah zweifellos keinen Grund, warum sie nicht hervorkommen sollte, da die Clanhäuptlinge gegangen waren. Hervorkommen und herausfinden sollte, was gesagt worden war.

»Denkt Ihr, sie glauben, daß ich an den Fäden der Aes Sedai tanze?« fragte er.

Der junge Narishma zuckte zusammen. Er war in Wahrheit kaum alter als Rand, aber er hatte den Blick eines fünf oder sechs Jahre jüngeren Mannes. Er sah Merana an, als wüßte sie die Antwort, und bewegte unbehaglich die Schultern. »Ich ... weiß es nicht, mein Lord Drache.«

Dashiva blinzelte und hörte auf, vor sich hin zu murmeln. Er neigte den Kopf wie ein Vogel und sah Rand von der Seite an. »Ist es wichtig, solange sie gehorchen?«

»Es ist wichtig«, sagte Rand. Dashiva zuckte die Achseln, und Narishma runzelte nachdenklich die Stirn. Sie schienen beide nicht zu verstehen, aber vielleicht könnte man Narishma darauf hinführen.

Hinter dem Podest des Throns übersäten Landkarten den Steinboden, zusammengerollt oder gefaltet oder ausgebreitet, wo Rand sie liegengelassen hatte. Er verschob einige mit seiner Stiefel spitze. Er mußte sich um so vieles gleichzeitig kümmern. Um das nördliche Cairhien und die Brudermörders Dolch genannten Berge, sowie die Region rund um die Stadt. Um Illian und die Ebenen von Maredo bis zu Far Madding. Um die Insel Tar Valon und alle umgebenden Städte und Dörfer. Um Ghealdan und einen Teil von Amadicia. In seinem Kopf war Bewegung und Farbe. Lews Therin stöhnte und lachte in der Ferne, schwaches, wahnsinniges Gemurmel darüber, die Asha'man zu töten, die Verlorenen zu töten. Ihn selbst zu töten. Alanna hörte auf zu weinen, schneidende Qual - unter einer dünnen Schicht Zorn gebändigt. Rand fuhr sich mit den Händen durchs Haar und drückte sie dann fest gegen die Schläfen. Wie war es gewesen, als er noch allein in seinem Schädel war? Er konnte sich nicht mehr erinnern.

Eine der großen Türen öffnete sich, und eine der Töchter des Speers, die im Gang Wache standen, kam herein. Riallin, mit lebhaft rotblondem Haar und unentwegt grinsend, wirkte in der Tat rundlich -jedenfalls für eine Tochter des Speers. »Berelain sur Paendrag und Annoura Larisen möchten den Car'acarn sehen«, verkündete sie. Ihre Stimme klang beim ersten Namen warm und freundlich, aber beim zweiten Namen kalt und tonlos, ohne daß ihr Grinsen schwand.

Rand seufzte und öffnete den Mund, um sie herein zu beordern, aber Berelain wartete nicht. Sie stürmte herein, eine etwas ruhigere Annoura dichtauf. Die Aes Sedai scheute beim Anblick Dashivas und Narishmas leicht zurück und musterte neugierig Merana in ihrer Ecke. Nicht so Berelain.

»Was hat das zu bedeuten, mein Lord Drache?« forderte sie zu wissen und schwang den Brief, den er ihram Morgen hatte zukommen lassen. Sie schritt heran und hielt ihm den Brief unter die Nase. »Warum soll ich nach Mayene zurückkehren? Ich habe hier in Eurem Namen gut regiert, und das wißt Ihr. Ich konnte es nicht verhindern, daß Colavaere sich selbst krönen ließ, aber zumindest habe ich sie daran gehindert, die von Euch erlassenen Gesetze zu ändern. Warum soll ich fortgeschickt werden? Und warum erfahre ich das brieflich? Nicht von Angesicht zu Angesicht? Man dankt mir brieflich für meine Dienste und entläßt mich wie einen Schreiber, der die Steuern eingetrieben hat.«

Selbst wenn sie zornig war, war die Erste von Mayene eine der allerschönsten Frauen, die Rand je gesehen hatte. Schwarzes Haar fiel in glänzenden Wellen bis auf ihre Schultern und umrahmte ein Gesicht, das den Blick eines jeden Mannes auf sich zog. Ein Mann konnte in ihren dunklen Augen leicht ertrinken. Heute trug sie glänzende silberne Seide, dünn und anschmiegsam und eher geeignet, einen Liebhaber privat zu unterhalten. Tatsächlich hätte sie das Gewand nicht in der Öffentlichkeit tragen können, wenn der Ausschnitt auch nur noch einen Hauch tiefer gewesen wäre. Er war sich bei dem Anblick nicht sicher, daß sie es tun sollte. Als er den Brief schrieb, hatte er sich gesagt, er wähle diesen Weg, weil er zuviel zu tun und keine Zeit hatte, mit ihr zu streiten. Die Wahrheit war aber, daß er sie zu gern ansah. Aus irgendeinem Grund hatte er begonnen, etwas zu empfinden, was nicht direkt falsch, aber doch fast falsch war.

Sobald sie auftauchte, begann Lews Therin leise zu summen, wie er es tat, wenn er eine Frau bewunderte. Rand merkte plötzlich, daß er sein Ohrläppchen rieb und erschrak. Er wußte instinktiv, daß das noch etwas war, was Lews Therin ohne nachzudenken tat, wie auch das Summen. Er senkte seine Hand, die einen Moment erneut zum Ohr drängte.

Verdammt, dies ist mein Körper! dachte er zähnefletschend. Meiner! Lews Therin hörte überrascht und verwirrt auf zu summen. Der tote Mann floh lautlos in die tiefsten Schatten von Rands Geist zurück.

Rands Schweigen zeitigte eine Wirkung. Berelain senkte den Brief, und ihr Zorn wich ein wenig. Den Blick in seinen versenkt, atmete sie tief ein, und ihre Wangen röteten sich. »Mein Lord Drache...«

»Ihr wißt warum«, unterbrach er sie. Es war nicht leicht ihr nur in die Augen zu sehen. Seltsamerweise wünschte er sich, Min wäre hier. Sehr seltsam. Ihre Visionen würden jetzt nichts nützen. »Als ihr heute morgen von diesem Meervolk-Schiff zurückkehrtet, wartete auf dem Dock ein Bursche mit einem Dolch.«

Berelain warf verächtlich den Kopf in den Nacken. »Er kam nicht näher als bis auf drei Schritte an mich heran. Ich hatte ein Dutzend Beflügelte Wächter und Lordhauptmann Gallenne bei mir.« Nurelle war mit einigen der Beflügelten Wächter bei den Quellen von Dumai erschienen, aber Gallenne führte den Oberbefehl. Sie hatte achthundert von ihnen in der Stadt, zusätzlich zu denjenigen, die mit Nurelle zurückgekehrt waren. »Ihr erwartet von mir, daß ich wegen eines Taschendiebs davonlaufe?«