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Der Beobachter lächelte hinter seiner FächerstoffMaske verzerrt. Nae'blis. Das erklärte, was Graendal gefügig gemacht hatte, was sie davon abhielt, Sammael zu töten. Selbst sie wurde davon verblendet. Es war jedoch für Sammael ein noch größeres Wagnis, als zu behaupten, einen Waffenstillstand mit al'Thor geschlossen zu haben. Es sei denn natürlich, es entspräche der Wahrheit. Der Große Herr genoß es, seine Diener gegeneinander aufzubringen, um zu sehen, wer stärker war. Nur die Stärksten durften sich in seinem Ruhm sonnen. Aber die Wahrheit von heute mußte nicht die Wahrheit von morgen sein. Der Beobachter hatte die Wahrheit sich zwischen einem Sonnenaufgang und einem Sonnenuntergang hundert Mal verändern sehen. Mehr als einmal hatte er sie selbst verändert. Er erwog, zurückzugehen und die sieben Frauen auf der Lichtung zu töten. Sie würden rasch sterben. Er bezweifelte, daß sie wußten, wie sie einen wahren Kreis bilden müßten. Die schwarzen Flecken erfüllten seine Sicht, ein waagerechter Blizzard. Nein, er würde den Dingen ihren Lauf lassen. Im Moment.

In seinen Öhren klang es, als schreie die Welt, als er die Wahre Macht gebrauchte, um eine kleine Öffnung zu schaffen und das Muster zu verlassen. Sammael erkannte nicht, wie wahr er gesprochen hatte. Kleine Steigerungen in der allgemeinen Verwirrung waren ganz genauso wichtig wie große.

21

Eine swovanische Nacht

Die Nacht senkte sich langsam über Ebou Dar, aber das Schimmern der weißen Gebäude widerstand der Dunkelheit. Kleine Gruppen von Nachtschwärmern der swovanischen Nacht mit Zweigen Immergrün im Haar tanzten unter einem Dreiviertelmond auf den Straßen, wobei nur wenige eine Laterne trugen, während sie zur Musik der Flöten und Trommeln und Hörner umhersprangen, die aus Gasthäusern und Palästen drang, aber überwiegend lagen die Straßen verlassen da. In der Ferne bellte ein Hund, und ein anderer in der Nähe antwortete wütend, bis er plötzlich aufjaulte und dann schwieg.

Mat schlich auf Zehenspitzen und lauschte, während sein Blick die Mondschatten absuchte. Nur eine die Straße entlang huschende Katze regte sich. Das Tappen laufender bloßer Füße verklang. Der Besitzer des einen Paars sollte stolpern und der des anderen bluten. Als Mat sich bückte, stieß sein Fuß gegen einen auf dem Pflaster liegenden Knüppel, der so lang war wie sein Arm. Schwere Messingbeschläge glänzten im Mondlicht. Damit hätte man ihm gewiß den Schädel spalten können. Er schüttelte den Kopf und wischte seinen Dolch an dem zerschlissenen Umhang des Mannes zu seinen Füßen ab. Geöffnete Augen starrten aus einem schmutzigen, faltigen Gesicht in den Nachthimmel. Ein Bettler, so wie er aussah und roch. Mat hatte noch nie davon gehört, daß ein Bettler jemanden angegriffen hätte, aber vielleicht waren die Zeiten härter, als er gedacht hatte. Ein großer Jutesack lag neben der ausgestreckten Hand. Der Bursche hatte wohl gehofft, er würde Reichtümer in Mats Taschen finden. Der Sack hätte ihn vom Kopf bis zu den Knien bedecken können.

Nördlich über der Stadt flammte plötzlich mit hohlem Donnern Licht am Himmel auf, während sich funkelnde Streifen Grün zu einer Kugel ausdehnten, und dann ließ ein weiterer Ausbruch rote Funken durch das Grün rieseln, gefolgt von blauen und gelben Funken. Die Nachtblumen der Feuerwerker, nicht so großartig, wie sie in einer mondlosen Nacht mit einem Wolkenhimmel gewesen wären, aber sie nahmen ihm dennoch den Atem. Er konnte stundenlang Feuerwerke betrachten. Nalesean hatte von einem Feuerwerker gesprochen - Licht, war das erst heute morgen gewesen? -, aber keine neuen Nachtblumen erstrahlten. Wenn Feuerwerker den Himmel erblühen ließen, wie sie es nannten, pflanzten sie mehr als nur vier Blumen. Also hatte eindeutig ein Reicher für die swovanische Nacht eingekauft. Mat wünschte, er wüßte, bei wem. Ein Feuerwerker, der Nachtblumen verkaufte, würde auch noch anderes verkaufen.

Er ließ den Dolch wieder in seinen Ärmel gleiten, las seinen Hut vom Pflaster auf und ging eilig davon, wobei seine Stiefel widerhallten, ein Geräusch, das so einsam klang, wie die Straßen verlassen waren. Durch die meisten geschlossenen Fensterläden drang kein Lichtschimmer. Wahrscheinlich konnte man in der Stadt keinen besseren Ort für einen Mord finden. Die gesamte Begegnung mit den drei Bettlern hatte nur eine oder zwei Minuten gedauert und war von niemandem bemerkt worden. In dieser Stadt konnte man drei oder vier Auseinandersetzungen am Tag erleben, wenn man nicht vorsichtig war, aber die Möglichkeit, zwei Räuberbanden an einem Tag zu begegnen, schien genauso groß wie die Möglichkeit, daß die Bürgerwehr eine Bestechung abwies. Was geschah mit seinem Glück? Wenn nur diese verdammten Würfel in seinem Kopf aufhören würden umherzurollen. Er lief nicht, aber er trödelte auch nicht, eine Hand an einem Heft unter seinem Umhang und ein Auge aufmerksam auf Bewegungen in den Schatten gerichtet. Er sah jedoch nichts außer einigen Nachtschwärmern, welche die Straße entlang torkelten.

Im Schankraum der Wanderin waren die Tische bis auf einige wenige an den Wänden fortgeräumt worden. Die Flötenspieler und Trommler musizierten für vier lachende Reihen Menschen, die ein Mittelding zwischen einer Quadrille und einer Gigue tanzten. Mat beobachtete sie und machte einen Schritt nach. Fremde Händler in edlem Tuch sprangen mit Einheimischen in bestickten Seiden westen oder jenen nutzlosen, über die Schultern geschlungenen Umhängen umher. Er merkte sich zwei der Händler aufgrund der Art vor, wie sie sich bewegten, von denen nur einer schlank war, die sich aber beide mit leichter Anmut bewegten, und mehrere einheimische Frauen, die ihre beste Kleidung trugen, deren tiefe Ausschnitte von ein wenig Spitze oder viel Stickerei gesäumt waren, die aber nicht aus Seide bestand. Natürlich hätte er nichts dagegen gehabt, mit einer in Seide gehüllten Frau zu tanzen - er hatte niemals einen Tanz mit einer Frau irgendeines Alters oder Status abgelehnt -, aber die Reichen hielten sich heute nacht in den Palästen oder den Heimen der wohlhabenderen Händler und Geldverleiher auf. Die Menschen, die dort an den Wänden aufgereiht standen und für den nächsten Tanz Atem schöpften, tranken aus Bechern oder schnappten sich frische Becher von Tabletts, die von Schankmädchen eilig durch die Menge getragen wurden. Herrin Anan würde heute abend wahrscheinlich genauso viel Wein verkaufen wie sonst in einer ganzen Woche. Und auch Bier. Die Einheimischen hatten offensichtlich keinen guten Geschmack.

Mat versuchte einen weiteren Tanzschritt und hielt dann Caira auf, als sie mit einem Tablett vorübereilen wollte. Er bemühte sich, die Musik mit seiner Stimme zu übertönen, um einiges zu fragen und sein Essen zu bestellen, Edelfisch, ein Gericht mit scharfem Beigeschmack, das Herrin Anans Köchin perfekt zubereitete. Ein Mann brauchte seine Kraft, um beim Tanzen mithalten zu können.

Caira warf einem Burschen in einer gelben Weste, der sich einen Becher von ihrem Tablett schnappte und die Münzen dafür darauf fallen ließ, ein vielsagendes Lächeln zu, hatte aber dieses Mal kein Lächeln für Mat übrig. Tatsächlich preßte sie den Mund zu einer schmalen Linie zusammen, was keine geringe Leistung war. »Ich bin also Euer kleines Häschen?« Sie fuhr mit vielsagendem Naserümpfen fort. »Der Junge ist im Bett, wo er hingehört, und ich weiß nicht, wo Lord Nalesean ist, oder Harnan, oder Meister Vanin oder sonst jemand. Und die Köchin sagte, sie würde nur Suppe und Brot für jene vorbereiten, die ihre Zungen in Wein ertränken. Aber warum mein Lord Edelfisch will, wenn eine edle Frau in seinem Zimmer wartet, verstehe ich wirklich nicht. Wenn Ihr mich entschuldigen wollt - manche Leute müssen für ihren Unterhalt arbeiten.« Sie fegte davon, bot ihr Tablett dar und lächelte jeden Mann in Sichtweite breit an.