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»Es tut mir leid, Eid...« Die Cairhienerin senkte errötend den Blick. Die Saldaeanerin machte sich intensiv an einer Anstecknadel mit einem Kreis roter Steine an ihrer Brust zu schaffen.

Nynaeve sah Elayne triumphierend an. Beide Neuankömmlinge konnten die Macht lenken, und irgendwo im Haus wurde immer noch Saidar gelenkt. Zwei weitere, und während Berowin nicht sehr stark war, stand Garenia sogar noch über Reanne. Sie konnte es mit Lelaine oder Romanda aufnehmen. Natürlich war das nicht wichtig, und doch ergab das bereits fünf. Elayne reckte eigensinnig das Kinn, aber dann seufzte sie und nickte kurz. Manchmal war es unglaublich mühsam, sie von etwas zu überzeugen.

»Euer Name ist Garenia?« fragte Herrin Anan zögernd, während sie die fragliche Frau stirnrunzelnd ansah. »Ihr seht einer Frau sehr ähnlich, die ich einst getroffen habe. Zarya Alkaese.«

Dunkle, schräg stehende Augen blinzelten überrascht. Die saldaeanische Kauffrau zog ein Taschentuch aus ihrem Ärmel und tupfte damit ihre Wangen ab. »Das ist der Name der Schwester meiner Großmutter«, sagte sie kurz darauf. ›»Man hat mir gesagt, ich ähnele ihr sehr. Ging es ihr gut, als Ihr sie saht? Sie hat ihre Familie vollkommen vergessen, nachdem sie fortging, um eine Aes Sedai zu werden.«

»Die Schwester Eurer Großmutter.« Die Wirtin lachte leise. »Natürlich. Es ging ihr gut, als ich sie sah, aber das war vor langer Zeit. Ich war damals noch jünger, als Ihr es jetzt seid.«

Reanne war an ihrer Seite geblieben und schaltete sich jetzt ein. »Setalle, es tut mir sehr leid, aber ich muß Euch bitten, uns zu entschuldigen. Ihr verzeiht, wenn ich Euch nicht hinausführe?«

Herrin Anan äußerte ebenfalls Entschuldigungen, als sei es ihr Fehler, daß die andere Frau sie nicht hinuntergeleiten konnte, und ging mit einem letzten, sehr skeptischen Blick auf Nynaeve und Elayne davon.

»Setalle!« rief Garenia aus, sobald die Gastwirtin gegangen war. »Das war Setalle Anan? Wie hat sie...? Licht des Himmels! Die Burg würde selbst nach siebzig Jahren...«

»Garenia!« ermahnte sie Herrin Corly äußerst streng. Ihr Blick war sogar noch strenger, und das Gesicht der Saldaeanerin rötete sich. »Da Ihr beide hier seid, können wir die Dreierbefragung durchführen. Ihr Mädchen bleibt, wo Ihr seid, und verhaltet Euch still.« Letzteres war an Nynaeve und Elayne gerichtet. Die anderen Frauen zogen sich in eine Ecke zurück und berieten sich leise.

Elayne rückte näher zu Nynaeve. »Ich mochte es schon nicht, wie eine Novizin behandelt zu werden, als ich noch eine Novizin war. Wie lange beabsichtigst du diese Farce noch zu spielen?«

Nynaeve zischte ihr zu, sie solle still sein. »Ich versuche zuzuhören, Elayne«, flüsterte sie.

Es stand natürlich außer Frage, die Macht zu benutzen. Die drei hätten es sofort bemerkt. Glücklicherweise woben sie keine Schilde, weil sie vielleicht nicht wußten wie, und manchmal hoben sie ihre Stimmen gerade ausreichend an, daß man etwas verstehen konnte.

»...sagte, sie könnten Wilde sein«, bemerkte Reanne, und Entsetzen und Abscheu spiegelte sich auf den Gesichtern der anderen Frauen.

»Dann weisen wir ihnen die Tür«, sagte Berowin. »Die Hintertür. Wilde!«

»Ich möchte wissen, wer diese Setalle Anan ist«, wandte Garenia ein.

»Wenn Ihr Eure Gedanken nicht auf das Wesentliche konzentrieren könnt«, belehrte Reanne sie, »solltet Ihr diesen Turnus vielleicht auf der Farm verbringen. Alise kann einen Geist wundervoll konzentrieren. Nun...« Die Worte waren nur noch ein Summen.

Eine weitere Dienerin erschien, eine schlanke Frau, die bis auf ihre mürrische Miene hübsch war, in einem Gewand aus grobem grauen Tuch und einer langen weißen Schürze. Sie stellte ein grün lackiertes Tablett auf einen der kleinen Tische, wischte sich mit einer Ecke ihrer Schürze verstohlen die Wangen ab und machte sich dann mit blau glasierten Bechern und einer dazu passenden Teekanne zu schaffen. Nynaeve wölbte die Augenbrauen. Diese Frau konnte ebenfalls die Macht lenken, wenn auch nicht sehr stark. Warum war sie eine Dienerin?

Garenia schaute über ihre Schulter und zuckte zusammen. »Was hat Derys getan, um Strafe zu verdienen? Ich dachte, der Tag würde niemals kommen, an dem sie eine Regel verletzen, geschweige denn sie brechen würde.«

Berowin schnaubte laut, aber ihre Antwort war kaum hörbar. »Sie wollte heiraten. Sie wird einen Turnus so weitermachen und am Tag nach dem Halbmondfest mit Keraille gehen. Damit wird sich Meister Denal abfinden müssen.«

»Vielleicht wollt Ihr beide die Felder für Alise hacken?« Reannes Stimme klang trocken, und die beiden Frauen verstummten.

Nynaeve empfand Frohlocken. Regeln kümmerten sie nicht sehr, zumindest nicht die Regeln anderer -andere Menschen sahen die Situationen selten so klar wie sie und stellten daher törichte Regeln auf. Warum sollte diese Frau, Derys, beispielsweise nicht heiraten, wenn sie wollte? Regeln und Strafen wiesen jedoch auf eine Gesellschaft hin. Sie hatte recht. Und noch etwas. Sie stieß Elayne an, bis diese den Kopf senkte.

»Berowin trägt einen roten Gürtel«, flüsterte sie. Das deutete auf eine Weise Frau hin, eine von Ebou Dars berühmten Heilerinnen, deren Betreuung als das Nächstbeste nach der Heilung durch Aes Sedai galt, die fast alles kurierten. Dies geschah vermutlich mit Kräutern und Wissen, aber... »Wie vielen Weisen Frauen sind wir begegnet, Elayne? Wie viele konnten die Macht lenken? Wie viele waren Ebou Dari oder auch Altarenerinnen?«

»Sieben, wenn man Berowin dazu zählt«, antwortete sie zögernd, »und nur bei einer war ich sicher, daß sie von hier stammte.« Hah! Bei den übrigen hatte das eindeutig nicht gegolten. Elayne atmete tief durch, fuhr aber dennoch leise fort. »Keine besaß jedoch auch nur annähernd die Stärke dieser Frau.« Zumindest hatte sie nicht angedeutet, daß sie sich irgendwie geirrt hätten. Alle diese Weisen Frauen hatten die Fähigkeit besessen. »Nynaeve, willst du wirklich behaupten, daß die Weisen Frauen ... alle Weisen Frauen...? Das wäre mehr als unglaublich.«

»Elayne, diese Stadt besitzt eine Gilde der Männer, die jede Nacht die Plätze kehren! Ich glaube, wir haben gerade die sagenumwobene Alte Schwesternschaft der Weisen Frauen gefunden.«

Die eigensinnige Frau schüttelte den Kopf. »Die Burg hätte schon vor Jahren hundert Schwestern hergeschickt, Nynaeve. Zweihundert. Alles dergleichen wäre sofort zerschlagen worden.«

»Vielleicht weiß die Burg nichts davon«, wandte Nynaeve ein. »Vielleicht hält sich die Gilde ausreichend bedeckt, daß die Burg niemals glaubte, sie wären der Besorgnis wert. Es gibt kein Gesetz gegen das Lenken der Macht, wenn man keine Aes Sedai ist, nur gegen die Behauptung, eine Aes Sedai zu sein, und gegen den Mißbrauch der Macht. Oder dagegen, sie in Mißkredit zu bringen.« Das bedeutete, nichts zu tun, was möglicherweise ein schlechtes Licht auf wahre Aes Sedai werfen könnte, wenn jemand zufällig glaubte, man sei eine Aes Sedai, was ihrer Meinung nach schon recht weit ging. Das wahre Problem war jedoch, daß sie es nicht glaubte. Die Burg wußte offenbar alles, und sie würden wahrscheinlich selbst einen Handarbeitskreis sprengen, wenn die ihn bildenden Frauen die. Macht lenken konnten. Und dennoch mußte es eine Erklärung geben für...

Sie nahm nur halbwegs wahr, daß die Wahre Quelle umarmt wurde, aber plötzlich wurde sie sich dessen sehr bewußt. Ihr Kinn sank herab, als ein Strang Luft ihren Zopf direkt am Schädel packte und sie auf den Zehen durch den Raum zu laufen zwang. Elayne lief genau neben ihr, das Gesicht zorngerötet. Das schlimmste daran war, daß sie beide abgeschirmt waren.

Der kurze Lauf endete, als sie sich vor Herrin Corly und den beiden anderen, die alle drei in roten Stühlen an der Wand saßen und vom Schimmern Saidars umgeben waren, wieder auf die Fußsohlen niederlassen durften.